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Jesus lebt

christian pauli am Samstag den 7. Juni 2008

Meine zugegebenermassen immer wieder nur flüchtigen Kontaktaufnahmeversuche mit dem Hiphop waren in den frühen 90er Jahren besonders erfolgreich: Ice Cube («Death Certificate», 1991) gefiel mir (warum eigentlich?), vor allem aber wurde ich von einem (weissen) Mann namens Mark Griffin eingenommen, besser bekannt als MC 900 Foot Jesus.

MC 900 Foot Jesus’ Alben «Welcome To My Dream» (1991) und «One Step Ahead Of TIf I Only Had A Brainhe Spider» (1994) hatten dank ihrem unerhörten Mix zwischen Rap, Rock, Ambient und Jazz nachhaltige Wirkung: Diese coolen Beats! Diese Bassklarinetten! Diese ungeraden Basslines! Diese scharfen Raps!

Zwei Songs für die Ewigkeit: «The City Sleeps» und «If I Only Had A Brain»: von letzterem gibts ein Video, das dank Beavis and Butthead in die Annalen der Popgeschichte eingangen ist:

Das sind jetzt mehr als 10 Jahre. Kürzlich ist mir «Welcome To My Dream» per Zufall in die Hände geraten. Verdammt heisse Scheibe, immer noch. Aber was macht weisse Rap-Jesus heute? Er arbeitet als Bücherverkäufer – und amtet als DJ einmal in der Woche im Musikclub Lee Harvey’s in Dallas.

Vom Musikbusiness desillusioniert, hängte er seine Karriere nach «If I Only Had A Brain», immerhin erschienen auf Rick Rubins Label «American», an den Nagel. «Burnout», sagt der heute 51jährige nüchtern, «I was real burned out on being even an ironic version of a rapper». Funny, Burnout und Rap, das passt im Zeitalter des dumpfen Kopfnicker-Machismo nicht wirklich zusammen.

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