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Im Taxi durch Teheran – und andere iranische Dickichte

Roland Fischer am Mittwoch den 9. September 2015

Es gibt da so ein ungeschriebenes Gesetz bei Reportageschreibern: Fang die Geschichte nie mit dem Taxichauffeur an. Zu billig, kein nennenswerter Recherche-Aufwand – und Verlässlichkeit? Nun ja. Vielleicht kennt Jafar Panahi die Regel ja – und macht sich einen kleinen Spass daraus. Warum als Erzähler nicht gleich selber in die Rolle des Chauffeurs schlüpfen? Und nicht seine Geschichten zum besten geben, sondern die der Passagiere sammeln?

Was der Ai Weiwei des Kinos (halb Stolz, halb Stachel des Regimes) aus dieser Ausgangslage macht ist ein kleines cinematographisches Kabinettstück. Ein dramaturgischer Husarenritt, wie Panahi reichlich unsouverän durch die Grossstadt kurvt und wie der Regisseur dabei laufend Bekannte aufliest als wäre Teheran ein kleines Dorf. Das hat allerdings, merkt man bald, nichts mit Implausibilität zu tun sondern dient dem Ziel, die Anmassung des Dokumentarischen zu brechen: Hier wird erzählt, nicht einfach mitgeschnitten. Allerdings geschieht dieses Erzählen unter prekären Umständen, die diesen Umweg über das scheinbar harmlos Alltägliche nötig machen.

Das verhilft Taxi Teheran zu einer wunderbar fragilen Doppelbödigkeit: Ein Film über das Filmen (jede Linse kommt selbst immer wieder in den Fokus, und es sind einige davon: Handys, Fotokameras, Überwachungskameras), über das Erzählen und die seltsamen Regeln, die das Erzählen in seltsamen Ländern wie dem Iran gehorchen muss. Und viel simpler: ein Film über eine Grossstadt und eine Gesellschaft, die in dieser Stadt mal mit politischen, mal mit alltäglichen Sorgen zu kämpfen hat. Manchmal wird das zur Groteske, was aber nicht schlimm ist, weil der Regisseur nie das feine Lächeln in den Mundwinkeln verliert. Er zeigt uns eine durchaus ernste Realität, die aber immer wieder zum Lachen ist.

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