Der Montagsblues in Bamako

Urs Rihs am Donnerstag, den 14. Dezember 2017 um 3:15 Uhr

Gar verspätet sicher
Und trotzdem eben wichtig
Ein kleines Echo wenigstens
Auf grossen Groove im Bonn

Am Montag

Kühlschrank leer
Kopf leer
Seele –
Zum Trost nur Toast
Zigarette immerhin
Schwarzer Kaffee
Schwarze Scheiben auf dem Spieler immerhin
Gegen Abend die zündende Idee
Alter Schwede voller Freunde
Autobahn
Bad Bonn Bamako

Am Montag

Bühne voll
Erwartungsvoll
Seelen –
Zum Trost
«SONGHOY BLUES»
Voller Freude

Delta
Sahara
Ghetto

Mississippi
Agadez
und eben Bamako

«SONGHOY BLUES»

C’est du Mali

On a dancé
On a bougé
On a chanté

Allors Merci

Une fois de plus la musique nous a sauvé

Même qu’on était vide
Même qu’on avait le cafard
Même que c’était –

Lundi

Zugegeben, da war auch noch die Bühne leer. Doch eine Band zu fotografieren bringt Unglück – alte R’N’R Weisheit – und das war am Montag definitiv nicht zu riskieren.

In Chinas düsteren Hinterhöfen

Gisela Feuz am Mittwoch, den 13. Dezember 2017 um 7:07 Uhr

Ein bisschen wie Tarantinos Pulp Fiction, nur gezeichnet. Und genau gleich wie es Pulp Fiction in den Anfängen tat, sorgt auch der Animationsfilm «Have a Nice Day» in gewissen Kreisen für rote Köpfe, wurde der Independentfilm doch in China und Frankreich zensiert. «Have a Nice Day» ist das Werk des chinesischen Künstlers Liu Jian, welcher seine schwarze Komödie in Eigenregie schrieb und über drei Jahre lang alleine daran zeichnete.

«Ao je le» so der Originaltitel von Jians Animationsfilm, spielt im Randbezirk einer südchinesischen Grossstadt. Baustellenfahrer Xiao Zhang knöpft dem Kurier des lokalen Mafiabosses Onkel Liu eine Tasche ab, welche eine Million Yuan enthält, also rund 150’000 Franken. Mit dem Geld will Zhang seiner Verlobten eine Schönheitsoperation in Südkorea ermöglichen. Als der junge Mann in einer Imbissbude seine Nudelsuppe mit einem grossen Schein bezahlt, wird ein windiger Kerl mit selbstgebauter Röntgenbrille auf ihn und seine Tasche aufmerksam. Derweilen ist auch die Cousine von Zhangs Verlobter unterwegs Richtung Geldtasche, sie und ihr Freund träumen davon, fernab der Zivilisation ein Arbeiter- und Bauernleben nach maoistischem Vorbild zu führen. Und dann ist da auch noch Onkel Liu. Dieser ist zwar gerade damit beschäftigt, einen befreundeten Maler zu foltern, den Diebstahl seiner Geldtasche kann der Mafiosi aber natürlich nicht auf sich sitzen lassen, weswegen er einen Auftragskiller auf den Fall ansetzt. Was folgt sind Irrungen, Wirrungen, Zufälle, Stromschläge, blutige Schlägereien und ein folgenschwerer Autounfall.

Liu Jian lässt in «Have a Nice Day» eine Geldtasche zwischen Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft hin- und herwandern und offenbart dabei jeweils deren ganz persönliche Wünsche, Sehnsüchte und Abgründe. In mehrheitlich trüben Farben – der Himmel ist stets grau und die Hinterhöfe duster – zeigt Jian die Kehrseite eines urbanen Chinas, welches durch den Einzug des kapitalistischen Systems in den Grundfesten erschüttert wurden. Dank ruhigem Erzähltempo wird den ästhetischen, gemäldeartig wirkenden Bildern viel Raum gelassen. Und dank knorrigen Charakteren, verschrobenem Humor und der Liebe zum gezeichneten Detail wird «Have a Nice Day» zum durchaus vergnüglichen Neo-Noir-Animations-Abenteuer, an welchem auch Grossmeister Tarantino seine Freude haben dürfte.

Liu Jians «Have a Nice Day» läuft ab morgen 14. Dezember im Kino Rex. Am Freitag gibt es in der Printausgabe von Der Bund voraussichtlich ein längeres Interview mit Regisseur Liu Jian zu lesen.

