Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Erklärungsnot

Hugo Stamm am Donnerstag den 1. Juni 2006

Bei grossen Katastrophen geraten Mitglieder vieler Glaubensgemeinschaften in einen Argumentationsnotstand, da sie auch „weltliche“ Ereignisse religiös interpretieren wollen oder müssen. Zufall oder Schicksal gibt es kaum, alles gehorcht einer höheren Ordnung oder folgt einem höheren Sinn. Auch ein Unglück.

Wie schwierig der Umgang mit solchen Ereignissen ist, zeigte sich beim Tsunami. Oder aktuell beim schweren Erdbeben auf Java vor ein paar Tagen.

Bei kleineren Ereignissen lässt sich immer eine Erklärung finden: Eine schwere Krankheit oder ein Unfall lassen sich als Prüfung, Strafe Gottes oder karmische Säuberung darstellen. Bei Katastrophen, die wahllos die Menschen ganzer Landstriche – inklusive unschuldiger Kinder betrifft – wird die religiöse Argumentation schwierig. Nicht alle Bewohner eines Erdbebengebietes können karmisch schwer belastet gewesen sein oder nach christlicher Vorstellung schwere Schuld auf sich geladen haben.

Wie ratlos geistliche Oberhäupter angesichts unfassbarer Ereignisse reagieren, zeigte Papst Benedikt XVI bei seiner Polenreise. Im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau fragte er: «Wo war Gott in jenen Tagen. Warum hat er geschwiegen?»

Statt auf die eigene Schuld – auch der der Kirche – hinzuweisen, sagte der Papst, über das deutsche Volk habe «eine Schar von Verbrechern mit lügnerischen Versprechungen, mit der Verheissung der Grösse, des Wiedererstehens der Ehre der Nation (. . .) mit Terror und Einschüchterung Macht gewonnen, so dass unser Volk zum Instrument ihrer Wut des Zerstörens und des Herrschens gebraucht und missbraucht werden konnte». Als seien die Nazis Fremde gewesen.

Wäre es nicht an der Zeit, zu anerkennen, dass es für gewisse Ereignisse keine religiösen Erklärungen gibt?

Starre Glaubenskonzepte

Hugo Stamm am Montag den 29. Mai 2006

Das Wesen aller Glaubensgemeinschaften liegt darin, dass sie sich auf die geistige, spirituelle oder religiöse Autorität eines Verkünders stützen. Religionsgemeinschaften gehen immer auf einen Initianten zurück, der von metaphysischen Visionen beseelt ist oder war.
Die Konzentration auf einen spirituellen oder religiösen Führer führt zwangsläufig zu hierarchischen Strukturen. Diese können sehr flach sein, doch die geistige Autorität steht immer an der Spitze und wird als Vorbild verehrt. Das hierarchische System perfektioniert hat beispielsweise Ron Hubbard, der Gründer von Scientology: Er hat seine grosse Organisation straff durchstrukturiert. Und war damit zumindest im weltlichen Bereich erfolgreich. Mindestens finanziell.
Es scheint, als seien die meisten Glaubensgemeinschaften resistent gegen moderne Geistesströmungen. Gebildete Menschen auf der ganzen Welt sind sich weitgehend einig, dass die geistige Emanzipation des Individuums und die Demokratisierung der Gemeinwesen die grossen Ziele der Zukunft sein müssen. Nur so lässt sich mehr Gerechtigkeit erreichen und Empathie erzeugen.
Die allermeisten Glaubensgemeinschaften zeichnen sich aber nicht durch die Kultivierung von Emanzipations- und Demokratisierungsprozessen aus. Es scheint gar, als würden sich die Entwicklungen in den politischen und religiösen Bestrebungen entgegen laufen.
Das hat in erster Linie damit zu tun, dass Glaubenskonzepte nicht “verhandelbar” sind. Es gehört zum Kern von Glaubensgemeinschaften, dass sie ihre Heilslehre als unverrückbare Wahrheit betrachten. Deshalb ist in den zentralen Fragen keine Korrektur möglich, ein Diskurs sinnlos.
Auch junge spirituelle Zirkel oder Glaubensgemeinschaften kennen eine hierarchische Ausrichtung oder autoritäre Strukturen. Und die Mitglieder, die sonst in allen Lebensbelangen demokratische und emanzipatorische Entwicklungen fordern und durchsetzen möchten, akzeptieren die starren Strukturen als gottgegeben.
Trotzdem begreife ich nicht, weshalb in Glaubensgemeinschaften kaum je über die zentralen Inhalte der Glaubenslehre diskutiert wird. Ich habe sogar den Eindruck, als mache vielen Gläubigen nur schon der Gedanke daran Angst. Sie betrachten Zweifel und Kritik als Sünde.
Trotz allem sei die Frage gestellt: Weshalb kann sich ein Glaubenskonzept nicht entwickeln? Wieso können neue Erfahrungen und Erkenntnisse nicht in eine Heilslehre einfliessen? Schliesslich sind auch im mystischen oder spirituellen Bereich Entwicklungen möglich, die den Horizont erweitern und religiöse Dogmen in neuem Licht erscheinen lassen können.
Ich vermute, dass wir die Antwort auf solche Fragen nicht im religiösen Bereich suchen müssen, sondern eher im menschlichen. Wir haben Angst vor der Vergänglichkeit und dem steten Wandel. Alles bewegt sich rasend, und wir müssen immer schneller rennen, um den Entwicklungen in allen Lebensbereichen halbwegs folgen zu können. Da halten wir uns gern an einem unverrückbaren, erratischen Block, der wie ein Fels in der Brandung steht und unvergänglich ist: Die Heilslehre. Wie heisst es doch in der Bibel: Du bist Petrus der Fels, auf den ich meine Kirche bauen will.
Und es gibt noch zwei weitere wichtige Aspekte, weshalb sich die meisten Glaubensgemeinschaften nicht bewegen: Macht und Autoritätsgläubigkeit. Doch das ist ein Thema, das ich mir für einen andern Blog-Beitrag aufsparen möchte…

