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Kulturbeutel 16/07

Manuel Gnos am Montag den 16. April 2007

Dem klimaerwärmten Zentraleuropäer kommen die Übergänge abhanden. Kaum ist der Winter, der kein richtiger war, vorbei, schreit uns draussen vor der Tür schon der Sommer ins Gesicht. Die Oberkörper stecken in Trägershirts, die Füsse in Flipflops. Die Menschen transpirieren, die Allergiker hyperventilieren. Trotz – oder gerade wegen – des fehlenden Frühlings Lust auf Kultur? Dann haben wir hier etwas für Sie!

Monsieur Gaberell empfiehlt:
Es sich unter einem Baum, der bereits mit Blättern gesegnet ist, gemütlich zu machen, den verfrühten Sommer zu geniessen und dabei die Hunkeler-Romane zu lesen. «Hunkeler macht Sache», «Tod einer Ärztin» und «Silberkiesel» sind die richtige Literatur, um den Frühling auch während des Lesens geniessen zu können. Die Krimis von Hansjörg Schneider sind meist leicht-lockere Kost und trotzdem sehr unterhaltend. Eben genau richtig für die kommenden Tage.

Signora Pergoletti empfiehlt:
Die Selbstbezichtigung von Peter Handke. Ein Hoch auf die bösen Buben! Auf Peter Handke, lange bevor er seinen Henriquatre-Bart und politisch problematische Anwandlungen hatte, schrieb die NZZ über diese Produktion. Charmant um die Ohren gehauen wird einem der Text vom bösen Mädchen Ruth Schwegler, hinreissend begleitet vom Musiker Paed Conca. Im Ono, Mi 18., Do 19. und Sa 20., jeweils 20.30h.

Herr Gnos empfiehlt:
Tanzen bis zum Umfallen. Der Anlass nennt sich Tanznacht, die DJs heissen El Mex und Sister Knister (inklusive unserer ehrenwerten Signora Pergoletti). Stattfinden tut die Sache am Freitag, 20. April, um 22 Uhr in der Turnhalle des Progr in Bern. [Das Konzert der Woche ist leider schon ausverkauft: Will Oldham alias Bonnie Prince Billy, der König des Alternative Country und der weinerlichen Trostlosigkeit, spielt am 22. April im Bad Bonn in Düdingen. Wenn Sie kein Ticket haben, kaufen Sie sich als Ersatz beim Plattenhändler Ihres Vertrauens die beiden Meisterwerke «Superwolf» und «I See A Darkness».]

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14 Kommentare zu “Kulturbeutel 16/07”

  1. Wem letzten Monat “The Devil & Daniel Johnston” gefallen hat, gefällt auch der sehr sehr schöne Film “The Fearless Freaks”, der die wunderliche, unwahrscheinliche Geschichte der fantastischsten Band der Gegenwart – The Flaming Lips – erzählt. Diesen Mittwoch in der Cinématte, mitsamt einer Einführung von Christian Gasser.

  2. quartierdiva sagt:

    ou ja, tanzen bis zum umfallen! supi!

  3. Herr Gnos sagt:

    ob man jemandem auch einen putzlappen charmant um die ohren hauen kann? guten morgen allerseits!

  4. Fearless Freak sagt:

    Übrigens: Eine sehr schöne Konzertwoche wird das. Hier die möglichen Optionen für einen lobenswerten dreitätigen Konzertmarathon:

    21. April: A Silver Mt. Zion im Dachstock
    22. April: Pere Ubu in der Dampfzentrale
    23. April: Bonnie Prince in Basel (hat glaubs noch Tickets)

    oder:

    20. April: Pere Ubu in Luzern
    21. April: A Silver Mt. Zion im Dachstock
    22. April: Bonnie Prince Billy in Düdingen

    Und: Bonnie Prince Billy weinerlich?

  5. signora pergoletti sagt:

    Lieber Fearless Freak, ich glaube, Sie sollten sich öfter bei uns einschalten. Anscheinend gehören Sie zu den Leuten, die noch ausgehen. Sie wissen gar nicht, wie sehr wir Kulturschaffenden Sie lieben!

    Und lieber Herr Gnos, ich war im Fall superstolz auf mich, nachdem ich die Formulierung “charmant um die Ohren hauen” gefunden hatte. Es trifft auf den Punkt, was die Schwegler mit Handke macht (habe das Stück vor ein paar Monaten im Tojo gesehen).

  6. quartierdiva sagt:

    “charmant um die ohren hauen” kann man so vieles…sogar einen kommentar zum kommentar ;-) ich wünsche einen schönen start in die neue woche!

