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Der Zwang zur Anpassung

Hugo Stamm am Freitag den 30. März 2007

Mich beschäftigt in letzter Zeit der wachsende Zwang zur Anpassung. Er ist in allen Lebensbereichen zu beobachten. Und mit der Globalisierung sind die Trends oft auf internationaler Ebene zu verfolgen. Erstaunlich ist, dass Individualisierung und Selbstverwirklichung als die grossen Lebensziele postuliert werden, Denken und Verhalten aber nivelliert werden. Ein Paradox? Eine schizophrene Haltung? Dummheit, die Widersprüche übersehen lässt?

Die Mode diktiert, was wir in diesem Frühling zu tragen haben. Setzt sich der Trend zu Jeans durch, die bis über den Beckenknochen reichen, werden wir bald keine Bauchnabel mehr sehen.

Treten Manager wie graue Mäuse auf, stürzen sich alle Bankangestellte in dunkle Anzüge.

Sind Ferien auf Ibiza en vogue, zieht es die Massen auf die Balearen.

Legt sich die reife Haut in Falten, pilgert frau zum Schönheitschirurgen. Die andern machen es schliesslich auch.

Wir streichen unseren Vorgesetzten den Honig um den Mund und mobben unsere Konkurrenten.

Reitet Christoph Blocher auf einer Erfolgswelle, legt die SVP bei den Wahlen zu.

Kocht die Volksseele wegen der Einwanderer über, sind alle Raser und Verbrecher Ausländer.

Verüben Islamisten einen Terrorakt, sind der Koran, Mohamed und alle Muslime des Teufels.

Es tut dem Selbstwertgefühl offenbar gut, mit den Wölfen zu heulen. Oder den Schafen zu blöken.

Warum ist das so? Was weckt die Sehnsucht, zur Mehrheit zu gehören? Warum haben wir Angst, gegen den Strom zu schwimmen?

Und: Wäre die Welt besser, wenn mehr Menschen aus der Reihe tanzen würden?

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189 Kommentare zu “Der Zwang zur Anpassung”

  1. Daniel sagt:

    @ Michael Bamberger

    Vielen Dank für Ihre Antwort.

    Ich habe den Artikel ausgedruckt und unter 5. „Die christliche Eschatologie“ nachgelesen.
    Aus dieser Sicht, und auch für mich nachvollziehbar, wurde die Offenbarung des Johannes vor allem als Druckmittel gegen die Untertanen zur Anpassung an die gesellschaftliche-kirchliche Ordnung missbraucht. Gleiches geschieht wohl in Sekten.
    Das ist das eine.

    Ich würde aber nicht den Vorschlag, die Eschatologie unter das biblische Bildverbot zu stellen, durchführen wollen, wie es der Autor wünscht. Das wäre auch wieder ein Zwang.
    Ich würde eher ein sich Beschäftigen mit den Bildern der Offenbarung, vielleicht wie in einem Bibliodrama, vorziehen. Und dabei käme es mir darauf an, was denn dieser Imaginationsgehalt mit mir macht. Vielleicht entwickelt er sich weiter. So ähnlich wie wenn ich über einen Traum nachsinne, ihn aufschreibe oder ein Bild dazu male.

    Das soll dann natürlich nicht soweit gehen, dass ich ein neuer Prophet (Daniel;-))werde, das ist dann einfach meine persönliche Angelegenheit.

    Ich habe mal in einem Interview der Schauspielerin Inge Meisel gelesen, dass sie es unverständlich und grausam fände, den Kindern Märchen zu erzählen (!). Da gäbe es so viel Brutales darin, das würde einen schlechten Einfluss auf die Entwicklung ausüben. Ja, vieles Brutales ist darin. Ebenso in der Offenbarung. Ebenso in unseren Träumen. Das ist halt eine Realität. Der Umgang mit diesen „negativen Mächten“ gilt es aber eben zu erlernen, nicht das Wegschauen hilft hier.

    Sich der Bildergewalt bewusst aussetzen und diese Schattenkräfte anschauen ist ein erster Schritt zur Integration. Es gibt aber wohl auch Situationen, wo man nicht hinschauen kann – und daher auch nicht soll, wenn man nicht untergehen will.

  2. Moria sagt:

    rg – Effekthascher

    Materieller Ueberfluss erweist sich meistens als Freund der Langeweile, geistiger als ihr Feind!

  3. bg sagt:

    @elefant schreibt: “…sondern wenn überhaupt, bg etwas vorgehalten”. Im Beitrag davor sind Sie sehr detailliert auf meinen Beitrag über Integration eingegangen und haben noch viele viele Aspekte und ergänzende Themen dazugefügt. Zuerst einmal vielen Dank, dass mein Beitrag, der eigentlich an aysha gerichtet war, für Sie so wichtig gewesen ist, dass Sie sich die grosse Mühe für den intensiven Artikel machten. Ich habe diesen sehr sorgfältig gelesen, habe aber, ehrlich gesagt, nicht genau verstanden, was Sie mir, wenn überhaupt, vorhalten. Es ist sogar so, dass mir ob der Themenvielfalt und den gedanklichen Sprüngen von hundertsten ins tausendste richtiggehend schwindlig geworden ist.

    Als bleibender Eindruck habe ich irgendwie das Bauchgefühl, dass Sie ein frustrieter Mensch sind, der so über alles und jedes herzieht. Ich fühle mich irgendwie als Kotzeimer missbraucht. Das war wahrscheinlich nicht ihre Absicht, aber es ist das, was ich beim Lesen empfunden habe. Ich kann deshalb auch nicht Punkt für Punkt auf Einzelnes eingehen, die Masse an Informationen und Kommentaren ist zu überwältigend. Auf die Argumente im Zusammenhang mit dem Fernsehen kann ich ebenfalls nicht eingehen, weil mir die dort geschriebenen Dinge schlicht fremd und unverständlich sind. Ich habe nämlich vor ungefähr sechs Jahren meinen Fernseher aus psychohygienischen Gründen entsorgt und seither hat sich bei mir kein Bedarf mehr für einen Neuen eingestellt. Ich ziehe es vor, selber zu leben anstatt mir anzuschauen, wie andere Leute leben.

    Ich hoffe, Sie sind mir über diesen fadengeraden Kommentar nicht böse. In der Regel enthalten Ihre Beiträge durchaus Überlegenswertes. Aber ich habe in diesem Fall wirklich Mühe, die Kernaussage herauszufiltern.

  4. bg sagt:

    Ich habe gerade einige Beiträge nochmals durchgelesen und da ist mir von um musad noch der folgende Abschnitt aufgefallen: “Ich bin geborene Schweizerin, lebe aber nicht mehr in der Schweiz. Ich habe gelernt zu sprechen, nicht nur zu denken. Der Schweizer Charkakter ist eher wortkarg (heute mit Inernet , Blogs ecct. hat dies einwenig geandert, und tut gut. ). – So denkt, und denkt ,und denkt der Schweizer, und schluckt, und schluckt und schluckt, bis dann “gnueg Heu dune sich”und explodiert und alles miteinander raus kommt. Und man den Auslaendern alles miteinader in vorwirft. Haette aber der Schweizer von Anfang an das Ventil nicht hochgehen lassen, also immer wieder Luft heraus gelassen, waere das Verstaendnis gegenueber dem Auslaender besser, und auch umgekehrt.”

    Sie beobachten offenbar sehr genau und ich stelle fest, dass in Ihren Zeilen sehr viel Wahrheit steckt. Und durch diese ihre Zeilen angeregt, sehe ich in Ergänzung zu dem, was ich über Integration weiter oben geschrieben habe, noch einen vierten Aspekt. Nämlich den des Redens und Zuhörens. Das ist genau das, was die Schweizer zur Integration beitragen können, sollen und teilweise beteits tun. Ich habe die Gelegenheit, aus nächster Nähe eine solche Integration zu beobachten und teilweise mitzuerleben. Eine Frau aus einem fremden Kulturkreis ist seit ca. einem Jahr in der Schweiz. Sie will dazugehören, und sie gehört dazu. Sie interessiert sich aktiv für unsere Kultur, unsere Gewohnheiten, unsere Sprache. Nach nur einem Jahr hat sie bereits so gut Deutsch gelernt, dass sie sich mit den Nachbarn unterhalten kann, tut dies auch aktiv, ist von den Nachbarn geschätzt. Sie ist mit Schweizern zusammen in einem Dorfverein und hat sich in diesem Jahr bereits ein Netzwerk aufgebaut. Sie hat viele unserer Gewohnheiten übernommen und bewegt sich mit Freude und aufgestellt mit Routine in der neuen Umgebung. Die Frau spricht aber auch über ihre Herkunft, trifft sich auch mit Freunden aus ihrem Herkunftsland, spricht über die Werte, die sie noch heute mit ihrem Herkunftsland verbinden, sie ist stolz auf ihre Herkunft und, das mag Sie aus meinem Mund erstaunen, ich habe im Gespräch mit ihr auch vieles gelernt und aus diesem für mich neuen Standpunkt gewisse gewohnte Dinge überdacht und korrigiert. Es ist nicht unsere Pflicht als Schweizer, Mitmenschen aus anderen Kulturen auf der Strasse aktiv anzusprechen, das kann auch aufdringlich wirken. Aber unser Beitrag zur erfolgreichen Integration kann z.B. darin bestehen, dass wenn wir von Menschen aus anderen Kulturkreisen angesprochen werden, wir uns die Mühe machen, auf Hochdeutsch zu antworten und gut zuzuhören, so dass wir die manchmal in nicht so perfektem Deutsch vorgebrachten Anliegen verstehen. Geduldig zuhören und eingehen auf Mitmenschen, darin sehe ich einen wertvollen Beitrag zur Integration, den jeder Schweizer leisten kann. Das ist doch richtig, oder? Und Antwort auf diese Frage wünsche ich mir nicht von Schweizern, sondern allenfalls von Menschen, die noch mitten im Integrtaionsprozess drin stehen.

