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Tödlicher Wahn

Hugo Stamm am Mittwoch den 21. Februar 2007

Übereifrige und enthusiastische Gläubige sind meist sehr glückliche Personen. Sie sind erfüllt von der Gnade Gottes oder vom Glauben an eine spirituelle Superwelt, die ihnen dereinst – oder vielleicht schon nach dem nächsten Seminar – winkt. Der Blick in den Himmel löst ganze Sturzbäche von Glückshormonen aus. Das Schweben in den höheren Sphären kann süchtig machen.

Deshalb bekommt nicht allen Gläubigen der Ritt auf der rosaroten Glaubenswolke gut. Wer vor lauter Schweben die Füsse nicht mehr auf die Erde kriegt, läuft Gefahr, nur den Geist zu bedienen und sich vom handfesten Menschsein zu entfremden. Oder: Vor lauter Geist verlieren sie Körper und Seele. Im Extremfall kann das zu einer Spaltung des Bewusstseins führen. Und zu psychischen Auffälligkeiten. Die Psychiatrie spricht bei religiös begründeten psychischen Fehlentwicklungen auch von ekklesiogenen Neurosen. Was allerdings noch eine harmlose Form psychischer Auffälligkeit sein kann.

Dramatischer wird es, wenn die überhitzte Gläubigkeit in einen religiösen Wahn ausartet. Beispiele dafür gibt es viele. Die auffälligsten sind die kollektiven Sektendramen. Es gibt aber auch „gewöhnliche“ Katholiken, die Wahnvorstellungen entwickeln und sich als Prophet gebärden. Alle grösseren psychiatrischen Kliniken beherbergen Patienten, die unter „Glaubenskrankheiten“ leiden.

Eine religiöse Entartung ereignete sich kürzlich in Rumänien. Ein Gericht in Vaslui hat diese Woche einen Pfarrer, eine Äbtissin und drei Nonnen mit Gefängnisstrafen belegt. Die fünf orthodoxen Geistlichen hatten einer Nonne den Teufel ausgetrieben.

Konkret: Pfarrer Petru Corogeanu, die Äbtissin und die drei Schwestern hatten im Sommer 2005 im ostrumänischen Kloster Tanacu eine 23 Jahre alte Nonne an ein Kreuz gefesselt und ihr drei Tage lang keine Nahrung gegeben. Die junge Frau starb an den Folgen der Misshandlung. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass das Opfer psychisch krank war und sich deswegen auffällig verhalten hatte. Der Pfarrer und die Nonnen waren überzeugt, dass die Frau vom Teufel besessen sei.

Der Pfarrer erhielt wegen Freiheitsberaubung mit Todesfolge eine Gefängnisstrafe von 14 Jahren. Die drei Nonnen wurden als Komplizinnen zu fünf Jahren und die Äbtissin des Klosters zu acht Jahren Haft verurteilt. Bei der Verkündung des Urteils in der ostrumänischen Stadt Vaslui demonstrierten 50 Sympathisanten des Pfarrers lautstark für dessen Freispruch.

Der Herr Pfarrer ist schliesslich mit Gott im Bund und wird schon gewusst haben, weshalb er die Nonne ans Kreuz gefesselt hat…

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234 Kommentare zu “Tödlicher Wahn”

  1. La Jabalita sagt:

    Immer mit der Ruhe, Elefant, du Stuermischer, es ist ja noch nichts beschlossen! 😉
    Aemmitaler, ich gebe zu, die Idee ist weder neu noch brillant. Betreffend Weisheit und Aelter: Bist du (wenn auch nur fast?) der Meinung, dass, wenn man/frau aelter werden, nicht an Weisheit zulegen, sondern einfach weniger Bloedsinn erzaehlen? Im Sinne (frei nach Boethius zitiert): Schweige, und du bist ein Philosph? Aemmitaler, das kannst du mir aber nicht antun. Wollen mir meine Blogfreunde denn alle meine schoenen Illusionen wegnehmen? Zum Glueck kommt bald der neue Harry Potter-Band raus, dort ist die Welt noch in Ordnung und die Weisen sind wirklich weise und die Boesen wirklich boese.

