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Lieblingsdroge: Zeitunglesen

Roland Fischer am Mittwoch den 6. Juni 2012

Die Woche der Lieblingsdroge – heute mit Fischers Retro- und Futuroräuschen.

Nichts schöneres an einem trägen Sommernachmittag als in einem Café am Schatten zu sitzen, bei einem guten Espresso und einer – entscheidend – guten Zeitung in der Hand. Und diesbezüglich ist Bern ein durchaus gutes Pflaster, die Qualitätszeitungsdichte ist aussergewöhnlich. Am schönsten liest es sich im Diagonal an der Amthausgasse, da gibt es nämlich nicht nur die Süddeutsche (die findet man auch im Adrianos und seit neuem auch im Parterre), sondern auch noch die ebenso grosse Rivalin, die Frankfurter Allgemeine. Das sogenannt nordische Format hat durchaus mit dem berauschenden Effekt der Lektüre zu tun, das sich Verlieren in den weiten sich auf den Doppelseiten ausbreitenden Letternlandschaften, die aufgefaltet Sitzbreiten locker sprengen.

Zeitunglesen ist natürlich nicht nur ein inhaltliches, sondern auch ein taktiles Rauschmittel, das wissen die deutschen Verlage besser als die Schweizer. Eine Zeitung will ein wenig sperrig in der Handhabung sein, sie hat vielleicht gar etwas von einem schönen selbstbewussten Körper, der sich nicht leichthin jedem Liebhaber fügt – eine stolze Zeitung muss man in den Griff bekommen. Was mich wiederum an einen Artikel aus dem natürlich auch sehr (und natürlich auf ganz andere Art) rauschhaften Internet erinnert, in dem es um alte vs. neue, geschmeidigere Publikationsformen geht. « —think about the pleasure of a touch screen versus inky newspaper pages— » heisst es darin mal, und das gab mir eine plötzliche Ahnung von zukünftigen Leseräuschen, mit Reisen durch ganz andere Typograhien, mit einer neu zu erkundenden Texterotik, wenn man so will. Wenn Zeitunglesen von gestern ist, dann ist der Touchscreen mein feuchter Traum, der von einem aufregenden Morgen kündet.

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2 Kommentare zu “Lieblingsdroge: Zeitunglesen”

  1. MIchael sagt:

    Nahe beim Diagonal können Sie Ihrem feuchten Traum in den Ausschnitt greifen: iPad3 mit süperscharfem Bildschirm.

    Nicht perfekt, teuer, weniger sexy als Papier (v.a. draussen), wenn man aber einen guten Feedreader darauf mit einem passenden Mix füttert, glaubt man nicht mehr darauf verzichten zu können.

    (Und für Schreibende gibt’s tolle Programme auf diesem Gerät.)

  2. Bjørn sagt:

    Am Adriano’s schätzt man ja auch, dass es da den New Yorker hat…