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Überlisten wir uns?

Roland Fischer am Mittwoch den 23. Oktober 2013

Ein neues Wort macht die Runde: Listicle. Der Artikel als Liste – das scheint tatsächlich das Lieblingsformat aller Onlineredaktionen zu sein. Die Leser mögen es, die Anzeigenverkäufer auch: mit jedem Listenpunkt wird die Seite neu geladen und ein neues Banner eingeblendet.

bern

Manche Blogger wie Anil Dash haben sich schon vor langer Zeit über das grassierende Phänomen aufgeregt, doch so richtig zum Feuilleton-Thema scheint es erst jetzt zu werden. Der New Yorker hatte einen augenzwinkernden (und auf hanebüchene Weise gelisteten) Text dazu, worauf der Guardian dann eine noch etwas sinnfreiere Replik gebracht hat. Man dürfte sich aber gern noch ein paar Gedanken mehr zur «List Culture» machen, die ja unlängst auch die Uni Bern auf dem falschen Fuss erwischt hat. Wieviel hat zum Beispiel der Cheflistenersteller Google mit dem Listenzeitgeist zu tun? Oder ist vielleicht tatsächlich Nick Hornby schuld am Schlammassel?

Der Listicle ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Charticle. Der hat uns dann wiederum so seltsame Vorstellungen wie die vom «besten Restaurant der Welt» beschert. Ranglisten machen im Sport wohl einigen Sinn, in der Musik schon einiges weniger (ausser man schaut einfach auf Verkaufszahlen – aber dann wäre wohl McDonald’s Top of the Kulinarik-Liste, so ist das dann auch nicht gemeint), und bei Google ja eigentlich auch nicht. Oder was wäre denn das genau, ein «bestes Suchresultat»?

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2 Kommentare zu “Überlisten wir uns?”

  1. Fischer sagt:

    zugegeben, bei google geht es nicht offensichtlich um charts. aber wo gelistet wird, da wird auch gerankt, ganz automatisch. es gibt immer einen platz eins. es geht da also um (definitions)macht, es geht um politik.

  2. Fischer sagt:

    king of the listicle ist übrigens die amerikanische news-seite buzzfeed, die den digitalen boulevard beherrscht wie keine andere – siehe zb die heutige themengewichtung:

    man kann sich auf etwas gefasst machen: unlängst war zu lesen, dass ringier eine schweizer buzzfeed-variante plant. dass das format fast schon magisch funktioniert, hat übrigens die neue elite in einem selbstexperiment herausgefunden.

    mehr zum thema hier.