  2. ÄMMITALER sagt:

    @ La Jabalita

    Du willst doch nicht etwa sagen, dass ich dich mit einem einzigen, klitzekleinen Spässchen dazu gebracht habe, deine ganze Erfahrung über den Haufen zu werfen …?

    Natürlich bin ich weise.

    Aber ich erzähl dir eine kleine Geschichte:

    Einmal bat ein Freund den Nasreddin Hodscha darum, ihm etwas Geld zu leihen, und versicherte, er werde es ihm in der folgenden Woche wieder zurückzahlen. Der Hodscha glaubte ihm nicht, gab ihm das Geld aber dennoch. Zu seiner grossen Überraschung hielt der Mann sein Wort und zahlte ihm das Geld zurück.
    Einige Monate später wollte derselbe Mann wieder Geld von ihm geliehen haben und sagte zu Nasreddin: „Du weißt, dass ich vertrauenswürdig bin! Das letzte Mal habe ich es dir prompt zurückbezahlt!“ – „Nein,“ erwiderte der Hodscha, „dieses Mal wirst du mein Geld nicht erhalten. Das letzte Mal hast du mich hinters Licht geführt, indem du mir das Geld gegeben hast, obwohl ich dachte, du würdest es nicht tun. Dieses Mal werde ich nicht zulassen, dass du mich wieder hinters Licht führst!“

  3. La Jabalita sagt:

    @ Aemmitaler
    Du hast mich fuer einen kurzen Moment schon etwas verunsichert. 😉
    Doch jetzt zurueck auf die ernsthafte Ebene. Danke fuer die Geschichte von Nasreddin Hodscha, du hast genau meinen Geschmack getroffen. Aber leider bin ich nicht sicher, ob ich verstanden habe, was du mir mit der Geschichte mitteilen willst? Kannst du mir einen Hinweis geben? Da ich mir (soviel ich weiss) weder etwas von dir ausgeliehen, noch dich hinters Licht gefuehrt habe, nehme ich an, es geht im weitesten Sinne um Erwartungshaltungen und Vertrauen?

  4. ÄMMITALER sagt:

    La Jabalita

    … ,du hast genau meinen Geschmack getroffen. Aber leider bin ich nicht sicher, ob ich verstanden habe, was du mir mit der Geschichte mitteilen willst?“ …

    Nichts, aber auch gar nichts. – Ich habe über deine Zeilen gelacht und mich gefreut: Was könnte ich mehr treffen als deinen Geschmack?

  5. ÄMMITALER sagt:

    @ feelx

    Indianer hören die Eisenbahnzüge sehr lange, bevor sie da sind. Sie brauchen nur ein Ohr an die Schiene zu legen. Ist keine Schiene da, so legen sie das Ohr auf die Erde. Sie hören dann natürlich keinen Zug, sondern zum Beispiel einen Reiter, den sie schon lange erwarten, oder eine Büffelherde. Wenn nichts unterwegs ist, hören sie nichts. Doch das ist selten.

    Einmal lebte ein Indianer, der Hört-das-Gras-wachsen hiess und der das Gras wachsen hörte. Er brauchte nur sein Ohr auf die Erde zu legen. Was er hörte, war kein Rauschen, kein Knistern und kein Krachen, es war nichts von all dem, war alles auf einmal und ganz etwas anderes. Es war ein lautes Kitzeln im Ohr des Indianers, aber auch das war’s nicht ganz. Hört-das-Gras-wachsen lachte, wenn er es hörte. Er stand auf und sagte laut zu seinen Gefährten: „Das Gras wächst!“ Doch Hört-das-Gras-wachsen erhielt keine Antwort, denn Indianer sind schweigsam. (Jürg Schubiger)

  6. Effekthascher sagt:

    ÄMMITALER
    Welches Buch von Jürg Schubiger könntest Du mir empfehlen bzw. welches findest Du das Beste (für Dich das wertvollste). Habe auf Wiki kurz über Ihn gelesen und fühlte mich irgendwie angesprochen.

