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Unsterblich dank Geld

Hugo Stamm am Freitag den 9. März 2007

Geld und Reichtum sind in unserer Zeit nicht nur „sexy“, sondern erreichen zunehmend den Stellenwert einer metaphysischen oder religiösen Kategorie. Bezeichnend für unseren entfremdeten Lebensstil ist, dass das abstrakte Geld zum Religionsersatz geworden ist, zum Himmelsmammon. Scientology und Topmanager sind lebende Beweise für das Phänomen, das zwar nicht ganz so neu ist, aber in seiner heutigen Ausprägung eine neue Dimensionen erreicht hat.

Manche Topmanager sind von Sinnen, wenn es um die eigenen Löhne und Boni geht. Ihren Angestellten predigen sie den Leistungslohn, sich selber stopfen sie mit Millionen voll – selbst bei Pannen und Pleiten. In ihrer grenzenlosen Selbstüberschätzung werden die Götter des Geldes von einer schieren Gier getrieben. Bei der Erklärung des Phänomens hilft nur die Bibel: «Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.» Denn die Manager können das Vermögen weder verschlingen noch ins Jenseits mitnehmen.

Mit der Existenzsicherung kann das sinnlose Geldhorten von Vasella und Co. nicht erklärt werden. Ethische Argumente helfen schon gar nicht weiter, denn die Manager gebärden sich gern als Hüter der Moral, über die sie sich erhaben fühlen. Auch mit dem Überlebenstrieb, der Arterhaltung oder dem Sammeltrieb lässt sich das kleptomanische Gebaren nicht erklären.

Doch auch Manager werden nicht als Abzocker geboren. Die Raffgier ist ein angelerntes Verhalten und ein Milieuschaden. Das Dasein als Topmanager entfremdet vom «normalen» Leben. Deshalb müssen die Ursachen für das eigentümliche Verhalten in den unbewussten Abgründen der Seele gesucht werden.
Angetrieben werden die Erfolgssüchtigen von der Angst und dem Willen zur Macht. Geld wird zum Gradmesser der Macht und zum Suchtmittel. Ihre Lebensstrategie besteht häufig darin, die Angst vor dem Machtverlust und dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit zu betäuben. Die Rangliste der Mächtigen wird anhand des Vermögens und Einkommens erstellt.

Die Teppichetagen vieler Grosskonzerne funktionieren heute nach dem Feudalsystem. In diesem sterilen Klima kann die Selbstüberschätzung zu Allmachtsfantasien führen. Manche CEOs schmücken sich gern mit Attributen von Übermenschen und mutieren gelegentlich zu einer Art Guru. Macht wird für sie zur Glaubensfrage, gar zum religiösen oder metaphysischen Attribut. Sie glauben unbewusst, mit irrationalen Abfindungen und unendlichem Vermögen ein Stück Unsterblichkeit zu kaufen. Superreiche entwickeln manchmal Allmachtsfantasien, die religiösen Charakter annehmen. Die Überbewertung des Reichtums führt in eine Scheinwelt, in der Geld zum Religionsersatz wird und Fantasien von Göttlichkeit weckt.

Die Synthese von Glauben und Reichtum hat Scientology in perfekter Form vollendet. „Mach Geld, mach mehr Geld, mach, dass andere Geld machen“, ist das Glaubenscredo von Scientology-Gründer Hubbard. Und weiter: „Produktion ist die Grundlage der Moral. Leute, die keine Produkte erzielen, haben eine niedrige Moral.“ Und: „Der einzige Grund, aus dem es Organisationen gibt, ist die Aufgabe, Materialien und Dienstleistungen an die Öffentlichkeit zu verkaufen und zu liefern und Leute aus der Öffentlichkeit hereinzuholen, an die man verkaufen und liefern kann. Die Zielsetzung ist total befreite Kunden!“ Das gipfelt in der Aussage: „Wir haben dich lieber tot als unfähig.“

Scientology führt uns vor, wohin die Reise geht, wenn Glauben und Geld eine Symbiose eingehen.

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215 Kommentare zu “Unsterblich dank Geld”

  1. Moria sagt:

    rg
    Sind Sie nicht im Blog verkommen? “Mehr Arbeitgeber” ist eine Utopie..

    Ich habe schon einmal betont, MACHT gibt es nicht, nur Missbrauch der Macht, darum lässt sie sich auch nicht reduzieren!

    Gehören Sie zu den Leuten, die unter Arbeitgeber einen Unternehmer meinen, der einen gönnerhaften Sozial-Patriarchen darstellt? Die Bezeichnungen „Arbeitgeber“ und „Arbeitnehmer“ sind sowieso falsch herum definiert, da die Arbeitnehmer ihre Arbeitskraft dem Arbeitgeber GEBEN und nicht umgekehrt. Die „Arbeitgeber“ hingegen NEHMEN diese Arbeit an und geben sie nicht!

    Sind Sie diese Woche nicht auf Reise, an der Macht der Arbeitgeber zu reduzieren?