  5. bg sagt:

    @aysha schreibt: “meine eltern unternahmen auch andere versuche, mit schweizern in kontakt zu kommen. fazit dieser versuche war: die schweizer treffen sich lieber im restaurant mit anderen und da muss erst noch jeder für sich bezahlen.

    warum schreibe ich dies alles? ich möchte damit sagen, dass die integration in der wohnung stattfindet 🙂

    ladet mal den ausländischen nachbarn, mitarbeiter zum kaffe nach HAUSE ein und geht selber zu ihnen in die wohnung. da ist die integration gegenseitig am effektivsten.”

    Ich habe dies erst nach meinem vorherigen Bericht gelesen. Als Schweizer ist ja auch so, dass wir in der Regel nicht unsere Nachbarn einfach so zum Essen einladen. Höchstens wenn sich im Laufe einer doch längeren Zeit ein Freundschaft eingestellt hat. Ich kann mir aber die Situation in ihrem Bericht vorstellen und die Situation beruht auf völlig anderer Handhabe der Gastfreundschaft und der Gepflogenheiten. Ich wurde auch schon von Leuten aus Osteuropa eingeladen und diese Einladung wurde von mir, als an Schweizer Verhältnisse gewöhnt, als übertrieben und für einen ersten Besuch irgendwie zu verbindlich und zu nah empfunden. Damals war mir ganz einfach die Herzlichkeit und Gastfreundschaft osteuropäischer Völker noch fremd. Nach Reisen in diversen Ländern Osteuropas und vielen Kontakten mit Menschen aus osteuropäischen Ländern verstehe ich heute deren Herzlichkeit und bin auch in der Lage mit ebensolcher Herzlichkeit zu antworten.

    Aber es ist so in der Schweiz, unter Schweizern entsteht Herzlichkeit und Nähe nicht sofort. Auch wenn ich als Schweizer in eine andere Gemeinde ziehe, werde ich zuerst beobachtet und die Annäherung geschieht langsam. Es kann schnell gehen oder aber Jahre dauern, bis ich als Schweizer an einem neuen Wohnort in der Schweiz so richtig dazu gehöre. Aber in jedem Fall führt die Integration über einen Verein und den Stammtisch nach der Vereinsaktivität. Eltern haben hier noch einen Vorteil, da Elternabende in der Schule oft auch zu freundschaftlichen Kontakten führen.

    Und nun zurück zu meiner Frage: Wann ist es aus Sicht eines Ausänders/einer Ausländerin angebracht, diese zu sich nach Hause einzuladen? Wann wirkt es aufdringlich? Wie muss die Einladung sein, dass sie auch angenommen werden kann? Was können wir Schweizer zur Integration auch noch beitragen? Und was sollten wir unbedingt von Neuzuzügern verlangen und einfordern? Und auch da interessiert mich die Meinung von Menschen, die mitten im Integrationsprozess drin stehen.

  6. Hans sagt:

    @the-it

    Ihr Beitrag ist vollkommen oberflächlich und selbst ein wenig subjektiv. Die Wirklichkeit in der Schweiz sagt etwas ganz anderes. Sie sind vermutlich auch so ein Probleme-Leugner wie die SP-Heinis. Sie sollten wirklich mal mitten drin sein um zu verstehen, dass diese Probleme gelöst werden MÜSSEN.

  7. Romeo sagt:

    @ Das Wort zum Karfreitag an Hugo Stamm und an alle andern “Schriftgelehrten” und Pharisäer: “Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun”.

  8. Horatio sagt:

    @ alle

    Um den Kern der Frage des „Zwangs zur Anpassung“ aus einem Blickwinkel zu betrachten, der in diesem Blog meines Wissens bis jetzt nur einmal auftauchte, hier nun einige kurze Betrachtungen zur angeblichen Willensfreiheit.

    A. Müller schrieb gestern: „Ich denke einfach, dass wir Menschen mehrheitlich Herdentiere sind,… „ausserdem zweifle ich an der Freiheit des Willens.“

    Diesen Aussagen kann deshalb erhebliches Gewicht beigemessen werden, wenn man folgendes in Betracht zieht:

    Als einer der ersten Denker der die Thematik ausführlich analysierte, argumentierte Arthur Schopenhauer bezüglich der Willensfreiheit in seinem Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ (erschienen 1819) mit Entschiedenheit gegen die Willensfreiheit als einer Grundfeste des menschlichen Denkens, denn er belegte philosophisch/logisch eine Verletzung des Kausalitätsprinzips. Der freie Wille sei eine Illusion, stellt er fest, denn in Wahrheit sei der Wille durch chaotische (also äusserst komplexe) Einflüsse ausserhalb des Subjekts gesteuert. Damit nahm Schopenhauer Erkenntnisse der Quantenphysik vorweg, welche bekanntlich den Indeterminismus untermauern.

    Den philosophischen Betrachtungen Schopenhauers folgen die psychologischen Erkenntnisse Sigmund Freuds. 1895, in seinem “Entwurf einer Psychologie”, beschreibt er zumindest drei Elemente, welche heute von der Neurowissenschaft bestätigt sind, nämlich: Das Unbewusste hat mehr Einfluss auf das Bewusste als umgekehrt; das Unbewusste entsteht zeitlich weit vor Bewusstseinszuständen; und das bewusste Ich hat wenig Einsicht in die Grundlagen seiner Wünsche und Handlungen.

    Da wären wir nun bei den kontinuierlich fortschreitenden Entdeckungen der Hirnforschung durch die Neurobiologie angekommen. In den letzten Jahren vollzog sich in diesem Zusammenhang ein kontinuierlicher Erkenntnisfortschritt in dieser jungen Disziplin, durch welche das traditionelle Verständnis einer Trennung von Körper und Geist mehr und mehr obsolet werden. Naturwissenschaftler lieferten zunehmend harte empirische Fakten auf einem Gebiet, auf dem zuvor nur spekuliert wurde. Und je grösser das empirische Wissen über die Funktionsweise von Hirn und Körper wurde, umso klarer stellte sich heraus, dass der von Philosophen und Theologen gepriesene, angeblich in metaphysischen Sphären beheimatete „Geist“ nicht einmal Herr im eigenen Hause war. Hatte man zuvor geglaubt, dass der Mensch tue, was er wolle, so zeigte sich jetzt, dass der Mensch nur im Nachhinein wollte, was er ohnehin schon zu tun im Begriff war.
    Schon 1979 hatte Benjamin Libet, Neurophysiologe an der Univerity of California (San Francisco) erste Belege für diese These geliefert. Er hatte Versuchspersonen aufgefordert, eine einfache Bewegung der Hand auszuführen, wenn sie Lust darauf verspürten, und sich den Zeitpunkt ihrer Entscheidung anhand der vor ihnen postierten Uhr genau zu merken. Währenddessen mass Libet die elektrischen Aktivitäten in Hand und Gehirn. Dabei konnte er feststellen, dass das Bewusstsein, beispielsweise die Finger krümmen zu wollen, fast eine halbe Sekunde nach dem Moment einsetzte, in dem das Gehirn bereits die Vorbereitungen für die Aktion begonnen hatte. Libets Versuche wurden weltweit an vielen Orten wiederholt und variiert. Das Ergebnis war stets das Gleiche: Unser Gehirn scheint die Entscheidungen zu treffen, längst bevor wir meinen, uns bewusst zu entscheiden.

    Der willentliche Entschluss ist also nicht die Ursache, sondern nur eine Begleiterscheinung unseres Tuns. Das aber bedeutet, dass die populäre Vorstellung eines freien Willens wohl nichts weiter ist als eine eitle Illusion. Wir mögen zwar glauben, dass wir uns bewusst entscheiden, in Wahrheit aber hinkt unser Bewusstsein dem Entscheidungsprozess hoffnungslos hinterher. Die Funktion unseres Bewusstseins ist es also nicht, das Handeln zu steuern, es hat vielmehr die Aufgabe, dem Ich einleuchtende Begründungen zu liefern, warum es sich so und nicht anders verhält bzw. verhalten hat.