  7. ÄMMITALER sagt:

    @ Effekthascher

    Ich kenne einige Bücher von ihm, aber bei weitem nicht alle. Diejenigen, die mir am lebensnahsten scheinen, nehme ich am ehesten mal wieder in die Hand. Das waren für mich “Haus der Nonna” und die mit Franz Hohler zusammen entstandenen “Hin und Hergeschichten”. Falls sie nicht mehr erhältlich sein sollten, melde dich ruhig über meine E-Mail-Adresse!

  8. Bundesubventionsbeauftragter sagt:

    @ Ämmitaler

    Stoppen Sie bitte umgehend jede weitere Produktion auf Lager oder Sie laufen Gefahr, künftig Subventionskürzungen in Kauf nehmen zu müssen.

  9. feelx sagt:

    Ämmitaler

    Der Ort hat für mich eine besondere Bedeutung. Aber ich bin an ihm nur immer vorbeigefahren.

    Aber wenn du vielleicht etwas weiter fahren könntest und wir entlang der Semois wandern könnten, dann könntest du mir alle deine Geheimnisse zeigen. Es ist sehr schön dort und ich kenne mich dort auch ein wenig aus.

    Leider kann ich für einige Zeit nicht mehr in die Schweiz kommen, denn, ja, wirklich und endlich habe ich hier eine Arbeit gefunden.

  10. ÄMMITALER sagt:

    @ feelx

    Zunächst herzlichen Glückwunsch zu deiner Stelle. Da freue ich mich sehr mit dir.

    Ich glaube, dass es an sich sinnvoll ist zu arbeiten (nicht nur als Zweck zu leben, überleben und um daneben noch ‚sein’ zu können). Die Überlegung ist, dass sich dem Menschen die Welt als etwas Sperriges, als Hindernis in den Weg stellt. Da muss er seine Kräfte, seine Fähigkeiten aufbieten, um die Welt ‚zu zähmen’. Ich glaube, dass dies ein Teil unseres ‚Da-Seins’ ist. – Mit andern Worten: Das Arbeitsleben ist ein Teil der Auseinandersetzung mit mir selbst.

    Wie weit es mit den Geheimnissen ist, die wir gegenseitig austauschen könnten … um dann vielleicht eine neue Geheimloge zu gründen:-) … das weiss ich nicht. Aber, um dich kennen zu lernen würde ich den Weg gern unter die Räder nehmen. Und: Ich wandere sehr gerne. Allerdings müsstest du mit mir allein vorlieb nehmen. Aysha hat vor Jahren, unterwegs in den Alpen, für uns alle denkwürdig Stellung bezogen. Nämlich sich kurzerhand auf die Alpweide gesetzt und erklärt, sie sei mitnichten Schweizerin, hätte mit dieser ulkigen Wanderei nichts am Hut, sie wisse nicht, was sie hier oben verloren hätte („Berge, Berge, nichts als Berge!“) und überhaupt wolle sie RUNTER, und zwar subito.

  11. feelx sagt:

    Ämmitaler

    Danke 🙂 Sicherlich gehört Arbeiten zu einem sinnerfüllten Leben. Ich selbst habe wieder zu arbeiten begonnen, als ich auf diesen Blog stiess. Schreiben und Nachdenken ist für mich eine Form von Arbeiten. Wenige verstehen das.

