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Drei Abende der Veräusserung

Grazia Pergoletti am Sonntag den 4. November 2007

Vive la Fête! Nun, es gibt zwei Seiten. Darüber, wie ich die letzten Tage erlebte, als eine, die am Reitschulfest etwas zum Besten gibt, sei schlicht ein dicker Lodenmantel des Schweigens gelegt.

Was jedoch dieses Zwanzigjährige mit Glitzer, Glanz und Glorie überstrahlte, waren die drei Abende im Dachstock. Drei Konzerte in Folge, absolut verschieden und doch gab es den Roten Faden: Dreimal standen Menschen auf der Bühne, die sich auf enorm begabte Weise blosslegten mit allem, was sie hatten, und jedesmal war das nicht wenig.

Balkan Beat Box: Unmittelbar und brilliant. T.Raumschmiere: Als ob Chicks on Speed mit Jim Foetus ein Kind gezeugt hätten und es ist sogar noch gut drauf – der helle Wahnsinn. Und am letzten Abend Vive La Fête: Musikalisch zwar eher belanglos, aber mit einer Frontfrau, die selbst dem Herrn des Vorabends Paroli bieten konnte – ein richtig wildes Tuch, aber Hallo!

Man kann der ganzen Dachstock-Crew und Sabine, der Hauptverantwortlichen dieser Programmation, nur ein Kränzchen winden: Das war ein Paukenschlag, wie es sich gehört fürs Zwanzigjährige.

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10 Kommentare zu “Drei Abende der Veräusserung”

  1. herr u. sagt:

    Ein Kränzchen winden könnte man eigentlich auch herrn pauli. Nur was passiert, wenn (endlich) einmal einer der innovativsten produzenten zeitgenössischer musik diese olle stadt besucht? Es besuchen den besucher, fennesz gestern in der dampfzentrale, ganze 7 zuhörer. KulturStattBern. Fuck this town.

  2. pyrolator sagt:

    Oje, die Kulturelite besucht statt den innovativsten produzenten zeitgenössischer musik (zwischenfrage: will solche überhaupt jemand hören? antwort offenbar nein) ein musikalisch belangloses aber iregendwie trotzdem tolles Konzert in der Reithalle. Da drängen sich Fragen auf: Geht denn in dieser fuckin’ town niemand aus Spass an ein Konzert? Ist Rock’n’Roll tot? Was ist dann Musik von Belang, Züri West, Foetus oder Peter Reber oder aber Hauptsache das Publikum gähnt? Und hat überhaupt jemand vom Frauenraum der Reithalle die Cover der Vive La Fete Cd’s auf Sexismus überprüft? Es gibt noch viel zu tun für die kulturelle Elite (oder sollte man schreiben Prüfanstalt) von Bern, also packt’s an!

  3. konzertbesucher sagt:

    Die Frage nach dem Sexismus und dem “musikalisch belanglos aber trozdem toll” habe ich mir auch gestellt.
    Ich war am Samstag aus Spass im Gaskessel, habe die Entscheidung aber nach kurzer Zeit bereut. Ich wäre besser in die Dampfzentrale, nur kann man das vorher ja nie wissen.
    Ich denke, dass die Dampfzentrale langsam aber sicher steigende Zuschauerzahlen aufweisen wird. Es wird dort jetzt wirklich Gutes geboten. Nur dauert es im langsamen Bern halt eine Weile, bis die jeweilige Zielgruppe das merkt. Und noch länger wird es wohl dauern, bis es auch die Zürcher/Basler/… merken.
    Und noch was: “Fuck this town” ist Thun.

  4. pauli sagt:

    Wir bleiben dran. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Gute Nacht.

  5. signora pergoletti sagt:

    Ich bin zwar nicht vom Frauenraum, kann aber sagen, dass das gestrige Konzert jegliche Befürchtungen meinerseits was Sexismus angeht, absolut zerstreut hat. Diese Frau ist das Gegenteil von einem “Objekt”. Ich persönlich fand die Musik gestern eher belanglos – auch, weil die beiden vorigen Konzerte so sensationell waren und halt einfach mehr mein Ding – aber, wie gesagt, ich fands trotzdem gut, das Publikum hatte grossen Spass und war auch deswegen gekommen.

    Ich weiss nicht, was Sie mit “Kulturelite” meinen, werter Pyrolator. Was mich angeht, sehe ich meine Aufgabe hier im Blog darin, die Leute aufmerksam zu machen auf Dinge, die mir Spass gemacht haben und sie dazu zu animieren, rauszugehen und sich ein eigenes Bild zu machen.

    Haben Sie auch etwas interessantes gesehen dieses Wochenende? Teilen Sie das doch mit, das wäre eine Bereicherung. Wir können ja nicht überall sein ;-)

  6. signora pergoletti sagt:

    Okay, jetzt ist während ich geschrieben habe, wieder einiges gegangen.

    Um das zu präzisieren: Mit “musikalisch belanglos, aber trotzdem toll” meine ich: Es kommt öfters vor, dass ich Sachen sehe, nicht nur Konzerte, auch im Theater, die zwar nicht meinen Geschmack treffen oder sich – wie gestern – nicht an mich richten. Aber ich finde es trotzdem toll, dass sie stattfinden. Z.B. weil ich – wie gestern – die Persönlichkeiten auf der Bühne bemerkenswert finde.

    Im Übrigen glaube ich auch, dass es noch etwas Zeit braucht, bis sich die Dampfzentrale mit ihrem neuen Profil ins Bewusstsein der Leute gearbeitet hat. Bin durchaus zuversichtlich.

  7. konzertbesucher sagt:

    Mir geht es da jeweils eben anders bei diesen Konzerten mit bemerkenswerten Persönlichkeiten: Ich muss die Musik gut finden, um Spass am Konzert zu haben.
    Aber ich verstehe Ihren Standpunkt schon.

    Ich bin auch zuversichtlich in Sachen Dampfzentrale.

  8. signora pergoletti sagt:

    Ein wirkliches Erlebnis ist es natürlich nur dann, wenn einem die Musik einnimmt . Dieses Wunder ist an zwei von drei Abenden eingetreten. Vive la Fête waren dann eher eine Art Stabübergabe an die Kids, aber eine würdige.

  9. pyrolator sagt:

    ja ich habe auch was interessantes gesehen, werte Frau Pergoletti, nämlich die aktuellste Folge der Lindenstrasse. Filmtechnisch und kulturell eher belanglos, dafür in der warmen Stube ohne einen Fuss in die unwirtliche Stadt Bern zusetzen…

  10. susi sagt:

    man kriegt leider auch nie richtig mit was in der dampfi läuft. keine plakate, keine werbung, irgendwie dünkt mich. oder vielleicht sinds halt die fetten hip hop/rnb plakate die alles überdecken?