    Äusserst aufschlussreiches zum Thema liefert uns u.a. Wolf Singer (Max Planck Institut), einer der führenden Hirnforscher unserer Tage. Sehr empfehlenswert sind diese Publikationen:

    • 2002 Ein Frontalangriff auf unsere Menschenwürde. Interview. Gehirn&Geist 4/2002 S. 32-35; ern. in: Angriff auf das Menschenbild. Hirnforscher suchen neue Antworten auf alte philosophische Fragen. Gehirn&Geist Dossier 1/2003, S. 68-71

    • 2003 Ein neues Menschenbild? Gespräche über Hirnforschung. Frankfurt: Suhrkamp 2003 (stw 1596) ISBN 3-518-29171-8

    • 2004 Keiner kann anders als er ist. Verschaltungen legen uns fest. Wir sollten aufhören von Freiheit zu reden. FAZ Nr. vom 8. Januar 2004 S. 33; gekürzte Fassung der Arbeit: Selbsterfahrung und neurobiologische Fremdbeschreibung. DZPhil 52, 2, 2004: 235-255, die m.d.T. Verschaltungen legen uns fest. Wir sollten aufhören, von Freiheit zu sprechen. ern. abgedruckt wurde in: Geyer, Chr. (Hrsg.): Hirnforschung und Willensfreiheit. Zur Deutung der neuesten Experimente. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2004 (es 2387) S. 30-65

    Die Tragweite der juristischen und ethischen Konsequenzen dieses Erkenntnisfortschritts ist enorm. Diesbezüglich wird es sehr spannend sein, die zukünftigen Entwicklungen mitzuverfolgen.

  9. Osterhase sagt:

    Hans – Romeo

    HERR TU was, denn sie wissen nicht, was sie schreiben – rette ihre Geister und unsere damit!

  10. Philosoph sagt:

    Vielleicht müssen wir das Thema “Zwang und Anpassung” auch in einem grösseren Rahmen betrachten. Wir müssen es nicht auf den jetzigen Zeitpunkt einengen. Betrachten wir diese zwei Phänomene schon zu Beginn der Menschheitsentwicklung, ja sogar gehen wir mitten ins Tierreich hinein. Überall werden wir feststellen, dass diese beiden Gesichtspunkten schon immer gegeben sind. Die Wesen werden geboren, um in diesem Zwang und Anpassung zu leben, ja es ist geradezu ihre Grundaufgabe, dies so schnell wie möglich zu vollziehen. Die ganze Erziehung und Entwicklung zieht drauf ab, sich optimal an die gegebenen Lebensumständen anzupassen, geschieht diese Anpassung nicht auf natürliche Weise, kommt der Zwang zum Vollzuge.
    Jegliches Widerstreben zur Anpassung führt eigentlich nur dazu, dass das Individum mit grausamen Methoden zur Anpassung gezwungen. Dies vollzieht sich auf gesellschaftlicher wie politischer Basis. Die ganz hargesottenen Individien werden speziell mit Druck und Zwang in die Anpassung eingeleitet. Dies führt unter Umständen dazu, dass der Einzelne eine ganz grausame Tortur über sich ergehen lassen muss, ja dass sogar seine Individualität völlig zerstört wird und unter Umständen den Tod zur Folge hat.

  11. um musad sagt:

    @ alle

    Bin wieder zurueck aus meine(r) Block-PauseFerien.
    Aber nicht als Stellvertretung Aysha, sondern als Um Musad.

    @ rg.

    Das Geduld ueben hat mir gut getan – und ich musste mich gar nicht lange gedulden. Ihre Beitraege haben mich wieder positiv gestimmt. Moege es viele von ihrer Sorte auf der Welt geben !
    Wie sie sagen, wir mussen lernen einander anzuhoeren,nicht schelle Vorurteile abgeben. Zur gleichen Zeit koennen wir uns bleiben, und jeden Tag wieder Neues erkennen. Und dies macht das Leben gut ertraeglich und macht nicht “eine hat doch alles keinen Sinn ” –Stimmung.
    Auch das Geduld haben am rechten Platz sollten wir ueben. Ich auf jeden Fall erkenne das bei mir und will immer wieder ueben.

    @ the _it

    Auch ihr Beitrag ist fuer mich nicht oberflaechlich, und hat sehr viel Sinn !

  12. Philosophie führt zu nichts sagt:

    Horatio

    Sie sind nicht zu beneiden. Kein Rückgrat. Kein Halt, kein Fundament.
    Die Meinung der anderen ist für Sie entscheidend.

    Viele Worte, kein Inhalt.
    Philosophie hat noch keinem geholfen.

    Lassen Sie die Modelle, schauen Sie in ihr Herz und werfen Sie diese ganze Wissenschaft der Leere weg.

  13. um musad sagt:

    @ der Elefant

    Auch dich hab ich nicht vergessen!
    Wollte ueber T a t e n sprechen, nicht wahr ?
    Will da nicht meine Taten hervorheben, aber evt. von Taten meiner Nachbarn erzaehlen wo ich heute wohne, und wie sie auf meine Mutter in der Schweiz abgefaerbt haben.
    Meine Mutter hat heute regen Kontakt mit ihren Nachbarn, und laed sie oft ein, und umgekehrt. Meine Mutter kocht jeweils einer aeltern alleinstehenden Frau Mittagessen, wenn sie krank ist, damit sie nicht ins Altersheim gehen muss, was dieser Frau ein Graus ist. Wenn in ihrer Umgebung Leute meine Mutter fragen ,warum macht du das und verlagst nicht’s dafuer. —So antwortet sie, wo meine Tochter wohnt heute tun sie das, und das gefaellt mir, so tu ich’s auch !
    …..dies nur ein kleines Beispiel ,vom T u n , inscha Allah (so Gott will) spaeter mehr fals du es gerne anhoeren moechtest.

    Gruss ” das Nilpferd “

  14. Daniel sagt:

    @Philosophie führt zu nichts

    So ein Schmarren, was Sie da schreiben.

    Der Mensch besteht aus Kopf,Herz und Bauch und nicht nur aus dem Herz allein.

  15. der elefant sagt:

    bg

    ja, ich ziehe über alles her… gomer hat dies ja wunderschön entlarvt…

    scherz beiseite: dir, bg, habe ich gar nix vorgehalten. aber in meiner antwort auf gomers unterstellungen wollte ich das wort “vorhalten”, von gomer eingebracht, gern entkräften. vor allem weil gomer meine “vorhaltungen” auf sich bezogen hatte.

    nein, ich schütte nicht einfach jauche über andere blogteilnehmer. wenn ich frust habe, spalte ich holz, danach gehts mir besser.

    es ging mir vor allem darum, den zusammenhang zwischen gegenwartskultur und dem verhalten von jugendlichen aufzuzeigen. gegenwartskultur ist etwas, was den jungen leuten rollen anbietet, aus denen sie dann ihre identität herauskristallisieren können. normalerweise…

    die abwesenheit eines fernseher in der wohnstube haben wir gemeinsam. ich bin jedoch manchmal für einen oder zwei tage in einer stadtwohnung mit tv, nämlich wenn ich katzenhütedienst habe…

    und dann interessiert mich natürlich schon, was andere menschen sich vor langeweile bis zu zehn stunden am tag ansehen. es gibt einen kinderkanal, der neben dauerberieselung mit bunten bildern und krakeel vor allem eine werbeplattform ist… find mal ausserhalb der bauernhöfe ein kinderzimmer ohne fernseher!! sowas muss man heutzutage SUCHEN!

    und wenn die kurzen ins alter kommen, wo der kika nicht mehr cool ist, kommen halt die jugendspezifischen kanäle dran, also vor allem mtv und viva.

    die dort transportierten rollenbilder sind zum teil geeignet, den kids eine menge scheisse ins hirn zu trichtern, um es mal sehr höflich(!) auszudrücken.
    das imitieren oder gar übernehmen solcher verhaltensmuster ist normalität in der pubertät. ich bin früher auch nicht punk gewesen, weil ich das rumlaufen mit bunten haaren und zerfetzter kleidung erfunden hätte, sondern weil mir diese gruppe zur verfügung stand, als eine unter vielen. und da ich nicht in bomberjacke und stiefeln rumturnen und nazi-parolen grölen wollte, und da ich auch nie das zeug zum popper hatte, und da mir die tranige wollsockigkeit der damals noch existierenden gruppe “ökos” auch nicht zusagte, ich aber im alter war, wo man sich eine identität sucht, um sich abzugrenzen, habe ich mir halt diese identität gefasst…

    du warst doch auch mal jung, weisst also, wie der hase da läuft: man teilt mit anderen aus der gleichen gruppe musik- und kleidungsgeschmack und definiert sich über ähnliche haltung zur welt. besonders zur welt der erwachsenen, dieser spiesser, die keinen spass verstehen und einem alles verbieten…

    das ist heute nicht anders, nur kommt heute einiges an veränderungen hinzu:

