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Vom Winde verweht

christian pauli am Freitag den 12. August 2011

Derweil es in der Stadt bis Punkt Zwölf von den Wänden zurückschallt, hat die Musik in Uecht bei Niedermuhlern allen Raum und alle Zeit der Welt. Das Berner Konus Quartett bringt auf 960 Metern über Meer die Komposition «Musik für ein Feld» von Thomas Korber zur Uraufführung.

Den klangmusikalischen Ausflug in die Höh kann ich nur empfehlen. Eine Hinfahrt zum Beispiel via Oberbalm und Ratzenberg offenbart andere, urtümlich gebliebene Seite dieser Unesco-geschützten Stadt. Man wähnt sich im tiefsten Emmental: Tiefe Täler, abrupte Höhen, gepflegte Höfe, wilde Tiere – und dies keine halbe Stunde von Bern weg.

In Uecht dann, hinter einem Maisfeld, steht in der Abenddämmerung eine Klanganlage für vier Saxophone. Der Blick weitet sich, gen Bantiger und weiter ins Mittelland, zum Jura und den Alpen auf der anderen Seite. Der fast volle Mond steigt. Der Wind bringt die Liegestühle zum Flattern und verwischt die gräulichen Wolken im Abendhimmel.

«Musik für ein Feld» ist ein unzutreffender Titel. Die gehauchten und geblasenen Klänge der vier Saxophonisten sind viel mehr – sie kreisen über dem Feld und werden zum Teil dieser Natur-Kultur-Klanglandschaft. Von weitem weht es den Klang einer Kuhglocke hinüber, Flugzeuge knattern, ein Heuwagen ächzt, die Maisstauden reiben sich im Wind und ganz entfernt meint man das Brummen der Stadt zu hören. Der Wind lässt die Mikrophone sachte donnern. Die elektronischen Einspielungen, Sinustöne, Störgeräusche und die liegenden Chords schaffen einen scharfen Kontrast. Man hört Dinge, die man sonst nicht hört.

Fabio Oehrli, Jonas Tschanz, Christian Kobi und Stefan Rolli und ihre Saxophone würden im Klang verschwinden, wären sie nicht mit Scheinwerfern visualisiert. Vermutlich wäre die Aufführung von «Musik für ein Feld» noch zwingender geworden, wenn das Konus Quartett auf das Licht verzichtet hätte. So sucht das Auge, was das Ohr nicht zwischen gespielter und gefundener Musik unterscheiden kann. 

«Musik für ein Feld» wird noch heute Freitag und morgen Samstag aufgeführt (Konzertbeginn 21.30 Uhr). Details zum Stück und zur Anreise finden Sie hier. Vor dem Konzert bietet der nachbarliche Bauer feine Würste an, nachher kann die Sternwarte Uecht besucht werden.
 

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2 Kommentare zu “Vom Winde verweht”

  1. Rebecca Di Maggio sagt:

    Vollmondabend und dann diese Klangwelten..ein aussergewöhnliches und unvergessliches Erlebnis. Danke für den Mut zu diesem Experiment! Und zum Glück der Hinweis im Bund! Sonst wäre ich nie an diesem wahrlich zauberhaften Ort gelandet.

  2. ein beteiligter sagt:

    vielen dank für den kommentar!
    die werbung war tatsächlich etwas schmalspurig, was dem schlussendlich sehr knappen budget zuzuschreiben war.