    Bei meinem Beitrag weiter oben ging es mir darum, dass wir nicht arbeiten, um zu haben, sondern um zu sein. Wenn jemand sagt, ich bin Lehrer, dann ist das etwas anderes als wenn jemand sagt, ich habe Arbeit in einer Bildungsanstalt. Wir identifizieren uns nicht mehr mit der Arbeit, wenn wir sie „haben“, wir sind sie nicht mehr. Entfremdung ist die Folge.

    Nun habe ich eine Erwerbsarbeit gefunden, es ist Neuland für mich, ich komme nicht darum herum, Geld zu verdienen. Auch ich bin nur ein Teil der Gesellschaft und muss mich damit abfinden. Auch ich muss haben, um zu sein 😉 Auch ich lebe in der Ambivalenz.

    Das Universum des Denkens ist der Ort, der Nichtort, die Utopie, wo ich sein kann, wer ich bin, wo ich tun kann, was ich will, wo ich sozusagen darin aufgehe. Andere finden das anderswo. Wo ein Schuhmacher in seiner Werkstatt zuhause ist, da ist meine Werkstatt die Sprache und mein Werkzeug die Bücher.

    Manche meinen ja, ich sei nicht normal, ein Neurotiker, ein Möchtegernhirnakrobat, ein Spinner halt. Solche Leute haben nicht begriffen, was Sprache ist und was man mit ihr hervorbringen kann. Für sie reduziert sich Sprechen oder Schreiben auf Informationsmitteilung, auf Erzählen. Für mich aber ist sie wie ein Stück Ton, aus dem ich etwas kreiere. Es bildet sich sozusagen von selbst im Vorgang des Schreibens. Das grösste ist für mich, wenn ich in ein dichtendes Denken gelange. Für mich ist Denken eine Kunst, die sich nicht auf das bloss Technische beschränken lässt. Da wird etwas frei, was eben nicht vorhersagbar, nicht planbar ist. So etwa, wenn ich von der Langeweile zu sprechen beginne und sie plötzlich eine ganz andere Bedeutung gewinnt als die, die wir üblicherweise mit diesem Wort bezeichnen. Und die Sprache ist dann auch nicht mehr nur ein Bezeichnen, in ihr erscheinen diese Dinge erst, sind diese Dinge erst. Und diese Dinge sind äusserst zerbrechlich.

    Es gibt keine Berge in Wallonien, höchstens ein paar Hügel 😉

  12. der elefant sagt:

    ich habe es gewusst: bei euch beiden ist das gespräch angenehmer… ich hatte zwar das dringende bedürfnis, meinem zorn über jeden einzelnen zubetonierten grashalm bei den utopien loszuwerden, aber ich mag mir doch nicht ewig anhören, dass wir keine arbeit mehr haben, wenn wir die welt nicht noch schneller zuschanden reiten…

    feelx, ich freue mich ebenfalls, dass du mit einer arbeit versorgt bist. ich hoffe, sie ist kein ablöscher für dich, sondern du kannst sie mit sinn erfüllen und diesem sinn gerecht werden.

    ich erinnere mich: du warst grad relativ frisch im blog, da hast du meine einstige arbeit erkannt. grad drum fand ich es so lustig, dass du der einzige warst, der auf ein posting unter dem namen meines ehemaligen arbeitgebers geantwortet hat…

    das war im herbst. da war ich seit zwei jahren von der firma passive attack geschasst.

    du hast meine arbeit richtig erraten. ich habe plakate geklebt. ein dubbelijob, eigentlich. heute fast nur noch von abgelöschten ausgeübt, ohne ehrgeiz, ohne sinn, ohne gedanken.

    ich hatte die idee, mehr daraus zu machen. ich wollte, dass schwierige, anstrengende, kommerziell chancenlose kultur von meiner arbeit profitiert. die kultur, die hugo in seinem utopien-beitrag zu recht als fehlend bezeichnet. es gab sie noch, als ich anfing…

    ich hatte ausserdem die idee, in meinem job verdammt gut zu sein. das immerhin habe ich erreicht.

