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Obskuranten als Quotenrenner

Hugo Stamm am Freitag den 27. Januar 2012
Es wurden bewusst keine Kritiker der Esoterik in die Sendung eingeladen: Standbild aus dem «Club» vom 3. Januar 2012. (Quelle: SF)

Es wurden bewusst keine Kritiker der Esoterik in die Sendung eingeladen: Standbild aus dem «Club» vom 3. Januar 2012. (Quelle: SF)

Spirituelle und übersinnliche Themen stossen bei einer breiten Öffentlichkeit meist auf ein grosses Interesse. Unvergessen sind die Auftritte von Uriella bei Frank Baumann, Viktor Giacobbo und Roger Schawinski. Das «Sprachrohr Gottes» sorgte regelmässig für Spitzenplätze in der Hitliste der Einschaltquoten. Kein Wunder, war sie regelmässig Gast selbst bei renommierten Talk-Mastern.

Doch nicht nur die exaltierte Uriella erzielt hohe Quoten, fast alle Vertreter übersinnlicher Phänomene locken die Massen an die Bildschirme. Deshalb suchen viele Journalistinnen und Journalisten der elektronischen Medien immer wieder esoterische Themen oder porträtieren Geistheiler, Wahrsager und Hellseher.

Es ist offensichtlich, dass viele Journalistinnen und Journalisten eine geistige Nähe zu übersinnlichen Phänomenen haben. Auch beim als links verschrienen Schweizer Fernsehen. Diese drängen immer wieder mit entsprechenden Beiträgen ins Programm.

Ruedi Matter, Generaldirektor des Schweizer Radio und Fernsehen, rechtfertigte sich in einem Interview so: «Es gibt viele Menschen, die an übersinnliche Phänomene glauben.» Tatsächlich: Der Dokumentationsbeitrag über den Handaufleger Walter Wiedmer war die meistbeachtete DOK-Sendung des Jahres.

Das wissen auch Medienschaffende, die wenig mit Obskurantismus am Hut haben. Denn auch sie sind gezwungen, erfolgreiche Beiträge zu liefern. Deshalb ist die Versuchung auch bei ihnen gross, den Publikumsgeschmack zu bedienen und die Chefs zu befriedigen.

Selbstverständlich dürfen alle Medien übersinnliche Themen transportieren. Journalisten sollen die Welt abbilden, wie sie sie erleben. Allerdings sollten sie gerade bei sensiblen Themen die journalistische Sorgfaltspflicht erfüllen. Das passiert aber immer seltener.

Zwei Beispiele aus jüngster Zeit: Karin Frei, neue Chefin des Clubs, hat am 3. Januar mit Vertretern der esoterischen und übersinnlichen Gilde diskutiert und bewusst keine Kritiker eingeladen. Es wurde ein einziger Werbespot für die Esoterik und Alternativmedizin. Frei verpasste es auch, kritische Fragen zu stellen. Die Selbstdarstellung verkam zur gegenseitigen Beweihräucherung.

Am 15. Januar strahlte das Schweizer Fernsehen eine Reportage («Reporter») über die Geisterschule von André H. Corell aus. Die Schüler lernten, Poltergeister aufzuspüren und aus dem Haus zu vertreiben. Am Schluss bekamen sie ein Diplom. Eine kritische Stimme gabs nicht im langen Beitrag, Reporter Hanspeter Bäni sagte, er habe mit dem ironischen Kommentar Distanz geschaffen.

Es ist halt nicht sexy, das knackige Thema durch Spielverderber entzaubern zu lassen. Wenn über 45 Minuten ein wohliges metaphysisches Gruseln erzeugt wird, tut es den Produzenten weh, wenn ein Kritiker mit guten Argumenten sagt, dass alles fauler Zauber sei. Dann fällt die Sendung unter Umständen am Schluss in sich zusammen. Deshalb ziehen es Journalisten oft vor, keine kritischen Fragen zu stellen und keine Gegenstimmen einzuholen.

Damit verletzen sie die journalistische Sorgfaltspflicht und leisten einen Beitrag zur Volksverdummung. Nur, weil sie ihr Steckenpferd reiten oder Quoten bolzen wollen.


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563 Kommentare zu “Obskuranten als Quotenrenner”

  1. b sagt:

    Dem freikirchlichen Wahn (den Wahn-Sinnigen) ist es egal, ob er Menchen entwurzelt; das freikirchliche Christentum fragt nicht nach. (Für diesen Satz bin ich hier…denn Freikirchen sind Kommunikationsverweigerer. Und ich fühle mich überhaupt nicht schlechter oder shuldiger für meine niedere ‘Propaganda! im weltweiten Netz)

  2. @ news-Lisa sagt:

    news
    05.02.2012 um 10:56
    @ccLisa @Lisa LisaLisa
    @ den Faker von Hypatia

    Wie kommen Sie denn zu dem Schluss? Was ich geschrieben habe ist schon fast Allgemeinwissen. Sie können es nachlesen – im web finden sich ganz sicher entsprechende Infos dazu.

