Logo

Regieren die Bilderberger die Welt?

Hugo Stamm am Montag den 13. Juni 2011

Am Sonntag ist die geheime Konferenz der Bilderberger zu Ende gegangen. Rund 200 Aktivisten haben dagegen demonstriert. Viele von ihnen gehören zu den Verschwörungstheoretikern: Sie behaupten, die Bilderberger strebten die geheime Weltregierung an.

Bestimmen die Bilderberger tatsächlich den weltpolitischen Fahrplan oder sind sie eine elitäre Kast, die es geniesst, hinter verschlossenen Türen ihre Wichtigkeit zu zelebrieren?

Als Hintergrundinformation ein Artikel, den ich im Tages-Anzeiger publiziert habe.

120 internationale Grössen aus Politik, Militär, Industrie, Hochfinanz und Adel haben sich inkognito im Nobelhotel Suvretta House in St. Moritz getroffen. Die Staats- und Konzernchefs suchten für einmal nicht die grosse Bühne, sondern schetuen das Licht. Sie kamen als Privatpersonen und nennen sich Bilderberger.

Bilderberger? Unter diesem Namen kennt sie kaum jemand. Das ist Absicht. Niemand soll wissen, dass sie am Geheimtreffen der handverlesenen Elite teilnehmen. Entsprechend unklar ist, wer am Treffen im Engadin teilnimmt. Über 50 Jahre lang hat das gut funktioniert. Nun zerren Verschwörungstheoretiker, die international vernetzt sind, über die Internetplattform «We Are Change» die Mächtigen der Welt ans Licht. In St. Moritz soll ihnen ein lauter Empfang bereitet werden. Denn die Verschwörungstheoretiker halten die Bilderberger für eine Weltbedrohung. Mehr noch als das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos. Sie sehen hinter der Konferenz einen Geheimbund, einen Orden der Eingeweihten. Manche sprechen gar von einer geheimen Weltregierung, welche die globale Macht an sich reissen will.

Sind das Phantasmen überspannter Skeptiker, die überall Verschwörungen wittern, wo Mächtige die Köpfe zusammenstrecken? Oder bestimmen die Bilderberger tatsächlich den Fahrplan der globalen Wirtschaft und Politik?

Staatstragende Themen

Die Spurensuche beginnt bei den Teilnehmern. Die erste Konferenz fand 1954 im Hotel Bilderberg in Oosterbeek, Holland, statt. Die Treffen werden seither zwar jährlich an einem andern Ort in den USA oder Europa durchgeführt, der Name aber ist geblieben. Initiiert hat das erste Treffen Prinz Bernhard der Niederlande. Er wollte nach dem Zweiten Weltkrieg die Beziehungen zwischen Westeuropa und den USA mit transatlantischen Diskussionen fördern. Die Teilnehmer müssen sich zur Geheimhaltung verpflichten. Sie sollen in einem informellen Rahmen staatstragende Themen diskutieren können. Es gibt keine Beschlüsse oder Resolutionen. Aber soll man einem Gremium trauen, das sich in abgeriegelten, streng bewachten Hotels trifft?

Die Kritiker behaupten, die Bilderberger beeinflussten Wahlen: Lionel Jospin nahm 1996 am Treffen teil und wurde 1997 französischer Premier. Jack Santer gehörte 1991 zum Kreis und übernahm 1995 das Amt des Präsidenten der Europäischen Kommission. 1999 trat der italienische Bilderberger Romano Prodi in seine Fussstapfen. Tony Blair besuchte das Treffen 1993 und wurde ein Jahr später Chef der Labour Party und dann britischer Premier. Bill Clinton wurde 1991 Bilderberger und kurz darauf Präsidentschaftskandidat in den USA. Bekanntlich gewann er auch die Wahlen.