    (jetzt kommt ein abschnitt, der wird sämtliche hiphopper des landes gegen mich aufbringen…)

    heute ist erstens in keiner über kultur definierte gruppe eine distanzierung von den normen der erwachsenenwelt möglich, da selbst die krawalligsten strömungen in der jugendkultur durch und durch kommerzialisiert sind. mit einem irokesenschnitt kann man nicht mal mehr alte omis schocken, und sämtliche accessoires, egal welcher geschmacklichen ausrichtung, gibts in der migros. zerrissene designerjeans sind in boutiquen um die 300 franken zu haben.

    zweitens gibt es keine jugendkultur mehr ohne bilder. musikvideos sind in meinen augen die erfolgsgeschichte in der kultur schlechthin, seit sie eingeführt wurden – zumindest unter kommerziellen gesichtspunkten. jeder noch so banale song wird wahrgenommen, wenn das video dazu nur ein kleines skandälchen verspricht.

    die erfolgreichste jugendkultur der letzten 20 jahre ist die abteilung rap / hiphop. und die hat sich in den letzten 15 jahren gewaltig verändert.

    ging es ursprünglich um protest – gegen rassistische diskriminierung vor allem -, so ist die szene heute durch kommerzialisierung sämtlicher dazugehörender bereiche geprägt, und durch zersplitterung, die sich immer wieder in hahnenkämpfen der verschiedenen gangs untereinander äussert. ich habe jahrelang im bereich pop- und alternativkultur gearbeitet und könnte dir hier tagelange arien singen, was für eine freude es für konzertveranstalter jeweils war, wenn die gangs aus den verschiedenen städten aufeinander losgegangen sind…

    wir haben seit anfang, mitte der neunziger das phänomen “gangsta-rap” am hals. losgetreten von smarten schnöseln und ex-ganoven, welche durch den verweis auf eine kriminelle karriere sagten: ich bin authentisch, ich komme aus dem ghetto.

    die herkunft aus dem ghetto wurde dieser szene zum umsatzgaranten. sie musste nur plakativ genug ausgebreitet werden.

    nun rate mal, ob eine sparte der kultur, welche sich über einträge ins strafregister definiert, irgendwelche sinnvollen oder wenigstens diskutierenswerten botschaften transportiert???

    es spielte auch gar keine rolle mehr, weshalb und in welchem rahmen jemand zum gangsta geworden war: tupac shakur, 1996 ermordet, war unter anderem wegen körperverletzung und vergewaltigung in kontakt mit den justizbehörden… seit seiner ermordung ein idol der szene. allein die liste der ermordeten kriege ich nicht annähernd zusammen, aber es sind einige stars der szene in den letzten zehn jahren bandenrivalitäten oder sonstigen auseinandersetzungen zum opfer gefallen.

    ein stilmittel früherer tage, welches sich im laufe der zeit verselbständigt hat, ist das sogenannte dissing. das wort ist verwandt mit diskreditieren, und gehört seit jeher zum hiphop: ein rapper macht sich über die inhalte eines anderen lustig oder zieht diese in den dreck. das war einmal: die szenetypische form der debatte.

    diese debatte ist heute kaum noch unter androhung physischer gewalt zu haben, bis hin zur morddrohung.

    und teilweise werden diese drohungen auch in die tat umgesetzt.

    an dieser haltung zur gewalt orientiert sich der ganze schlepptau europäischen hiphops. war europäischer hiphop anfangs verpönt, weil ihm der ghetto-hintergrund abging, so ist er nun: authentisch, wenn die texte nur brutal genug sind.

    die gegenwärtige szene in berlin zum beispiel hört sich an wie eine mischung aus schlachthof und terrorismus, und es wird in immer heftigeren worten die konfrontation mit erklärten rivalen gesucht. dissing ist von verbaler zur nonverbalen auseinandersetzung geworden…

    das bild eines erfolgreichen gangsta-rappers habe ich im letzten beitrag umrissen. bonus: ein gewisser herr snoop dogg, in jüngeren jahren noch unter snoop doggy dog aktiv, verdient sein geld nicht nur mit cds, auf denen es eigentlich nur um sein dickes auto, seine uzi, seine dicken eier und die bitches (das sind für ihn frauen) geht, sondern seit jahren auch mit einer florierenden produktionsfirma – für pornos. noch ein zückerchen: ein gewisser bushwick bill sprengte einst eine podiumsdiskussion über sexismus im hiphop. auf die frage einer journalistin, wie er seine eigene mutter nennen würde, da er frauen doch prinzipiell als bitches tituliere, kam die antwort: meine mutter ist eine frau, aber du bist eine fucking bitch.

    gewaltverherrlichung, sexismus… bleibt noch die weitverbreitete homophobie der szene zu nennen, und man kann unterm strich zusammenfassen: nach der rechtsradikalen ecke der jugendkultur haben wir hier die intoleranteste gruppe vor uns, über die sich junge leute definieren können!!!

    meine behauptung: grad auf ausgegrenzte junge männer üben die vermittelten inhalte einen starken reiz aus. es ist nicht von der hand zu weisen, dass wir ihnen die tür vor der nase zuknallen, wo es nur geht: ich hatte an ämmitaler gestern den 15jährigen erwähnt, der eine morddrohung bereute. ich denke aber auch und VOR ALLEM an das unsägliche abstimmungsergebnis betreffens erleichterte einbürgerung für in der schweiz geborene. WO sollen die sich denn zuhause fühlen und willkommen, wenn nicht im land ihrer geburt??!!

    in der gang sind sie willkommen. in der gang werden sie von ausgegrenzten bubis zu jungen männern, vor denen man sich zum teil fürchten muss. die fehlübersetzung dieser furcht in der szenesprache: respekt.

    sie würden wirklichen respekt suchen und einfordern, wenn die gesellschaft es zuliesse. so aber tut es auch die furcht der gesellschaft… und wir wären noch dümmer, als wir uns ohnehin schon anstellen, wenn wir die ursache unserer furcht vor diesen killermilchschnitten nur bei ihnen suchten: wir hatten es oft genug in der hand, sie aufzunehmen, zu integrieren. stattdessen haben wir sie zurückgewiesen.

    es ist sehr wichtig, im auge zu behalten, dass der gewalttätige teil dieser kultur auch für kids mit schweizer pass attraktiv ist.

    denn es geht nicht nur um positionierung im feld der kulturellen zugehörigkeiten, sondern auch: um das entwickeln einer geschlechterrolle, eines selbstverständnisses als junger mann oder junge frau.

    auf diesem gebiet sollte denen, die am vermitteln der geschlechterbilder des hiphop verdienen, eine päpstliche medaille für verdienste um die restauration mittelalterlicher rollenbilder angeheftet werden, so reaktionär ist das frauenbild, welches ÜBER MTV UND VIVA RUND UM DIE UHR VERMITTELT WIRD!!!!

    wer beim heranwachsen in der eigenen heimat fremd sein muss und sich in gruppen wiederfindet, die solche intoleranten inhalte haben, KANN nicht von sich aus die grenzen erkennen oder gar respektieren, welche für ein friedliches miteinander erforderlich sind.

    und wie gesagt, an diesem zustand verdient die unterhaltungsindustrie milliarden!!!

    all dies, eine wiederholung und ergänzung meines vorigen beitrags an dich, soll zeigen: ohne beurteilung des kulturellen backgrounds ist es vertane zeit, die motive entgleister kids auch nur ansatzweise verstehen zu wollen. und ohne dieses verständnis bleibt integration eine worthülse.

    abschliessend: der abriss über die gegenwartskultur hiphop ist BEWUSST zu deren nachteil gezeichnet.
    es gibt auch wache geister in der szene, aber deren anliegen ist echte(!) gesellschaftskritik, inklusive kommerzkritik: und diese lässt sich nun mal nicht so gewinnbringend vermarkten, wird also nicht in die wohnzimmer transportiert.

    alles in allem habe ich dir bei ein paar behauptungen widersprochen und ergänzungen angebracht. dabei habe ich nicht mal geflucht, denn dazu hatte ich keinen grund. also wirklich nix mit kotzeimer, hoffe ich…

  16. Philosophie führt zu nichts sagt:

    Philosophen wehren sich, aber
    wozu denn führt die Philosophie wirklich?

    Sie hat die Aufgabe Gott lächerlich zu machen und den Geist (dass ich nicht lache!) des Menschen über alles zu erheben.

    Sie reden von Geist aber haben keinen, was sie haben sind bloss wirre Gedanken.
    Luzifer freut’s.

