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Homöopathie ist wirkungslos

Hugo Stamm am Samstag den 25. Oktober 2014
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Die meisten Patienten haben keine Ahnung, dass Globuli keine Wirkstoffe enthalten. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Seit 200 Jahren versuchen Homöopathen, die Wirkungsweise der Globuli wissenschaftlich zu beweisen. Bisher vergeblich. Es wird ihnen auch in Zukunft kaum gelingen, denn die alternative Heilmethode verletzt grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse. Zwei Beispiele:

1. Durch Verdünnung wird die Wirkung der Mittel verstärkt (Potenzierung). Nur: 100-prozentiger Alkohol hat erfahrungsgemäss eine stärkere Wirkung als eine Lösung mit 0,0000001 Prozent. Schon Paracelsus (1493–1541) hatte erkannt: «Nur die Dosis macht das Gift.»

2. Die beigemengte Flüssigkeit nimmt laut Samuel Hahnemann (1755–1843), Begründer der Homöopathie, die Information der Wirkungssubstanz auf. Ein solches Phänomen konnte bisher aber in der Natur nicht beobachtet werden. Dann führt Hahnemann okkulte Argumente an. Durch die Potenzierung würden die Mittel «im innern Wesen der Arzneien verborgene, geistartige Kraft» entwickeln.

Die Kritik an der Homöopathie setzt aber viel früher an. Heute hat jeder Mittelschüler wesentlich mehr medizinische Kenntnisse und pharmakologische Erfahrung als Hahnemann vor 200 Jahren. Deshalb verwundert es nicht, dass er seltsame Vorstellungen über den Menschen und seine Gesundheit entwickelte. Verwunderlich ist jedoch, dass Hahnemann heute noch als visionärer Pionier verehrt wird und rund ein Drittel der Leute homöopathische Mittel verwenden. Überraschend ist auch, dass Apotheken Globuli ohne Bedenken anpreisen und viele Ärzte die Kügelchen verschreiben.

Die meisten Patienten haben keine Ahnung, dass Globuli keine Wirkstoffe enthalten. Sie werden nämlich so stark verdünnt, bis kein Molekül mehr in einem Kügelchen zu finden ist. Erst recht keine Ahnung haben die Konsumenten, welche seltsamen Stoffe und unappetitlichen tierischen Produkte benutzt werden, um homöopathische Mittel herzustellen.

So verwenden Homöopathen als Grundsubstanz unter anderem Blattschneiderameisen, Blausäure, Kot des Pottwals, Hundekot, Kakerlaken, Speichel der Aga-Kröte, Gallenstein, Sekret der Bauchdrüsen des sibirischen Bibers, Gartenschnecken, Bettwanzen, Auspuffgase eines Dieselfahrzeuges, Rachenschleimhaut eines Diphteriepatienten, Galle des Braunbären, Kuhmist, Darmbakterien, Regenwürmer, getrocknetes Gift der mexikanischen Skorpion-Krustenechse, Zyankali, Witwenspinnen, Hodenextrakt, frische Eierstöcke, Urin.

Der Grund liegt im homöopathischen «Geheimnis», dass «Ähnliches durch Ähnliches geheilt wird». Vereinfacht gesagt, kann das im Einzelfall bedeuten: Wer zum Beispiel allergisch auf Bettwanzen reagiert, braucht Mittel, die den aus zerquetschten Plagegeistern produziert werden.

Nun hat Hahnemann beobachtet, dass es oft zu einer «Erstverschlimmerung» der Krankheitssymptome kommt. Diese interpretierte er als Beginn des Genesungsprozesses. Nüchtern betrachtet handelt es sich wohl eher um eine Verschlimmerung der Krankheit, weil die Globuli keine Heilwirkung entfalten.

Hahnemann konnte dies nicht zugeben, weil er überzeugt war, dass mit der Homöopathie «ein neues Zeitalter der Menschheit» anbreche. Wurde ein Patient nicht gesund, schob er diesem die Schuld in die Schuhe. Denn Hahnemann vertrat die Doktrin, wer ungesund lebe, verhindere oder verunmögliche die Heilung. Dazu zählte er wunderliche Dinge und behauptete, Kräutertee hemme die Genesung, ebenso stark duftende Blumen, Gemüse aus Kräutern und Wurzeln (zum Beispiel Spargeln), Salate, Stubenhitze, negative Bewegung wie Reiten, Fahren und Schaukeln, übermässiges Stillen, langer Mittagsschlaf, Lesen im Liegen, unnatürliche Wollust, Onanie, unvollkommener oder unterdrückter Beischlaf.

Da wundert man sich schon, dass Millionen auf seine «medizinischen Ideen» schwören. Zumal auch schon Patienten gestorben sind, weil sie es bei schweren Krankheiten verpassten, sich rechtzeitig seriös behandeln zu lassen.