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Schwarze Rillen auf dem Schwarzmarkt

Benedikt Sartorius am Samstag den 8. September 2012

Wo sind wir stehen geblieben? Genau hier: «…und warten auf das weitere Votum des schlafenden Autors. Denn: “We Insist”.» Seither wurden Platten gekauft und aber vor allem am Freitagabend der grossartige «Schwarzmarkt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen» in den Vidmarhallen aufgesucht.

Und es wurde dort geschäftig ver- und gehandelt – man bezahlte am Schwarzmarkt-Checkin 1 Franken für ein Expertengespräch (unter vielen auch dort Ulrich Schlüer), lernte via dem Schwarzradioempfänger, wieso das Bruttosozialprodukt einst erfunden wurde, man hörte Ausführungen über das Werk «Atlas Shrugged» von Ayn Rand und Geschichten von Schorsch Kamerun und Bubi Rufener und Ueli Jäggi und dem Geldfälscher Hansjörg Mühlematter und war am Ende überwältigt von all dem Wissen, das im Raum und über den Äther flottierte.

Doch eben: Man insistiert und knüpft wieder beim Donnerstagabend an. Denn unsereiner verzichtete auf ein Expertengespräch im klassischen Sinne und hörte am Tisch 12, der in der Runde 1 von Thomas Meinecke besetzt war, quasi als Fortsetzung des Biennale-Eröffnungsabends, Platten. Platten, die das Geld besingen, so etwa zum Start der Runde «Money (That’s What I Want») in einer alten New Orleans-Version (den Namen der Interpretin habe ich leider vergessen aufzuschreiben) und gleich im Anschluss, das gleiche Lied, nur dekonstruiert von der englischen Post-Punk-Band The Flying Lizards.

Das Plattencover der Contortions mit der Aufforderung «Buy» folgte auf dem Plattenstapel, es ging weiter mit der Gang of Four und «Damaged Goods» sowie zum Abschluss der halbstündigen Runde Lee Dorseys «Working in the Coal Mine».

Und spätestens hier wusste ich wieder, wieso die Geldanlage Plattensammlung auch in Spotify-Zeiten keine schlechte Wahl ist: Denn zusammen tolle Musik hören und den Nerd spielen, während der Plattenspieler dreht, ja, das ist immer noch eine der tollsten Beschäftigung überhaupt.

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2 Kommentare zu “Schwarze Rillen auf dem Schwarzmarkt”

  1. MIchael sagt:

    recht interessant, dass man den auch eingeladen hat…

    http://www.sifa-schweiz.ch/blaulicht-1/archiv-2012/sonntags-idylle.html

  2. Fischer sagt:

    ein kummerbube, tatsächlich. in der letzten runde spätabends fand er sich dann übrigens einem (musikalisch) ebensolchen gegenüber, wie von den zuschauerrängen zu beobachten war.