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Engel sind auch himmlische Rächer

Hugo Stamm am Donnerstag den 6. Januar 2011
Engelsfanfaren verkünden nicht nur frohe Botschaften.

Der Klang von Engelsfanfaren verheisst nicht nur Gutes.

Engel oder engelartige Wesen bevölkern viele religiöse Bühnen oder himmlische Gefilde und sind keine Exklusivität des christlichen Glaubens. Die gefiederten Boten des Himmels haben durch die Esoterikwelle einen neuen Aufmerksamkeitsschub erfahren. Dabei reibt man sich die Augen: Was haben die biblischen Engel bei den spirituellen Suchern verloren? Denn manche ihrer Engel tragen biblische Namen.

Esoteriker scheuen sich also nicht, die geflügelten Wesen zu vereinnahmen. Dabei beissen sich Esoterik und christlicher Glaube: Die einen glauben an Wiedergeburt und Karma, die andern an einen persönlichen Gott und ein einziges irdisches Leben.

Engel treffen den aktuellen Zeitgeist: Wellness, Kitsch und Aberglaube begünstigen ihre Popularität. Es ist deshalb kein Zufall, dass sie jeweils zur Weihnachtszeit aus der Mottenkiste geholt werden: Als Accessoire in Katalogen oder glitzernde Schaufensterpuppen.

Der Engelkult zeigt, wie fahrlässig und beliebig wir mit religiösen Symbolen umgehen. Wir benutzen sie, wie sie uns am besten dienen. Wir projizieren unsere Sehnsüchte in die Boten Gottes und hoffen auf kindlich-naive Weise, dass sie uns in gefährlichen Situationen schützen und uns vor Krankheiten bewahren.

Sucht man die Engel in der Bibel, erlebt man eine Überraschung. Das sind bei weitem nicht nur die lieblichen Wesen, die sich in den Dienst der gebeutelten Menschen stellen. Sie sind auch gnadenlose Rächer und Helfershelfer in den apokalyptischen Stürmen. Sie bringen den Menschen die sieben schrecklichen Plagen. Oft erscheinen sie in menschlicher Gestalt, nicht als gefiederte Wesen. Und Paulus warnt ausdrücklich davor, Engeln eine besondere Bedeutung zuzumessen.

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