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Der Glanz von Messias Blocher verblasst

Hugo Stamm am Montag den 24. Oktober 2011

Durch die Abwahl aus dem Bundesrat wurde er kurzfristig zum Märtyrer, doch verblasste der Glanz bald: Christoph Blocher.

SVP-Alt-Bundesrat Christoph Blocher hat in den letzten zwei Jahrzehnten die Schweizer Politik geprägt wie kein zweiter. Viele konservative und fremdenfeindliche Bürgerinnen und Bürger sahen in ihm einen Heilsbringer. Dies nicht nur, weil er einer strenggläubigen Pfarrersfamilie entstammt, sondern weil er sich wie ein Erlöser gebärdete, der die Schweiz vor fremden und bösen Mächten schützen oder gar retten wollte. Für viele war er der Übervater der Nation, ja fast eine Art Schutzheiliger. Wer ihn charakterisieren wollte, griff gern zu einem Vokabular, das religiöse Attribute enthielt.

Politik hat aber nur selten mit spirituellen Syndromen zu tun. Es ist die unbeherrschbare Kunst des Möglichen – oder oft Unmöglichen. Weil Politik in der Regel mit säkularen Problemen konfrontiert ist, die in den weltlichen Niederungen entstanden sind, tun wir gut daran, diese mit entsprechen Instrumenten zu lösen: Pragmatisch, sachlich, frei von Vorurteilen. Verhängnisvoll wird es, wenn wir mit ideologischen oder religiösen Prämissen ans Werk gehen. Dann überhöhen wir die politischen Interessen und Gegenstände und geben ihnen eine pseudoreligiöse Bedeutung, die (vermeintliche) Heilsbringer erst ermöglichen.

Genau dies hat Blocher getan. Er sah fremde Mächte am Werk, welche die Schweiz zerstören wollten. Die UNO war des Teufels, die EU ohnehin. Er malte aber auch den Feind im Innern an die Wand: Inserate sprachen von Geheimplänen der Classe politique. Überall lauerten angeblich Gefahren, die geradezu nach einem Erlöser schrien. Das ideologische Konzept der SVP war darauf ausgerichtet, den Boden für einen Heilsbringer vorzubereiten. Und der Nährboden war gut: Ein beträchtlicher Teil des Volkes dürstete in den Krisenzeiten nach einer starken Hand.

Das Rezept hat lange Zeit funktioniert. Der Erfolg der auf Blocher fokussierten SVP zeichnete sich in allen Wahlen seit 1991 ab. Die logische Konsequenz war die Wahl Blochers in den Bundesrat.

Dann begann der Abstieg. In der Realpolitik, vor allem in der Exekutive, scheitern eben auch Heilsbringer. Mit ideologischen Beschwörungsformeln lassen sich keine Probleme lösen. Auch Blocher konnte die Schweiz nicht von den Ausländern befreien, wie seine Wähler erwarteten. Er war eingebunden in ein Gremuim und konfrontiert mit komplexen Sachproblemen, die sich nicht mit einem Machtwort des Heilsbringers zum Verschwinden bringen liessen. Vor allem zeigte sich, dass es keine einfachen Lösungen gibt. Das Volk erlebte die Diskrepanz der simplen Heilsbotschaften und der realpolitischen Umsetzungen.

Blocher wurde als Messias entzaubert. Durch die Abwahl wurde er kurzfristig zum Märtyrer – auch dies eine religiöse Metapher -, doch verblasste der Glanz bald. Und die SVP erhielt am Wochenende die Quittung dafür, dass sie auf einen Heilsbringer gesetzt hat: Die SVP wurde zurückgebunden, Blocher bei den Ständeratswahlen gedemütigt und bei den Nationalratswahlen vom Leichtgewicht Nathalie Rickli, gestartet von Platz 7, vom ersten Platz verdrängt.

Hoffentlich ziehen die SVP und ihre Wähler die richtigen Schlüsse daraus: Heilsbringer sollen auf dem religiösen Parkett bleiben; sie haben in der Politik nichts verloren.