  17. La Jabalita sagt:

    Soso, lieber AEMMITALER – gezeukelt hast du mich also!
    Das ist schon ein bisschen frech von dir, findest du nicht? 😉
    Das Wildsaeuli war ganz enttaeuscht und betruebt, weil es geglaubt hat, dass dir seine Geschichte von Nassredin Hodscha nicht gefallen hat.
    Aber wart nur, bei der naechsten Gelegenheit werde ich deinen Rat befolgen und dich zurueckzeukeln.
    Frohe Ostern an alle. Und fuer MORIA: Feliz Pascua a ti!

  18. La Jabalita sagt:

    Soso, lieber AEMMITALER – gezeukelt hast du mich also…
    Das ist schon ein bisschen frech von dir, findest du nicht? 😉
    Das Wildsaeuli war ganz enttaeuscht und betruebt, weil es geglaubt hat, dass dir seine Geschichte von Nassredin Hodscha nicht gefallen hat.
    Aber wart nur, bei der naechsten Gelegenheit werde ich deinen Rat befolgen und dich zurueckzeukeln.
    Frohe Ostern an alle. Und fuer MORIA: Feliz Pascua a ti!

  19. ÄMMITALER sagt:

    @ Michael Bamberger

    „Unser Gehirn scheint die Entscheidungen zu treffen, längst bevor wir meinen, uns bewusst zu entscheiden.“

    „Die Funktion unseres Bewusstseins ist es also nicht, das Handeln zu steuern, es hat vielmehr die Aufgabe, dem Ich einleuchtende Begründungen zu liefern, warum es sich so und nicht anders verhält bzw. verhalten hat.“

    Uuuuund: Ganze Abteilung halt!!!

    Aufgrund von Begegnungen mit Säbelzahntigern und Archäopterixen (na gut: sagen wir Bären:-)) war es für unsere Urahnen wohl von Vorteil sofort zu reagieren (flight or fight; und allenfalls sogar tot stellen) anstatt sich in Situationsanalysen zu ergehen und DANACH bewusste willentliche Entscheide zu treffen.

    Dieses ‚Wissen’ und diese Fähigkeiten sind in uns angelegt. Wir haben aber noch etwas DAZU gelernt, entwickelt, für den Fall, dass weder Kampf noch Flucht oder gar Totstellen angesagt sind: Soziales Ausagieren – verhandeln, für den Umgang mit Menschen.

    Zum Experiment von Herrn Libet einige Fragezeichen … zum Beispiel: Was wird denn da eigentlich gemessen?

    Meines Wissens ‚feuern’ die entsprechenden Nervenzellen (Finger krümmen) bereits dann, wenn davon DIE REDE ist, also wenn die Aufgabe gestellt wird!! DAS hat Libet offenbar nicht gemessen. – Aber was dann, eine halbe Sekunde vor dem willentlichen Entscheid?

    Nun, ich weiss es nicht und will die Sache auch nicht unnötig kompliziert machen. Es bleiben aber etwa Fragen wie: Was passiert im Hirn, wenn sich ‚Lust auf Finger krümmen’ einstellt? Und: Woher sollte die plötzliche Lust kommen – wenn nicht von irgendwelchen äusseren oder inneren Reizen? … Sollte Libet diese Vorgänge gemessen haben?

    Noch etwas: Sollten Sie, lieber Hornblower, einen ganzen Tag über mit intensivstem Philosophieren verbracht und aus diesem Grund zu essen ganz vergessen haben … und nun erscheint ihre Frau, fragt: „Ja sag mal, Horatio, hast du denn gar keinen Hunger?“ – Dann werden Sie den Hunger vermutlich spüren. Aber wie werden Sie sich entscheiden? – Wollen Sie mir wirklich weismachen, Sie würden ihren Entscheid weiter zu philosophieren nicht selbst willentlich treffen … sondern ihr Organismus hätte Lust auf eine weitere Stunde Philosophie?

  20. Michael Bamberger sagt:

    @ Chère Madame ou Cher Monsieur „Philosophie führt zu nichts“

    Der gute, alte, behornte und mit Ziegenfuss behufte Luzifer wird sich wohl seinen wohlgenährten Bauch angesichts derart höllischer Lachkrämpfe vorsorglich ganz fest halten müssen, bei Ihrem akademisch anspruchsvoll herausfordernden Angehen der Gretchenfrage.

    „Philosophie hat noch keinem geholfen“, sagen Sie!

    Haben Sie dabei, mit Verlaub, eventuell übersehen, dass ohne Hume und Kant die Menschenrechte, die es Ihnen höchst persönlich ermöglichen, hier Ihre völlig freie Meinung kundzutun, auf den sengenden Scheiterhaufen der Geschichte in Rauch und Asche aufgegangen wären, bevor sie je das Tageslicht erblickt hätten?

    „Werfen Sie diese ganze Wissenschaft der Leere weg“, sagen Sie!

    Haben Sie dabei, mit Verlaub, eventuell übersehen, dass Sie diesen Cyberspace, dem Sie hier – dank Denken, Wissen und Technik – Ihre unvergleichlich geniale Dialektik anvertrauen können, gegen qualmende Rauchzeichen oder ähnlich avancierte Kommunikationsmethoden austauschen müssten?

    Willkommen, Chère Madame ou Cher Monsieur, im seligen Eden der Inquisitorischen Leichtigkeit der – im besten Fall – frühmittelalterlichen Art.

    Mögen es Ihnen die gütigen Götter des ewigen, alles verschlingenden Feuers der gesegneten und göttlich lodernden Scheiterhaufen gnädig gewähren, dass Ihre (Weih)Rauchzeichen den recht bald heulenden und Zähne knirschen kleinen Menschlein hier im irdischen Jammertal für immer eine Lachkrampf-auslösend jauchzende Froh- und Drohbotschaft sei.

    Aus dem Hades grüsst bratend

    Michael „Horatio“ Bamberger

  21. der elefant sagt:

    dein gemecker führt zu nichts:

    die philosophie ist älter als dein gott.

    sie ist freier, weiser und menschlicher.

    kein wunder, dass du sie verachtest.

  22. pedaler sagt:

    @horatio
    Einfach zuerst ein Wunsch: meines Wissens ist die Inquisition selbst auf dem Misthaufen der Geschichte gelandet – da sich die Zeit nur vorwärts entwickelt: bitte diese Begriff nicht mehr verwenden.

    Aber sonst: ich helfe Ihnen sehr gerne, die Philosophie zu verteidigen – ich habe mal bei Wikipedia nachgeschaut: “Liebe zur Weisheit” heisst die Uebersetzung aus dem Griechischen – und die Definition von Philosophie ist bereits Philosophie.

    Nun, die Bibel enthält an sehr vielen Orten sowohl “Liebe” als auch “Weisheit” – jede christliche Religion ist auch Philosophie! Religionen sind eine der Möglichkeiten, die Weisheit zu mehren. Weisheit, das ist ein wesentlich anspruchsvolleres Bedürfnis als zuim Beispiel Nahrung oder ein Dach über dem Kopf. Wer also Philosophie ablehnt, hat es letztlich aufgegeben, die Weisheit zu mehren. Und das kann und darf ehrlicherweise auf dieser Erde niemand wollen.

    Weisheit kann man, wie das Sprichwort sagt, nicht mit dem Löffel fressen! Weisheit muss erarbeitet werden, braucht Auseinandersetzung. Das Phänomenale dieses Blogs ist, dass gewisse Dinge immer wieder wie Wellen hervortreten. Deshalb kann ich mich kurz fassen: allgemein anerkannt ist, dass die Bibel als Metapher zu verstehen ist, und sicher nicht Wort für Wort zu übertragen ist. Ich weise zudem auf das biblische Verbot hin, sich ein Bild von Gott zu machen. Auch dies wurde hier in ähnlicher Form bereits zitiert: wenn sich zum Beispiel auf der Suche nach Weisheit aus der Interpretation insbesondere der Schriften neues Testaments herauslesen lässt, dass Gott nicht dieser böse Rächer ist, als den ihn viele haben möchten, dann heisst dies nicht, dass es Gott nicht gibt, sondern dass Gott so nicht beschrieben werden kann – horatio, das ist halt Metaphysik und nicht Rationalimus.
    Und wegen des biblischen Hinweises, sich bewusst zu sein, dass der Hinweis nach dem Splitter im Auge eines anderen Menschen durchaus vom Balken im eigenen Auge ablenken könnte, ist es Menschen schlicht nicht erlaubt, im Namen dieses Gottes anderen zu drohen (ich verweise einmal mehr der Vollständigkeit halber darauf hin, dass sich dieses Verbot zwingend auch aus dem kantschen Imperativ ergibt).
    Es empfiehlt sich, sich beim Engagement für eigene Anliegen an der Liebe zur Weisheit zu orientieren – womit ich wieder bei der Philosophie angelangt wären.

