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Bücherkiste: Berner Krimis

Gisela Feuz am Mittwoch den 8. April 2015

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Es wird gemordet, was das Zeugs hält, in diesem Bern. Zumindest zwischen Buchdeckeln. Dabei zeigen sich Autorinnen keinesfalls weniger blutrünstig, als die Mitstreiter ihres Faches. KSB hat für Sie, werte Krimi-Fans, drei neuere Erzeugnisse von Schriftstellerinnen gelesen, in denen Bern oder Umgebung als Schauplatz dient.

 

«Endstation Bern» von Nicole Bachmann
Alles beginnt mit der Einlieferung eines vierzehn Woche alten Kleinkindes, welches an Tuberkulose erkrankt ist, und zwar an einer multiresistenten und deswegen speziell gefährlichen Form von Tuberkulose. In der Folge beginnt die sture und sympathisch unperfekte Protagonistin Louisa Beck, wissenschaftliche Mitarbeiterin im fiktiven Berner Spital Walmot, auf eigene Faust nach der Herkunft Infektionskrankheit zu fahnden und schlittert dabei in ein spannendes Abenteuer rund um illegale Einwanderer und zwielichtige Hilfsorganisationen. «Endstation Bern» bietet detaillierten Einblick in medizinische Belangen, das Spitalwesen und das Leben von Sans-Papiers, ohne dabei überladen oder belehrend zu wirken. Bachmanns Sprache ist präzis und ihr Humor vergnüglich trocken.

«Jenseits der Rache» von Esther Pauchard
Psychiaterin Kassandra Bergen gibt die Amateurdetektivin und zeigt sich dabei hartnäckig und zickig. Im Grandhotel Giessbach wird sie Zeugin des vermeintlichen Selbstmordes eines bekannten Berner Psychoanalytikers. Hat dessen Tod mit Fehlschlägen in einer Studie zu tun, die sich mit Internet-Psychotherapie beschäftigt? Wie passt dabei eine alkoholkranke Patientin ins Bild, welcher der Tod des Psychoanalytikers offenbar ungemein zusetzt? Welche Verknüpfung gibt es zum Autounfall einer unterschenkelamputierten Dame und welche Rolle spielt die eiskalte Chefin eines traditionsreichen Pharma-Unternehmens? «Jenseits der Rache» gewährt einen interessanten Einblick in den Alltag einer psychiatrischen Klinik, den Ablauf von medizinischen Studien über Psycho- und Online-Therapien und bietet ein spannendes Finale. Wenn doch bloss die Protagonistin nicht eine solche Zicke wäre.

«Finale im Nebel» von Regine Frei
Es war in letzter Zeit mehrmals vorgekommen, dass Ferdinand Schlupf verwirrt und unkonzentriert gewesen war und sich plötzlich an Orten wieder fand, ohne zu wissen warum und wieso. So auch an diesem grauen und kalten Tag im November an der Hallerstrasse im Länggassquartier. Derweilen wird am Zibelemärit beim Bernabrunnen vor dem Bundeshaus ein junger Mann tot aufgefunden. Die akribischen Ermittlungen der Berner Polizei führen in die Senioren-WG, in der auch Ferdinand Schlupf beheimatet ist. Regine Frei zeigt in «Finale im Nebel» eindrücklich die Verunsicherung, welche eine Krankheit wie Demenz mit sich bringt, und zwar für die Betroffenen selber, aber auch für Freunde und Bekannte. Ihr Krimi lebt von der detaillierten, sorgfältigen und lebendigen Beschreibung von Charakteren und Schauplätzen. Dadurch gerät allerdings die Handlung zwischenzeitlich etwas ins Stocken.

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