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Der Fussball ist ein Gott

Hugo Stamm am Donnerstag den 30. Juni 2011
ARGENTINIEN FUSSBALLCLUB RACING

Beten gegen den Abstieg: Ein Fan des argentinischen Vereins Racing Avellaneda, März 1999. (Bild: Keystone)

Religion hat die Aufgabe, Orientierung zu bieten, Sinn zu stiften, Hingabe zu ermöglichen, emotionale Rückbindung auf ein göttliches Wesen zu schaffen und Trost zu spenden. Gläubige sind in der Regel überzeugt, dass nur der Glaube an einen personalen Gott diese Anforderungen zu erfüllen vermag. Doch: Stimmt dieser Alleinanspruch?

Nein. Es gibt eine scheinbar weltliche Disziplin, die die Anforderungen an eine Religion ebenfalls bestens erfüllt: der Fussball.

Das klingt in den Ohren vieler Gläubiger nach Gotteslästerung. Fussball mit dem Glauben an Gott zu vergleichen, ist für sie blasphemisch.

Treten wir also den Beweis für die Behauptung an.

Ob es Gott tatsächlich gibt, kann niemand beweisen. Der Glaube an ein Leben nach dem Tod ist eine metaphysische Spekulation. Der Fussball hingegen ist ein reales, sinnstiftendes Objekt. Er ist zwar nur mit Luft gefüllt, aber er bewegt die Welt wie kaum ein anderer Gegenstand. Fussball begründet Gemeinschaft – mehr als leere Kirchen. Fussball stiftet Identität, die klar definiert ist: Meine Farben sind Blau-Weiss, meine Heimat ist das Letzigrund-Stadion, mein Talar sind die Fan-Klamotten, meine Glaubensbrüder finde ich im Fanclub oder der Südkurve. Ich weiss, wer ich bin, ich gehöre zu einer grossen Familie, ich lebe für den Fussball, ich zelebriere das weltumspannende Spiel, ich bin Teil der globalen Fussball-Kultur.

Der katholische Geistliche Josef Hochstrasser, der das Buch «Ottmar Hitzfeld – die Biographie» geschrieben hat, unterstreicht den religiösen Charakter des Fussballspiels ebenfalls – als Mann Gottes muss er es schliesslich wissen: «Der Fussball ist tatsächlich eine Religion. Mögen Kritiker diesen Sport allenfalls als Ersatzreligion durchgehen lassen, ich halte ihn für eine Primärform von Religion.»

Fussball ist gar eine Weltreligion mit einer globalen Heilslehre. Sie verbindet Menschen unterschiedlicher Farben, Ethnien, Weltanschauungen und Kulturen. Es gibt auch im Fussball «Religionskriege», doch diese sind ritualisiert und beschränken sich in der Regel auf 90 Minuten.

Das Fussballspiel kennt auch den Gottesdienst. Das Stadion ist die Kirche, ein Final in der Champions-League ein Hochamt. Das Ritual beginnt ebenfalls mit einem (Fan-)Gesang, der Schiedsrichter amtet als Pfarrer. Seine Glocke ist die Pfeife. Die Fans glauben und hoffen wie die Gläubigen. In heiklen Momenten beten sie zum Fussballgott. Und sie pendeln auch zwischen Halleluja und Hölle. Wenn das Ritual den Höhepunkt erreicht, erheben sie sich wie die Gläubigen in der Kirche.

Mancher Pfarrer würde sich wünschen, seine Gläubigen wären nur halb so ergriffen wie die Fans beim Abspielen der Hymne. Und die Ehrfurcht vor Jesus wäre so stark wie vor ihren Fussball-Idolen. Übrigens: Der Fussball ist eine hoch entwickelte Religionsform. Er kennt wie das monotheistische Christentum nur einen personifizierten Gott: den Fussball.

Kritiker werden einwenden, Fussball sei nur ein Spiel. Wer beweist, dass Religionen mehr sind? Einzig bei der Transzendenz wird es schwierig: Fussball hat wenig mit dem Jenseits zu tun. Aber er kommt auch von einem andern Stern, wenn ihn Fussballgötter wie Lionel Messi spielen.

PS: Dieser Text ist parallel auf dem Blog «Steilpass» aufgeschaltet. Ein Vergleich der Kommentare dürfte sich lohnen.