Ho ho ho! Schöne Bescherung: Teil 2

Anna Papst am Dienstag, den 12. Dezember 2017 um 4:53 Uhr

Seit 50 Jahren mit dem Liebsten verheiratet und keine Ahnung mehr, was man ihm noch unter den Christbaum legen könnte? Ihr Chef ist ein Schafseckel eine führungsstarke Persönlichkeit, die bereits alles besitzt? Ihre Schwiegermutter hasst sie und ihre neue grosse Liebe weiss noch nichts von ihrem Glück? Alle Jahre wieder entpuppt es sich als hochkomplexe Angelegenheit, für jede*n das passende Weihnachtsgeschenk zu finden. Aber keine Sorge, KSB lässt sie nicht hängen. In unserer Bescherungs-Serie wird Ihnen geholfen. Wir treffen für Sie die Vorauswahl, sie gewinnen. Einfacher gehts nicht. Heute zum Beispiel Tickets für einen “Tatort” mit einer Wasserleiche.

Hat Flipper wirklich Selbstmord begangen? Das zumindest behauptet sein Trainer Richard O’Barry. Oder vielmehr ihr Trainer. Flipper, “der Freund aller Kinder”, wurde nämlich von fünf verschiedenen Delfinweibchen verkörpert. (Warum Hollywood aus fünf Meeressäugerinnen einen Tümmlerkerl gemacht hat, darf gewerweisst werden.)

Erkennen sie den Serienstar der 60er? Peter Cripps Clark ist “Flipper”.

Eines der fünf Tiere starb in den Armen ihres Dompteurs O’Barry. Er wandelte sich daraufhin zum Tierbefreiungsaktivist und Oscarverleihungsstörenfried und gerät seither regelmässig mit dem Gesetz in Konflikt. Ist er also auf gut englisch ein reliable witness, wenn es darum geht, die mysteriösen Umstände von Flipper-Darstellerin Cathy zu klären?
Allein für die Anlage, die krude Aussage von O’Barry als Ausgangspunkt einer detektivischen Untersuchung zu nehmen, muss man Unplush schon auf die Schulter(n) klopfen. Dass die junge Berner Compagnie den Krimi aber nicht nur spielt sondern tanzt, dafür möchte man ihnen die Füsse küssen.

Am Donnerstag 14. Dezember feiert “Flipper” von Unplush Première in der Dampfzentrale. Für die Vorstellung und die anschliessende Party können sie 2 Tickets gewinnen! Schicken Sie eine Mail mit Stichwort “Cathy” bis Mittwoch, 13.Dezember 12:00 Uhr an diese Adresse.
Weitere Vorstellung: Samstag, 16. Dezember.

Ho ho ho! Schöne Bescherung: Teil 1

Gisela Feuz am Montag, den 11. Dezember 2017 um 11:57 Uhr

Seit 50 Jahren mit dem Liebsten verheiratet und keine Ahnung mehr, was man ihm noch unter den Christbaum legen könnte? Ihr Chef ist ein Schafseckel eine führungsstarke Persönlichkeit, die bereits alles besitzt? Ihre Schwiegermutter hasst sie und ihre neue grosse Liebe weiss noch nichts von ihrem Glück? Alle Jahre wieder entpuppt es sich als hochkomplexe Angelegenheit, für jede*n das passende Weihnachtsgeschenk zu finden. Aber keine Sorge, KSB lässt sie nicht hängen. In unserer Bescherungs-Serie wird Ihnen geholfen. Wir treffen für Sie die Vorauswahl, sie gewinnen. Einfacher gehts nicht. Heute zum Beispiel Tickets für einen vergnüglichen Französischkurs.

Haben Sie kürzlich auch schadenfroh gegrinst, als das Video von diesem wackeren Soldaten die Runde machte? Der arme Kerl musste bei einer Übung den Wagen von Bundesrat Guy Parmelin anhalten und diesen kontrollieren. Das tat er in schönstem Fransee Federal: «Schö dömand …. de wotre papiee …. dü ….. iiideee…. e la papiee de reson …. ghö wu pö passee …. sür set …. port.» Falls Sie gerade gegrinst haben: Wissen Sie etwa, was Steuerrad auf Fransee heisst, he? Eben. Anstatt sich wegen der Französischkenntnisse anderer einen Schranz zu lachen, bessern sie doch gescheiter ihre eigenen auf. Beste Gelegenheit dazu bietet das Westschweizer-Duo Carrousel.

