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Tödliche Folter

Hugo Stamm am Mittwoch den 7. Februar 2007

Das Böse ist ein unheimliches Mysterium. In kaum einem andern menschlichen Bereich klaffen Anspruch und Realität so weit auseinander. Wir alle möchten „gute Menschen“ sein, und die meisten geben sich redlich Mühe, den eigenen ethischen Ansprüchen oder religiösen Normen gerecht zu werden. Doch die Realität demonstriert uns Tag für Tag, dass die „Welt“ abgrundtief böse ist. Die Nachrichten führen es uns stündlich vor Augen.

Offenbar fruchten alle Anstrengungen wenig, der Realität ein menschliches Antlitz zu verleihen. Es gibt Hunderttausende von Glaubensgemeinschaften, sozialen Werken, politischen Gremien, Regelwerken, Uno-Chartas, Menschenrechte usw., die sich das friedliche Zusammenleben der Menschen zum Ziel gesetzt haben, und trotzdem nimmt die Summe der internationalen Konflikte zu. Und die Zahl der Gewaltverbrechen steigt ebenfalls. Auch politologische, psychologische oder soziologische Erkenntnisse vermögen die Gewaltspirale nicht zu bremsen. Das Böse ist „therapieresistent“. Das ist möglicherweise die einzige unbeeinflussbare Konstante in der Geschichte der Menschheit.

Alle Massnahmen zur Eindämmung von Aggression und Gewalt sind Symptombekämpfung und haben kaum je eine nachhaltige Wirkung. Da kann die ganze Welt beteuern, dass der Friede das höchste Gut sei. In der Psychologie wurde der schreckliche, wahrscheinlich aber berechtigte Begriff der „Banalität des Bösen“ geprägt.

Das Geheimnis des nicht zu bändigenden Bösen liegt vermutlich im Machtdrang und der Autoritätsgläubigkeit. Also in der strukturellen Gewalt, die uns überall begegnet. Ein aussagekräftiges Experiment hat der amerikanische Psychologe Stanley Milgram entwickelt, das er erstmals 1962 angewandt hatte.

Den Probanden wurde erklärt, es handle sich um ein wissenschaftliches Experiment, das wichtige Erkenntnisse über Lernerfolg und Bestrafung zulasse. Der „Schüler“ sass auf einem „elektrischen Stuhl“, der „Lehrer“ am Schalthebel, mit dem er dem Schüler bei Misserfolgen Stromstösse verabreichen konnte. Das Experiment wurde vom Professor überwacht.

Der „Lehrer“ stellte dem „Schüler“ mündliche Aufgaben. Kannte der Schüler die Antwort nicht, erhielt er einen schwachen Stromstoss. Bei weiteren Fehlern wurde die Dosis auf Geheiss des Professors erhöht.

Der Trick: Der Schüler war ein Schauspieler, der je nach Stromstärke schrie und sich vor Schmerzen krümmte. Wollte der „Lehrer“ die Folter beenden, schaltete sich der Professor ein und sagte, er gefährde das wichtige Experiment, wenn er sich weigere, die Voltstärke zu erhöhen.

Milgram war geschockt, als er das Experiment auswertete. Alle Lehrer hatten ihre Schüler mit Stromschlägen von 300 Volt bestraft – also gefoltert. Rund 60 Prozent liessen sich motivieren, den „Schülern“ tödliche Stromschläge von 450 Volt zu verabreichen.

Das Experiment ist umstritten. Milgram musste viel Kritik einstecken. Das auffällige Gehorsamkeits- und Autoritätsverhalten wurden vielfältig interpretiert. (Autorität des Professors, Wissenschaftsgläubigkeit usw.) Tatsache bleibt aber, dass eine Mehrheit der Probanden den Tod des Schülers in Kauf genommen hat. Und sich von den Qualen und dem Leiden des „Schülers“ nicht hat erweichen lassen.

So werden friedliebende und ahnungslose Personen durch besondere Umstände zu herzlosen Wesen, die andere grundlos foltern. Fazit: Schaffen wir Lebensumstände, bei denen Machtgefälle und Abhängigkeiten klein sind. Dann entziehen wir dem Bösen das Biotop, in dem es unkontrolliert wuchern kann.

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183 Kommentare zu “Tödliche Folter”

  1. der elefant sagt:

    aysha:

    das tönt ja nach guten neuigkeiten… ich freu mich für dich. hoffe, du hast dir keinen ablöscherjob eingetreten.

    bei mir muss es jetzt wirklich bis nach dem umzug warten. wenn bis dahin was temporäres reinkommt, auch schön… aber lieber wäre mir, ich würde innert kürzester zeit eine neue behausung finden, ohne ausgerechnet im winter den vierzehn-stunden-tag einzuführen, und danach kann es dann losgehen…

    ich bin heilfroh, wenn die übergangszeit hier ein ende findet (auch wenn mir die hütte jetzt doch noch ans herz gewachsen ist): man hockt doof im zeug rum, und nichts, was man anfangen möchte, scheint sich zu lohnen oder sicher zu sein, da man ja nicht weiss, wo man in wenigen monaten hockt…

    vermutlich muss die katz mir beim suchen helfen. sie ist es ja auch, die mir mit ihren sonderwünschen wie wald, wiese und wühlmäuse den direkten weg in eine komfortable wohnschachtel mit hervorragenden einkaufsmöglichkeiten verbaut… was ich ihr, nach anderthalb jahren wohnschachtel-folter in zürich, sehr hoch anrechne…

    schon schade, kann man den witz mit dem affen nicht schriftlich wiedergeben… und wenn ich jetzt anfange, polizeimützen in vbz-jacken umzuwandeln, muss ich mich wirklich nicht mehr in zürich blicken lassen.

    rockyougeorge:

    schon mal an den bezug von stänkergeld gedacht, alte giftdrüse?!

    natürlich hat aysha deine alv-beiträge nicht weggeputzt, weil: i c h habe mir die kohle unter den nagel gerissen. ich hoffe, das ist recht so.