  7. Herr Gnos sagt:

    liebe signora, ihre formulierung ist absolute spitzenklasse. allein, dass ich deswegen zu assoziieren begann, hat mir den morgen versüsst!

    darf ich ihre liste noch etwas ergänzen bzw. abändern, lieber fearless freak?

  8. ...und ja, sagt:

    der bonnie prince billy kann so wunderschön weinerlich sein, wie kein zweiter, find ich. um dann im gleichen song beim refrain irgendwie ganz wild zu countryrocken. herrliche mischung!

  9. Fearless Freak sagt:

    Sie dürfen gern, lieber Herr Gnos, der 21. April ist aber Dachstock-Tag und darf nicht geändert werden.
    Und zum Bonnie: Sensibel und still ist für mich nicht gleich weinerlich, find ich jedenfalls.

  10. Herr Gnos sagt:

    Freitag, 20. April
    Die Dance-Punk-Band Must Have Been Tokyo im Café Kairo; anschliessend gehts an die Tanznacht in der Turnhalle.

    Samstag, 21. April
    A Silver Mt. Zion im Dachstock; und weil die Konzerte im Dachstock sowieso erst um Mitternacht beginnen, reichts davor noch für C. Gibbs & Frank Heer im Kairo. Alternativ können Sie auch in die Dampfzentrale pilgern, wo die wunderbaren Camp für Bunny Rabbit eröffnen. Und für wen auch das nix ist, der geht ins Tojo der Reitschule, wo Theater gespielt wird (ein Jim-Morrison-Projekt mit Andreas Debatin, Glenn Goltz und Roland Silbernagl) und anschliessend die Berner Trash-Rock-Band Expander mit Überraschungsgästen zum Konzertabend lädt.

    Sonntag, 22. April
    Bonnie Prince Billy im Bad Bonn in Düdingen. Für alle ohne Ticket empfiehlt unser Fearless Freak Pere Ubu in der Dampfzentrale. Oder Sie reisen nach Zürich ins berühmte Helsinki und geniessen das unvergleichliche Aad Hollander Trio From Hell, die C. Gibbs und Frank Heer zu Gast haben werden.

    Anschliessend an dieses Wochenende machen Sie eine Woche Ferien. Wir wünschen viel Vergnügen!

  11. f@b sagt:

    a propos “Tanzen bis zum Umfallen”…
    konnten bereits am samstag alle veitstänzerInnen bei medieval punk im alpina im dorfe bei der burg.

    über einem satten perkussionsteppich wurden die säcke zum dudeln gebracht. trötige schalmeien, bouzuki und violine konterten. da voller körpereinsatz viel schweiss trieb, mussten die hüllen bereits früh fallen gelassen werden – jedenfalls über der gürtellinie.

  12. pauli sagt:

    Ok, und danke Fearless Freak, da muss ich – jetzt nach 2×24 Stunden wieder am Netz – keine Ergänzung mehr anbringen, nachdem der Herr Gnos das kommende Musikwochenende nicht in seiner gnazen Breite erfasst hat.

    Und noch mehr (Anti-)Pop-Kultur:

    >10 Jahre Tracks

    .

  13. signora pergoletti sagt:

    Ich hab noch was:

    Am Mi 18. / Fr 20. / Sa 21. April 2007 je 20:30 Uhr im TOJO:

    Lizard King von / mit Andreas Debatin, Glenn Goltz, Roland Silbernagl,Musik: Andreas Debatin, Ausstattung: Mirjam Benkner. Video: Heiko Kalmbach.
    Dramaturgie: Nicola Bramkamp. Produktion: goltz + silber

    In “Lizard King” werfen Glenn Goltz, Roland Silbernagl und Andreas Debatin ein Licht auf den Poeten Jim Morrison. Mit zwei Mikrofonen, Videoleinwand, Verstärker, Texten von Morrison, Körper, Stimme, Gitarre und Gesang.

    Sa 21. April anschl. an das Theater, 22:30 Konzert: Mago Flück, Adi Flück, Louis Schornoz, (Expander) Andreas Debatin, Sylvia Garatti, Patrick Abt (B. Club + Double down) und einigen Berner All Star Überraschungsgästen…. Danach Disco mit DJ Raphael Urweider

    Heiko Kalmbach hat übrigens auch die Videos für “Sieh mich an und sprich” gemacht. Superklasse Typ.

    …und danke für die Blumen, lieber Herr Gnos! Werde Sie in meinen Garten pflanzen.

  14. signora pergoletti sagt:

    …oh na sowas! Jetzt sehe ich erst, dass Sie den Lizard King im TOJO auch schon erwähnt haben, lieber Gnos. Naja. Kann nicht schaden.