Mit «Filigrane» veröffentlichen die beiden Chansonniers bereits ihr viertes Album. Wie gewohnt frönen Sophie Burande und Léonard Gogniat darauf einer Mischung aus Folk, Chanson und Pop und singen abwechselnd oder im Duett, wobei ihre Stimmen sanft ineinander verschmelzen. So bisschen wie Pastis mit Wasser. Viel Charme und Lässigkeit kommt da auf der Bühne daher. On pö fremon se …. cupeee …. ün disk de sa, he.

Am Samstag 13. Januar sind Carrousel im Bierhübeli zu Gast. Sie möchten 2 Tickets gewinnen für dieses Konzert? Dann schicken Sie hierhin eine E-Mail.

Kulturbeutel 50/17

Gisela Feuz am Montag, den 11. Dezember 2017 um 6:07 Uhr

Frau Feuz empfiehlt:
Am Dienstag gehts im Dachstock bretthart zur Sache, Wolves In The Throne Room sind zu Besuch, die eine Mischung aus Black Metal, Postrock und Ambient fabrizieren. Am Mittwoch kommen im Schlachthaus Theater Berner Musizierende aus den unterschiedlichen Sparten zusammen, um Geld zu sammeln zugunsten einer lokalen Oranisation. Nebst den Feet Peals von Tätschmeister Patrik Zeller sind diese Jahr auch Ariane von Graffenried, Sandra Künzi, Simon Hari und Dennis Schwabenland mit von der Partie. Am Freitag statten Sie der Dampfzentrale einen Besuch ab: Simon Ho und Michael Fehr spielen ihr fantastisches Album «Bruxelles», im zweiten Teil des Abends performed das Duo KiKu aus Lausanne zusammen mit Blixa Bargeld (ja, DER Blixa Bargeld) und dem New-Yorker-Rapper Black Cracker.

l’orso empfiehlt:
Zeitgenössische elektronische Musik im Sukkulentenhaus des Botanischen Gartens am Sonntag, das ist ADV3NT 2017, eine Veranstaltungsreihe mit therapeutischer Wirkung, denn nichts lässt einen die spätjährliche Hektik besser ertragen, als schräge Klänge zwischen Kakteen und Wolfsmilchgewächsen, glaubt mir und gönnt euch das.
Wer sein sonores Wellness jedocht lieber in dunklen Räumen und im Rauch pflegt, der bewege seine kältestarren Glieder am Samstag in den Raum am Terrassenweg. Dort gibts rauen Beton-Blues von HELL’S KITCHENETTE und das garantiert einiges an Seelenwärme.

Fischer empfiehlt:
In die Dampfere schon am Donnerstag, da gibt es das neue Stück von Unplush zu sehen, es wird dem Vernehmen nach um suizidale Delphine und um Poolputzroboter gehen. Und es wird mehr geboten als einfach ein Tanzstück, der Abend markiert auch gleich den Start von Unplush invites, einem neuen Format der Tanzkompanie, die parallel zu ihren laufenden Projekten immer wieder Events mit Installationen, Performances und DJ/Live Sets kuratieren wir

Die Krstic empfiehlt
die charmante Lücke beim Bollwerk, das Gränni nämlich. Dort spielt am Donnerstag Sir Howald, der Mann mit den Wundergeräten.

Djingis Schwab empfiehlt:
Dito die Krstic, ein Lieblingsgitarrist dieser Howald und nur mit Arztzeugnis verpassbar. Schon heute fragen wir uns einmal mehr ja where the hell?! und tanzen zu den Wüstenboys von Songhoy BluesSie erinnern sich.

#BernNotBrooklyn

Roland Fischer am Sonntag, den 10. Dezember 2017 um 13:12 Uhr

Bern ist zwar nicht Brooklyn, aber hey, auch in der Hauptstadt ist mächtig was los, beispielsweise an einem Freitagabend auf einem Hochhausdach, mit Neuer Musik und einem sich anbahnenden Schneesturm.

Ja, liebe Leser, das ist Bern. Das ist nicht Brooklyn oder Berlin oder Belgrad. Von dem grandiosen Ort am Ost-Stadtrand wird man wohl noch einiges hören in nächster Zeit.

Posten Sie Ihr Foto/Video auf irgendeiner digitalen sozialen Plattform mit dem Zusatz #BernNotBrooklyn. KSB wählt unter den Fotos das leckerste aus und veröffentlicht es sonntags pünktlich zum Katerfrühstück.

Introduction to the Cosmos of Zizi

Milena Krstic am Samstag, den 9. Dezember 2017 um 21:16 Uhr

Die schönsten Liebesbriefe schreibt unser Schwab. Inspiriert kredenze ich einen eigenen. Meiner geht an Zoë Binetti: Tänzerin, Musikerin, Muse und Abvondieserwelt.

