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33 Revolutions per Minute

Grazia Pergoletti am Freitag den 16. Juni 2006

Obwohl ich eine Vinylliebhaberin bin und immernoch einen Plattenspieler in Betrieb habe, dachte ich bis jetzt, “33rpm” steht für “33 Rounds per Minute”. Falsch! Das r steht für “Revolutions”.

Unter dem Titel 33 Revolutions per Minute zeigt die Berner Künstlerin Diana Dodson im Off-Kunstraum “Marks Blond Project” eine kleine feine Installation. Am Donnerstag war Vernissage.

Marks Blond Project ist in einem ehemaligen Kiosk in der Länggasse zu Hause (Ecke Freiestrasse/Muesmattstrasse). Im Schaukasten, wo früher Illustrierte zur Schau gestellt wurden, prangt nun die Aufforderung “Join the Revolution”. Im Inneren des Kiosks ist eine Showbühne in Rosa, Silber und Spanplatte aufgebaut, die Assoziationen von Musicstar bis Las Vegas weckt. In der Mitte dieses Bühnchens ist wiederum eine kleine Drehbühne eingebaut, etwa von der Grösse eines Plattentellers. Auf der Rückwand glänzt in nostalgischer Schrift das Zauberwort “Revolution”.

“Stand on the revolving circle. Imagine yourself in your greatest physical, mental and spiritual potential. Keep turning.” Diese Slogans werden von einer künstlichen und angenehm einlullenden Stimme gebetsmühlenartig wiederholt (und stehen auch an den Wänden rundherum geschrieben – wer sie lesen will, muss sich schon mal um die eigene Achse drehen).

Keep turning! Das liess ich mir nicht zwei Mal sagen und stellte mich auf die Drehbühne. Und war dann ziemlich hin und her gerissen, ob ich dieses Drehen nun angenehm finden sollte, oder ob ich da oben zum Objekt verkomme, dass von allen Seiten begutachtet wird.

Neben der Bühne steht ein alter Plattenspieler und dreht sinnlos, weil ohne Platte, vor sich hin. Vielleicht ein Verweis darauf, wieviel revolutionäre Sprengkraft Musik einmal hatte.

Und heute? Ist alles nur noch Show? In Zeiten, wo vom Autohersteller bis zur Kosmetikindutrie alles mit “Revolution” beworben wird, ist Diana Dodson mit dieser Arbeit ein ironischer und sinnlicher Kommentar gelungen.

Die Installation ist noch bis zum 20. Juni zu sehen. Weitere Informationen zu Marks Blond Project unter www.marksblond.com.

(Foto: David Aebi)

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