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Enden von Geschichten

Roland Fischer am Freitag den 18. September 2015

Nichts Neues. Ein schöner Ausstellungstitel. Man diagnostiziert bei der Kunst ja allerdings nicht selten ein OCD (obsessive compulsive disorder) hin zum Neuen, auch wenn sich alle einig sind, dass alles Neue hundert Jahre nach Beginn des grossen Regelbrechens immer schon alt sein muss. Die Weltkarte ist bis in den letzten Winkel bereist, die Claims sind abgesteckt. Aber das ist ein anderes Thema.

Für die drei Auftakt-Ausstellungen holt die neue Stadtgalerie-Chefin Ba Berger die weite Welt (Zürich, Antwerpern, Berlin) nach Bern – ein durchaus couragiertes Statement: die kleine Kunststadt braucht sich neben den grossen Namen nicht zu verstecken, hier wird ein Dialog angestrebt, nicht einfach ein Schaufenster ausstaffiert. Gestern war Vernissage der (minderwertigkeits)komplexesten Paarung: Michael Günzburger (der nicht geblieben ist) holt Zürcher Kunst nach Bern. Und es ist ein wunderbares Mosaik, das er da versammelt: verschiedene Arbeitsweisen, verschiedene Kunstverständnisse, verschiedene Tonlagen, ganz als würde Günzburger uns sagen wollen: Zürcher Kunst? Gibt es nicht. Sollte man sich anschauen, allein Andreas Züsts (ist der Name eigentlich auch in Bern ein Begriff?) Fotowand lohnt den Besuch.

dreck

Günzburger selber hat gestern zusammen mit Simone Aughterlony für einen beeindruckenden Auftakt gesorgt, mit einer etwas gar polemisch mit «Dreck» betitelten Performance. Auch da: nichts Neues, aber das Alte auf sehr eindringliche Weise neu gemacht. Yves Klein, Hermann Nitsch, nackte Haut, Blut, Fett und Feuer – es gab Zitate zuhauf, aber es gab auch vielerlei Bezüge zu Günzburgers zeichnerischer Arbeit, es war ein sehr freies und entspanntes Hantieren mit Referenzen. Hat eigentlich schon mal jemand das Ende der Kunstgeschichte ausgerufen?

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