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Literaten, RTL-Reporterinnen, Denkfabrikanten

Roland Fischer am Dienstag den 17. Februar 2015

Vielleicht geht es ja nur mir so – aber ich finde Lesungen eigentlich meistens langweilig. Bücher sind selten so geschrieben, dass sie sich zum Vorlesen eignen (soll man von der Tatsache jetzt ein pauschale Misere der zeitgenössischen Literatur extrapolieren? besser nicht). Und ebenso sind Schriftsteller selten aus solchem Holz geschnitzt, dass sie sich – zum Vorlesen eignen. Viel spannender wird das meist, wenn Schriftsteller über Glück und Elend des Schreibens berichten, über die Widerspenstigkeit einer doch anfangs so schönen Idee und das plötzliche Eigenleben der erfundenen Figuren.

sh_flyer_literaturgespraecheDarum ist es zunächst einmal wunderbar, dass Bern ab nächstem Monat ein neues Literaturformat bekommt, das genau dies pflegen wird: die Literatur-Gespräche im Schweizerhof Bern. Oder wie es die Macherinnen Alexandra von Arx und Lucie Machac ankünden:

Wie erfindet ein Schriftsteller seine Helden? Wie normal ist der Alltag einer Kriegsberichterstatterin? Und wie sieht ein Krimiautor die digitale Zukunft? Bücher verraten längst nicht alles über ihre Schöpfer. Manches fragt man Autorinnen und Autoren am besten direkt.

Ganz richtig. Allerdings ist man doch ein wenig erstaunt, was die Affiche für die ersten Abende angeht. Angekündigt sind da nach dem schwedischen Krimiautor Arne Dahl zum Auftakt nämlich des weiteren «die österreichische Kriegs- und RTL-Chefreporterin Antonia Rados» und «der schottische Krimiautor und Senior Fellow einer Denkfabrik für Topmanager Martin Walker». Ob da wirklich die komplette Freiheit beim Programmieren gewährt war – oder hat der diskret sich in Szene setzende Veranstaltungsort etwa ein paar literarische Wörtchen mitzureden? Man hat ein paar Zweifel, aber lässt sich gern vom weiteren Programm überraschen.

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2 Kommentare zu “Literaten, RTL-Reporterinnen, Denkfabrikanten”

  1. Miko Hucko sagt:

    klingt schon eher… nach einem anderen Zielpublikum. Eines, das TopmanagerInnen immer noch für interessant hält und chinesische RegimekritikerInnen auch. Ist das nicht ein etwas alter Hut?
    Auch dieser Einheitspreis von CHF 25, die konsequente nicht-gendergerechte Rechtschreibung im Pressetext (und das bei Veranstalterinnen!) sowie diese Passage unten machen mich nicht gerade an.

    Für ein inspirierendes Kulturerlebnis ist ein stimmungsvolles Ambiente wesentlich: Die Gespräche eröffnen jeweils an einem Freitagabend das Wochenende. Einen exklusiven Rahmen garantiert der Schweizerhof Bern.

  2. Val der Ama sagt:

    Aba, Arne Dahl ist ein unterhaltsamer Typ und kann auch Fussball – könnte uninteressanter sein.