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Aus den vollen Herzen geschöpft

Miko Hucko am Samstag den 7. September 2013

Es riecht nach Pferd in der Grossen Halle, oder fast nach Pferd. Es riecht nach Zirkus, nach Wald, nach Spiel: Feuchte Holzspäne bedecken einen breiten Streifen des Bodens. Die Sitzreihen für das Publikum sind dem Streifen entlang angeordnet, einander gegenüber, wie im einst im Circus Maximus. Oder doch wie um den Laufsteg?

Durch den intensiven Geruch, das mysteriös-dunkle Licht und die schiere Grösse der Halle werde ich von Anfang an in eine Zauberstimmung versetzt, die mich den ganzen Abend begleitet. Ein richtiges Spektakel ist diese Uraufführung von «das kalte Herz», mit allem drum und dran. Kinderchor und -orchester (Musikschule Köniz), Massenregie, aufwändiges Bühnenbild (beides Stephan Grögler, faszinierende Musik (Komposition: Simon Ho) und gut eingesetzte Lichteffekte.

herz

Und doch wirkt der Abend nie kalt, überdimensioniert oder reisserisch, denn die Freude, die allen Beteiligten ins Gesicht geschrieben ist, lässt diese Oper trotz der schieren Grösse persönlich werden. Der einzige Wermutstropfen war für mich das Libretto (Lukas Hartmann), von dem ich mir mehr sprachliche Feinheiten erhofft hatte. Ein Beispiel: «Mit dem Herz aus Stein / und dem Geld im Sack / kriegst du jede – zackzack». Aber zum Glück ist es eben eine Oper, und da wird der Text bekanntlich gesungen, so dass er nicht im Zentrum steht. Ich jedenfalls habe mich sehr gefreut, mal wieder etwas zu sehen, das gelungen mit der grossen Kelle angerührt worden ist.

Das kalte Herz läuft noch am 7., 13. und 14. September um 19:30, am 8. und 15. um 17:00 in der grossen Halle. Es hat den Bechdeltest bestanden (3/3 Punkten).

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