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Die vollkommene Geschichte zu Kurt Cobain

Milena Krstic am Sonntag den 17. Mai 2015

Sind wir mal ehrlich: Wir alle beten Kurt Cobain an. Irgendwie. Sicher dafür, dass er mit Nirvana erfolgreich war, ohne sich den Regeln der Musikindustrie zu beugen. Dafür, dass er herumschrie, sich wie ein Vollidiot benahm und sich nie, wirklich nie dafür schämte. Auch, dass er in irgendwelchen schrecklichen Wullejäggli herumspazierte und trotzdem noch unverschämt cool aussah. Auch dafür, dass er ein Feminist und Antirassist war. Und für diese niemals an Energie und Einfachheit übertrumpften Lieder, die er auf seiner Gitarre erschrummelte. Und dann kommt dieser Film in die Kinos «Cobain – Montage of Heck» («Collage aus der Hölle») und plötzlich weiss ich mehr und so viel Intimes über diesen Menschen, als über viele meiner Freunde.

Irgendwie war mir das ein bisschen peinlich, als ich am Freitagabend im Kino sass. Kurt Cobain, vom Knirps bis zum erwachsenen Mann, und da kommen sie alle zu Worte, Mutti, Stiefmutti, Vater Don Cobain, Ehefrau Courtney Love mit wallender Haar-Extensions-Frisur, nur Schlagzeuger Dave Grohl und Tochter Frances Bean Cobain sagen nichts (obwohl Frances massgebend mitgewirkt hat) und am Ende ein echly pathetisches Interview mit dem Regisseur Brett Morgen, der da versichert, wie «verbunden» er sich mit Küre fühle. Nun gut. So erging es am Ende dem ganzen Kinosaal. Und irgendwie war mir das nicht recht, ein solch detailliertes Bild von diesem Menschen zu erhalten, den ich vor allem wegen seiner Musik liebe. Es gibt jetzt eigentlich nichts mehr, dass man über Kurt Cobain erfahren könnte. Wirklich nichts. Aber ich meine, am Ende war das eine gute Doku, ich war gut unterhalten, von 22.30 bis 2 Uhr morgens. Der Film sei ans Herz gelegt, einfach so, um sich wieder einmal in Erinnerung zu rufen, wie man eigentlich rockt. So richtig.

Nächste Vorstellung von «Cobain – Montage of Heck» im Kino Kunstmuseum, am Dienstag, 19. Mai, 20.45 Uhr.

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