  23. Pfzn sagt:

    Philosophen bleiben in ihren Modellen stecken. Sie sind imstande und tun es auch gerne nur über die Philosophie selbst lange zu philosophieren und werden nie schlüssig.

    Wissen und Technik verdankt man nicht den Philosophen, sondern dem gesunden Verstand.

  24. pedaler sagt:

    @Pfzn
    Tja, wo haben uns Wissen und Technik hingebracht? Sie haben uns in die Lage versetzt, das Leben auf dem Planeten aktiv in Gefahr zu bringen – eine reife Leistung, kann ich da nur sagen!
    “Gesunder Verstand” ist ein Stammtischbegriff – etwa so inhaltsleer ein Emmentalerkäse-Loch…

  25. pedaler sagt:

    @Pfzn
    noch ein Nachtrag.
    Im übrigen sind sehr viele WissenschafterInnen und TechnikerInnen auch philosophisch interessiert – dies ist auch zwingend – mit den Worten eines Buchtitels Die Zukunft ist ethisch – oder gar nicht” (Hans Ruh, Thomas Gröbly)

  26. ajku sagt:

    @ Horatio

    Weshalb erwähnen Sie Dr. Michael Schmidt-Salomon nicht – bei dem haben Sie schließlich abgeschrieben …?

  27. Daniel sagt:

    Der Schlussteil
    eines imaginären Dialogs zwischen René Descartes und Benjamin Libet
    entnommen aus dem Buch
    „Mind Time“ von
    Benjamin Libet (Suhrkamp, S. 243ff)

    „RD: Nun, es ist in der Tat erfreulich, dass meine Vorstellung der Art und Weise, wie eine Empfindung dem Geist vermittelt wird, die ich vor 350 Jahren beschrieb, heute immer noch sinnvoll ist.

    BL: Es gibt einen anderen wichtigen Punkt, zu dem ich gerne einen Kommentar von Ihnen hätte. In Ihren Ansichten über den Geist scheinen Sie die Natur des Geistes auf die Anwesenheit bewusster Erlebnisse einzuschränken.

    RD: Mais oui, nur die Existenz meines bewussten Denkens konnte ich mir sicher sein. Wie wir schon gesagt haben, mit Denken meinte ich ein unmittelbares Bewusstsein von etwas.

    BL: Ja, das ist natürlich eine Position, die man verteidigen kann. In den letzten Jahrhunderten wurden jedoch beträchtliche Belege zusammengetragen, die darauf hindeuten, dass viele unserer geistigen Prozesse unbewusst, ohne Bewusstsein ablaufen. Direkte Belege dafür erschienen in den letzten Jahrzehnten (…). Aber lange davor verfügten wir schon über viele überzeugende klinische und anekdotische Daten. Beispielsweise beschrieb der grosse französische Mathematiker Poincaré, wie die Lösung eines schwierigen Problems plötzlich in seinem bewussten Geist erschien, ohne dass er sich der Art und Weise bewusst gewesen wäre, wie die Lösung zustande kam. Der ganze komplexe kreative Prozess ging unbewusst vor sich. Ist es möglich, solche unbewussten Prozesse in Ihre Vorstellung von sich selbst als „denkendem Ding“ einzupassen?

    RD: Ich muss gestehen, dass die Belege für unbewusste geistige Operationen überzeugend sind. Trotzdem, wenn wir uns meinem „cogito ergo sum“ zuwenden, ist es klar, dass ich nur der Existenz meines bewussten Denkens gewiss sein kann. Ich kann nicht die Existenz eines geistigen Prozesses sicher sein, dessen ich nicht bewusst bin.
    Andererseits sind wissenschaftliche Belege, die zwischen alternativen Hypothesen unterscheiden, der beste Weg zur Wahrheit. Und deshalb würde ich sagen wollen, dass die Existenz unbewusster geistiger Prozesse im Hinblick auf die Belege, die es dafür gibt, sehr wahrscheinlich ist, obwohl ich das nicht mit jener Gewissheit sagen kann, die ich bezüglich der Existenz meines bewussten Denkens habe.

    BL: Gut, lasse Sie mich im Hinblick darauf bestimmte experimentelle Belege erwähnen, die die Existenz eines bewussten geistigen Prozesses unmittelbar bestätigen. Versuchspersonen erhielten elektrische Reize auf eine aufsteigende sensorische Bahn im Gehirn. Bei einer hinreichend lang dauernden Folge elektrischer Impulse (bis zu 500 ms) konnten sie berichten, das sie eine bewusste Empfindung hatten. Bei kurzen Reizfolgen (100 bis 200 ms) hatten die Versuchspersonen überhaupt keine bewussten Reizempfindungen. Sie konnten aber ziemlich korrekt angeben, dass ein Reiz verabreicht worden war, obwohl sie nichts empfinden! Bei einem ähnlichen Experiment konnten Patienten, die ihre Fähigkeit zu bewusstem Sehen verloren hatten (durch eine Schädigung des primären visuellen empfangenden Areals der Hirnrinde), trotzdem auf den Ort eines Gegenstandes deuten, den sie nicht bewusst sehen konnten (so genannte Blindsicht).

    RD: Das ist ein überzeugender Beleg für die Existenz unbewusster geistiger Prozesse, ich denke aber immer noch, dass diese Schlussfolgerung nicht die Gewissheit erreicht, die ich bezüglich der Existenz meines eigenen Denkens (oder Fühlens usw.) habe.

    BL: Lassen Sie mich nach Ihrer Ansicht über die Existenz der Willensfreiheit fragen.

    RD: Oh, ich glaube, dass es kaum einen Zweifel daran gibt, dass wir bei wenigstens einigen unsere Handlungen eine freie Wahl habe.

    BL: Vielleicht interessiert es Sie, von unseren experimentellen Befunden zu diesem Thema zu hören. Wir stellten fest, dass das Gehirn eine Willenshandlung etwa 400 ms bevor die Person sich ihrer Absicht oder ihres Wunsches zu handeln bewusst wird, einzuleiten und vorzubereiten beginnt. Das bedeutet, dass der bewusste freie Wille den Willensprozess nicht einleitet; das Gehirn leitet den Prozess unbewusst ein.

    RD: Gibt es dann noch eine Möglichkeit, wie der freie Wille eine Rolle bei Willenshandlungen spielen könnte?

    BL: Ja. Die bewusste Absicht erscheint etwa 150 ms vor der motorischen Bewegung. Das lässt genügend Zeit dafür, dass die Bewusstseinsfunktion in diesen Prozess eingreift. Der Prozess kann ein Auslöser sein, der ermöglicht, dass der Willensprozess vollendet wird; dafür gibt es jedoch keine direkten Belege. Es gibt jedoch Belege dafür, dass der bewusste Wille den Prozess stoppen oder unterdrücken kann, so dass es nicht zu einer Handlung kommt. In einem solchen Fall könnte der freie Wille das Ergebnis steuern. Das passt zu unserem Gefühl, dass wir die Kontrolle über uns selbst haben, etwas, das die ethischen Systeme von uns verlangen.

    RD: Ich freue mich, von dieser Rolle des freien Willens zu hören. Wie verknüpfen Sie nun all das mit dem Argument der Deterministen, dass wir in Wirklichkeit Automaten sind, die vollständig den natürlichen physikalischen Gesetzen des Universums unterliegen?

    BL: Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube jedoch, dass wir auf Ihre eigene Vorstellung darüber, was wir glauben sollen, zurückkommen können. Das heisst, wir können mit Sicherheit wissen, wessen wir uns bewusst sind. Wir sind uns dessen bewusst, dass wir das Auftreten einer Willenshandlung steuern können, einschliesslich dessen, was wir tun wollen und wann wir es tun wollen. Das ist ein starkes Argument für wirkliche Willensfreiheit. Der Determinismus funktioniert gut für die physische Welt, er ist aber nur eine Theorie, wenn man ihn auf die bewusste geistige Sphäre bezieht.

    RD: Noch einmal bin ich entzückt, dass dieser grundlegende Aspekt meiner Philosophie immer noch wesentliche Verdienste hat.

    BL: Nun, Monsieur Descartes, vielen Dank für Ihre Teilnahme an diesem Dialog und Ihre Geduld.“

    Im erwähnten Buch von Libet kommt seine gediegene und gehaltvolle Art, sein gebildeter Geist, Resultate verständlich mitzuteilen voll zum Zug. Ein lohnendes Buch. Er meint kategorisch, dass es in der Neurowissenschaft oder in der modernen Physik nichts gibt, das uns zwingt, die Theorien des Determinismus und Reduktionismus zu akzeptieren (S.267).

    Ich würde sogar behaupten, dass es vermutlich möglich sein wird – Stichwort Neuroplasitzität – in Zukunft den Einfluss von „Aufmerksamkeit“ auf das neuronale Netz nachzuweisen…

  28. um musad sagt:

    @ Moria

    Der Blog war wieder mal gebockiert ! —darum ein Wort an dich veraspaetet.