Es war Anfang Winter 2015, als mich ein Freund in die Butoh-Klasse der Binetti mitgenommen hat. Ich wusste nicht, worauf ich mich einlassen würde. Ich dachte an esoterisch angehauchte Gschpürschmi-Gymnastik, ich dachte daran, dass sie mir sicher nicht schaden würde so eine Tanzstunde. Aber an etwas Langfristiges glaubte ich nicht. Was sich mir offenbarte war ein Kosmos voller Wissen, Leidenschaft und Verrücktheit. Ich habe eine Frau kennengelernt, die glatt nicht von dieser Welt sein könnte, wäre sie nicht so sehr im Boden verankert und hätte ihren Shit beienander. Das hat sie nämlich.

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Lieber Trauffer, wegen deinem Geissepeter ….

Gisela Feuz am Mittwoch, den 6. Dezember 2017 um 21:09 Uhr

Zuallererst an alle:
Mein Nachname ist Feuz. Schweizerischer geht wohl nicht. Würde man mich in meinen «Heimatstaat» ausschaffen, würde ich in Lauterbrunnen landen.
Ich esse Fleisch. Am liebsten mag ich Cervelat vom Feuer mit angekokelten Rändern.
Ich besitze zwar keines, fahre aber sehr gerne Auto.
Ich gehe gerne Wandern und war als Kind im Jodlerclub.
Ich spiele in einer Garagenrockband (keine gute, dafür eine laute), mag aber auch Popmusik und habe eine heimliche Schwäche für Schlager.
Ja, ich wähle meistens links der Mitte.
Ja, ich arbeite als Journalistin und Lehrerin.
Nein, ich bin weder lesbisch noch eine Hardcore-Emanze noch eine Männer-Hasserin.
Und ja, ich habe in meinem Luxusleben keine dringlicheren Probleme. Darum schreibe ich offene Briefe.
Das wäre also geklärt und entsprechend können sich allfällig kritisch Kommentierende somit auf die Sache und nicht auf meine Person beziehen, gellet.

Lieber Trauffer,
ich bin zufälligerweise letztes Wochenende auf dein neues Video «Geissepeter» gestossen. Ich finde es, nun ja, suboptimal. Wie ich dann herausgefunden habe, hat sich auch Teleclub-Moderatorin Gülsha Adilji darüber geärgert und dies lautstark kund getan. Dass sie daraufhin in den Kommentarspalten übelst rassistisch und sexistisch beleidigt wurde, ist nicht okay. Das siehst du bestimmt auch so. Und dass ein bekannter SVP-Politiker sich dahingehend äusserte, dass die Meinung dieser «veganen nicht autofahrenden linken Journalistin» ja wohl keinen interessiere, ist schlichtweg grotesk, weil komplett zusammenhangslos. Aber item, dafür kannst du ja nichts.

Ich habe dich bis anhin immer in Schutz genommen, wenn irgendwo der Vorwurf laut wurde, der Trauffer sei erzkonservativ und reaktionär und seine Musik des Teufels. Ersteres kann ich nicht beurteilen, weil ich mich nie detailliert mit deinen Songtexten auseinandergesetzt habe und wir uns nie lange genug unterhalten hätten, um diesen Sachverhalt zu klären. Letzteres ist Geschmackssache. Fakt ist: Du bist ein beliebter Musiker, der er versteht, eingängige Popnummern zu schreiben, die einen grossen Teil der Schweizer Bevölkerung toll finden. Das mag ich dir von Herzen gönnen.

Deine Musik wird am Radio gespielt und wird im Familienauto gehört. Die Kinder auf der Rückbank sind ganz bestimmt äusserst angetan von deiner Geissepeter-Nummer. Vergnüglich flott und lüpfig ist das Ganze und die Geschichte um Heidi und Peter vermag ja heute noch viele junge und junggebliebene Kinderherzen zu erfreuen. Während das wackere Heidi in der Vorlage von Johanna Spyri ein mutiges und starkes Mädchen ist, wird sie in deinem Song zu einer sexy jungen Frau (so weit kein Problem), die vom Geissepeter unter aller sau behandelt wird. Damit hab ich dann schon ein Problem. Lass mich erklären.
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MFB-Lieblingsscherben: November

Mirko Schwab am Mittwoch, den 6. Dezember 2017 um 14:44 Uhr

Schwab porträtiert im Auftrag der Musikförderung MFB jeden Monat die liebsten Neuerscheinungen straight outta Berne. Die Kategorie «Hype» ehrt das Langjährige, Brillante, Ausgefeilte und Vielgehörte, das den Berner Pop über die Kantonsgrenzen hinausträgt oder im Feuilleton Wellen schlägt. Die Kategorie «Hope» gräbt in den Tiefen des Untergrunds und verstärkt, worüber noch geflüstert wird – Erstlinge, Fundstücke, Demos.

