Logo

Dem Himmel so nah

Daniel Gaberell am Montag den 26. Juni 2006

tower Bern hat ein neues Wahrzeichen: der 24 Meter hohen Turm anfangs der Lorrainebrücke.

Zugegeben, es ist recht lustig aus dieser luftigen Höhe über Bern hinweg zu blicken – Nahrung für Fernweh-Süchtige! Allerdings: von unten nichts Schönes.

«Das Gerüst von Ronny Hardliz funktioniert als ein temporäres Wahrzeichen, als offenes Gedankengerüst, das von der biblischen Himmelsleiter zum futuristischen Skyscraper reicht und vom Turmbau zu Babel zum Tatlin Tower. » Das schreibt Beate Engel von der Stadtgalerie über „ihre“ neuste Installation.

Und wenn wir schon dabei sind, erwähne ich gerne bei dieser Gelegenheit wieder einmal die engen Treppen hoch zum Münster rauf oder der Lochblechboden bei der Bergstation des Mattenlifts.

Los ihr Höhenängstler, rauf die Treppen. Es lohnt sich.

« Zur Übersicht

21 Kommentare zu “Dem Himmel so nah”

  1. lizamazo sagt:

    aha, das ist des also …

  2. Sternwart sagt:

    Und ich dachte, jetzt endlich bekomme ich Besuch…

  3. Bärni sagt:

    Wären Berns Bären ein Spielplatz für alternative Kultur, hätte man das Geld dafür schon lange gesprochen, wie für dieses Gerüst. Alle Gerüstbauer müssen demnach Künstler sein.

  4. Roger sagt:

    Die heisst doch BeatE Engel. Oder hat sie in der Zwischenzeit das Geschlecht gewechselt?

  5. karma sagt:

    …der BEAT Engel ist wohl auch schon wieder so einen Kunstaktion… Kunst am Bau, GeschlechtsUMBAU, Gerüstebau… Hm… Ich sollte wohl meinen intalienischen Maurer-Nachbaren für den nächsten Kunstpreis vorschlagen…

  6. Herr Gnos sagt:

    eine zentrale funktion der kunst ist es, anstoss zu geben, die welt neu zu sehen. in diesem sinne ist der turm kunst – nicht als turm selbst, sondern als perspektivenöffner. es ist demnach auch zweitrangig, wer ihn gebaut hat.

  7. Monsieur Gaberell sagt:

    Natürlich, natürlich, BEATE Engel und nicht BEAT Engel. Übrigens: ob die Treppe nicht nur zu Ihnen sondern auch zu den Engeln führt, Herr Sternwart?

  8. karma sagt:

    na ja. da hat bern tatsächlich viele türme zu bieten – und ich frage mich, ob dies noch einen denkanstoss sein kann. zudem ist das thema babylon schon vor 4 jahren weltweit ausgesaugt worden. vielleicht sollte sich die kunst mehr mit dem zusammenbrechen der türme beschäftigen, als mit dem himmelhoch. ein denkanstoss sehe ich vor allem im bau-thema, dass überall momentan gebaut wird. bauen über alles. wie wär’s mit etwas mehr gesellschaftlichem bau, sozialbau, kommunikationsbau… da hätten wir ein paar gerüste nötig…

  9. Meine Güte sagt:

    ach lieber herr gnos…
    diese kunstdefinition ist aber grässlich kurzsichtig. sie erklärt nichts anderes als warum 99 % des zeitgenössischen kunstgeschehens reine wegwerfkunst ist. klar ist’s egal, wer den turm gebaut hat – doch seinen wir ehrlich: hätte die gerüst gmbh diese idee, wäre niemand auf die vermutung gekommen, dass dies ein kunstwerk sein könnte… zum glück schreiben wir kunst mit schildern wie “achtung kunstwerk” an. wir würden sie glatt übersehen…

  10. Herr Gnos sagt:

    @ meine güte: ich habe nie für mich beansprucht, kunst definieren zu können. ich habe lediglich von einer funktion der kunst gesprochen. wie weit diese funktion von einzelnen kunstwerken erfüllt wird, ist eine ganz andere diskussion – auch im vorliegenden fall. im übrigen kenne ich mich im zeitgenössischen kunstgeschehen zu wenig aus, um die 99 prozent beurteilen zu können. ich weiss einfach, dass ich immer wieder auf werke stosse, die meinen blick verändern. und das macht spass.

