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Ergonomisch korrekte Grazie

Milena Krstic am Sonntag den 21. September 2014

Die Sneakers der Tänzer erzeugen Quietschgeräusche, da ist ein mandalaähnliches Ding auf schwarzem Grund gezeichnet und der Dirigent bringt den Flügel in Bewegung, der dann vom Pianisten bespielt wird. Kurz ringen Tänzer und Pianist um den Sitzplatz hinter dem Intsrument, aber wirklich nur ganz kurz.

Rosas_Biennale_Bern

Ein interessantes Spektakel bot sich gestern dem Biennale-Publikum in der Dampfzentrale. Das war auch zu erwarten, schliesslich war die von Anne Teresa De Keersmaeker gegründete Tanzkompanie Rosas zu Besuch. Wenn Sie nicht vom Fach sind, werden Sie ihren Namen kaum zuordnen können – wer sich aber in der Tanzszene auskennt, war gestern Abend wahrscheinlich dabei (und bei dem leuchten jetzt wohl die Augen). Für alle anderen: De Keersmaeker ist die Choreographin, von der sich Beyoncé grosszügig «inspirieren» liess.


Die belgische Tänzerin und Choreographin ist aber bereits seit ihrem Durchbruch mit dem Stück «Rosas danst Rosas» im Jahr 1983 ein Star der Szene.
Gemeinsam mit dem Ensemble Ictus zeigte Rosas gestern das Stück «Vortex Temporum» (übersetzt in etwa Zeitwirbel/Zeitstrudel) und füllte die Ränge bis obenhin. Und dass, obwohl es alles andere als einfach ist, sich mit De Keersmaekers Arbeit auseinanderzusetzen: Sie, die aussieht wie die strenge Klavier- und/oder Tanzlehrerin aus unserer Kindheit, hat sich der Neuen Musik verschrieben, diesem sperrigen, unzugänglichen und höchst sonderbaren Genre.

Hingegen die Bewegungen der Tanzenden waren harmonisch, ergonomisch und von den Zehenspitzen bis hin zu den Haarwurzeln durchdacht. Auch spannend: Die Tänzerinnen und Tänzer waren zwar jung, aber nicht mehr blutjung und werden wahrscheinlich noch ein paar Jährchen durchhalten, also nix mit «sowas macht der Körper nur bis höchstens Mitte dreissig mit» (wie man es aus dem Ballett kennt).

Falls Sie noch nie eine moderne Tanzvorstellung gesehen haben, gibt es Ende Oktober am Festival Tanz in Bern gleich mehrere Gelegenheiten, sich das einmal zu gönnen.

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