    Ein JABALITA….frass die Blogerratte,
    nachdem sie es geschändet hatte!
    Nicht von schlechten ‘padres’ – immer schön von Dir zu hören!

    Elefäntchen
    Dein drittletzter Abschnitt ein bisschen ein Chaos, oder?
    Von bissigen und Dissings (was ist das?), unter Promill stehenden Naturtalenten, Stengelgeissen u.v.m. Ich glaube, da sind einige Problemzonen zuviel zusammengeprallt – selbst bei einem geistigen Strategen….

  2. rg sagt:

    @der elefant

    Ach ja die Arbeitgeberverbände. Bei den Arbeitnehmern heissen die dann Gewerkschaften, oder?

    Ich sage es einmal so

    – Jeder Arbeitnehmer der zum Arbeitgeber wird, hilft den Arbeitnehmern.

    – Du sagts “zumal es nicht ganz einfach ist, arbeitgeber zu werden”, somit sollten wir froh sein für jeden Arbeitgeber.

    – Arbeitgeber (trotz Verbänden) müssen miteinander konkurrieren um zu überleben, warum sollten Arbeitnehmer nicht?

    – Ich lebe in einem Land wo Streik (grève) regelmässig an der Tagesordnung ist.

    – Ich lebe in einem Land wo, nach dem vor ein paar Jahren die 35 Stunden Woche eingeführt wurde, die Arbeitslosenquote gestiegen ist.

    – Im Gegensatz zu anderen Lebensbereichen wie Krieg, in der Wirtschaft ist es oft ein Nachteil in der Überzahl zu sein, man wird billiger.

    Ja mein lieber Elefant, ich sage nicht dass die Arbeitnehmer schlechter sind als die Arbeitgeber ganz im Gegenteil. Was ich zu bekämpfen versuche sind blöde Verallgemeinerungen, die es einem dann erlauben sich als Opfer gut zu fühlen.

    Für mich ist das ein wenig wie Religion.

    Ach ja, wir sind uns einig dass viel “nutzloses” Zeug hergestellt wird. Du findest das Eine nutzlos und ich das Andere.

    Wenn ich leben will, und das nur tun kann indem ich “nutzloses” Zeug herstelle, sollte ich dann beides (Leben und Zeug) sein lassen?

    Natürlich sollte ich immer bestrebt sein “nützliches” Zeug herzustellen. Nur, nützlich für Wen?

    Und sage jetzt nicht, dass wir auch mit weniger auskommen könnten. Diejenigen die das wollen tun das bereits (ich nehme an Du bist einer davon) und sind glücklich dabei. Den Anderen müsste man es wohl aufzwingen, hmmm.

    rg

  3. jean sagt:

    @ der elefant

    schön wie du das dem rechthaberischen “rg” beigebracht hast.

    was deine pesimistischen ansichten im letzten blog anbelangt bin ich nicht ganz deiner meinung.
    die welt wird immer irgendwie weiter gehen.
    die grösste gefahr sehe ich nicht in der natur, sondern in der waffenproduktion,das könnte uns einmal zum verhängnis werden.

  4. der neue sagt:

    Eine interesante diskussion habt ihr hier. nur das wort gegen den rg aber nicht den elefanten anzuwenden, scheint komisch.

  5. der neue sagt:

    Mit dem wort meinte ich natürlich ‘rechthaberisch’

  6. der elefant sagt:

    jean,

    du hast sicher schon bemerkt, dass du dich ebenfalls in den gegenwind gestellt hast. aber das betrifft den utopienblog und deine ansichten über europäisches badewetter… ES GIBT NUR GLOBALES KLIMA!

    natürlich wird uns die waffenproduktion zum verhängnis: dafür produzieren wir den scheiss ja auch.

    aber: unsere genusssucht wird uns ebenfalls zum verhängnis. falsch: nicht nur uns, sondern ALLEM LEBEN auf der welt.

    es wird nicht mehr weitergehen. näheres dazu in meinem genussvoll pessimistischen und menschenfeindlichen beitrag im utopien-blog.

    in die scheisse geht es auf jeden fall. natürlich hat jeder das recht,wie bei der achterbahn die augen zu schliessen: das ändert aber gar nichts an der richtung und am tempo.

  7. rg sagt:

    @Moria Sie sagen

    ” MACHT gibt es nicht, nur Missbrauch der Macht, “

    heisst das, Ihre Macht zu denken ist missbraucht? ;-(

    Wenn man nicht mehr weiter weiss, bleibt man entweder ruhig oder verdreht die Worte. Ich habe Arbeitgeber/nehmer im konventionellen Sinn verwendet. Sicher macht es auch umgekehrt viel Sinn, aber es ist nun mal nicht die Konvention.

    Laut Ihrer Definition, wenn Leute sagen, sie hätten ein Recht auf Arbeit, meinen Sie dann wohl, dass die Leute, die ich Arbeitgeber nenne, ein Recht haben auf/über die, die ich Arbeitnehmer nenne.