Der Mythos Tell

Hugo Stamm am Donnerstag den 25. Mai 2006

Die Diskussionsbeitraege und Antworten auf meinen Text ueber die Mythen fordern mich zu einer Replik heraus. Da ich fern meines PCs bin, faellt er vergleichsweise kurz aus.
Funktion und Wirkung von Mythen sind mir durchaus bewusst. Ich weiss also, dass es Metaphern und Gleichnisse sind, die Unerklaerliches und Geheimnisvolles in Bilder packen und begreifbar machen wollen. Trotzdem schein es mir wichtig, Mythen zu hinterfragen und ihre Wirkung zu untersuchen. Nicht alle sind nuetzlich oder kulturell bereichernd. Viele Mythen verklaeren die Realitaet oder schuetten sie sogar zu.
Ein kurzer Exkurs: Von Mythen und Maerchen gehen eine enorme Kraft aus, ja eine starke Suggestion, wie viele Beitraege richtig erklaeren. Die Bilder und Symbole brennen sich auf geheimnisvolle Art in unseren Erfahrungsschatz ein und praegen unser Empfinden und unser Weltbild. Ja, sie umschiffen offenbar den Filter des Bewusstseins und schmuggeln sich direkt ins Unbewusste. Und praegen somit wieder unser Bewusstsein. Deshalb sollten wir genau pruefen, welche Mythen bereichernd sind und welche uns unheilvoll beeinflussen.
Nehmen wir als Beispiel unseren guten, alten Willhelm Tell. Er praegt vor allem bei patriotischen und konservativen Menschen das Bild vom mutigen, unbeugsamen Mann (natuerlich nicht von einer Frau – in den Mythen sind fast immer die Maenner die Helden, was die Kinder schon in den Maerchen eingeimpft bekommen. Und wenn beispielsweise ein Maedchen wie die Goldmarie zur Heldin wird, dann hoechstens als fleissiges Hausmuetterchen.)
Bei vielen Eidgenossen praegt Tell wohl unser Bild der Schweiz staerker als die historischen Fakten oder der aktuelle politische, gesellschaftliche oder kulturelle Zustand unseres Landes. Deshalb auch der Aufschrei nach der Veroeffentlichung des Bergier-Berichtes. Fuer viele Patrioten ist denn auch Christoph Blocher ein aktuelles Sinnbild fuer Tell. Auch Blocher wehrt sich angeblich gegen unsinnige Vorschriften (Hut gruessen zu Tells Zeiten) und gegen die Classe politique. Es ist aber absurd, wenn ein Milliardaer zum modernen Tell hochstilisiert wird. Der Mythos Tell wird zur Perversion.
Tell ist allgemein ein verhaegnisvoller Mythos geworden. Er suggeriert, dass ein einzelner Held das Schicksal einer ganzen Gemeinschaft mit einer Heldentat zum Guten wenden kann. Helden aber sind mir suspekt – in allen Schattierungen. Und da wir Eidgenossen in den Augen vieler Patrioten auch ein bisschen Tell sind, betrachten wir uns als mutiger als andere Europaeer. Und schon kultivieren wir Feindbilder. Sollen uns die boesen (europaeischen) Voegte ja nicht auf die Pelle ruecken, sonst werden wir den Tell in uns wecken und heldenhaft zurueckschlagen. So praegt Tell unser Bewusstsein und Selbstwertgefuehl als Individueen und “Willensnation” weiterhin stark.
Die Realitaet der Tellensoehne sieht aber anders aus. Wir sind uebergewichtig, wohlstandsverweichlicht, materialistisch, egoistisch duckmaeuserisch usw. Zivilcourage ist nicht des Schweizers Staerke. Wir machen lieber die Faust im Sack, als dass wir zum Pfeil greifen. Ein bisschen Tell sind wir hoechstens am Stammtisch.
Tell fuehrt uns also auf eine falsche Faehrte. Sein Mythos suggeriert Heldentum, wo viel Durchschnittlichkeit und Feigheit den Alltag bestimmen. Deshalb sollten wir den Tell-Mythos hinterfragen und rasch relativieren. Wie auch viele andere Mythen.