  2. ÄMMITALER sagt:

    @ rg

    “Danke für das Geschenk. Das gilt aber nur wenn Jemand den Mut hat die Macht/Verantwortung zu akzeptieren ein Arbeitgeber zu sein und nicht einfach Anderen die Verantwortung/Schuld zuschiebt Arbeit zu vergeben.”

    Aber sicher. Und das berechtigt ihn auch, für sich ein grösseres Stück des Kuchens abzuschneiden. Ohne Wenn und Aber.

    @ feelx

    Gerechte Kriege? – Ich persönlich glaube nicht daran. Kriege finden auf einer ‘primitiven’ biologischen Ebene von Aggression – Gegenaggression – Selbstverteidigung statt. Sie durch ethische Überlegungen oder – Ausgleich von Schuld – oder was auch immer legitimieren zu wollen, halte ich für Augenwischerei. Oder den nicht zulässigen Versuch, auf ganze Völker zu übertragen, was unter Individuen gelten mag.

    Sich als ganzes Volk nicht zur Wehr zu setzen, wenn es angegriffen wird, scheint mir genauso unpassend wie in diesem Moment den Dienst als Soldat zu verweigern. Ich glaube, es gibt Situationen, Strömungen, Entwicklungen, die grösser als wir selbst sind … Schicksal:-)) … vor denen können wir nicht davonrennen.

    @ Rocky

    Hettschmär nöd zwe Schtutz?

  3. Effekthascher sagt:

    @Romeo
    Mich würde deine Meinung nach Ursachen von Agression und Gewalt interessieren auch (oder weil)wenn Du damit koketierst…

  4. feelx sagt:

    Aysha

    Du hast mich umarmt, ich habe es ganz deutlich gespürt :))

    Ämmitaler

    Ich kann darüber sprechen, weil dieses Kapitel für mich abgeschlossen ist. Ich könnte auch noch von meinem Cousin reden, seine Familie wohnte im selben Haus. Da stand ein steif gewordenes Stück Gartenschlauch von etwa einem Meter Länge vor der Tür. Mann, waren das Zeiten! –

    rg

    Ja, richtig, so ein faltbares Ding war das –

    Hilary Clinton for President!!:))

  5. ÄMMITALER sagt:

    @ Effekthascher

    Demütigung und daraus folgend Schamgefühle waren für mich die Quelle der kältesten Wut, die ich in meinem Leben je empfunden habe.

  6. aysha sagt:

    an die still mitlesenden frauen

    seht ihr? schaut her!

    da schreiben männer mit würde. so offen, so verletzlich und soo stark.

    ich verneige mich.

    danke männer. ich habe viel gelernt.

  7. ÄMMITALER sagt:

    De Hodscha – Din – Effendi
    Gaht einsam über Land.
    Er findt en chliinä Fridhof,
    schön glägä ame Schtrand.
    S verzellt en jedä Grabschtei
    Wer da so gläbt hät gha.
    De Hodscha faat aa läse,
    was uf dä Schtei tuät schtaa.

    „Da unä liit de Mechmed,
    gläbt hät er sibezg Tag.
    Es Jahr lang gläbt hät d Fatima,
    jetz ruät si ohni Chlag.“
    De Hodscha frögt de Totägreber,
    ganz en altä Maa:
    „Da hät ja jedä churz nu gläbt,
    händ diä ä Chrankät gha?“

    „Diä Lüüt, wo da tüänd ligä,
    händ gläbt wiä du und ich.
    Wiä mängä Tag si gschnuufäd händ,
    das isch is abär gliich.
    Mir zeläd halt bi allnä,
    bi Altä und bi Chind,
    diä Tag nu, wo si würkli
    so richtig glücklich sind.“

    So prichtet em de Alti.
    Druf seit de Hodscha: „Da,
    a dem Ort wett ich ligä,
    und uf mim Schtei müässt schtaa:
    „da unä ruät de Hodscha,
    er chan jetz nüme furt,
    und gschtorbä isch är gwüss am Tag
    vo sinärä Geburt.“

    Jürg Jegge nach Gregor von Rezzori

  8. Moria sagt:

    r g

    Sie moegen ja im Delegieren genial sein (ist im Geschaeftsleben einer der Erfolgsschluessel) aber das geht hier, im anspruchsvollen Blog-Leben nicht so einfach!
    Dass mir feelx eine einleuchtend-fundierte Erklaerung “was ist Erfolg?” liefern kann, daran zweifle ich keine Sekunde, aber von Ihnen, als “business-man” interessiert es mich. Nicht im etymologischen Sinne….im praktisch, alltaeglichen!
    Ne pas caponner, mon cher!
    Noch einen Rat, wenn Sie im Lande der gelobten Juden sind, und man sieht Sie musternd oder skeptisch an, muessen Sie nur entgegnen: Ich bin kein Jude, ich sehe nur so intelligent aus! Dann haben Sie alle Sympathien auf Ihrer Seite.

    feelx
    wie meistens kann ich Deine Ausfuehrungen ueberzeugt annehmen. Die Realsatire sollte tatsaechlich veranschaulichen, wie dehnbar/uebertragbar das Boese und das Gute in unserer Welt sind. Sie haette ebenfalls auf weitere Protagonisten zugetroffen.
    Dein letzter Satz, nichts leichteres als diesen zu beantworten: NEIN, es gibt keine gerechten Kriege, sowenig es unnuetzen Frieden gibt.
    Einen Krieg zu fuehren, um an ein Ziel zu gelangen, ist wie jemandem bei Zahnschmerzen oder Dummheit (RYG, lisa, Yann….) zu koepfen!!

