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Eine Chriegserklärung ans Schweizer Kino

Roland Fischer am Dienstag den 14. April 2015

Wie schreibe ich das denn jetzt? Chrieg von Simon Jaquemet ist wirklich sehenswert, man verstehe das deshalb zunächst als kleine Erinnerung, sich das aktuelle Schweizer Kinophänomen noch anzuschauen, falls man es noch nicht geschafft hat – der Film läuft noch bis Mitte nächster Woche im Kellerkino.

Also: ein toller Film. Aber: der beste Schweizer Film seit Jahrzehnten, wie man lesen konnte? Ein Triumph, ein kleines Filmwunder? Gemach. Irgendwie sagt der kollektive Jubel der Filmkritik mehr über die aktuelle Schweizer Kinomisere als über die besonderen Qualitäten dieses Films. Endlich wieder mal ein Film, der seine Figuren, ihre Hinter- und Abgründe nicht dauernd zu erklären versuche, war eine der vielgehörten Einschätzungen – hätte man sowas den dänischen Dogmatikern zugute gehalten, die hätten kaum mit den Mundwinkeln, sondern höchstens mit den Schultern gezuckt. Jaquemet ist tatsächlich sehr sorgfältig an die Figurenzeichnung herangegangen, aber man wird doch den Eindruck nicht los, dass er sich als Greenhorn vor allem um die Hauptfigur gekümmert hat (die tatsächlich wunderbar schillernd herausgekommen ist) – die Nebenfiguren geraten im Vergleich zuweilen ziemlich holzschnittig.

Und der Befund, dass da endlich wieder mal einer den Bergen den Meister gezeigt hat, dass der Film von der Kulisse nicht erdrückt wird: Das kann ja eigentlich nicht so schwer sein, wenn man sich nur traut, Schweizer Geschichten ohne Lokalkolorit zu erzählen (sei es nun auf ernste oder selbstironische Weise). Warum sich das sonst so selten jemand traut? Oder warum sonst so selten Filme unterstützt werden, die sich das trauen? Das wären doch eigentlich die interessanteren Fragen.

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Ein Kommentar zu “Eine Chriegserklärung ans Schweizer Kino”

  1. marsel sagt:

    Ein sehr beeindruckender und unbequemer Film mit der Wirkung eines kräftigen Schlages in die Magengrube. Natürlich hat er die typischen Schwächen eines Erstlings, aber erzielt die gewünschte Wirkung, obwohl keine bekannten Schauspieler am Werk waren und das Budget offensichtlich überschaubar war. Ganz zu recht hat er ohne nennenswerte Werbung, alleine über Mund zu Mund Propaganda, ein erstaunlich grosses Publikum gefunden.