Logo

Zukünfte: Mai 2026

Miko Hucko am Dienstag den 15. September 2015

Die Schlachtdampfhalle, unser grosses Flaggschiff in Avantgardekultur, erhält eine neue Leiterin: Zahira Yahya. Erst vor etwas mehr als zehn Jahren – mit der legendären Flüchtlingswelle von 2015 – ist die mittlerweile stadtbekannte Dramaturgin in Zentraleuropa angekommen. Damals noch als bildende Künstlerin: Ihre Liebe zum Theater hat die 35-Jährige erst hier in Bern entdeckt.

Studiert hat Yahya Fine Arts an der Universität Damaskus, der ältesten und grössten ihres Heimatlandes Syrien. Bei ihrer Ankunft war sie erstaunt, wie aufgeräumt und still es hier sei. Einzig die Reitschule habe sie davon abgehalten, von der damaligen Stadt zu glauben, sie sei tot. Yahya zwinkert – und ich verstehe das Dürrenmattzitat. “Mittlerweile sieht es zum Glück etwas anders aus hier. Und hört sich anders an.”

Das ist nicht zuletzt Yahya selbst zu verdanken, die vor allem ab 2020 als Teil des transdisziplinären, multikulturellen und aktivistisch gepolten Kollektivs mobAmoba die Stadt auf den Kopf stellte. Besonders geblieben ist mir die Aktion POLITIK JETZT, bei der mehrere Wochen lang immer wieder Teile des Kollektivs andere Veranstaltungen störten und gemeinsam mit den Schauspielenden, Tänzerinnen und Musikern, ja sogar bei Filmvorführungen zu Streiks aufriefen und so das Publikum in Gespräche zur aktuellen Neuropäischen Situation zwang.

Mit der Ernennung von Zahira Yahya setzt die Stadt Bern ein Zeichen – eines, das schon längst nötig gewesen wäre. Vielleicht sehen wir bald nicht mehr ein Haus unter einer Künstlerinnenhandschrift, sondern eigenständige Räume, Philosophien, Künste.

 

 

« Zur Übersicht

Kommentarfunktion geschlossen.