    Romeo – especial
    Dein Wunsch nach mehr Frauen, meinst Du damit, dass dann ev. zwei fuer Dich uebrig waeren?
    Klar ist Deine Meinung als Scientologe nicht begehrt, aber DEINE EIGENE als Mensch Romeo umso mehr – oder ist der gar nicht mehr vorhanden, dank zuviel S.F.? Waere ein Jammer.

    Aysha
    denke immer daran – Judas soll eine Minderheit gewesen sein!
    Liebe Gruesse!

  9. bg sagt:

    @Hugo Stamm: Meine Antwort bezüglich Schulmedizin ist auch nicht angekommen… Auf jeden Fall finde ich sie nirgends im Blog.

  10. Moria sagt:

    Aemmitaler

    ….interessante Geschichte!
    Weisst Du, zwischen Geburt und Tod gibt’s nur eine Alternative:
    Benutze das Intervall, besonders mit lieben Menschen oder mit besonders lieben Menschen! Da musst DU ja nicht weit suchen gehen!

  11. jean sagt:

    @ aysha

    lass dich von den saboteuren nicht beeinflussen,mach weiter wie vorher.

  12. Männeranalyse sagt:

    aysha:
    Der Mann ist in der Regel mutig, sehr mutig oder sogar todesmutig. Er zeichnet sich durch Tapferkeit aus und weiss seine Tränen zurückzuhalten. Mit Todesmut verteidigt er Vaterland und Familie. Er ist zu allem bereit, wenn es die Not erfordert. Er kennt keine Rücksicht, wenn es darum geht, seine Familie in Schutz zu nehmen. Er ist der Beschützer seiner Frau. Von früh lernt der Mann, stets tapfer und stark zu sein. Das grösste Unglück für einen Mann ist, wenn ihn seine Kollegen ein Weichei nennen.

  13. feelx sagt:

    Moria, Ämmitaler

    1.Ob es einen gerechten Krieg geben kann, hängt wohl davon ab, ob es für ein Land einen gerechten Grund gibt, in den Krieg zu ziehen. Einen ganz naheliegenden Grund dafür sehe ich darin, wenn ein Land angegriffen wird, und es sich gegen diese Aggression verteidigt.

    2.Daraus ergibt sich das Problem, ob dann die Länder, die mit dem angegriffenen Land verbündet sind oder ihr gemeinsames Wertesystem in Gefahr sehen, in diesen Konflikt eingreifen und sich ebenfalls gegen den Aggressor wenden, auch wenn sie nicht unmittelbar bedroht sind.

    3.Eine andere Frage ist auch, ob ein Land ein anderes Land präventiv angreifen darf, wenn es weiss, dass dieses sich für einen Angriffskrieg aufrüstet.

    4.Wiederum eine andere Frage ist es, ob ein Land ein anderes Land angreifen darf, wenn in diesem Land das Wertesystem mit Füssen getreten wird und Menschen massal umgebracht werden.

    5.Sicherlich kann es nur einen gerechten Grund geben für Länder, die auch ein gerechtes Wertesystem haben. Es steht wohl ausser Zweifel, dass Länder mit einer gefestigten liberalen Demokratie diesem Wertesystem am nächsten kommen. Länder, die über eine repräsentative Demokratie verfügen, in dem der Schutz der Rechte, der Freiheiten und des Privatbesitzes durch die Verfassung abgesichert sind, werden sich wohl kaum gegenseitig angreifen und nur dann in den Krieg ziehen, wenn sie angegriffen werden.

    7.Man kann sogar soweit gehen, dass für Länder mit einem gerechten Wertesystem ein aggressiver Angriffskrieg keine Option mehr sein kann, es sei denn, sie werden massiv bedroht und sehen in einem Präventivschlag die beste Verteidigung.

    Soweit meine „theoretischen“ Überlegungen. Aber wie sieht das praktisch aus? – Ich muss sagen, dass ich mich lange Jahre für den Pazifismus ausgesprochen habe und jede militärische Intervention für etwas gehalten habe, was sich unter keinen Umständen rechtfertigen lässt. Erst mit den Jugoslawienkriegen in den Neunziger Jahren habe ich einsehen gelernt, dass es richtig sein kann, wenn liberale Demokratien militärisch eingreifen. Auch als es um die Rückeroberung Kuweits ging, empfand ich diese Intervention als gerecht. Und wenn ich zurückdenke an den zweiten Weltkrieg, so habe ich keinerlei Zweifel daran, dass es richtig war, gegen den Aggressor vorzugehen. Man hätte vielleicht noch mehr Leid vermeiden können, wenn die Alliierten damals früher entschlossen gegen den Aggressor vorgegangen wären. Und was wäre geschehen, wenn die Amerikaner nicht in den 1. Weltkrieg eingegriffen hätten? – Was wäre geschehen, wenn die Alliierten das 3. Reich hätten gewähren lassen?