Blinder Glaube an die Mythen

Hugo Stamm am Samstag den 20. Mai 2006

Seit ich mich intensiver mit Glaubensfragen befasse, beobachte ich ein seltsames Phänomen. In spirituellen und religiösen Fragen gibt es ein ehernes Gesetz: Je älter eine Erkenntnis ist, desto grösser sein Wahrheitsgehalt. Besser vielleicht: Je älter eine Idee oder ein Konzept ist, desto ehrfürchtiger gehen wir mit ihnen um. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir mit jedem Jahrhundert ein bisschen mehr erstarren.
Das ist erstaunlich. Denn in allen andern Lebensbereichen wird die Halbwertzeit von Erkenntnissen, Theorien und Traditionen immer kürzer. Auch bei den Geisteswissenschaften. Doch in Glaubensfragen ist das Alter ein Wert an sich. Als ob die Glaubwürdigkeit von den Jahrringen abhangen würde. Angesichts der altehrwürdigen „Weisheit“ wagen wir es nicht einmal, kritische Fragen zu stellen. Schliesslich hat die Erkenntnis Jahrhunderte überdauert… Gegen Mythen und Aberglauben – wenn er denn schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat – sind Vernunft und Ratio machtlos. Als gebe es ein geistiges Gesetz, wonach Überlieferungen, Legenden und Mythen heilig seien. Sie geniessen eine „göttliche Aura“. Wer an ihrem Lack kratz, begeht Verrat oder macht sich gar der Blasphemie schuldig. Da ich meine Unschuld längst verloren habe und in den Augen vieler des Teufels bin, kann ich das Tabu brechen, ohne noch tiefer in die Hölle zu rutschen.
Ein paar Beispiele solcher Mythen: Schamanen aus früheren Zeiten hatten noch eine enge Verbindung zur Natur und konnten spirituelle Energien und Heilkräfte vielfältig nutzen, glauben wir unbesehen. Oder die Hexen: Sie sind für Esoteriker mystische Wesen, welche die magischen Kräfte nutzen konnten. Und Druiden, die verehrten Priester der Kelten, verfügten angeblich über das geheime Wissen, das uns modernen Menschen abhanden gekommen ist. Oder die alten Ägypter waren nicht nur die genialen Erbauer der Cheops-Pyramide und der Sphinx, sie waren auch in spirituellen Belangen erleuchtete Meister. Deshalb pilgern viele Esoteriker nach Ägypten, um die spirituelle Aura meditierend in sich aufzusaugen.
Auch die Buddhismuswelle lebt vom Mythos, dass alte Lehren und Erkenntnisse mehr spirituelle Tiefe enthalten als jüngere Lehren. Deshalb geniesst bei uns der tibetische Buddhismus besondere Wertschätzung. Und den Kabbalisten, den jüdischen Mystikern, wird nachgesagt, sie hätten das geheime Wissen entdeckt, das sich hinter Thora verstecke. Ähnlich verhält es sich bei den sagenumwobenen Tempelrittern, den angeblichen Hütern des heiligen Grals.
Ich weiss nicht, ob Druiden, Tempelritter oder Schamanen aussergewöhnliche spirituelle Fähigkeiten hatten. Es ist durchaus denkbar. Aber ich weiss, dass die Quellenlage so dürftig ist, dass wir die Frage nicht schlüssig beantworten können. Das ist auch gut so für die „Weisen“: So können wir die Mythen wunder züchten, bis sie in den Himmel wachsen. Sind sie dort angelangt, entziehen sie sich ohnehin unserer geistigen Kontrolle. Und nähren unsere Sehnsucht nach der Vollkommenheit wie eine Börsenkurve, die endlos steigt.
Ich bestreite nicht, dass manche alte religiöse oder spirituelle Traditionen oder Heilslehren eine Faszination ausüben und tiefe Weisheiten enthalten können. Doch sie sind auch nicht davor gefeit, kitschige Mythen, unhaltbare Geisteskonstrukte, fragwürdige spirituelle Dogmen usw. zu enthalten. Das trifft auf die Weltreligionen genau so zu wie beispielsweise auf die Hermetik, die Theosophie, die Astrologie oder Anthroposophie. Wir neigen sogar dazu, nackten Aberglauben als bemerkenswerte spirituelle Erkenntnis zu bewerten, wenn sie ein paar hundert Jahre alt sind.
Ein Beispiel: Die moderne Esoterik beruft sich im Kern auf die Erkenntnisse von Helena Petrowna Blavatsky. Das Medium behauptete, es sei medial begabt und könne „Durchsagen“ von den aufgestiegenen Meistern, Avataren oder Geistwesen – also göttlichen Autoritäten – empfangen. Somit kommt ihren „kosmischen Botschaften“ ein angeblich absoluter Wahrheitsgehalt zu. Um den ungläubigen, spirituellen Suchern einen Beweis für ihre sensationellen Botschaften zu liefern, zeigte sie ihren Anhängern Briefe, welche die aufgestiegenen Meister ihr übergeben hätten. Die schriftlichen Botschaften lagen jeweils am Morgen in einem abgeschlossenen Schrank. Die staunende Jüngerschaft war fasziniert. Doch als der Kasten einmal verschoben wurde, entdeckten die Jünger einen Schlitz auf der Rückseite des Schrankes. Die Botschaften waren offensichtlich fingiert worden. (Was man ja auch ohne diese Entdeckung hätte wissen müssen.) Doch Blavatsky war inzwischen so bekannt, dass der Betrug nicht mehr ins Gewicht fiel. Die Anhänger der von Blavatsky 1875 gegründeten Theosophie (theosophia = Weisheit Gottes oder Weisheit der Götter, verstanden als das Göttliche im Menschen) lebten geistig schon so in ihrer Scheinwelt und waren so fasziniert, dass für sie die „Wahrheit“ nicht von einem solchen Detail abhangen konnte.
Erstaunlich ist, dass wir bei philosophischen Erkenntnissen mit der Lupe nach Widersprüchen suchen, in spirituellen Belangen aber nicht so genau hinsehen mögen. Es könnte die Sehnsucht nach der Erlösung und der Erleuchtung stören.