Wer glaubt, die Konferenz hieve ihre Mitglieder in hohe Ämter, unterliegt jedoch einem Denkfehler: Die meisten Bilderberger gehören zum rechten Lager. Würden sie tatsächlich einen Geheimbund bilden, hätten sie nicht die Linken Blair und Clinton unterstützt, sondern ihre konservativen Gegenspieler. Wie sie die Wähler überhaupt beeinflusst haben sollen, ist eine andere Frage. Im Übrigen ist auch der Grüne Joschka Fischer ein Bilderberger – und der deutsche Ex-Aussenminister steht über dem Verdacht, mit Topbankern und Konzernchefs unter einer Decke zu stecken.

Blocher war wiederholt dabei

Christoph Blocher hat eher das Profil eines typischen Bilderbergers. Der ehemalige SVP-Bundesrat hat schon zweimal an den geheimen Klassentreffen teilgenommen. Selbst der Superdemokrat Blocher, der vorgibt, sich nur dem Volk verpflichtet zu fühlen, akzeptierte die Geheimhaltung.

Das stösst gewissen SVP-Mitstreitern sauer auf. Nationalrat Dominique Baettig hat dazu eine Interpellation eingereicht. Der Jurassier will vom Bundesrat wissen, ob Mitglieder der Regierung an dem undurchsichtigen Anlass teilnehmen und wie er «diesen elitären und undemokratischen Club» beurteilt. «Die Konferenz stellt eine Bedrohung für die Schweiz dar», präzisiert Baettig im Gespräch. «Sie will die Weltpolitik koordinieren. Ich habe Angst, dass Blocher nicht mehr unabhängig ist. Was passiert, wenn St. Moritz ins Visier von al-Qaida gerät?» Auch die Blocher-Spezis Ulrich Schlüer und Oskar Freysinger haben die Interpellation unterzeichnet. Am Wochenende hat Baettig vom Bündner Regierungsrat verlangt, dass er gewisse Bilderberger bei der Einreise in die Schweiz verhaften lässt. Er denkt an «die Herren Bush, Kissinger, Cheney, Perle usw.». Diese hätten Kriege angezettelt, seien verantwortlich für Morde und Terror.

Milliardär Blocher reagiert gelassen auf den Angriff seiner Parteikollegen: «Ich habe nichts zu dieser Interpellation zu sagen. Dass die Bilderberg-Mitglieder unter sich tagen, ist bekannt, dass eine Elite dabei ist, ebenfalls, und ein Club muss ja nicht demokratisch sein.» Er habe zwei interessante Tagungen mit kontroversen Referaten erlebt zu Themen, «die für die Welt von Bedeutung sind». Dass die Bilderberger als «‹geheime Weltregierung› globale, politische und wirtschaftliche Entscheide fällten, wie das Verschwörungstheoretiker behaupten, ist Unsinn». Tatsache ist, dass selbst Blocher, der gern gegen die «Classe politique» wettert, dem Charme des globalen Eliteclubs erlegen ist.

Von Krauer bis Ringier

Ein Blick auf die helvetische Bilderberger-Seilschaft bestätigt die These, dass vorwiegend konservative Führungspersönlichkeiten eingeladen werden. Novartis-Präsident Daniel Vasella und Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, sind die aktuellen Topshots; Ackermann gehört sogar zum Lenkungsausschuss, der die Treffen organisiert. Zum erlauchten Schweizer Kreis zählen oder zählten auch Alex Krauer, ehemaliger Chef von Novartis und UBS, David de Pury, Gründer von «Le Temps», Shell-Chef Peter Voser, Michael Ringier vom gleichnamigen Medienkonzern, Hugo Bütler, der ehemalige Chefredaktor der NZZ, und Markus Spillmann, der heutige NZZ-Chefredaktor.

Zu den internationalen Schwergewichten, die in den letzten Jahren zu den Treffen anreisten, gehörten die deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel, der spanische Premier José Luis Zapatero, Javier Solana, einstiger Generalsekretär des EU-Rats, Romano Prodi, italienischer Ex-Premier und Ex-Präsident der Europäischen Kommission, Ex-US-Aussenminister Henry Kissinger und Microsoft-Gründer Bill Gates, Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank, und sein amerikanischer Gegenspieler Ben Bernanke, Mitglieder der Königshäuser Grossbritanniens, Spaniens und Belgiens und viele andere mehr – auch Dominique Strauss-Kahn, der gestrauchelte Chef des Internationalen Währungsfonds.