    dann hatte ich noch die idee, dieser illegalen tätigkeit, die man trotz allem im handelsregister eintragen konnte, ein neues gesicht zu geben. ich wollte durch sorgfältige und saubere arbeit ein gutes beispiel geben, wie der öffentliche raum zu benutzen sei: nicht als müllhalde, sondern als buntes forum. damit war ich temporär erfolgreich.

    ausserdem hatte ich die idee, durch die förderung alternativer kultur der maistream-kultur das wasser abzugraben. mein gedanke: soviel gutes zeug geht unter, obwohl es beachtung verdient hätte. es geht nicht unter, weil es niemand wahrnehmen will, sondern, weil es unter der werbelawine der mainstream-hypes begraben wird und nicht wahrgenommen werden kann.

    anstrengende kultur erfordert hirneinsatz. und ich wollte, dass so viele menschen wie möglich freude daran finden, ihr hirn zu gebrauchen. ich wollte, dass sie sich nicht mehr mit jedem müll abspeisen lassen, sondern dass sie ansprüche stellen.

    wenn ich gewonnen hätte, wäre dj bobo heute auf dem sozialamt, paris hilton putzfrau und charles gayle hätte seinen lebensabend im warmen verbracht.

    natürlich musste ich scheitern, und ich kann den restlichen mitgründern der firma nicht mal verübeln, dass sie sich mehr und mehr den marktzwängen gebeugt haben und der ursprüngliche gedanke immer tiefer im sumpf kommerzieller realitäten versackte.

    ich wollte kulturelle freiräume verteidigen, die längst verloren waren.

    ich habe den namen für die firma mitgebracht, ein songtitel einer von mir sehr verehrten amerikanischen katzenmusikband… ein wortspiel, das mich lange beschäftigt hat.

    übriggeblieben ist meine tägliche fahrt durch plakate für erotikmessen, esoterikmessen, alpha-live-kurse, bar-&pub-festivals, zugekokste hiphop-sexisten undundund…

    lauter zeug, das ich als auftrag prinzipiell abgelehnt hatte. die firma ist in der umgebung der stadt bern von der nummer drei zur unangefochtenen nummer eins aufgestiegen… also zur nummer drei von zehn schweizer marktteilnehmern.

    es war das einzige mal im leben, dass ich mich mit einer arbeit identifiziert habe, dass ich die arbeit sein wollte. was meine unfähigkeit zur erledigung von amtsgeschäften und meine kiffer-lethargie mir nicht an schulden eingegossen haben: das aufgleisen einer idealismus-orientierten firma hat es besorgt. mindestens die hälfte meines defizit-pegels.

    wäre heute nochmal der 1.1.1997: ich würde alles nochmal genauso machen. vermutlich auch die fehler.

    nun bleibt mir erstmal: die arbeit im widerspruch zu meinen idealen. betonbetonbeton… überbauen, was das zeug hält.

    eigentlich wollte ich gar nicht so viel über längst abgehängtes schreiben… ich wollte eigentlich schreiben, was mir an deiner sprache so gefällt, feelx:

    sie ist dem affekt ausgeliefert. und das macht sie menschlich.

    es hat hier ja ein paar leute, die über einen bildungshorizont verfügen, den ich eigentlich beneiden sollte. aber: ich lese sie nicht so gern, weil sie trocken referieren. ihre sprache ist über jeden emotionalen affekt erhaben, teilweise sogar wie tot.

    das ist bei dir anders, und zudem hast du nicht mal angst vor riesigen fettnäpfen.

    das wollte ich seit einiger zeit loswerden, statt für jede schützenhilfe ad hoc zu danken…

    ich war 1982 für zwei tage im rahmen eines internationalen turniers für fussballmannschaften von schulen in der stadt des handwerfers. es hat mir gefallen, wohl zuerst, weil es etwas neues zum sehen war. ich wohnte bei einer gastfamilie in mechelen, wenn ich mich recht erinnere.