    Darin besteht ja gerade die (Ihre) Dummheit: im Anlesen überholten Allgemeinwissens und dem neunmalklugen Platzieren unter Nichtberücksichtigen der Fakten Ihres Gegenübers, welches sie mit einem letzten Worthabenmüssen aushebeln wollen: 35 Jahre Betroffenheit. (z.B. unterstellen Sie bei Ihrer hahnebüchenden Belehrung eine Totalentfernung der SD.. sie gehen meistens von falschen Voraussetzungen aus und nehmen den individuellen Sachverhalt und Argumente überhaupt nicht wahr und zur Kenntnis und plappern Ihr Halbwissen los. Achtung: Bekanntmachung von Lisa. IMir kommt gerade das Bild, dass Sie mit einer Glocke rumlaufen, um Ihre abgelaufenen “Neuigkeiten” zu verlesen….Ihnen möchte ich auch nicht im Krankenhaus begegenen!)

    betr. Faker
    betr. momentan gebotenes erbärmliches , eher Dauer- Schauspiel der sich übertrumpfenden Überlegenheit im letzten Blog. Dass hier – unter Sektierern, Sektenausssteigern, Profilllierern und honorig triefenden Vertretern aller Glaubensrichtungen verarscht und veräppelt, gemobbt, sanktioniert und vor allem ignoriert wird nach Belieben, ist nichts Neues! Ein Spiegel der Gesellschaft? 😉 Leute, die gestern noch zusammen sich visavis gegenüber saßen und miteinander feierten und sich privat austauschten, beschmeissen sich als Anonyma gegenseitig in der virtuellen Welt wegen Nichtigkeiten. Ihre überlegenen Religionen befähigen sie zu allem möglichen, ausser zu persönlicher Konsequenz und Änderung des Lebensstils.
    Und ein gieriger Zeitgeist-Schlund den feinen Speisen auflauernd, heischt verblendend und verblendet um Nachschub.

    b

  3. Idiot savant sagt:

    http://www.tagesschau.de/ausland/missbrauchkonferenz100.html
    Der deutsche Jesuit Hans Zollner, Psychologie-Professor an der Gregoriana: “Uns geht es auch und vor allem um Prävention. Wir wollen Missbrauch in Zukunft verhindern. Es wird niemals ganz auszurotten sein, weder in der Kirche, noch in der Gesellschaft. Aber wir wollen alle Kräfte in der Kirche konzentrieren, damit man in dieser Richtung arbeiten kann.”

    Kommentar vom IS: Lasst den grossen Worten endlich, endlich Taten folgen. Geht den Ursachen von Kindsmissbrauch durch den Klerus ergebnisoffen auf die Spur, und ergreift alle (!) nötigen (!), wirksamen (!) Massnahmen dagegen.

    Keine Aktionismus zwecks Beschwichtigung der beunruhigten Öffentlichkeit, keine rein vertrauensbildende Massnahmen.

  4. mews sagt:

    @@ news-Lisa

    Warum so gehässig? Wo liegt Ihr Problem?

  5. Lisa sagt:

    @ idiot savant

    Guter Beitrag, danke. Ich glaube, dass das der einzig mögliche Weg ist solche Misstände “aus der Welt zu schaffen”.

  6. @ Faker sagt:

    (@ Lisa)

    “Felix/Hypatia”

    franktionistisch = tolle Wortschöpfung, nicht wahr? Sind Sie neidisch?

    Ja, warum so gehässig, Lisa, in einem Klima und Kollektiv des Wohlwollens und der Verhöhnung? (Des Neoliberalismus statt Empathie….)
    In einem Klima der gebildeten, dialektischen und anlagesicheren Hausfrauenhasser…
    und nun auch noch der entsolidarisierten Kranken-Schwestern

    ich vermute Rabbi oder RAJefferson…., die Glücklichen

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  8. clemens sagt:

    Die frage ist was Volksverdummung ist.
    Sogar die Quantenmechanik belegt es langsam,alles um uns herum besteht aus Wellen.
    Darin hat ein ”Gottesmodel” sicher Platz,aber nicht im klassischen Sinne.

    Einstein hat uns wahrscheinlich verschwiegen das unsere Wahrnehmung wellen, die die Lichtgeschwindigkeit ueberschreiten,sich als ”Materie” an uns praesentieren.

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