    Aber man muss hier auch die andere Seite einen „gerechten“ Krieges sehen. Die berühmt berüchtigten Worte: „Von nun ab wird zurückgeschossen“ zeigen nur allzudeutlich, wie ein Aggressor unter dem scheinheiligen Vorwand eines „gerechten“ Grundes seinen „gerechten“ Krieg anfängt.

    Ein anderes Problem ist es, ob sich hinter der Verteidigung des politischen Wertesystems nicht schlichte Wirtschaftsinteressen verbergen und man aufgrund einer fingierten massiven Bedrohung argumentiert, aber wo es letzlich um geostrategische Interessen geht.

    Ein weiteres Problem ist der Umstand, ob ein liberalisiertes Land ein diktatorisches Land als Verbündeten akzeptieren soll, da beide Länder demselben „Aggressor“ gegenüberstehen.

    Obwohl ich also der Idee eines gerechten Krieges nicht mehr widersprechen mag, so sehe ich doch ein, dass es viele Möglichkeiten gibt, diese Idee zu missbrauchen oder an Grenzen zu stossen, wo es fragwürdig wird, Mittel zu verwenden die durch diesen Zweck „geheiligt“ werden.

    Ich wohne nun seit einigen Jahren in einem Land, wo sich, wenn ich das so sagen darf, das Schlachtfeld aller Schlachtfelder befindet, Waterloo. Dieses Land wurde von vielen Kriegen heimgesucht und in allen Dörfern und Städten in diesem Land befindet sich ein Kriegerdenkmal, dass an die Gefallenen des 1. und 2. Weltkriegs erinnert. In manchen Orten gibt es sogar noch alte verrostete amerikanische Panzer, die an diese Zeit erinnern. Diese Menschen haben für eine gerechte Sache gekämpft und sind dafür in den Tod gegangen.

  14. Valentin sagt:

    Zum Valentinstag für alle wunderbaren Frauen hier im Blog:

    hier sollte ein Herz stehen………….

  15. pedaler sagt:

    @feelx
    Ein Krieg kann aus Prinzip nicht gerecht sein – es gibt keinen “gerechten” menschgemachten Tod…
    Und angesichts der immensen Schäden – physisch und psychisch an Mensch, Kultur, Natur usw müsste eigentlich klar sein, dass Krieg, ja jede Form von Gewaltanwendung zu ächten ist. Selbst wenn ein “gerechten” Krieg möglich sein sollte (was ich bestreite, siehe oben) – keine Form von Krieg ist sinnvoll und zweckmässig.

    Sowohl der Kuwait- als auch der Ex-Jugoslawien-Konflikt sind klassische Beispiele dafür, wie es eben nicht laufen sollte! Hier haben alle Seiten auf Konflikt-Eskalation gemacht, statt Deeskalation zu betreiben. Wenn wir zur Kenntnis nehmen, mit welchen Fehl- und Falschinformationen die Geheimdienste ihre Regierungen beliefert haben – das Geschichten von Moria 2007-02-11 23:18:44 illustriert das ein bisschen – dann ist davon auszugehen, dass es diverse Kräfte gab, die an einer Eskalation interessiert waren, um eine “Begründung” für einen gerechten “Krieg” zu erfinden. Und dies ist objektiverweise viel einfacher, als dafür zu sorgen, dass ein Krieg nicht nötig ist. Bis hin zur Frage, ob letztendlich hinter derartigen Ueberlegungen schlicht und einfach die globalisierte Waffenindustrie hockt, die Kriege als Auftragsbeschaffung und Testgelände betrachtet…

  16. Effekthascher sagt:

    @ÄMMITALER

    Was hast Du mit deinen Schamgefühlen gemacht, wo ist die kalte Wut? Welche Strategien hast Du angewandt im Umgang mit diesen Gefühlen wie hast Du diese Gefühle gelebt? Hast Du aus dieser Quelle (Schamgefühle) noch was anderes geschöpft als kalte Wut?

  17. feelx sagt:

    Männeranalyse

    Ihr Beitrag kann unter Männerphantasien verbucht werden.

    Pedaler

    Ich habe gesagt, dass es ein Missbrauch gibt, gerade, wenn die gerechten Gründe „erfunden“ werden. Das schliesst aber nicht aus, dass es gerechte Gründe für ein militärisches Eingreifen gibt.

    Die Schweiz hat ohnmächtig zugeschaut, wie Serben und andere Exjugoslawen carweise für ein paar Tage in ihre Heimat reisten, um an dem Schützenfest teilzunehmen. Und wenn Milosevic noch so „provoziert“ worden wäre, weil er nicht einsehen wollte, warum dieses Jugoslawien in seine Teilstaaten zerfiel, dann hätte er noch tausendmal kein Recht gehabt, diesen Krieg anzuzetteln. Wohl aber hatten die westeuropäischen Länder alles Recht der Welt, diesem Massaker ein Ende zu bereiten.
    Und wenn Saddam Hussein noch so „provoziert“ worden wäre, dann hätte er noch tausendmal kein Recht gehabt in Kuweit einzumarschieren. Wohl aber hatten die amerikanischen Streitkräfte alles Recht der Welt, diesem Raubzug ein Ende zu bereiten.

    Und wo waren sie, als in Burundi die Huttus die Tutsis abschlachteten? – Wo sind sie in Darfour? – Die Weltgemeinschaft hätte tausendmal das Recht, dort einzuschreiten, auch mit militärischen Mitteln.