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865 Kommentare zu “Der Glanz von Messias Blocher verblasst”

  1. heidi reiff sagt:

    Ich habe mich intensiv mit dem Holocaust auseinandergestzt, Dokus am Fernsehen mir angeschaut, alte Frauen die selbst involviert waren in diesen Endlagern, die haben Horror erlebt. Staaten weltweit, die regiert werden von Dispoten finde ich schrecklich. Alice Miller übrigens eine Polin hat sich intensiv mit den Biographien dieser Menschen auseinandergesetzt und das in ihren Büchern auch ohne zu beschönigen dokumentiert, ich lasse mir von niemandem vorschreiben, welche Bücher ich lese, es gibt auch Angebote für Analphabeten in der CH auch für Imigranten, ob das was kostet entzieht sich meiner Kenntnis, Auskunftstellen gibts ja überall.

  2. Rataxes sagt:

    gemach, gemach, hm. Die Würde des Bundesangestellten ist unantastbar, so steht es ja schon in der Verfassung. Ich meine nicht alles so böse, wie ich im Innersten bin.

    Aber Fasnacht, ja Fasnacht, ist halt wirklich selten lustig und wenn man es dann noich zwangsweise widerbeleben muss, wie in Bern. Tröstzen Sie sich aber, je älter man wird, desto weniger lustig findet man, wie ich bereits erwähnt habe, die Basler Fasnacht

  3. Lisa sagt:

    Alles in Allem stelle ich entgegen anders lautender Meinungen fest: Gut, dass es alt-Bundesrat Ch. Blocher gibt, ein Mann mit Rückgrat und Profil, einer der für seine Partei steht, ihr Markenzeichen ist. Ein kluger intelligenter Unternehmer und wenn es ihm dabei gut geht und er damit Erfolg erzielt so gönne ich ihm das von Herzen.
    Ich wünschte mit es gäbe mehr Politiker von seiner Sorte auch in anderen Parteien. Leute die wissen was sie wollen und ihre Ziele zu erreichen wissen.
    Auf jeden Fall erachte ich die SVP als wichtige Partei in unserer direkten Demokratie in der alles Platz hat von links aussen bis rechts aussen. Wenn ihre Vertreter dann noch kluge Köpfe sind, na dann geht die Schweiz vielleicht doch noch wieder besseren Zeiten entgegen, man weiss nie.

  4. Pasionaria sagt:

    Rataxes
    Was haben Sie um ‘Gottes’ Willen ständig gegen die Basler?
    Zuerst sind es die Fussballrowdies und jetz noch die Fasnacht?
    Also die Zürcher Hooligans sind ja unterdessen (bedauerlicherweise) nicht mehr zu toppen, und merken Sie sich bitte: die Basler Fasnacht soll nicht lustig sondern kulturell und real-satirisch bereichernd sein. Es gibt Menschenschläge, die nicht in der Lage sind, dies zu verstehen, was einzig und alleine deren Problem ist.

    Ihre regionalen Vorurteile erscheinen mir bald als Rettungsring, an das sich Ihr schffbrüchig gewordener Geist klammert……

    .
    LISA
    Bitte verzapfen Sie nicht einfach nur drauf los………, es ist nurmehr bemühend, öde und blogtötend!

    .

  5. Lisa sagt:

    @ pasionaria

    Aber ja, unser Grosi ist stinkhässig….schade.

  6. Rataxes sagt:

    @ Pasionaria

    Die Zürcher Fussballrowdies und die Sechseläutezünfter mag ich genau so wenig. Bei den Zünftern glaubt aber nur wenige, dass sie lustig sind, bei der Basler Fasnacht sollen Schnitzelbänke angeblich satirisch sein, auf etwa 1000 Verse ist einer originell, 999 sind vorausbrechenbar. Das geistige Nievau ist ja auf den Zürcher Weinschiffen höher. Und dieses Piccologepfeife tut in den Ohren weh. Sorry, andere Städte haben auch ihre langweiligen Bräuche, sie zwingen sie aber nicht so arrogant den Medien auf und behaupten noch, sie seien etwas besonderes. Comitéschnitzelbänke sind kein bisschen besser als Mainz wie es singt und lacht.