    @jean,von Ihnen bin ich enttäuscht (meine eigene Schuld) weil ich eigentlich fast jedes Wort das Sie in den letzen sechs oder so Monaten hier und auch im nächsten Blog geschrieben haben, unterschreiben kann. Oder war das eine andere jean?

    rg

  8. jean sagt:

    @ rg

    ich habe absolut nichts böses gegen dich gesagt “rechthaberisch” das solltest du schon noch vertragen, das sind wir alle ab und zu.
    übrigens ich binn männlich jean ist der französische name für hans.

  9. Moria sagt:

    Lieber rg
    Mit dem besten Willen kann ich Ihr letztes Posting nicht verstehen.
    “Ihre Macht zu denken….” was meinen Sie damit? Wenn es bei mir denkt, dann ist dieser “zufällige” oder absichtliche Vorgang nicht durch eine Macht bestimmt. Oder glauben Sie unterdessen an eine solche – von Ihnen überrascht mich langsam nichts mehr!
    Wer ist “man”, der nicht weiter weiss? Arbeitgeber/nehmer im konventionellen Sinn – bedeutend als Abgrenzung zur falsch verstandenen Tradition?
    Das Recht einer Personengruppe auf/über eine andere…. auch das versteh ich nicht.

    Könnten Sie es mir bitte auf Deutsch verständlich oder auf Französisch/Englisch nochmals erklären.
    Danke.

  10. der elefant sagt:

    moria,

    es gibt: macht über etwas. diese übt man aus.

    und: die macht, etwas zu tun. die hat man.

    erstere kann missbraucht werden, muss aber ganz sicher nicht in jedem fall.

    über die zweite sollte man sich freuen.

    dann gibt es noch die macht als verkürzung von begiffen wie “mächtige nation” oder wie in dunkle mächte.

    hilft das beim sortieren?

    ist nicht zum anschauen, wie rg und du hier um solche missverständnisse auf sprachlicher ebene rumtanzen…;-)

  11. rg sagt:

    Lieber Jean

    Nein, ich habe kein Problem mit dem “rechthaberisch”, das war ein Anderer. Schliesslich bin ich auch rechthaberisch aber nicht nur. Die eine Bitte die ich habe ist, denken Sie über meine obigen Worte nach.

    @Moria

    Die Macht zu handeln, die Macht zu entscheiden, die Macht nicht zu entscheiden, die Macht zu geben etc.

    die Macht aufzuhören zu denken

    mehr Hilfe kann ich Ihnen nicht geben, auch nicht in anderen Sprachen.

    rg

  12. Moria sagt:

    rg – Elefant
    …. ich fall in OhnMACHT ….

    Früher waren Zitronen
    einmal so süß wie Zucker.
    Sie wollten groß sein wie Melonen.
    nicht mehr gelb sein, sondern ocker.

    Wir wollen sein am Baume ne Pracht
    beschwerten sie sich weiter.
    so klein am Zweig gibt uns nicht MACHT
    stimmt überhaupt nicht heiter.

    Oben auf der Himmelsleiter
    saß Gott und sprach: Ich bedauer !
    Vergesst es! Basta!
    Da wurden die Zitronen sauer . . .

  13. Senta sagt:

    es kann sich wohl kein Mensch erlauben, über die Managerlöhne zu urteilen.. jeder von Euch würde die Millionen einstreichen, wenn man sie euch unter die Nase hält!

    Hat einer der Herren sich die Millionen ergaunert, unter den Nagel gerissen, erschwindelt? Nein.. er bekommt sie quasi nachgeworfen, ob verdient oder nicht, sei dahin gestellt.

    Solange wir nur murren und nichts gegen zu hohe Managerlöhne unternehmen, sollten wir besser ganz ruhig sein.. denn keiner von uns würde zu solchem Geldregen nein sagen, würde er ihm angeboten..

  14. der elefant sagt:

    senta

    mag sein… allerdings soll es menschen geben, die solche geldmengen nicht in ferienvillen und privatjets stecken, sondern ihr umfeld teilhaben lassen…

    im übrigen entschiedet man sich wegen(!) der exorbitanten verdienstmöglichkeiten für eine karriere, die in solchen bonuszahlungen ihren höhepunkt findet.

    und es gibt genug beispiele, in denen klar ist: das geld, das diesen herren in den hintern geschoben wird, wäre besser in der unternehmenskasse geblieben.

  15. Timothy sagt:

    Gut gebrüllt Herr Stamm, doch was sie sagen ist nur die Spitze des Eisberges. Schlimmer ist das, was noch nicht gesagt ist.

    Das von ihnen geschilderte Gebaren der Top-Manager ist im eigentlichen eine Verfallenheit, die durch die Form der Abwehr (immer noch mehr) verfestigt und gesteigert wird.

    Wenn man bedenkt das Arbeitswelt und damit ein nicht geringes Mass an gesellschaftlichem Einfluss durch solche Menschen geltend gemacht wird, dann muss auch klar werden, dass unsere Gesellschaft nicht gesund sein kann.

    Das Wesentliche bleibt ungesagt.