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Selfies mit dem Fälscher

Roland Fischer am Sonntag den 22. März 2015

Beltracchi is in town! Angekündigt im deutschen Privatfernsehen, Minute 8.27:

beltracchi

Und er war bestens gelaunt, heute mittag in der Galerie Christine Brügger (das mag natürlich mit den vielen roten Punkten zusammenhängen, die bereits am Tag der Vernissage verteilt waren), er plauderte da ein wenig, erzählte dort eine Anekdote («Der Stefan Raab hat ja mein Buch vorgestellt, und da habe ich ihn vor der Sendung gefragt: Herr Raab, das Publikum, das Sie mit Ihrer Sendung ansprechen, können die denn überhaupt lesen? – Da war er dann glaube ich ein wenig beleidigt.») und war sich auch nicht zu schade, für ein Selfie mit jungen Fans zu posieren.

beltracchiUnd das sagt natürlich eine Menge über das Phänomen (und den Fluch) Beltracchi: Der Mann ist gewissermassen sein eigenes Konzeptkunstwerk – und seine Bilder nur sehr undeutliche Spuren einer viel grösseren Geschichte, die wohl ewig zwischen Skandal und Genialität hängen bleiben wird. Dass sich auch diese ungefälschten (oder soll man sagen: echten) Beltracchis so gut verkaufen wird ihn und die Galeristin natürlich freuen, wenn es bloss nicht gleichzeitig ein Ausdruck der Banalität des Kunstbetriebs wäre, dieser schön schnurrenden und ganz nach den Regeln der Aufmerksamkeitsökonomie funktionierenden Maschinerie. Wenn die Story eines Werks wichtiger ist als das Werk selbst, dann ist das entweder ein Ausdruck der Cleverness des Künstlers oder der Aufgeschmissenheit des Publikums, weil es das Werk nicht versteht. Und da ist man sich bei Beltracchi wirklich nicht so sicher.

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