  18. rg sagt:

    @Moria

    Sie überschätzen mich, ich bin nicht sehr gut im delegieren. Aber mein ganzes Leben habe ich versucht, nicht Millionär zu werden und soweit hatte ich Erfolg damit. Ich lebe ein glückliches Leben, Erfolg. Die Arbeit die ich tue, macht mir Spass und bringt Geld ein, Erfolg. Meine Kunden mögen meine Arbeit, und zwar nicht weil ich billig bin (ich bin es nicht), Erfolg. Ich lebe an einem Ort den ich selber gewählt habe, Erfolg.

    Beantwortet das Ihre Frage?

    @feelx

    Die Frage sollte nicht sein welcher Krieg gerechtfertigt werden kann, weil irgendwie kann man jeden Krieg rechtfertigen. Ich bin überzeugt Saddam Hussein konnte den Einmarsch in Kuwait rechtfertigen. Schliesslich ist es immer eine Folgereaktion.

    Nein, die Frage sollte sein, wie können wir zukünftige Kriege vermeiden. Ein Weg ist, indem man die Waffen die es für einen Krieg braucht reduziert und schlussendlich eliminiert. Was wir brauchen, ist so etwas wie ein Kyotoprotokoll zu Eliminierung von Waffen. @pedaler hat die Waffenindustrie erwähnt. Nur wenige Leute verdienen an Waffen aber viele (der Steuerzahler) verlieren dabei. Mit Waffen kann man “nur” zerstören, was eigentlich gegen jedes ökonomische Prinzip/Gesetz spricht. Das Argument es schaffe Arbeitsplätze ist blöd wenn man bedenkt was diese Arbeiter sonst noch produzieren könnten.

    Ronald Reagan in 1984 hat in einem seiner besseren Momente gesagt

    People don’t start wars, governments do

    Staaten können das aber nur, weil ihnen der Steuerzahler das Geld gibt. Das müssen übrigens nicht einmal die eigenen Steuerzahler sein, wie wir bei den Proxykriegen sehen.

    Wenn Sie sagen

    ” 7.Man kann sogar soweit gehen, dass für Länder mit einem gerechten Wertesystem ein aggressiver Angriffskrieg keine Option mehr sein kann, es sei denn, sie werden massiv bedroht und sehen in einem Präventivschlag die beste Verteidigung. “

    dann ist das schon SEHR theoretisch. Ich würde die USA als ein Land mit einem gerechten Wertesystem bezeichnen. Dieses Land, sorry diese Regierung schafft es aber immer wieder Proxykriege zu initialisieren und zu finanzieren. Alles auf Kosten der Steuerzahler.

    Reagan hat auch gesagt

    History teaches that wars begin when governments believe the price of aggression is cheap.

    rg

  19. ÄMMITALER sagt:

    @ Effekthascher

    Jetzt hast du mich arg ins Nachdenken gebracht. Danke dir dafür:-)

    Du erinnerst dich: Ich bin mit einer geistig behinderten Schwester aufgewachsen. Heute glaube ich, dass sich dafür meine Mutter – ÜBER SICH SELBST – geschämt hat und im Leben völlig unsicher geworden ist. Ausser in der Pflege meiner Schwester.

    Als Kind, und noch ganz lange danach, habe ich meine eigenen Schamgefühle (wir sind nicht normal, gehören nicht ganz dazu) mit meiner Schwester in Verbindung gebracht, hatte eine gewaltige Wut auf sie und alles, was – wie es mir schien – auffallen konnte.
    In allen Beziehungen habe ich äusserst empfindlich reagiert, wenn ich den Eindruck hatte, jemand ‚lasse mich fallen’, halte mir ungerechterweise etwas vor oder ähnliches mehr. Das waren die schlimmsten, ‚geladensten’ Momente als Erwachsener.

    Lange Zeit habe ich meine Wut ‚gefressen’ und mich zurückgezogen. Habe mich in schrecklichen Phantasien gerächt – oder mich in Traumwelten (auch Bücher, Musik) begeben, eine starke rationale Ader entwickelt.

    Geholfen haben mir als jungem Erwachsenem plötzlich auftauchende Erinnerungen an sehr fröhliche Momente gemeinsamen Spiels mit meiner Schwester. Das war wie ein plötzlicher Riss in meinem Bild: „Wie passen meine Wut und das schöne Spielen zusammen?“

    Ein Meilenstein bestand darin zu realisieren und zu spüren, dass ich ja sowohl meine Schwester wie meine Mutter LIEBTE.

    Aber: Ich selbst hatte ja von meiner Mutter während 20 Jahren ‚gelernt’, mich selber schnell ausgestellt und ausgesetzt zu fühlen … mich anderen aus diesem Grund auch nicht ganz zuzumuten … und darum auch nicht das zu bekommen, was ich eigentlich brauchte … kurz: Ich habe geheiratet; eine Frau, die in ihrer Art so direkt und unkompliziert ist, dass ich neuerdings mit dem immer gleichen Thema konfrontiert war:-), wenn auch auf andere Art und Weise – eine Frau, die sich jedoch NICHT SCHÄMTE! Ich hingegen immer noch …

    Ich bin immer noch am Lernen (das ist ein Lebensprogramm). Zum Beispiel unbefangen auf andere zuzugehen, mir meinen Raum zu nehmen, mir Fehler, Lächerlichkeiten zu erlauben.