Glaube: Eine Frage der Gene?

Hugo Stamm am Sonntag den 7. Mai 2006

Zwei Brüder wachsen in ländlichem Milieu in einer katholischen Familie auf. Die Eltern sind „durchschnittliche“ Katholiken und besuchen gelegentlich den Gottesdienst. Sie bezeichnen sich aber nicht als besonders fromm. Und sie lassen ihren beiden Söhnen viel Freiraum – auch in religiösen Belangen.

Der jüngere entwickelte schon als Jugendlicher eine kritische Haltung dem Glauben gegenüber. Mit 20 Jahren bezeichnete er sich als Atheist, mit 30 als Agnostiker. Auf die Frage: „Gibt es einen Gott?“ pflegt er zu sagen: Niemand hat ihn gesehen, niemand kann seine Existenz nachweisen, und mit Spekulationen halte ich mich nicht auf. Es interessiert mich schlicht nicht.

Der Ältere wurde Messdiener und ging auf dem Schulweg oft in die Kirche, um eine Kerze anzuzünden. Als junger Mann trat er ins Kloster ein und wurde Jesuiten-Pater.

Die beiden Brüder mögen sich gut. Sie unternehmen zusammen oft Bergtouren. Kommen sie an einem Kreuz vorbei, kann sich der Agnostiker eine ironische Bemerkung nicht verkneifen. Und auch dem Mönch kommt gelegentlich eine humorvolle, religiös aber nicht ganz korrekte Bemerkung über die Lippen, wenn er seinen Herrn am Kreuz sieht. Und er frotzelt: Ein Leben ohne spirituelle Erfahrungen ist trostlos, und ein Kosmos ohne Gott wie ein schwarzes Loch.

Zwei Brüder, von den gleichen Eltern gezeugt und in der gleichen Familie, Schule und Kirchgemeinde sozialisiert, entwickeln sich geistig in konträre Richtungen. Wie ist das möglich? Oder anders herum: Weshalb werden die einen Menschen religiös oder gar streng gläubig, während für andere religiöse Gefühle eine unbekannte Grösse bleiben?

Ein Geheimnis, das weitere Fragen aufwirft: Sind religiös empfindende Menschen empathischer als areligiöse? Flüchten vor allem labile oder ängstliche Personen in den Schoss einer vermeintlich rettenden Glaubensgemeinschaft? Oder fehlt den areligiösen die Vorstellungskraft oder gar Phantasie? Ist mangelnde Spiritualität ein Charakterdefizit oder Ausdruck einer besonderen Realitätsbezogenheit? Zählen spirituell besonders tief empfindende Menschen zur geistigen Elite, weil sie mit einem speziellen Sensorium ausgestattet sind? Oder sind sie leichter verführbar? Sehnen sich besonders stark nach der Erlösung, weil sie sich rauen Diesseits verloren fühlen?