Hype:
Yangboy$ – «FKA Radio»

Von Feuilleton keine Spur, zum Glück, heute gilt das Gehype auch dem Untergrund. Sie erinnern sich: Die Weirdos aus dem Westen, Cloud Kleefeld – wir hatten sie bereits im August zu den Hoffnungsträgern ernannt. Und sie haben geliefert: Zehn neue Tracks zwischen schwereloser Highness und fiesen Psychotrancebeats, stilsicher und zeitgeistig dekoriert mit zischenden Tremor-Hats und viel digitaler Wittiness. Auch Pillenbub Jonny Bunko hat vorbeigeschaut in den Darksome-Studios und rauscht gewohnt hemmungslos durch vier Features auf dieser nicht selten grandios komödiantischen Radioshow. Non-Sense, Punchlines und Ringtones aus dem frühpolyphonen Zeitalter. Ein Fest der Selbstironie – denn Philosopher-Boy Vo weiss: «Gisch du dir Müeh / Bisch du nume e Bitch.»

Hope:
Willibald – «While We Feel Romantic On Rooftops»

Und weil wir heute Tag des Nachdrucks feiern, spielen wir auch hier bereits gelobhymte Musik. Aus dem Eintrag: «Nieder mit dem Elektrophallus»

«Auf «While We Feel Romantic On Rooftops» gibts nichts, was in der Geschichtsschreibung der Popmusik nicht schon angeklungen wäre, auf einer Jaguar, Jazzmaster, Telecaster irgendwo – und desto erfreulicher ist es, schürft die Band so schnörkellos die alten Wunden und macht der totgeglaubten Gitarrenmukke ein feines Fest in fünf beseelten Liedern. Atemberaubend halsbrecherisch trommelt sich da Christine Wydler bisweilen in Ekstase, drückt Charli Grögli am Viersaiter aufs Fuzz-Pedal. Und eine helle Freude auch der schamanische, von Tonmeister Stefan Allemann blendend inszenierte Gesang der Debo Spiller.»

Still true. Kleiner kritischer Nachtrag: Akutelle Songs sucht man in den Weiten des Internetz allerdings vergebens, so sei auf untenstehende Vorabversion verwiesen. Oder erstehen Sie die hübsch einkartonierte Kompaktdisk direkt an der Quelle.

Die MFB hat sich das Fördern junger Berner Popkultur auf die Fahne geschrieben. Die interessantesten Neuentdeckungen finden Sie in der Spotify-Playlist «Sounds Like Berne».

Bern auf Probe: Transkulturelle Roboter

Anna Papst am Dienstag, den 5. Dezember 2017 um 14:30 Uhr

“Ok, wir machen einen Speedy-Durchlauf. Ihr wisst, was das heisst!”, ruft Graziella Cisternino den vierundzwanzig Spieler*innen zu, die im Progr Atelier 210 darauf warten, dass die Probe von Zeitwerk Theater beginnt. Es herrscht Pausenplatzatmosphäre, man plaudert miteinander, einer fährt mit dem Skateboard durch den Raum, zwei proben Tanzschritte, eine lernt ihren Text, ein Grüppchen sitzt im Kreis und hört Musik, in der Ecke werden Kostüme an- und ausgezogen. Unter blauen, gebleichten und rasierten Frisuren lassen sich auch drei graue Haarschöpfe ausmachen. Cisternino und ihr künstlerischer Co-Leiter Christof Schüepp bezeichnen die Stücke von Zeitwerk Theater als “Transkulturelle Generationenprojekte”. Achtundzwanzig Menschen (an der heutigen Probe waren einige krank) aus Syrien Eritrea, Deutschland, Afghanistan, Portugal, Spanien, Thailand und der Schweiz stehen in der aktuellen Produktion “Interperfekt” auf der Bühne. Sie sind zwischen siebzehn und achtundsechzig Jahre alt, manche sind erst seit kurzem hier, manche haben ihr ganzes Leben in Bern verbracht. Im Stück spielt das keine Rolle und das ist gut so. Diesen Beitrag weiterlesen »