    Ich meinte nicht die Geduld ,den Mund zu halten. Sondern die Geduld abzuwarten bis man verstanden worden ist ,wie man etwas versucht hat naeher zu bringen.

    Deine Bemerkung, das eine Stimme wie die von Um Musad , dir nicht egal ist, hab ich sehr geschaetzt !

    Gruss Um Musad

  29. rg sagt:

    @Effekthascher

    “finde technische Invasionen auch gut”

    Danke, war ein Test ob das auch Jemand liest 😉
    Wahrscheinlich hat da der alte Freud etwas damit zu tun 😉

    @der elefant 2007-04-05 16:41:00

    Das war nun wirklich sehr depressiv. Zum Glück kommen viele Jugendliche aus dieser Phase irgendeinmal raus, und treten der wirklichen Welt bei. Genau wie wir damals die Hippie-zeit, die unsere Eltern damals verurteilt haben, überwunden haben.

    Diejenigen die das nicht schaffen, werden dann den Rest ihre Leben mit reklamieren verbringen. (Hölle?)

    @ajku

    Danke für den Tipp das Authors. Interessant!

    @Daniel

    “Ich würde sogar behaupten, dass es vermutlich möglich sein wird – Stichwort Neuroplasitzität – in Zukunft den Einfluss von „Aufmerksamkeit“ auf das neuronale Netz nachzuweisen…”

    Ich würde mich Ihrer Behauptung anschliessen. Natürlich wird auch das, wie alles andere das uns der Fortschritt Beschert, auf “positive” wie “negative” Weise, seine Anwendung finden.

    Das wird uns noch viel Material zum kritisieren geben.

    rg

  30. Michael Bamberger sagt:

    @ ajku – a-j-k [at] mail.ru

    Nichts für Ungut, wenn ich die von Michael Schmidt-Salomon vorgedachte Libet Passage in meiner Replik nicht spezifisch als solche gekennzeichnet habe, ich werde mich bemühen, zukünftig die Quellenangaben konsequenter anführen.

    An der Argumentation ändert dieses Faktum hingegen herzlich wenig.

    Mit Michael Schmidt-Salomon führe ich übrigens – und das nicht nur zu diesem Thema – einiges an spannender Korrespondenz.

    Beste Grüsse ins Land von Puschkin

    Michael „Horatio“ Bamberger

  31. Effekthascher sagt:

    Daniel

    Ich wollte schon lange zum Thema Neurowissenschaften und Bewusstsein schreiben. Ich habe aber irgenwie das Gefühl , dass meine schriftlichen Fähigkeiten nicht reichen um das zu sagen was ich eigentlich zum Thema denke. Darum lasse ich lieber Vilayanur Ramachandran (Interview aus Gehirn und Geist: Angriff auf das Menschenbild)sprechen:

    “Die faszinierendste Eigenschaft des Gehirns ist für mich seine Rekursivität: Wir entwickeln laufend Konzepte über unsere Umwelt und nutzen alle zur Verfügung stehenden Informationen, um ein möglichst koharäntes Bild der Welt herzustellen. Das Verblüfende ist, dass das Gehirn diesehlben Mechanismen , die es zur Interpretation der äuseren Welt benutzt, auch auf sich selbst anwendet. Mein Ich ist ebenso eine Konstruktion meines Gehirns wie meine Wahrnehmung der Dinge dort drausen.”

    Somit sind auch Begriffe wie “freier Wille” und “bewusstes Denken” Konstrukte unseres Gehirns. Das diese neue Kenntnisse über die Entstehung bzw. über die Mechanismen die das Gehirn anwendet um “unsere” Welt zu erschaffen sich von dem was wir “erwarten” unterscheidet verwundert mich überhaupt nicht. Und damit stören mich die paar Milisekunden die fehlen zum “freien Wille” auch nicht.
    Ich finde deshalb deine Dialog zwischen von oben anregend und schön. Danke.

  32. der elefant sagt:

    rg

    das war weiss gott nicht depressiv oder in irgendeiner weise schwarzseherei. sonst müsste ich schon längst unter der erde sein…

    es war ein ausschnitt aus einem panorama unserer gegenwart. das gesamtbild liesse sich dann allerdings als deprimierend bezeichnen.

    ein vorschlag: wir stellen mal für zwei wochen sämtlichen tv-stationen den saft ab. zweimal am tag bzw. abend gibt es nachrichten, ansonsten läuft das gute alte testbild.

    meine frage: wie wird dies das freizeitverhalten sowohl jugendlicher als auch erwachsener ändern? was werden die leute mit der freigewordenen zeit anfangen? also die, die nicht vor dem testbild hocken bleiben…

    ich behaupte, einige werden andere beschäftigungen entdecken, mit denen sie sich die zeit genussbringend oder sinnvoll vertreiben können – während andere wiederum sich vielleicht vor langeweile gegenseitig die köpfe einschlagen werden.

    die mehrheitsverhältnisse unter diesen fraktionen der zwangsabstinenten tv-konsumenten wage ich nicht vorherzusagen, aber mein gefühl sagt mir: der nutzen einer solchen massnahme würde den schaden bei weitem überwiegen.

    wirst sehen: einige werden aus purer verzweiflung anfangen zu lesen… und wenn dann nach den obligatorischen 20 minuten mit inseraterückseiten immer noch bedürfnis nach aufnahme von informationen herrscht, werden einige wohl gar die erste richtige zeitung ihres lebens in die hand nehmen…

    noch mal auf das wort depressiv eingehend: ich nehme an, du meintest es im sinne von depressing. nun, was soll ich dazu sagen?

    ich denke viel in solchen zusammenhängen, suche viel nach der kleinen perfiden seite des grossen ganzen. grad dir habe ich ja sehr viele solcher beiträge gewidmet, z.b. über modeindustrie, pharmaindustrie und krankenkassen. oder über kommerzradios, werbeindustrie und verkehrssicherheit. oder oder oder…

    ich gestehe: ich suche gern nach dem profit, den gesellschaftliche missstände abwerfen können. und abgesehen von wirklich extremen entgleisungen ab körperverletzung aufwärts sehe ich kaum einen bereich, der in unserer gesellschaft unbeschädigt funktioniert – und nicht doch geld scheisst.

    yes, it is depressing!

    ansonsten ist heute ein herrlicher tag mit sonne und singenden vögeln, nur damit du dir nicht etwa noch sorgen um mich machst 😉

  33. wenn ich diktator werde, könnt ihr die ganzen blöden feiertage in der pfeife rauchen!! jedes jahr die gleiche zwängerei…

    also, tackert euren messias an die lättli, und dann werden die läden wieder geöffnet!!!

    dass das klar ist!

  34. dem alki ist bier ausgegangen? sagt:

    der elefant, der trinkt.
    solltest du dich eigentlich nicht elefant heissen.
    Die elefanten greifen nie zur flasche.
    Du sollst dich flasche nennen.

    Noch ein bisschen geduld und kannst wieder einkaufen gehen.

  35. Gomer sagt:

    Lieber porzellanvernichtender, dünnhäutiger Bloghirsch,

    Mit ‚Chäsfresser’ kann ich leben, denn ich hab Dich ja auch ein wenig provozieren wollen Wir Schweizer haben ja der internationalen Küche wenig anzubieten, was auch Laktoseintolerante ohne Bauchschmerz und Dünnpfiff vertragen. Zum Käse kann ich also stehen.

    Bezüglich Wachmann Meili hatte ich, auch ohne ‚Blick’-gesteuerter Gehirnwäsche so meine Zweifel, ob seine primären Motive, diese Dokumente dem Schredder vorzuenthalten, wirklich der reinen Wahrheitsliebe gegolten haben. Ob nicht doch eher Rachsucht am Arbeitgeber oder die Aussicht auf eine Umwandlung der brisanten Unterlagen in bare Münze zu dieser ‚Anpassungsstörung’ geführt haben? Dass er sich damit bereits in der Tagesschau und in den korrigierten Schweizer Geschichtsbüchern gesehen hat, nehme ich angesichts seiner eher plumpen Art nicht an, aber vielleicht unterschätze ich ihn. Die ganze Geschichte kam mir jedenfalls ähnlich dubios vor wie das berühmte blaue Kleid, welches schlussendlich dank ‚zufälliger’ Waschmaschinenverschonung als Beweisstück Nummer 1 diente, der ganzen Welt zu demonstrieren, dass der smarte Bill seinen Will doch nicht im Zaum respektive in der Hose halten konnte. Falls Du aber näheres zu Wachmann Meili’s Motiven weißt, bin ich sehr an Aufklärung interessiert.

    das ist ja wohl abartig übertrieben!
    Na ja, vielleicht war’s nur jeder dritte Blog (nicht Beitrag), in dem die Fremdenfeindlichkeit der Schweizer von Dir thematisiert wurde, aber es ist offensichtlich nicht nur mir aufgefallen (siehe leser). Ich gestehe Dir aber zu, dass Deine Beiträge generell ein Plädoyer gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit sind, ohne CH-zentrierte Scheuklappen.

    erstens mal habe ich nicht dir, sondern wenn überhaupt, bg etwas vorgehalten.
    Immerhin hast Du Dein Statement in den Blog als öffentliches Forum gestellt, und in ähnlicher Form schon ziemlich oft. Wenn’s nur an den bg adressiert war, bitte ich meine Einmischung zu entschuldigen. Es mag ja idiotisch sein, aber als Schweizer fühle ich mich halt doch betroffen, wenn Du diesbezüglich vom Leder ziehst.