Wie auch immer. Bedenklich scheint mir zu sein, dass Gläubige jeder Couleur spirituelle und religiöse Empfindungen zur moralischen Norm erheben. In ihren Augen sind Personen, denen eine Frömmigkeit abgeht, erbarmenswerte Geschöpfe, die auf ewige Zeiten verloren sind, weil sie die Erleuchtung oder das Himmelreich verpassen werden. Dabei lassen sie exakt jene Demut und Bescheidenheit vermissen, die sowohl Esoterik wie Christentum predigen. Der Drang, sich über andere zu erheben, scheint ein urmenschlicher Instinkt zu sein, der sich nicht um Glaubensfragen kümmert.

Und was wäre, wenn das religiöse Empfinden eine Frage der Gene wäre? Der amerikanische Makrobiologe Dean Hamer behauptet, der Glaube sei – unabhängig von der Religion – eine Frage des Hirns und der genetischen Beschaffenheit. Er fand heraus, dass ein bestimmtes Gen in zwei Varianten vorkommt. Träger der einen Version neigen nach seinen Forschungen zu starken spirituellen Emotionen. Wer die 2. Variante in sich trägt, bewege sich lieber auf der rationalen Ebene.

Gestützt wird die Beobachtung durch den Umstand, dass eineiige Zwillinge sehr ähnliche religiöse Empfindungen entwickeln. Und das selbst dann, wenn sie nicht im gleichen Milieu aufwachsen. Danach wäre der Glaube an Gott die Folge einer biochemischen Reaktion.

Sind Naturwissenschafter die wahren Feinde Gottes? Oder sind sie einfach unfähig, religiös zu empfinden und wollen ihre rationalen Erkenntnisse zur Religion oder Heilslehre machen?

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen und den Aufschrei der Empörung in Grenzen zu halten: Ich glaube nicht, dass man religiöse oder spirituelle Empfindungen auf genetische Voraussetzungen oder chemische Prozesse reduzieren kann. Dazu ist unser Bewusstsein zu komplex. Die These von der genetischen Prägung ist aber ein Hinweis darauf, dass unsere Gefühle das Produkt aus einem wunderbaren Zusammenspiel von Körper Geist und Seele sind. Die religiösen genau so wie die „platonischen“ und sexuellen.

PS: Ich habe im Beitrag mit dem Titel „Relative religiöse Wahrheit“ geschrieben, die moderne Esoterik gehe unter anderem auf die Hermeneutik zurück. Das war ein Verschreiber. Seither nimmt Studi diesen immer mal wieder als Beweis für meine fachliche Inkompetenz. Zur Erklärung: Die Geheimlehre Hermetik geht auf den spätantiken Mystiker Hermes Trismegistos zurück. Und mit Hermeneutik schlug ich mich schon vor rund 35 Jahren im Studium herum. Ganz unbekannt ist mir der Unterschied grundsätzlich nicht…

Pferdegottesdienst

Hugo Stamm am Dienstag den 2. Mai 2006

Im Evangelischen Pressedienst wurde ein Artikel verbreitet, der den ersten Pferdegottesdienst beschreibt. Für einmal enthalte ich mich eines Kommentares. Ich werfe nur ein paar Fragen auf: Feiern Menschen einen Gottesdienst im Beisein ihrer geliebten Pferde? Oder geht es um die Liebe der Menschen für ihre Tiere? Werden die Pferde gesegnet, damit sie ein langes, gesegnetes Leben haben? Sollen die Tiere vermenschlicht werden? Werden sie nach der Segnung in den Himmel kommen?

Hier nun der Artikel:

In der Manege stand ein hohes Birkenkreuz vor einem schlichten Tisch-Altar. Daneben eine Kutsche, die dem ehemaligen Michel-Hauptpastor Helge Adolphsen als Kanzel dienen sollte. Das war die Kulisse für den ersten Pferdegottesdienst, der auf der internationalen Fachmesse “Hansepferd” in Hamburg gefeiert wurde. Unter den knapp 300 Besuchern in der neuen Showhalle A 3 auf dem Messegelände der Hansestadt waren auch zwei Dutzend Pferde.

“Wir wollen uns gemeinsam besinnen auf ein wunderbares Mitgeschöpf”, sagte Eberhard Fellmer, Ehrenpräsident des Hamburger Landesverbandes der Reit- und Fahrvereine zur Begrüßung. Zuvor hatten die Jagdhornbläser “Fürst Bismarck” standesgemäße Fanfaren zum Einzug der Pferde in die Gottesdienst-Halle geblasen. Wenn Gott das Pferd bei seiner Schöpfung vergessen hätte, würde Wesentliches fehlen auf der Welt, fügte Fellmer hinzu.