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469 Kommentare zu “Der Fussball ist ein Gott”

  1. um musad sagt:

    @ Soopy

    Ihr Link funktioniert (bei mir zumindest) leider nicht. Kommt Bileam im Koran auch vor?

    So wichtig war der Link nicht. Irgendwie wollte ich damit einfach sagen,dass wenn man Bibel- und Korantexte einer guten Absicht liest,man wetvolle Ratschlaege darin findet. Liest man sie aber mit einer ‘schlechten’ Absicht,findet man voller schlechte Ratschlaege.
    Nochmals ein Versuch:

    http://m.youtube.com/#/watch?desktop_uri=http%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3D2kpLDkWg5DA%26feature%3Dshare&feature=share&v=2kpLDkWg5DA&gl=SA

    Als ich die Bibelstelle mit Bileam las,kam mir sofort folgende Stelle im Koran in den Sinn:
    Einst sprach Moses zu seinem Volk: “O mein Volk! Gedenkt der Gunst, die Gott euch dadurch erwies, dass Er aus euren Reihen Propheten bestimmte, dass Er euch königliche Souveränität verlieh und euch so viele Gaben schenkte, wie keinem in der Welt zuvor!
    21 O mein Volk! Tretet in das heilige Land ein, wie Gott es euch vorgeschrieben hat, und wendet euch nicht ab, sonst werdet ihr die Verlierer sein!”
    22 Sie sagten: “Moses! Dort sind sehr mächtige Menschen. Wir werden nicht eher dorthin gehen, bis sie herausgekommen sind. Verlassen sie es nicht, so betreten wir es nicht.”
    23 Zwei Männer der frommen Schar, denen Gott besondere Gunst erwiesen hatte, sagten: “Tretet durch das Tor ein! Wenn ihr eingetreten seid, werdet ihr siegreich sein. Verlasst euch auf Gott, wenn ihr wirklich gläubig seid!”
    24 Sie sagten: “Moses! Wir treten niemals ein, solange sie dort sind. Gehe du mit deinem Herrn und kämpft gegen sie! Wir bleiben hier sitzen!” (Koran: 5:20-24)

    ….aber meine laienhaften Bibel- und Korankenntnisse Sind nicht massgebend.

    @Swisswulf
    Hast du den’ 4o’clock tea or coffee ‘ noch nicht getrunken,als du gepostet hast? 😉
    Scheinst dich im Tread geirrt zu haben….
    Diesen Gedanken, den du gepostet hast, hab ich mir auch schon gemacht. Aber ‘graebe’ und ‘waere’…. sind eben nicht vorhanden Tatsachen. Darum sollte man sich vielleicht doch fragen, wie sich zeigt,die ganze Sache fuer einen Grossteil der Menschheit ueber Jahrzehnte nicht fuer die Katze gilt.

    U.M.

  2. um musad sagt:

    Heute ist der verzauberte I-Pad schuld an meinen Schreibfehlern ! 😉

  3. heidi reiff sagt:

    @ um Musad

    Ich erlaube mir ein Frage, wurde Moses in einem Binsenkörbchen im Wasser ausgesetzt, der König Ludwig der XYXYXY aus Frankreich, der wunderschöne Schlösser baute in Bayern und sie selbst nie bewohnt hat, die Lichtschlösser in Bayern,

  4. um musad sagt:

    @ Heid Reiff 14.07.2011 um 10:43

    Ich erlaube mir ein Frage, wurde Moses in einem Binsenkörbchen im Wasser ausgesetzt,

    In der Koranuebersetzung in der ich gerade nachgelesen haben steht:

    “Und sicher haben Wir dir (auch schon) ein andermal Gnade erwiesen, (37) als Wir deiner Mutter jene Weisung eingaben (38) : »Lege ihn in einen Kasten und wirf ihn in den Fluß, dann wird der Fluß ihn ans Ufer spülen, so daß ein Feind von Mir und ihm ihn aufnehmen wird.« Und Ich habe auf dich Liebe von Mir gelegt; damit du unter Meinem Auge aufgezogen wurdest. (39) Damals ging deine Schwester hin und sagte: »Soll ich euch jemanden empfehlen, der ihn betreuen könnte?« So gaben Wir dich deiner Mutter wieder, auf daß ihr Auge von Freude erfüllt würde und sie sich nicht grämte. … ( Koran: 20: 37-4)

    Was Sie mit dieser Aussage anfangen ist Ihnen ueberlassen, das muessen Sie nicht mich fragen .

    der König Ludwig der XYXYXY aus Frankreich, der wunderschöne Schlösser baute in Bayern und sie selbst nie bewohnt hat, die Lichtschlösser in Bayern,

    Was genau soll dieser zweite Teil Ihres Satzes mit Ihrer Frage zu tun haben ?

