Logo

Dolfins, Toadstool, Lando

Miko Hucko am Samstag den 5. September 2015

Ein Sonnensystem, über dessen Lage wir nicht so viel wissen – aber das dem unseren ähnelt. Also dem unseren in Zukunft. Also, geographisch ist es ganz anders. Aber kulturell wirkt es wie eine leichte Verdrehung unserer Existenz. So als hätte jemensch all unsere Geschichte und Rituale genommen und einmal heftig durchgeschüttelt. Dieser jemensch heisst Leif Randt und ist der Autor von Planet Magnon.

Endlich wieder ein deutschsprachiger Science Fiction. Ein intelligenter Science Fiction, der gekonnt mit Haltungen, Erwartungen und Kenntnissen von Genrekennerinnen spielt und sprachlich auf einem ziemlich hohen Niveau ist. Mehr davon!

Zur Story: Wir folgen dem scheinbar hochtalentierten Dolfin-Spitzenfellow Marten aus seiner Ichperspektive auf seiner Reise durchs Sonnensystem – geprägt von Colabier, Exablütentee, Sauropoden, Kollektiven und ziemlich viel verschiedenen Drogen. Meisterhaft daran, wie die Bewusstseinszustände der Hauptfigur selten beschrieben werden, sondern sich in ihrem veränderten Verhalten zeigen. So dass ich als Leserin ab und zu dachte “Hä, warum sagt der jetzt so was?”.

Regiert wird das Sonnensystem von Actual Sanity, einer künstlichen Intelligenz, die darauf achtet, dass alles immer fair zu und her geht, keineR kommt einander in die Quere. Doch Widerstand regt sich in Form des Kollektivs der Gebrochenen Herzen:

Wir leben in einer fast perfekten Illusion. Man redet uns ein, dass es und gut geht. Man sagt, wir würden gesehen und dass jede unserer Handlungen relevant sei. Dass wir all einen Beitrag leisten können, ob alleine oder im Kollektiv. (…) Bis vor fünfzig Jahren haben sich die Menschen bekämpft, weil sie etwas erreichen wollten. Kompromisse waren notwendig. Und heute? Heute arbeitet jeder daran, sich möglichst schmerzfrei abzukapseln. Die Enttäuschung ist vorprogrammiert. Wir höhlen uns aus.

Und so nehmen die Dinge ihren Lauf, während ich als Leserin immer verunsichter werde über die Hauptfigur, ihre Handlungen, ihre Gedanken. Ziemlich raffiniert! Einzig gegen Ende bleibt mir ein bisschen zu viel im Mysterium. Aber vielleicht ist es eines dieser Bücher zum zwei Mal Lesen.

Leif Randt: Planet Magnon. Kiepenheuer und Witsch 2015

« Zur Übersicht

Kommentarfunktion geschlossen.