    Gewonnen habe ich durch meine Geschichte zum Beispiel eine unerschöpfliche Quelle (durch die nicht gelebte Liebe zu meiner Schwester): Ich liebe Kinder und Tiere über alles. Ich liebe das Einfache, habe ein gutes Gefühl für Echtes und lasse mich leicht berühren. Da ist noch ein grosses Kind in mir. Gewonnen habe ich auch eine sehr starke Antenne für die Befindlichkeit anderer Menschen, speziell auch dafür, wie viel Nähe, wie viel Distanz nötig ist.

    Soviel Platz ich hier auch in Anspruch nehme, so sehr ist die ganze Geschichte doch verkürzt und vereinfacht. Wenn du mehr wissen möchtest – betrifft dich das Thema? – frage unumwunden nach. Ich füge die E-Mail-Adresse bei.

  20. pedaler sagt:

    @feelx
    Kuwait: erst die Geschichtsforschung wird zeigen, ob die Darstellung von Saddam, er sei von den Amerikanern formell eingeladen worden, in Kuwait einzumarschieren oder die Darstellung der Amerikaner, das sei unverhofft erfolgt, zutrifft. Nur: wenn eine Armee in Gang gesetzt worden ist, ist es so oder so schon viel zu spät. Wenn die Cars mit den Schlägertruppen abfahrbereit ist, ist es viel zu spät.

    Darum braucht es eben zwei Dinge (ich wiederhole mich): Ächtung der Gewalt und Abschaffung der Geheimdienste! Sobald Geheimdienste abgeschafft sind, gibt es keine sogenannten “Hidden Agendas” mehr – es muss also allles offen kommuniziert werden.
    Wenn Gewalt geächtet ist, können alle Staaten ihre Waffenarsenale drastisch reduzieren, können andere Funktionen für die heutigen Mitarbeitenden der Waffenindustrie gefunden werden. Wenn Geheimdienste abgeschafft werden, kann zum Beispiel die UNO Konfliktverhinderungs-Teams in die gesamte Welt aussenden, die das Recht haben, überall hineinzukommen und alles zu sehen. Eine echte Beweislastumkehr.

    Das heutige System ist auf Gewalt ausgelegt und angewiesen, aber ich sage nochmals, Konfliktfreiheit muss in den Köpfen der Menschheit entstehen.

  21. Moria sagt:

    rg
    danke fuer Ihre Antwort – genuegt mir fuer’s erste. Nur hoffe ich, dass sich bei Ihnen auch private Erfolge, oder sprechen wir da lieber von Befriedigungen – ist passender – verbuchen (wieder eher unpassender) hinzufuegen. So wie es toent, ist
    auch das im Lot. Bin sehr froh fuer Sie – unser auf der ganzen Ebene e_rfol_greicher RG

    feelx
    ja, feelx, Deine Aussagen haben einfach immer Hand und Fuss und natuerlich Herz. Du kannst mir oft meine Argumente entkraeften, dazu gratuliere ich Dir ganz aufrichtig.
    Selbst zum Thema Krieg verstehe ich, was Du meinst. Er soll gerechtfertigt sein a)um den Angriff eines Feindes abzuwenden b) einem angegriffenen verbuendeten/Freund beizustehen.
    Trotzdem halte ich es eher mit rg und pedaler. Jeder Krieg ist in meinen Augen eine Niederlage, die der Menschlichkeit und des menschlichen Geistes.
    Der Krieg richtet sich doch gerade gegen
    das, was man mit seiner Hilfe zu schuetzen hofft. Er kann doch um
    Himmelswillen nicht logisch oder eben gerechtfertigt sein. Da muessen andere Strategien her, und keine Eltern dieser Welt duerfen es zulassen, dass ihre Kinder zu Soldaten ausgebildet werden,
    sonst machen sie sich selbst des groessten Verbrechens mitschuldig!
    Aber wie dies jedermann beizubringen, bei soviel Propagande oder Unsicherheit, siehe halt doch den leider representativen Dialog zwischen Daddy und son!

  22. rg sagt:

    @Moria

    Sie sagen zu @feelx

    ” a)um den Angriff eines Feindes abzuwenden b) einem angegriffenen verbuendeten/Freund beizustehen “

    Da stört mich der Ausdruck “Freund”. Sicherlich sind das die Freunde in der Regierung, es kann ja nicht sein, dass die beinahe 300 Millionen Amerikaner alles Freunde der paar Kuwaiter sind. Oder liege ich da falsch?

    rg

  23. hilflos! sagt:

    Ich denke, dass die Polizei noch den Filminhalt von Blutgeil, wo man einen Polizistenarsch aus dem Ofenbräter herausgeholt garniert mit Petersilie – im Gedächtnis behalten hat, mir hätte der neue Film auch weh getan,hätte ich ihn mir ansehen müssen – ich finde es geht zu weit, nur weil ein Künstler sowieso heisst, eine gute Kameraführung hat und deswegen als künstlerisch wertvoller Bild-und Ausschnittsetzer gefeiert wurde, darf man doch den Inhalt und das Geschehen nie ganz aus den Augen verlieren! Sagt jetzt ja nicht, eben – deswegen hingucken!…Bei Folter nicht wegsehen haben wir zwar gelernt, aber wir können uns solche Foltern im Irak auch vorstellen ohne die Filme dazu runterladen zu müssen. Und wir wollen diese doch verhindern und nicht noch fördern. Heute ist die Oeffnung eben zu weit fortgeschritten, nichts ist mehr unsauber als Aersche die furzten noch als grausig galten, heute entwickelt die Wissenschaft einfach Meeresduft dagegen, aber die Ethik und die Moral werden einfach übergangen, weil eine Randgruppe die sowas braucht einfach als Zeitgeist angenommen werden möchte – darf die Folterförderung zum einen und zudem in Zusammenhang mit Sex nicht so überproduktiv gefördert werden, sowas gilt heute wie schon immer als Krisenförderung! Und vielleicht wäre A. Burr tatsächlich erstaunt gewesen, hätte man ihm nach dem Film brav in die Taufschüssel geschissen wie das in Horgen geprägt wurde.