“Pferde haben eine Seele”, sagte Adolphsen in seiner Kutschenkanzel. Sie seien zudem treu, voller Liebe und “einer der wunderbarsten Partner des Menschen”. Dies bestätigte auch Hinrich Romeike, Reiter-Olympiasieger von 2004, der gemeinsam mit dem Ex-Hauptpastor in der Kutsche saß. Man müsse einem Pferd “nur in die Augen schauen”, sagte er. Dann könne man seine Sanftmut und seine Freundlichkeit sehen.

Auch Peter Kreinberg, Western-Reiter und Pferdezüchter, nannte die Pferde “sanfte Wesen”, die alles mit sich machen ließen. Man habe mit ihnen Kriege geführt, Kontinente erobert und sie als Arbeits- und Reittiere genutzt. Heute seien sie vor allem “Freizeit- und Sportpartner”, wollten aber auch als solche behandelt werden, nämlich: möglichst gut.
Die Pferde trabten während des Gottesdienstes im Kreis in der Manege herum, zum Teil mit, zum Teil ohne Reiter. Als einige von ihnen während der Predigt erstmals zu wiehern begannen, wurden sie aus der Halle geführt.

Die Anregung zu dem ungewöhnlichen Ereignis war von den “Hansepferd”-Veranstaltern gekommen. Und Adolphsen war “begeistert” darauf eingegangen: Hatte er doch auch im Michel schon wiederholt zu Tiergottesdiensten geladen. Dazu waren jedoch nie Pferde erschienen.
Affinitäten zum Thema hat der Gottesmann auch: Einer seiner Söhne war Sprecher der Olympia-Mannschaft der Vielseitigkeitsreiter in Athen, ein anderer Sohn ist Fachtierarzt für Pferde.

Blog für die Leser

Hugo Stamm am Sonntag den 23. April 2006

In verschiedenen Beiträgen beklagen sich Blog-Teilnehmer, dass ich nicht auf ihre Argumente reagieren würde. Sie versuchen, einen Dialog zu provozieren und erwarten eine Antwort.

Mein Schweigen hat nichts mit Desinteresse oder Feigheit zu tun. Ich gebe gern zu, dass es mich bei manchen Beiträgen in den Fingern juckt, in die Tast zu greifen, um schwer nachvollziehbare Anwürfe oder Unterstellungen zu kontern. Ich unterdrücke solche Reflexe aus den folgenden Überlegungen heraus:

1. Ich betrachte den Blog als Diskussionsplattform für Interessierte. Ich will nicht als Schiedsrichter auftreten, sondern als Ideenlieferant. Hier sollen die Leserinnen und Leser die Regisseure sein und in einen Dialog miteinander treten können. Gerade für eine Zeitung finde ich diese Form eine wichtige Ergänzung, denn im Blatt findet meist eine Einweg-Kommunikation statt. Die Journalisten erklären die Welt (oder versuchen es), die Leser können nur noch nicken oder die Faust im Sack machen. Zwar gibt es noch die Leserbriefseite, doch dort sind die Möglichkeiten begrenzt. Die Beiträge müssen kurz sein, der Platz ist beschränkt, und die Leserinnen und Leser können nur noch reagieren, aber nicht kommunizieren.

2. Würde ich einzelne Beiträge kommentieren, würde ich wohl heftige Kritik provozieren. Viele würden mir Rechthaberei und Intoleranz vorwerfen. Als Verwalter des Blogs sässe ich immer am längeren Hebel.

3. Da ich in einem sensiblen Themenbereich publiziere, bei dem alle Menschen persönlich betroffen sind und sich als Fachfrau oder Fachmann fühlen, trete ich mit meinen Artikeln und Büchern vielen Menschen auf die Zehen. Kritisiere ich beispielsweise extreme Formen der Esoterik, erhalte ich Applaus von den Freikirchen. Thematisiere ich im nächsten Artikel Freikirchen, hagelt es Kritik von jenen, die mir eine Woche zuvor applaudiert haben.

Es liegt in der Natur der Sache, dass ich mit meinen Beiträgen provoziere und viele Leser verärgere. Das trägt mir dann „Qualifizierungen“ wie Sektenguru, Fanatiker oder Sektierer ein. Würde ich regelmässig auf einzelne Blog-Beiträge reagieren, würde ich solche Vorurteile bestätigen.

Es ist nicht immer leicht, gehässige und verletzende Beiträge über mich lesen zu müssen, in denen ich als dummer Ignorant hingestellt werde. Manche fragen mich auch, weshalb ich mir dies antue. Wie ich oben ausgeführt habe, mache ich es aus Überzeugung. Ich will den Leserinnen und Lesern eine Diskussionsplattform bieten. Es würde mich aber freuen, wenn meine schärfsten Kritiker anerkennen würden, dass ich im Blog zeige, dass Toleranz für mich kein Fremdwort ist.

