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Punk ist nicht tot – aber kompliziert

Manuel Gnos am Freitag den 28. April 2006

TV SmithTV Smith? Im Café Kairo? Das muss irgendeine schräge Kopie einer billigen Fernsehshow sein, dachte ich mir, als ich das Plakat zum ersten Mal sah. Doch das Bild unter dem Schriftzug passte nicht wirklich dazu: Ein Mann mit Gitarre, das Gesicht nicht zu erkennen, aber aufgrund der Haltung war klar: Der Mann ist nicht mehr der jüngste und er scheint kein Jazzgitarrist zu sein. Was darunter stand, bestätigte diesen Eindruck: TV Smith war Sänger der offenbar legendären Punk-Band The Adverts.

All das sagte mir nichts, denn Punk ist irgendwie an mir vorübergezogen wie die Monbijoubrücke über den Aareschwimmer: faszinierend zwar, aber eben doch zu weit weg um greifbar zu sein.

TV Smith, Jahrgang 1956, sieht aus, wie ein Altpunker aussehen muss: etwas verlebt, dürr, gross, ein leichter Buckel, Trägershirt und Würgejeans. Die Ansagen machte Smith in Deutsch, mit einem Schelmenlächeln auf den Lippen. Die Songs sang er mit Inbrunst; sie sind kraftvoll, zum Teil angenehm hymnisch angehaucht, wenn auch nicht von Genialität getragen.

Fazit: Punk ist nicht tot – aber kompliziert. Besonders dann, als der Ur-Punker mit schlacksiger Bewegung dazu einlud, doch eine seiner CDs oder ein T-Shirt zu erwerben. Obwohl, wie TV anfügte, er nichts vom Kapitalismus halte… Die etwas mehr als zwanzig Leute vor der Bühne schienen dieses Dilemma nur allzu gut zu kennen.

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2 Kommentare zu “Punk ist nicht tot – aber kompliziert”

  1. kulturtäter sagt:

    aber bitte, der werte herr smith ist auf der bühne ein unglaublich energiegeladenes hochdruck-ereignis. und songs wie “it’s expensive being poor”, “generation y” oder “gary gilmore’s eyes” sind hymnen.

  2. Vika sagt:

    Punks not dead!!^^