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Kutti ist tot – es lebe der König!

Christian Zellweger am Samstag den 4. Juli 2015

halter

Die Kunstfigur Kutti MC ist tot – jetzt gilt es die Kunstfigur Jürg Halter zu kultivieren. «Ich halte ihn objektiv für einen Knaller, ob er nun verstanden wird oder nicht», sagt Halter im Bund-Interview zum Text (hier als PDF), den er nach Klagenfurt ans Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis mitnahm.

Aber auch: «Meine Teilnahme ist eine Niederlage für die Gegenwartsliteratur.» oder «Ich spüre mein Herz schon lange nicht mehr schlagen. Ich bin voller Wut und Trauer.» und «In Bern? Da liebt man die Angepassten, die sich künstlerisch dem kleinen Mann anbiedern. Ich aber bin ein König ohne Reich. Ist Ihre Frage somit beantwortet?» Da ist er doch, der Kutti, in seinem übersteigerten Sendungs- und Selbstbewusstsein, seiner Selbstausgrenzung, jetzt ganz in der Haut seines Schöpfers Jürg Halter.

Und wie ist es unserem Abgesandten, der gar nicht unserer sein will, in Klagenfurt ergangen? Nicht so schlecht, darf man sagen. Zum Vortrag hiess es aus der Jury zwar «als hätte man Jean Ziegler zwei Schlaftabletten gegeben», aber erstens ist das nicht so falsch und zweitens gehören träfe Sprüche zum Business in Klagenfurt.

Halters Text handelt – nach Interpration der Jury – von einem, der nach einem Alptraum aufwacht und sich an den Computer setzt um einen Text zu schreiben, der angesichts der Menschheitsgeschichte und in einem kosmischen Massstab völlig unbedeutend ist. Von einem, dem durch das Schreiben bewusst wird, dass ihn seine Angst von den Maschinen unterscheidet, sie ihn zum Menschen macht. Und der durch seine Angst – paradoxerweise – beruhigt, zum Schlaf findet.

Halters Vortrag löste eine lebhafte Jury-Diskussion aus, Befürworter und Gegner hielten sich etwa die Wage. Fundamentale Ablehnung, einen wirklichen Veriss, gab es aber nicht zu hören. Prägnanteste Kritik an Halters Text? Ob all der grossen, globalen, gar universalen Themen gelinge es ihm nicht, das ganze auf eine persönliche Ebene zurückzuspiegeln. Andere wiederum fanden den Text hingegen sehr selbstbezüglich, einen «kleinen, bescheidenen Künstlertext». Und das Fazit? Vielleicht, dass Halter, ein fingerfertiger Handwerker, mit seiner Pose eine gute Figur macht – sich dabei aber auch als Jürg Halter immer noch ein wenig selbst im Weg steht.

Die Lesung und die Diskussion der Jury können Sie auf der Autorenseite von Jürg Halter auf der Plattform des Bachmannpreises nachschauen.

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Ein Kommentar zu “Kutti ist tot – es lebe der König!”

  1. Saskia sagt:

    Wer unvergleichlich ist, der eckt an. Zum Glück gibt es solche Künstler wie Halter. Wenn auch leider nur ganz wenige.