Ich möchte diese grundsätzlichen Gedanken nutzen, um allen zu danken, die sich gelegentlich auf den Blog verirren. Ganz besonderen Dank all jenen, die regelmässig vorbei schauen oder gar mit ihren Ideen und Gedanken das Forum bereichern. Im grossen und ganzen bin ich erfreut über die hohe Qualität der Diskussionsbeiträge. Ich kann ihnen versichern, dass ihre Beiträge Beachtung finden. Täglich klicken sehr viele Leserinnen und Leser den Blog an.

Relative religiöse Wahrheit

Hugo Stamm am Donnerstag den 13. April 2006

Leben bedeutet Bewegung. Bewegung ist eine der wenigen Konstanten in unserem Dasein. Alles bewegt sich, alle Lebensbereiche unterliegen einer permanenten Entwicklung. Ursache ist unter anderem die Zeit, die uns die Entwicklung aufzwingt. Sie bringt die Unruhe in unser Leben. Wir unterscheiden uns von den Tieren unter anderem dadurch, dass wir mit einem Bewusstsein der Zeit und somit der Veränderung ausgestattet sind. Doch wie vieles im Leben, kennt auch das Gesetz der Bewegung und Entwicklung eine Ausnahme: Die Religion oder den Glauben.

Warum eigentlich? Spirituelle oder religiöse Konzepte oder Heilsvorstellungen gehören im weitesten Sinn zu den Geisteswissenschaften. Auch Philosophie und Metaphysik befassen sich mit den Fragen nach Gott, dem Lebenssinn und dem Leben nach dem Tod. Für Philosophen ist die geistige Entwicklung selbstverständlich. Neue Erkenntnisse ergänzen und verändern Denkschulen und philosophische Richtungen laufend. Nur die grossen traditionellen Glaubensgemeinschaften sind immun gegen die geistigen Entwicklungen der Menschheit.

Die existenzielle Erfahrung der permanenten Bewegung und Entwicklung in allen Lebensbereichen stösst also bei religiösen Fragen an unerwartete Grenzen. Warum soll dieses Gesetz ausgerechnet bei der vielleicht zentralsten Frage des Lebens ausser Kraft gesetzt sein?

Mir ist natürlich bewusst, dass jede Glaubensgemeinschaft überzeugt ist, dass ihre Heilslehre der unverrückbaren Wahrheit entspricht. Die Wahrheit kann natürlich keiner Entwicklung unterliegen. Wirklich nicht?

Ich vermute, dass Heilskonzepte und Gottesbilder Hilfskonstrukte unserer geistig beschränkten Möglichkeiten sind. Wir können mit unserem Geist die universalen Dimensionen nie vollständig durchdringen. Deshalb klammern wir uns an die Überlieferungen, denen wir die Qualität einer göttlichen Inspiration beimessen.

Die christlichen Fundamentalisten machen es vor. Für sie ist die Bibel das unumstössliche Wort Gottes. Auch wenn die Evangelien teilweise erst Jahrzehnte nach dem Tod von Jesus aufgeschrieben worden sind. Sie akzeptieren auch nicht, dass das Neue Testament aus der aktuellen Lebenssituation der Urchristen heraus geschrieben worden ist und die Gleichnisse und Metaphern in die heutige Zeit übersetzt werden müssten.

Selbst die Esoteriker sind letztlich Fundamentalisten. Ihre zentralen Glaubenssätze gehen auf die Hermeneutik, den Hinduismus, den Buddhismus und die Theosophie zurück und sind teilweise sehr alt. Daran ändern auch die jüngeren Disziplinen nicht. Auch Schamanismus, Druidentum, germanische Heilsvorstellungen usw. sind alte Traditionen.

Tatsächlich gibt es kaum moderne religiöse Heilskonzepte, die ernst genommen und als seriös bezeichnet werden können. Und jüngere Glaubensgemeinschaften vertreten meist sehr spekulative Vorstellungen und weisen Sektencharakter auf.

All diese Erfahrungen führen wohl dazu, dass heute viele kritische Geister, für welche die geistige Freiheit ein wichtiges Gut ist, sich mit den traditionellen Glaubensgemeinschaften schwer tun. Vielleicht müssen wir auch die religiösen Heilskonzepte als relative oder subjektive Wahrheiten betrachten. Wie wir es bei Metaphysik und Philosophie als selbstverständlich betrachten.