Die Bilderberger haben es sich zu einem guten Teil selbst zuzuschreiben, dass sich die Verschwörungstheoretiker auf sie eingeschossen haben. Die Konferenzteilnehmer sonnten sich mit der Geheimhaltung fünf Jahrzehnte lang im Nimbus, zur Superelite zu gehören, wie Werner A. Perger, «Zeit»-Reporter und selbst ein Bilderberger, bestätigt: Die Teilnehmer trügen gern zum Erhalt des Mythos bei, «weil sie es geniessen, für einflussreich gehalten zu werden».

Nur: Es gibt auch viele andere geheime Treffen der Reichen und Mächtigen. Die Liste reicht heute vom WEF über die Trilaterale Kommission von David Rockefeller, das Boao Forum For Asia und die Münchner Sicherheitskonferenz bis hin zum Council on Foreign Relations von Henry Kissinger, dem European Council von Joschka Fischer und den Carnegie-Treffen für Frieden. Das übersehen die Verschwörungstheoretiker geflissentlich.

In der Schweiz treffen sich Topmanager regelmässig mit ein paar auserwählten Politikern in der Nestlé-Zentrale in Vevey: An der nationalen Rive-Reine-Konferenz, die hoch geheim ist, nehmen neben zwei Bundesräten rund 30 Konzernchefs und Topbanker teil. Die exklusive Teilnehmerliste stellt Ex-Bundesrat, Ex-Nestlé-Verwaltungsrat und jetziger UBS-Präsident Kaspar Villiger zusammen. Für den geistlichen Beistand sorgt der Einsiedler Abt Martin Werlen.

Dass solche Treffen auch Taktgeber für die politische oder wirtschaftliche Agenda sein können, bestreiten nicht einmal die Teilnehmer. Ein konkretes Beispiel: Als das Klima zwischen Russland und den USA nach der Wahl von George W. Bush 2001 frostig wurde, sorgte das Carnegie-Büro in Moskau mit seinen guten Beziehungen dafür, dass die Kommunikationskanäle zwischen den beiden Grossmächten offen blieben.

Allein die Tatsache, dass es so viele inoffizielle Thinktanks gibt, macht aber auch deutlich, dass die Bilderberger keine Unité de Doctrine im Sinn einer globalen Steuerung kennen. Die Teilnehmer lassen sich nicht auf ein einheitliches politisches oder wirtschaftliches Programm einschwören, weil sie ihre Partikularinteressen oder die Positionen ihres Landes oder Konzerns vertreten.

Hinweise auf eine Weltverschwörung vermag auch der Politologe Claude Longchamp nicht zu erkennen. «Die Bilderberger haben keine Macht und können auch keine Forderungen durchsetzen», sagt er. Die Geheimhaltung der Treffen findet er eine «offensichtliche Dummheit». In den Fünfzigerjahren hätten geheime Treffen von Politikern zum Normalfall gehört, heute liessen sie sich nicht mehr rechtfertigen. Er bezeichnet die informellen Clubs der Mächtigen als elitäre Netzwerke. Der Politologe glaubt, dass die Bilderberger durchaus einen gewissen Einfluss auf die internationale Politik ausübten. Dass Meinungsführer ihre Standpunkte unter Ausschluss der Öffentlichkeit offenlegten, könne sinnvoll sein. Als problematisch erachtet er jedoch, dass auch Chefredaktoren und Journalisten teilnehmen und sich zur Geheimhaltung verpflichten.

Der Hamburger Historiker Bernd Greiner, Experte für den Kalten Krieg, relativiert den Bilderberg-Einfluss ebenfalls: «Es gibt dieses eine Steuerungszentrum weder in der Ökonomie noch in der Politik.» Die Krise in Griechenland spiegle gerade die Ratlosigkeit der Politiker. Und der deutsche Soziologieprofessor Hans-Jürgen Krysmanski, der sich intensiv mit internationalen Netzwerken beschäftigt, betont, dass die ganze Vernetzung viel komplizierter sei, als es die Verschwörungstheoretiker sehen.