    Insbesondere, wenn Du ein paar Zeilen später dem/r um Musad etwas von wegen ‘hohem Ross’ vorhälst.
    ja sag mal, kannst du denn noch irgendwas auseinanderhalten? mit um musad hatte ich ein ganz anderes thema am laufen!
    Ist mir schon klar, dass Du um Musad gemeint hattest, aber Deine Beiträge fahren bei mir trotz (oder vielleicht gerade wegen) ihrer sprachlichen Brillanz nicht selten leicht arrogant ein. Vor allem wenn Du Dich so richtig über jemanden hermachst, geht in der Ausfälligkeit leider oft der Humor und auch die Brillanz verloren. Die Dichte an Mitbloggern, die Du als hirnamputiert bezeichnest, ist in Deinen Beiträgen ziemlich hoch (da hält höchstens noch der Rosenstengel mit, wenn er in Fahrt ist und kein Süssholz raspelt). Ob mit oder ohne inhaltliche Berechtigung: Für mich wirkt das arrogant. Am Anfang fand ich das ja ganz amüsant und ich habe den blog nicht selten nach Deinen Beiträgen durchgescrollt (nicht nur deswegen, aber zum Inhalt komm ich noch), aber Dein permanenter Konfrontationskurs ist für mich schon sehr gewöhnungsbedürftig. Es mag zwar langweilig sein, aber wir Eidgenossen pflegen hier halt mehr die Kunst des Konsens und der Konkordanz, um zu einem akzeptablen Ergebnis zu kommen. Dass wir damit gelegentlich belächelt oder als Feiglinge bezichtigt werden, können wir schon wegstecken.
    Auf die Gefahr hin hier wieder ein Klischee zu kolportieren, habe ich in meinem Metier doch die Erfahrung gemacht, dass Deutschschweizer eine Konfrontation viel eher zu vermeiden versuchen, als dies KollegInnen deutscher Herkunft tun. Das eigene Rayon wird viel dezidierter verteidigt und die Ellbogen werden tendenziell höher getragen. Das mag mit stärkerem Konkurrenzdruck in Deutschland zu tun haben, aber ich denke eher, dass das einer der wenigen Punkte ist, wo wir wirklich eine unterschiedliche Mentalität haben. Natürlich ist das eine grobe Verallgemeinerung und gilt allerhöchstens für den Vergleich der 50er Perzentilen.
    Konsens ist eindeutig weniger spannend als fetzenfliegende Konfrontation, häufig extrem langsam und manchmal zu anpasserisch. Auch kommen dabei halt keine grossen Würfe raus, aber auch die kapitalen Fehlwürfe sind ebenfalls eher selten. Es gibt für mich wenig geschichtliche Evidenz, wo radikale Änderungen auf Anhieb erfolgreich waren. Die meisten Menschen sind damit überfordert. Erst wenn das Pendel ein paar Mal auf beide Seiten tüchtig ausschlagend einen Teil der Energie verloren hat (aufbauende und destruktive), findet sich ein neues Gleichgewicht. Bestes Beispiel dafür ist für mich die Entwicklung der französischen Revolution.

    Bezüglich Deiner Gewalterfahrungen habe ich hinsichtlich der möglichen Auslöser etwas spekuliert, um Dich aus der Reserve zu locken, ich wollte Dich sicher nicht verletzen. Gerade weil ich diese Erfahrung nie gemacht habe, haben mich die Umstände und Auslöser eben interessiert.
    Auch wenn’s mir nach den adrenalingeschwängerten, zornesaderpulsierenden Beleidigungen (naseweises gepöbel … eine sackschwache leistung… falsche schleimerei etc.) am Ende Deiner Replik schwer fällt, diese Kröte zu schlucken, möchte ich mich ganz einfach entschuldigen, dass ich Dir zu nahe getreten bin.

    Hingegen entschuldige ich mich nicht für den ‚nonkonformistischen Gegenschwimmer’, hatte es doch zu Beginn im Anpassungsblog etwas viele explizite Nonkonformisten für meinen Geschmack. Anpassung ist m.E. eine biologische und soziale Notwendigkeit, die das Überleben im Rudel erst ermöglicht. Ohne Anpassung des Verhaltens, der Strategie an die äusseren Umstände, ohne Nachahmung ist effizientes und überlebensnotwendiges Lernen nicht denkbar. Durch Trial and Error lernen wir ebenfalls, das wäre aber viel zu langsam, wenn wir uns nicht an Beispielen und Vorbildern orientieren könnten. Wir kopieren etwas, was beim ‚Vorbild’ offensichtlich geklappt hat. Weshalb sind jüngere Geschwister in aller Regel weiter in ihrer altersentsprechenden Entwicklung als Erstgeborene? Weil sie jemanden nachahmen können, der in der Entwicklung nicht meilenweit von ihnen entfernt ist.
    Natürlich gibt es schon vor der Pubertät Phasen des Widerstandes oder sogar Rebellion. Dies dient wohl mehr der Persönlichkeitsentwicklung als dem Lernen einer Fähigkeit. Aber auch diese Erfahrung trägt dazu bei, dass wir die Strategie der Anpassung als eine erfolgsversprechende erleben. Erst mit der Erfahrung der Überanpassung oder Gleichschaltung und mit dem ersten Erleben eines erfolgreichen und häufig nicht eigenen Widerstandes gegen eine gängige Meinung lernen wir, dass auch Nonkonformismus eine Strategie sein kann, die uns befreit und weiterbringt. Es braucht einfach relativ lange, bis der einzelne merkt, in welcher Situation für seine Bedürfnisse eine Anpassung oder eine Auflehnung opportun ist. Wie alles andere sind auch diese Grenzen interindividuell breit gestreut, vom absoluten Anpasser bis zum kompletten Querulanten (Michael Kohlhas).
    Als Problem in unserer medialen Gesellschaft kommt hinzu, dass jeder Furz zu einem Trend hochstilisiert wird, wenn sich daran Geld verdienen lässt. Erst wenn dann die ganze Welt damit ausgerüstet ist, läuft sich die Sache tot und wird vom nächsten Trend überrollt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass Anpassertum heute weiter verbreitet ist als früher. Ich denke nicht, dass dem so ist, die Sache verläuft einfach viel globaler als früher.

    Insgesamt finde ich Deine Voten nicht nur stilistisch (ausser der Kleinschreibung) sondern häufig auch inhaltlich sehr lesenswert, vor allem wenn sie nicht aus einem ‚dicken Hals’ kommen. Bestes Beispiel ist Deine Analyse zur Hiphop(un)kultur.

    Ich hoffe also, dass Du meine (späte), aber aufrichtig ausgestreckte Hand akzeptierst.

  36. Zodiac sagt:

    Der ganze Hugo Stamm – Blog ist nach diesem Muster aufgebaut:

    Sogenannte Agnostiker werfen ihre Köder aus um Gläubig dazu zu bringen ihr Inneres kundzutun. Danach fällt ein Rudel selbsternannter “kritischer Rationalisten” darüber her, um jeglichen Glaubensinhalt lächerlich zu machen und mit Dreck zu bewerfen. Wenn sich Gläubige gegen dieses Vorgehen auflehnen, werden sie kurzerhand vom Blogvater zensuriert.

    Dieser Blog ist eine Maschine, die es sich zur Aufgabe gemacht hat den Glauben zu zerstören. Dabei ist den Operateuren jegliches Mittel recht und billig. Verleumdungen, Zensur, Willkür, Hohn und beissender Spott, Verächtlichmachung der untersten Schublade (Hirnamputierter, Geröll etc.).

    Ich empfehle allen Gläubigen sich von diesem seelenlosen, destruktiven Blog ein für alle Mal zu verabschieden oder allenfalls still zu beobachten, wie die Wölfe hier über sich selber herfallen, wenn nur noch sie selbst übrigbleiben.

  37. Do not get your girls wear a plain white bridesmaid dresses.

  38. Do you want to be one of the radiant one among all the guests of a joyful bridesmaid dresses.

  39. In which discover wedlock not including like, you will have like not including wedlock.
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