    U.M.

  5. Snoopy sagt:

    @ Mawi

    Ich hatte gehofft, dass Sie Ihre Fragen an mich vergessen würden, weil ich damit überfordert bin : -)
    – Ob Jah “nur” die Abkürzung von JHWH ist, oder Yeshua vorwegnimmt, habe ich mir ehrlich gesagt noch nie überlegt. Die Frage, warum im gleichen Text YHWH und Jah verwendet werden, falls damit jeweils Derselbe gemeint ist, finde ich berechtigt. Das erinnert mich an das Rätsel, warum es heisst : “am 2. Tag, am 3. Tag” etc, aber nicht “am 1. Tag”, sondern “an Tag 1”.
    Was meinen Sie denn dazu?
    – Mit Sacharia habe ich mich nie befasst und bin deshalb überfragt.
    – Selbstverständlich können Juden an Jesus glauben, ich denke, das muss jede/r mit sich selbst ausmachen. Mit der Unvereinbarkeit von AT und NT meinte ich (wie Sie ja gemerkt haben) Fragen wie diejenige, ob “Jah” für JHWH oder für Yeshua steht, d.h. man das AT nur verstehen kann, wenn man “Jah” als Hinweis auf Jesus versteht. Die Frage ist, welche Bedeutung man solchen Fragen zumisst; für mich persönlich ist diese Frage nicht wichtig, ich finde sie aber interessant.

    @ Um Musad

    Wenn deri i-Pad mit der Rechtschreibung Probleme hat, versuchen Sie es doch einmal mit einem Smartphone.
    (Haha, wenigstens kann ich selbst über meine Witze lachen.)

  6. mawi sagt:

    Snoopy
    Danke für Ihre ehrliche Antwort.
    Ja, das mit dem “Yom echad” habe ich mich auch gefragt, ist mega intressant. “Tag einer” an dem wurde Licht. Und zwar nicht Sonnenlicht, denn die Meorot sind noch nicht geschaffen. Licht der Erkentniss, an einem Tag? Ein Hinweis auf die Offenbarung des Lichtes an d e m Yom hakippurim? Und wenn Jeshua Jah ist im AT, stellt sich für mich die Frage, was oder wer ist dann wav- hey? Ich denke mir, diese Frage wird Rabbiner noch beschäftigen in Zukunft. (Oder das wird breiter diskutiert werden).
    Zu Sacharjah ist doch intressant, dass JHWH auf dem Ölberg stehen wird. El Shaddai ist aber doch für den Menschen nicht sichtbar?
    Mir persönlich gefallen die Karaim sehr, als eine Richtung innerhalb des biblischen Glaubens. Ob Jeshua einer war?
    Noch ein kurzer Nachtrag zu Aleph-Tav, dieser Ausdruck erscheint an die 6000 Mal (nach Cortes, habe nicht nachgezählt), aber 611 mal steht es für sich allein, unabhängig vom darauffolgenden Wort, also nicht grammatikalisch bedingt.
    Sehen Sie, liebe Riante, diese Dinge intressieren mich sehr. Sie machen keinen besseren Menschen aus mir, aber für mich fügen sich Dinge aneinander.

  7. um musad sagt:

    @ Snoopy
    🙂
    Diese smarten Dinger wollen mir immer deutsche Woerter mit englischen Woertern ersetzen, oder pflastern mir Grossbuchstaben hin, wo ich Kleinbuschstaben geschrieben habe. — Und vor Erschoepftheit mit dieser ewigen Zankerei vertippe ich mich schlussendlich noch mehr als auf meinem lieben alten Comuter. — Nein,nein nix Smart-Phone……der gute alte Computer wird wieder repariert !!

    Gute Nacht !

    U.M.

  8. Snoopy sagt:

    Mawi, diese Fragen sind wirklich sehr interessant, besonders auch die Frage der Sichtbarkeit von El Shaddai. Danke für Ihre Gedankenanstösse – auch Ihnen Um Musad – viel Glück mit dem Computer. Alles Gute und bis bald einmal.

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