    Bitte beachten Sie, dass ich keine regionalen Vorurteile habe, Basel ist mir so schnurz wie Zürich, ich mag nur diese provinzielle Selbstbeleckung nicht, die sich in einem Fussballclub, der ein my weniger medioker als der Rest und in einer Fsnacht, die genau so medioker wie der Rest ist, äussert.

  7. Rataxes sagt:

    @Lisa

    Lieber ein stinkhässiges Grosi, das einigermassen kohärent schreibt, als ein amorpher klebriger Kaugummi, der ständig seine Form ändert

  8. Lisa sagt:

    @ rataxes

    Ja ja, lieber Halbschuh, kommen sie mal wieder auf den Teppich. Auf mich wirkt das hässige Grosi so auf die Länge gesehen etwas flundernhaft eintönig und unpersönlich. Es ist so, ich komme dagegen nicht an.
    Gegen Kaugummi an der Schuhsohle wirkt anhärten lassen, mit einem scharfen spitzen Messer die Masse entfernen, den Rest mit einem Speziallösungsmittel aus der Drogerie ablösen.
    Ich an Ihrer Stelle würde nicht an mir kleben bleiben, keinesfalls, fixieren Sie sich doch gescheiter auf das hässige kohärente Grosi.

  9. andersen sagt:

    Wie gesagt:

    So etwas wie >> in den Himmel kommen<< gibt es nicht.
    Es gibt nur ein Wissen, dass ich schon dort bin.
    Ich kann nicht dorthin gehen, wo ich schon bin.
    Ironischerweise denken die Menschen, dass sie von dort, wo sie sind, weggehen müssen, um dahin zu kommen, wo sie hinwollen. Und so verlassen sie den Himmel, um in den Himmel zu gelangen-und gehen durch die Hölle.
    Man muss nichts tun und niemand sein müsst, ausser genau der Mensch, die man jetzt seid.
    Die Reise ist nach nirgendwohin.
    Die Himmel -wie man es nennt -ist nirgendwo.Er ist jetzt, und er ist hier.
    🙂

  10. Pasionaria sagt:

    Rataxes
    Nicht ganz Unrecht, was Sie da schreiben……..leider.
    Trotzdem hebt sich grundsätzlich (auch dies leider je länger, je weniger) die Basler Fasnacht von den übrigen ab. Diese versucht immer noch eine politisch-befreiende Funktion auszuüben, indem versucht wird, ernsthaft zu persiflieren. Man versucht abzurechnen, zum Teil bitter ernst, auch mit globalen Fragen. Das ist etwas anderes als ein blosses Besäufnis. Hat sie ev. deswegen im alten protestantischen Basel überlebt?
    Nun bei den Schnitzelbänggen sind tatsächlich nur noch eine bis zwei von etwa zwanzig wirklich witzig, aber diese darum umso mehr und ganz speziell.

    Natürlich unterscheidet sich der Fussballrowdy nicht durch seine regionale Zugehörigkeit – aber Sie, Jeffy, kommen ja immer mit dem schlechten Beispiel der Basler Fans? Da gibt es genauso üble, wenn nicht noch üblere östlich von Basel……, da braucht nicht einmal auf die jüngsten Dramen hingewiesen werden!

  11. süß - quer sagt:

    und ich weiß (andersen-nesredna), dass ich NICHT im Himmel bin!