    würde ich heute nach antwerpen kommen, ich würde monatelang in den westmalles, chimays, orvals, la chouffes, goudenbands und wie diese geschenke des himmels alle heissen, versacken…

    belgien hat das bessere bier als die schweiz. ok, keine kunst. sogar nigeria hat wohl besseres bier;-)

    belgien hat auch die viel bessere schokolade!!!

    dass sie aber nach zweimaliger zerstörung durch die deutschen armeen den rest grad noch selber erledigen würden…

    bevor in brüssel der glaspalast für abgehalfterte landespolitiker gebaut wurde, las ich im spiegel einen artikel über das geplante bauvorhaben. dazu war ein luftbild des stadtteils zu sehen, welcher dann komplett unter diesem riesengrossen haufen mist versenkt wurde, mit welchem die institution europa das testament albert speers vollstreckte. ich hätte heulen können. zu der zeit wohnte ich noch in berlin, und ich verstand nicht, warum mit dem krieg noch nicht genug identitätsstiftende umgebung zerstört war, warum die zerstörung weitergehen musste.

    heute weiss ich es: weil wir uns nicht mit unserer umgebung identifizieren sollen. umgebung bedeutet nachbarschaft und soziale bindung, rückhalt.

    wir sollen uns aber mit den aktionären unserer arbeitgeber identifizieren, mit unseren autos, unseren konti und den idolen, die uns vorgesetzt werden. womit ich theoretisch wieder den 1.1.1997 schreibe und probiere, diese welt aus stahl und glas und idolen mit aufruhr und lärm zu überkleben…

    hat man einmal position bezogen, muss man diese nicht unbedingt einer revision unterziehen: man verliert auch so. der möglichst lange widerstand gegen diese niederlage ist für mich leben.

    die kleine frau katze lässt smilla herzlich grüssen, ich dich auch.

    ämmitaler

    ich habe dir schon lang nichts langes mehr geschrieben, dabei wäre mir zu vielem, was du hier mit feelx ausgetauscht hast, noch etwas eingefallen…

    die bitte, die ich aysha habe übermitteln lassen: es ist nicht eilig. es geht nicht um dringenden handlungsbedarf, sondern um meine orientierung…

    bei deinem tapferen vorhaben wünsche ich dir alles gute. eines tages werde ich es auch mal wieder probieren…

    bis bald!

  13. ÄMMITALER sagt:

    @ feelx

    „Und die Sprache ist dann auch nicht mehr nur ein Bezeichnen, in ihr erscheinen diese Dinge erst, sind diese Dinge erst. Und diese Dinge sind äusserst zerbrechlich.“

    Ja, das kann ich, glaube ich, verstehen. Die Sprache kann Dinge erscheinen lassen und beseelen – da kann man dann nichts mehr beifügen; nur hinhören, hinschauen.

    Es gibt ja auch eine Anzahl von Worten, die direkt mit der Wahrnehmung verbunden sind, oder mit inneren Vorgängen; ich freue mich immer darüber, wenn für mich plötzlich ein Wort ‚lebendig’ wird. Ich geh diesen Dingen nicht nach. Sie fallen mir manchmal ein, im Bus, bei einem Spaziergang, meist wenn ich ‚draussen’ etwas sehe.

    Gelegentlich konstruiere ich auch: Neue Worte, Ausdrücke, Werbeslogans, kleine Geschichten … das sind so kleine Unterhaltungen für mich, mit mir selber … und vergesse sie wieder.

