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der Kreis soll sich schliessen

Miko Hucko am Mittwoch den 24. September 2014

The Circle. So der Romantitel und so auch gleich der Name der Firma, um die es darin geht, ein Supergooglefacebookapple quasi. Und nein, The Circle ist nicht das 1984 oder das brave new world des 21. Jahrhunderts, so sehr das auch einschlägige Kritiken behaupten möchten. Das liegt weniger an der Thematik (zu der komme ich gleich) als an der ziemlich plumpen und vorhersehbaren Storyline, die nur im Mittelteil wahrhaftig mitzureissen mag.

Die junge Mae kommt also zum Circle, frisch angestellt – und sieht sich der völligen Transparenz ausgeliefert, die sie nur positiv wahrnimmt: Alle ihre Daten werden für alle Mitarbeitenden zugänglich in einer grossen Cloud abgespeichert. Keine Geheimnisse mehr. Sprüche wie Privacy is Theft (vage Erinnerungen an War is Peace? Na?) beginnen sich im Buch zu entfalten, ein geheimnisvoller Mann taucht auf, und so weiter, ich will Ihnen das Ende ja nicht vermiesen.

Eigentlich hochbrisant: Die Arbeitswelt in den gefeierten Grossunternehmen des Silicon Valley einerseits und anderseits die Frage nach Privatsphäre. Oder vielleicht eher Anonymität? In unserer heutigen digitalen Welt gehen beide ineinander über, was Vor- oder Nachteile haben kann, wie ich auf diesem Blog oft schon feststellen musste. Es ist ein bisschen wie mit der geheimen Abstimmung, die dazu führt, dass Leute das Abstimmen, was sie wirklich denken, und nicht das, was sie in einer halböffentlichen Umfrage von sich geben. Die Anonymität kann Pulszähler der Politik sein, der Stimmung, weil durch sie Menschen eine Stimme erhalten, die sie sonst nicht hätten. Das kann auch bedrohend sein, aber nur dann, wenn die Anonymität ungleich verteilt ist: Ich, die ich diesen Text schreiben, muss dazu stehen, allfällige Kommentierende nicht.

Ist es also Privatsphäre (im Moment noch positiv konnotiert und als schützenswert verstanden) oder Anonymität, wenn ich unter falschem username ein statement von mir gebe? Die Frage ist auch: Vor wem will ich anonym bleiben? Vor dem Staat? Vor den Firmen? Vor meinen Mitbürger_innen oder nur vor denen, die nicht meiner Meinung sind? – Aber vielleicht läuft das ja in naher Zukunft, wie dystopisch in The Circle beschrieben, sowieso alles auf dasselbe hinaus.

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