    Die Bibel ist ja nicht zuletzt geschrieben, um vom Himmel zu verkünden: vom Jenseits…Die Geschichten darin künden von MANNIGFACHEN PROBLEMHAUFEN hier im Diesseits…. nahtlos: Problemhaufen. Um so erstaunter ist man, hier auf der spärlich reichen Erdkrume ihre Fans, Befolger und Fanatiker anzutreffen, die geau dieses eliminieren wollen und meinen, sie hätten ihren Leitfaden gefunden (Dabei ist das Glücklichsein nicht im Schöpfungsplan für den Menschen vorgesehen!)
    Würde gern eine Sequenz hier anfügen aus einer Doku von 1997, die gestern 13.30h im BR lief :

    Plötzlich verschwunden. Schicksale vermißter Jugendlicher ** –>

    Die Tochter eines fränkischen Dekans – Schindler – (protestantisches Hypermilieu) , die sich vom KALTEN GESTRENGEN Übervater (der auch prügelte) derart verprellt fühlte, dass sie zumindest bis 18 mehrmals abhaute, weil sie es nicht ERTRAGEN konnte, wie man im Elternhaus eine Mauer errichtete (auch ihr gegenüber) , von jenem sozialen Milieu sprach, für welches man sich den ganzen Tag lang abstrampelte und eine Zweiklassenwelt errichtete. Und ausgerechnet da hinein war die Tochter nun abgedriftet.

    http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/inhalt/film-und-serie/ploetzlich-verschwunden100.html

    —-
    mich “wundert” hier (nicht) : man erklärt und erklärt … nämlich die Schattierungen… und ausgerechnet die, die sich rühmen die Bibel nicht wortwörtlich zu nehmen, die sich ihrer eigenen Differenziertheit rühmen, können gar nicht anders als “wortwörtlich”, als Klischees rauszupicken, ihre eigenen Vorurteile bestätigt zu sehen und rasen bei jeder Gelegenheit als Erste los, um Feuer zu melden (stimmts Allegra? ;- ) )

    —–

    H e r d p r ä m e…Film und Kommentare

    bitteschööööön
    http://blog.br-online.de/quer/tag/kinderbetreuung

    wir wird wiederholt…
    —–

    in der Praxis erlebt habe ich bayerische Kindergäten, die morgens um 8 öffneten und mittags um 11.30h schlossen. War mir persönlich kein Thema… ich hatte bereits die innerdeutsche Verbeamtungsgrenze passiert: von Ausserbayern nach Innerbayer: eine Tür, die für immer zufiel!
    Aber meine karrierebefliossene Nachbarin, Streberin und öffentlichkeits-mittelpunkstgeil, ist damit überhaupt nicht zurecht gekommen. Und so mühte sie sich ab, vierfache Konstruktionen zu errichten, wofür viel Energie und Geld aufgebracht werden mußte.
    Eine Wahlfreiheit wurde deutschen Frauen nicht angeboten. Und noch weniger die Möglichkeit, auch nach mehreren Jahren des Fernbleibens im Job, wieder einzusteigen. Nein, lieber hat man die Hochqualifizierungen wie alles andere auch in den Wind gekippt…die Kosten für die Studium und Referendariat usw. Dieses volkswirtschaftliche Nullenland! Es ist KEIN reiches Land!

    Was wird uns da wieder vorgelogen? 2 Billionen Schulden und reich?
    “Der deutsche Staat ist arm, er hat 2 Billionen Schulden. sie wachsen stündlich. Deshalb gibt die Koalition das Geld, das sie nicht hat, für eine Steuersenkung aus, die darauf hinausläuft, dass 2013 ein Bürer, der 10.000Euro im Jahr versteuert, 19 Euro spart und einer, der das ZEhnfache verdient, 116 Euro. Wie viel spart, werds Hundertfache verdient? Wenn er sowiesokeine Steuern zahlt: gar nichts. Der Arme! “(GRN, ZEIT)

    S U E S S!

    Was könnte man nächstes Mal wählen, um diesen Holzkaspern eins in die FRESSE zu verpassen?

  12. Körperwahrnehmung sagt:

    es wird langweilig hier: Authentisches und geschriebene Mühe, erfahrenes Leben, wird gelöscht!

  13. müdes Fazit sagt:

    zwischen Chicago-Erklärung (5 Punkte) und Chicago-Boys (Staat ausbluten) liegt nur ein Wimpernschlag

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