  11. Meine Güte sagt:

    ach lieber herr gnos…
    diese kunstdefinition ist aber grässlich kurzsichtig. sie erklärt nichts anderes als warum 99 % des zeitgenössischen kunstgeschehens reine wegwerfkunst ist. klar ist’s egal, wer den turm gebaut hat – doch seinen wir ehrlich: hätte die gerüst gmbh diese idee, wäre niemand auf die vermutung gekommen, dass dies ein kunstwerk sein könnte… zum glück schreiben wir kunst mit schildern wie “achtung kunstwerk” an. wir würden sie glatt übersehen…

  12. Meine Güte sagt:

    nanu? soviel bier hatte ich gestern also nicht, dass ich heute immer noch doppelt sehe… (die doppelte publikation des eintrags ist gemeint…) und ich leide auch nicht an einer wm-depression… tja…
    herr gnos, das habe ich mir gedacht. sie sind kein elitärer kunstfetischist…

  13. Herr Gnos sagt:

    wissen sie, meine güte, zwischendurch kann ich wirklich unangenehm sein. zum beispiel wenns darum geht, was sich alles in anderer leute cd-spieler dreht. manche sehen das dann jeweilen durchaus als elitären zug…

  14. Meine Güte sagt:

    was? cd spieler? und was hat das jetzt mit dem turm zu tun? den würde ich nun – ich nun auch ganz aus dem rahmen – gerne besteigen, um – um himmels willen – ein kühles lüftchen zu erhalten. jetzt habe ich auch begriffen, was kunst ist! ein kühles frisches lüftchen… meine güte…

  15. Meine Güte sagt:

    …nochmals ich. diesmal nüchtern. turmgeschichte, ich habe mich jetzt schlau gemacht. und es steht in diesem blog kein wort über den krieg zwischen der kirchlichen gassenarbeit und der stadtgalerie: der turm ermöglicht freie sicht auf die drogenanlaufstelle. das ist voyeurismus pur und ein kommunikationskonflikt – denn anscheinend wurde die aktion der stadtgalerie zu wenig klar kommuniziert. die gassenarbeit fordert übermässig, den turm nicht zu öffnen – was blödsinn ist. von der seite stadtgalerie hat man (tarn?-)netze aufgespannt – und will es damit belassen.
    die argumentation vom künstler, kunst mache nur sichtbar, was schon da ist, nur eben aus einer anderen perspektive – ist so platt, als hätte die platte einen sprung. meine güte, wie sensibel.
    dabei könnte man sich doch öffentlich entschuldigen, zusammen eine lösung suchen, die beiden zu gute kommt. die gassenarbeit könnte zum beispiel von der aktion pr-technisch gute aufmerksamkeit für ihre arbeit und zustände bekommen. die stadtgalerie könnte kunst mit einem konkreten gesellschaftskritischen thema in einen spannenden dialog bringen.
    aber was soll’s. für jene, die turmgeil diesem konflikt aus dem weg gehen wollen, sei der holzturm auf dem gurten wärmstens empfohlen! DAS ist eine andere perspektive von bern und dazu wackelt das ganze noch verdächtig…

  16. Herr Gnos sagt:

    mehr dazu lesen sie hier: Turm mit «Umsicht».

    und hier: Die Angst vor dem Kunst-Turm.

  17. Monsieur Gaberell sagt:

    Sehr gut Herr Gnos – da steht alles geschrieben was mir in den letzten Tagen auch schon zu Ohren gekommen ist. Auch die Zahl 100’000 ist mir zu Ohren gekommen. Und wenn diese Zahl tatsächlich den Gesamtkosten dieses Turmes entspricht, dann bin ich ab sofort leicht verunsichert was die Dafürs betrifft…

  18. ac30 sagt:

    Der Turm bleibt mir bei allen Interpretationsversuchen ein eher mageres Ideengerüst und wirkt an seinem Standort als möglichen Kick für Fernwehsüchtler und Höhenängstler geschmacklos und zynisch.
    (oder habe ich etwas falsch verstanden?)

  19. Herr Gnos sagt:

    es gibt noch was neues zu berichten in dieser sache: Gerüstturm: Streit beigelegt.

  20. Herr Gnos sagt:

    und schon wieder gibt es im «bund» was neues zu lesen über den turm: Mit Aussicht auf die Zukunft.

  21. Herr Gnos sagt:

    falls sich überhaupt noch jemand hierhin verirrt, hier noch der hinweis auf einen weiteren text zum thema im «bund»: Vom Turmbau zu Bern.