Von Tätern und Opfern

Hugo Stamm am Donnerstag den 6. April 2006

In meinem Beitrag zum Thema „Kampf für die Freiheit“ schrieb ein Blog-Teilnehmer, „ein Opfer wird nur, wer sich dazu machen lässt“. Ein fataler Satz.
Wenn der Teilnehmer recht hätte, würde es bedeuten, dass es im Zusammenleben der Menschen kein Machtgefälle gäbe. Die Realität sieht leider anders aus. Macht ist eine Realität, die Frage der Macht ist ein zentrales Thema. Und Macht kann zu struktureller Gewalt führen. Machtanspruch und verantwortungslose Machtausübung sind die Ursache von vielen Tragödien in der Geschichte der Menschheit.
Wo Macht im Spiel ist, ist Machtmissbrauch möglich. Und bei Machtmissbrauch gibt es Opfer und Täter. Missbräuche können in allen Lebensbereichen stattfinden: In der Politik, in der Wirtschaft, im sozialen Umfeld. Ein Chef, der Mobbing betreibt, wird zum Täter, der Mitarbeiter zum Opfer. Das Opfer kann sich in der Regel nicht oder schlecht wehren, wenn das Machtgefälle zu gross.
Auch in vereinnahmenden Gruppen gibt es Machtmissbrauch und somit Opfer. Die Gruppe hat einen Informationsvorsprung, kann mit suggestiven und tarnenden Mitteln operieren, den Interessenten täuschen, bei ihm eine Sehnsucht erzeugen und dosiert die Angst benutzen, um ein neues Mitglied zu indoktrinieren. Gegen raffinierte Beeinflussung und Vereinnahmungsstrategien sind einzelne Gläubige weitgehend machtlos. Bedingung ist allerdings, dass sie an die Heilsziele der Gemeinschaft glauben und überzeugt sind, dass diese nur das beste für sie will. Es ist ja der Trick der Täter, dass sie ihre Ziele verschleiern, die Opfer täuschen und ihre Machstellung gezielt ausnützen.
Personen, die von radikalen Glaubensgemeinschaften und Sekten mental manipuliert werden, erkennen durch ihre euphorischen Erlebnisse und massensuggestiven Rituale nicht, dass sie in eine Abhängigkeit geraten. Ja, sie empfinden die Einbindung, welche Angehörige zu recht als Abhängigkeit diagnostizieren, als Freiheit.
Es ist die Strategie der Täter, zu behaupten, es gäbe keine Opfer. Männer, die Mädchen sexuell missbrauchen, impfen ihnen Schuldgefühle ein und fördern damit die Abhängigkeit. Das Opfer getraut sich somit nicht einmal, sich den Eltern anzuvertrauen. Das ist auch der Grund, weshalb so viele Missbräuche nie aufgedeckt werden.
Hinter der Behauptung, Opfer würden quasi freiwillig ihre Rolle ausfüllen, versteckt sich eine unmenschliche Ideologie.

Gotteserfahrungen

Hugo Stamm am Samstag den 25. März 2006

Mir wird immer wieder vorgeworfen, ich sei nicht befugt, über spirituelle oder religiöse Themen zu schreiben, da ich unfähig sei, übersinnliche Erfahrungen zu machen. Gläubige Leser sprechen mir die spirituelle Kompetenz rundweg ab. Sie erwarten von ihren Gesprächpartnern ein Glaubensbekenntnis, weil sie wissen wollen, woran jemand glaubt.
Ich werde mich hier nicht outen, denn es spielt keine Rolle, woran ich glaube. Mir geht es darum, Missbräuche aufzuzeigen und die Leser zu sensibilisieren. Würde ich ein Glaubensbekenntnis abgeben, käme ich erst recht in Teufels Küche. Wenn ich mich beispielsweise als Spiritist oder Schamane zu erkennen geben würde, könnten mich die strenggläubigen Christen in eine Schublade stecken. Er kritisiert uns, weil er ein Heide ist und die germanische Spiritualität propagieren will, würde mir vorgeworfen. Und wäre ich Mitglied einer Freikirche, würden die Esoteriker erklären, ich vertrete mit meiner Kritik persönliche Interessen.
Nur so viel: Ich befasse mich seit über 30 Jahren mit religiösen Gruppen und Fragen. Da kann man vermutlich davon ausgehen, dass mich metaphysische und spirituelle Fragen sehr interessieren. Doch ich mache sie nicht zum Gegenstand der öffentlichen Diskussion.
Da mich viele Blog-Teilnehmer gern belehren (und bekehren) möchten, habe ich einen Vorschlag: Schreibt Eure Gotteserfahrungen und spirituellen Schlüsselerlebnisse in prägnanter Form in den Blog. Vielleicht können wir auf diese Weise das gegenseitige Verständnis etwas fördern und müssen uns für einmal nicht gegenseitig kritisieren. (Es ist natürlich trotzdem erlaubt, auf einzelne Beiträge zu antworten.) Und vielleicht gewinne ich dabei auch ein paar neue Einsichten. (Wer seine persönlichen Erlebnisse nicht öffentlich kund tun möchte, kann ein Pseudonym wählen.) Ich bedanke mich schon im voraus für Eure Beiträge.