    Apropos Bus: In letzter Zeit ist mir doch einige Male aufgefallen, wie ich selbst und einige andere ältere Leute im Bus gestanden sind – alle Sitzplätze aber zumeist von Jugendlichen und jungen Erwachsenen besetzt waren. Nichts bewegte sich. Ich hab’s schon erlebt, wie die Älteren begonnen haben sich untereinander vielsagende Blicke zuzuwerfen, Köpfe zu schütteln, vor sich hin zu schimpfen, mehr aber nicht.
    Und bei mir beginnt sich dann hin und wieder auch etwas zu bewegen: Nicht nur dass ich für mich denke: Sch…!, so viele Male bin ich aufgestanden und habe Platz gemacht als ich noch jung war! Alles zusammengezählt genug für eine Aufführung an der Gymnästrada. Ich habe doch ein riesiges Guthaben, bin ein reicher Mann! Aber wie einlösen? Wie den anderen – den sitzenden – Buspassagieren meinen Reichtum erklären?
    Nun, ich habe die Lösung gefunden. Ich werde eine beliebige sitzende Person fragen: „Ist da noch frei?“ Die Antwort wird ein verduzter Blick sein, ein Kopfschütteln vielleicht, denn da ist ja offensichtlich kein freier Platz. Und dann werd’ ich mich der Person auf die Knie setzen. Basta.

    Zurzeit ist Busfahren für mich recht unterhaltsam. Vorläufig noch in der Phantasie – bald schon in der Realität!

    @ elefant

    Ja mein lieber elefant, wie soll denn ausgerechnet ICH dir behilflich sein können, wenn’s um Orientierung geht? Ich mein, bis vor 3 Tagen hätt’ich’s ja noch verstehen können, da wusst’ ich jederzeit woher der Wind weht … aber jetzt? Völlig aufgeschmissen!

  14. der elefant sagt:

    korrigenda: ich war letzten herbst seit drei jahren geschasst.

  15. feelx sagt:

    Ämmitaler, der Elefant

    Das wird hier ja noch ein richtiges Privatissimum;) Ihr beide habt es genau getroffen. Ich schreibe im Affekt und es geschieht dann wirklich, dass die Worte lebendig werden, dass sie ein Eigenleben besitzen, oder umgekehrt. Jedenfalls in den schönsten Momenten geschieht dann etwas, was ich nicht mehr „im Griff“ habe, das kann dann auch voll daneben gehen;)

    Der Elefant

    Zunächst muss ich dich enttäuschen. Ich war nicht passive attack, das war vielleicht einer deiner ehemaligen Arbeitskollegen? Ich hatte da eher auf Werbetexter getippt.

    Wenn man etwas riskiert, muss man Schwein haben, oder eben, nur wer etwas riskiert, kann Schwein haben. Ich habe kompromisslos Philosophie studiert und nebenher gearbeitet. 1997 war sozusagen mein Höhepunkt erreicht, nach über zehn Jahren innerer Emigration. Vom Jahr Tschernobyl bis 1997 gibt es bei mir ein Kulturloch. Völlige Absenz, ich konnte keine Musik mehr hören, aber es war für mich auch eine Nirvana-Zeit. Der Aufprall in die Realität war dann umso heftiger.
    Jetzt, wo der Nordwind bläst, rieche ich das Meer. Hier in Antwerpen rieche ich das Leben, und es riecht nicht immer sehr angenehm, im Gegenteil. Manchmal stinkt das Leben ganz gewaltig, aber es ist mir tausendmal lieber als die Sterilität einer Stadt wie Zürich.

    Ja, das Bier! – Das beste, was ich hier je getrunken habe, nennt sich Boondijk. Oder die echten Trapistenbiere. Und man darf dann auch nicht die Fritten vergessen, also die Pommes. Man sieht es mir mittlerweile an 🙂 In der Stadt gibt es eine Beiz direkt neben der Kathedrale, das „11.Gebot“, es ist vollgestellt mit Heiligenstatuen, und man kann da einen ganzen Tag verbringen und die verschiedenen Biere zu kosten. Der Himmel ist so nah:)

    Du warst einmal in Antwerpen Fussball spielen? – Wenn ich aus dem Fenster schaue, dann sehe ich zwei Fussballfelder. Samstags spielen auch die ganz kleinen, die pillekes, wie man sie nennt, fünf jährige. Vielleicht hast du hier mal gespielt!? Aber es gibt soviele Fussballfelder in Antwerpen.