  24. Moria sagt:

    r_ight g_entleman

    Sie haben recht! Eigentlich dachte ich bei meiner Aussage nicht nur an militaerischen Krieg, sondern war gedanklich ebenfalls bei privaten Fehden. Denn auch dort frage ich mich, gibt es gerechtfertigter Hass, Rache und Zuleideleben? Dort spreche ich die Freunde an und nicht auf Staatsebene, wo man lediglich (Interessens-) Verbuendete antrifft. Richtig erkannt, danke.

  25. feelx sagt:

    Pedaler, rg

    Ich gehe absolut einig, dass diese Arbeit notwendig ist und ein Umdenken stattfinden muss. Die UNO hat hier die Aufgabe, Konfliktregionen zu befrieden, – und die USA müssen davon Abstand nehmen, ohne das Mandat der UNO in Konfliktherde eingreifen zu wollen oder Bedrohungsherde auf eigene Rechnung auszuheben, wie sie das nun zusammen mit England tut im Irak.

    Die Frage, die mich beschäftigte, war eben, was ist, wenn es schon zu spät ist. Und da scheint es mir doch so zu sein, dass es gute und gerechte Gründe gibt, militärisch einzugreifen.

    Das amerikanische Hegemoniestreben ist schon lange ins Zwielicht geraten. Ich hatte damals am 11. September die Vermutung, dass die Amerikaner den Terror gewähren liessen, ein „kleines“ Opfer, um dann „alles Recht“ zu haben, massiv in den mittleren Osten einzumarschieren. Es kam mir vor wie ein Schachspiel, man opfert einen Bauern, um dann den König schach zu setzen…Provozieren, bis einer zuschlägt, um dann mit voller Macht und mit vollem Recht zurückzuschlagen.

    Sicher werden uns die Geschichtsbücher darüber aufklären, wie es wirklich war. Deshalb habe ich auch auf die Geschichte verwiesen. Die Welt ist ungerecht, sie ist gewalttätig, pedaler, dieses Faktum dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Dennoch hoffe ich mit dir, dass wir es noch erleben dürfen, dass diese Sinnlosigkeit aus den Köpfen der Menschen vertrieben wird.

    Moria

    Das grösste Verbrechen besteht für mich darin, einem Verbrechen zuzuschauen, ohne etwas zu tun. Diese Welt ist so, wie sie ist, wir können träumen, und diese Träume sich wichtig, aber sie nützen nichts, wenn wir in dieser Realität tun müssen was zu tun ist. Ich jedenfalls habe Verständnis für die Menschen, die sich für eine gerechte Sache einsetzen und ihr Leben auf’s Spiel setzen. Mögen unsere Kinder davon verschont bleiben.

  26. Moria sagt:

    feelx

    Ich sehe keinen Sinn darin, eine Rangliste von Verbrechen zu erstellen. Allerdings gibt es auch da Stufen.
    Deine Meinung, dass dem Verbrechen passiv zuzusehen, an einer der obersten Stellen steht, ist unbestritten. Ich stufe aber Kinder zu Soldaten auszubilden auch sehr weit oben ein.
    Wie koennen wir denn hier tatkraeftig eingreifen? Wir stehen doch so oft im Leben dem Verbrechen an der Menschlichkeit – und sei es “nur” an der wahren Armut vorueber zu gehen – einfach machtlos gegenueber.
    Da spiele ich auf meine kuerzlich – letzte Woche – erlebten Begebenheiten an.
    In einer Grossstadt vegetieren Hungrige, Verwahrloste zu Dutzenden auf den Strassen. Sie sind soweit, dass sie in den Abfalleimern unsere Resten essen und alles ablecken, was nach Essen schmeckt!
    Als einzelner kannst Du nun nicht mehr machen, als diesen ein Almosen zustecken. Aber genuegt das – bestimmt nicht -!
    Wir hingegen vergnuegen uns in eben diesen Staedten, rennen den verschiedensten Sehenswuerdigkeiten nach, waehrend das Verbrechen des “nichts sein und nichts haben” an diesen Menschen stattfindet.

    Aber bitte, lieber feelx, wie kann ich als einzelne Person dieses Verbrechen verhindern oder beheben? Ich fuehle mich zwar zum K…., aber reicht das aus? Kaum.
    Jedenfalls bin ich soweit, dass ich aus diesen Gruenden keinen Gefallen mehr an noch so attraktiven Grossstaedten finden kann, komme ich mir doch nur als oberflaechliche Pesos-ausspuckende Touristin vor.
    Feelx, sag mir, welche Moeglichkeit haben wir denn, nicht bloss Zuschauer und Zuhoerer zu sein?
    Deshalb meinte ich, bei den Kindern mit der Bewusstseinsbildung zu beginnen – wenn es nicht fruchtet, haben wir verd. Pech gehabt! Aber haben es wenigstens versucht – nochmals, den Kindern verbieten in den Krieg zu gehen!

  27. lör sagt:

    Oje Herr Stamm, bleiben Sie doch bei der Religion, dort macht’s wenigstens nichts dass Sie keine Ahnung haben.