Noch drastischer formuliert es Sony-Chef Howard Stringer: Mehr als bei solch geheimen Meetings könne er lernen, wenn er seinen Angestellten genau zuhöre.

« Zur Übersicht

965 Kommentare zu “Regieren die Bilderberger die Welt?”

  1. heidi reiff sagt:

    Intermezzo aus der CH-Küche

    1. Ich hatt einen Kameraden, einen bessern finds du nit. Die Trommel schlug zum Streite, er ging an meiner Seite., er ging an meiner Seite im gleichen Schritt und Tritt.

    2. Eine Kugel kam geflogen, gilt sie mir oder gilt sie dir? Ihn hat sie weggerissen , er liegt zu meinen Füssen, : als wärs ein Stücke von mir. :

    3. Will mir die Hand noch reichen, derweil ich eben lad’ : Kann dir die Hand nicht geben, bleib’ du im ew’gen Leben, : mein guter Kamerad! :

  2. A genuine acquaintance is a what individuals overlooks the outages also tolerates the achievements.
    nike free run 3 http://www.nikeschuhedamenherren.com/nike-free-run-3-laufschuhe-für-männer-grau-grün-p-1235.html/

  3. These most awful approach to can miss anybody is required to be working most desirable definitely all of them with the knowledge you can‘l get them.
    nike free run herren http://www.nikeschuhedamenherren.com/nike-free-run-herren-laufschuhe-blau-schwarz-weiß-p-1180.html/

  4. Cherish is most likely the basically satisfied and therefore good solution attached to a persons everyday life.
    nike free run 2 http://www.nikeschuhedamenherren.com/nike-free-run-2-herren-laufschuhe-blau-grau-weiß-p-1195.html/

  5. Adoration is going to be fragile with rise, it will evolves a lot more powerful as we age if correctly feasted.
    nike free run herren http://www.nikeschuhedamenherren.com/nike-free-run-frauen-nike-free-run-c-281_282.html/

  6. Under no circumstances scowl, whether you , yourself are unfortunate, manuals can’t say for sure who it is becoming excited about your own look.
    nike free 3.0 v2 http://www.nikeschuhedamenherren.com/nike-free-30-v2-herren-laufschuhe-dunkelgrau-orange-p-979.html/

  7. If you should would most likely maintain your strategy via an opponent, know this can to fail to somebody.
    nike free 3.0 v2 http://www.nikeschuhedamenherren.com/nike-free-30-v2-herren-laufschuhe-rot-schwarz-p-997.html/

  8. Enjoyment works as a scent manage to survive afin de found on other people lacking employing a few falls found on by yourself.
    nike free 3.0 v2 http://www.nikeschuhedamenherren.com/nike-free-30-v2-männer-nike-free-30-v2-c-261_264.html/

  9. For successfulness our favorite great friends discover me; for difficulty we know our favorite great friends.
    nike free 3.0 v2 http://www.nikeschuhedamenherren.com/nike-free-30-v2-damen-running-schuhe-weiß-rot-schwarz-p-977.html/

  10. Joy and happiness is actually a aromatise you may not pelt over other individuals without the need of locating a a handful of droplets over your family.
    nike free 3.0 v2 http://www.nikeschuhedamenherren.com/nike-free-30-v2-herren-laufschuhe-schwarz-p-996.html/

  11. Wear‘testosterone experiment with so hard, the most suitable features are available after you the very be prepared those to.
    nike free run 2 http://www.nikeschuhedamenherren.com/nike-free-run-2-laufschuhe-für-männer-grau-himmelblau-p-1212.html/

  12. A mate you choose to spend money on with the help of can present could well be purchased in everyone.
    nike free run damen http://www.nikeschuhedamenherren.com/nike-free-run-damenlaufschuhe-schwarz-blau-p-1161.html/

  13. A real blood brother is probably not be partner, but partner have invariably been a fabulous blood brother.
    nike free run http://www.nikeschuhedamenherren.com/nike-free-run-männer-leder-running-schuhe-schwarz-rot-p-1186.html/