    Die Antwerpener, die dicken Hälse, wie man sie nennt, identifizieren sich mit der Stadt, man hat beinahe den Eindruck, dass hier jeder jeden kennt. Das ist auch das Schöne, die Menschen sind hier offener, herzlicher, als ich es von der Schweiz her kenne. Hier haben hunderte V2 Bomben eingeschlagen, aber die Stadt hat immernoch ihren unvergleichlichen Charme behalten.

    Die Familie hat hier einen ganz anderen Stellenwert wie in der Schweiz, so habe ich es wenigsens erfahren. Man möchte meinen, eine beinahe südländische Anhänglichkeit und Verbundenheit, und wenn sie vom Staat reden, so reden sie vom Affenland. Da gibt es zB einen Minister, der wohl schon alle Parteien durchgegangen ist und nun bei den Sozialisten gelandet ist, er wurde wegen Korruption angeklagt und rechtfertigte sich damit, dass er zwar Schmiergeld angenommen hat, es aber dann verbrannt hat. Verbrannt! Ja, hirnverbrannt geht es hier in der Politik zu und her. Der ewige Streit zwischen Walonen und Flamen, die Flamen arbeiten und zahlen Steuern, damit die Arbeitslosigkeit in Wallonien bezahlt werden kann. Da gibt es viele, die das Land teilen wollen. Und mittendrinn dieser Koloss, Brüssel, diese Megastadt. Ich war nur einmal da auf Besuch. Seitdem mache ich einen grossen Bogen um diese Stadt, zu mega, zu französisch.

    Da gab es in Wallonien über 9000 Werkunwillige, wovon etwa 2000 auch bestraft wurden…

    „Ich will arbeiten, aber darf nicht, – wegen der Luftverschmutzung“

  16. aysha sagt:

    @ feelx

    alles, höher als 100 meter über meer, ist ein berg 🙂

  17. feelx sagt:

    Aysha

    Gibt es einen Ort in der Schweiz, der nicht 100 Meter über Meer liegt? – Also hier wärst du super aufgehoben, wir liegen hier höchsten 10 Meter über Meer:))

  18. der elefant sagt:

    aysha

    dann lebst du ja im hochgebirge;-)

    feelx

    eben, dass du auf jenes posting geantwortet hast, ohne wissen zu können, dass ich dir von genau dem job erzählt hatte: das war der witz.

    irgendwas klappt mit deinen html-referenzen nicht…

    gute nachrichten von gestern: die massenhochzeit.

  19. aysha sagt:

    genau, ich lebe schon im hochgebirge und weigere mich, auch nur einen meter ( freiwillig )höher zu steigen.

  20. feelx sagt:

    Der Elefant

    In der Stadt habe ich Arbeit gefunden, vielleicht werde ich dort auch heiraten 🙂

    Ich versuchs nochmal mit dem Bildli:

  21. aysha sagt:

    @ feelx

    und? bin ich zur hochzeit eingeladen?

  22. feelx sagt:

    Aysha

    So Gott will 😉

  23. ÄMMITALER sagt:

    @ feelx

    Habe eben Gott gefragt; ich darf auch kommen.

  24. feelx sagt:

    Ämmitaler

    Ich meinte damit, dass ich heiraten werde ;))

  25. ÄMMITALER sagt:

    @ feelx

    Das weiss ich doch. ICH BIN ja schon verheiratet. Darum frag ich bei wichtigen Entscheidungen immer um Gottes Meinung nach. Das hab ich auch diesmal getan. – Und sie hat zugestimmt!

    Wo ist Problem deiniges?

  26. Der_Machtzirkel sagt:

    @aysha:

    Ich möchte zugerne mal ein Gleichnis aus dem Koran hören, könnest du mir eines erzählen? (im ernst)

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