  28. feelx sagt:

    Moria

    Du hast recht. Es war unüberlegt. Was ich damit sagen wollte, war, dass diejenigen, die wirklich die Möglichkeit besitzen, ein Verbrechen zu verhindern, aber dennoch nichts dagegen tun, dass die sich mitschuldig machen. Dabei ging es mir um diese Diskussion, ob es einen gerechten Krieg gäbe oder nicht.

    Vor einiger Zeit habe ich einen sehr eindrücklichen Film gesehen über den Genozid an den Tutsis in Burundi. Ein Priester hatte dort ein Spital eingerichtet, und nachdem die Unruhen losbrachen, kam eine UN-Friedenstruppe, um das Gelände zu sichern. Bedrohte Tutsis fanden dort Zuflucht.
    Nach einer gewissen Zeit kamen immer mehr Hutus und warteten mit ihren Buschmessern auf der anderen Seite der Strasse.
    Der dortige Kommandant der Friedenstruppe handelte strickt nach Befehl. Der Priester dort drängte ihn, dass noch mehr Blauhelme oder reguläre Soldaten kommen müssten.
    Irgendwann trafen zwei Lastwagen ein mit französischen Soldaten.

    Die Geschichte endete damit, dass diese französischen Soldaten den Befehl hatten, die „Weissen“ mitzunehmen, sodass sie mit Flugzeugen in ihre Heimatländer fliegen konnten. Die UN-Friedenstruppe bekam den Befehl, sich zurückzuziehen und die Tutsis überliessen sie ihrem Schicksal, – den Hutus… Ich habe den Namen des Films vergessen, aber er hat mich tief betroffen zurückgelassen. Wie hätte ich reagiert? – Wäre ich, wie der eine, in den Lastwagen gestiegen, oder wäre ich, wie der Priester, bei den Tutsis geblieben? – Aber ich konnte nicht fassen, warum sie diese Menschen einfach zurückgelassen haben.

    Ich hatte das also überhaupt nicht im Blick, was dieser Satz bedeuten könnte, wenn man ihn auf ein Individuum bezieht, sondern es ging mir darum, zu zeigen, dass es manchmal notwendig und humanitärer ist, militärisch einzugreifen, als nur zuzuschauen und nichts zu tun.

    Vor Jahren habe ich in den Nachrichten auch den Jugoslawienkrieg verfolgt. Ich erinnere mich an jene Stadt und ihre Bevölkerung, wie sie von den Hügeln herab von wild gewordenen Serben beschossen wurde. Ich denke, es war Sarajewo. Und die Kameras liefen und es dauerte lange, bis sich europäische Staaten dazu entschliessen konnten, militärisch einzugreifen.

    Es gibt soviel schreiende Ungerechtigkeiten und die reichste Nation der Welt ruiniert den Irak gänzlich in einem längst absurd gewordenen Stellungskrieg. Und man selbst als Einzelner schaut diesem Treiben ohnmächtig zu.

    Was es braucht, ist längst bekannt: Humanitäre Aufbauhilfe, Friedenstruppen, die schlichtend und beschützend eingreifen können, eine Weltgemeinschaft, die sich nicht mehr in egoistische Machtinteressen verstrickt, usw usw. Pedaler hat hier schon viel dazu gesagt, und ich kann das nur unterschreiben.

    Krieg ist etwas Schreckliches. Darum verstehe ich auch, wenn Pedaler sagt, dass es aus Prinzip keinen gerechten Krieg geben kann. Ich habe es in dem Sinne gemeint, dass eine militärische Intervention notwendig sein kann, um den schreienden Ungerechtigkeiten ein Ende zu setzen.

  29. Moria sagt:

    Danke FEELX fuer Deine anschauliche Erklaerung. Auf dieser Ebene bin ich mit Dir einmal mehr – dies aber jeweils sehr gerne – voellig einig.
    Militaerische Interventionen koennen gerechtfertigt sein. Das ist dann fuer mich nicht Krieg, im eigentlichen Sinne des Wortes. Aber das meint ja jeder und versteckt sich alsdann hinter mehr oder weniger glaubwuerdiger Rechtfertigung. Siehe einmal mehr den Dialog….Hast Du immer noch Muehe damit?

    Klar ist Neutralitaet oft ein Deckmantel der Feigheit, um eine Position zu beziehen und hilfreich einzugreifen.

    Das Militaer wird eben erst total ueberfluessig, wein KEIN Volk mehr eine militaerische Organisation unterhaelt – oder das beginnt erst damit, wann
    eben keine Eltern ihre Kinder zu Soldaten ausbilden lassen

    Wir sind uns schon einig, danke!

  30. Nocte sagt:

    Das Böse gibt es nicht. Böse ist was man dafür hält. Am ehesten könnte man noch sagen die Dummheit sei”böse”, denn aus ihr entsteht wahrscheinlich das grösste Übel. Aber zu sagen etwas sei “böse” ist doch einfach eine stupide vereifachung, ein verteufelung die wenn man sie weiter stricken würde zu einem Übel des gleichen Kalibers anwachsen würde, wie ursprüngliche übel.

    Aber mal eine Frage am Rande: Was hat das mit relligion zu tuen?

  31. Laura sagt:

    O mein gott macht doch was ihr wollt

  32. Rosenstengel sagt:

    Mensch Meier, dieses Niveau im Blog von Hugo Stamm. Die Blogschreiber sind total ab der Rolle. Gruss aus Peking/China. Bis bald.

  33. Do you want to be one of the radiant one among all the guests of a joyful bridesmaid dresses.