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Die göttliche Aura des Mondes

Blog-Redaktion am Samstag den 5. Dezember 2015
vollmond

Zurück aus der religiösen Mottenkiste: Der Mond. (Bild: Keystone)

Unsere Urahnen verehrten die Sonne als göttliche Instanz. Ihnen war schon in grauer Vorzeit bewusst, dass alles Leben vom wärmenden Himmelskörper ausgeht. Auch der Mond wurde in früheren Epochen als nächtliches Pendant zur Sonne und «Nachtwächter» angebetet. Die grosse «Lampe» am Himmel weckte stets mystische Gefühle.

Mit der geistigen Entwicklung und den wissenschaftlichen Erkenntnissen wandelte sich die Bedeutung von Sonne und Mond. Die Astronomie gab uns Einblicke in die Zusammenhänge des Universums und entmystifizierte unsere zentralen Himmelskörper, die ihre religiöse Bedeutung verloren.

Doch nun drehen Anthroposophie und Esoterik das Rad der Zeit wieder zurück. Im Sinne der ewigen Wiederkunft des Gleichen von Friedrich Nietzsche holen sie den Mond aus der religiösen Mottenkiste. Dabei profitieren die beiden spirituellen Geistesströmungen vom Überdruss breiter Bevölkerungsteile gegenüber Wissenschaft und Technik.

Viele Anthroposophen und Esoteriker glauben, der Planet übe eine starke Wirkung auf Mensch und Natur aus. So achten die anthroposophischen Bauern bei der Bestellung der Felder und bei der Aussaat auf die Mondphase, um ihre biologisch-dynamischen Demeter-Produkte zu gewinnen. Rudolf Steiner, der Gründer der Anthroposophie, verlangt es so. Bereits 1924 hatte der Esoteriker seine ungewöhnliche, auf spirituellen und homöopathieähnlichen Erkenntnissen beruhende Anbaumethode dogmatisch festgeschrieben.

Obwohl bisher nicht nachgewiesen werden konnte, dass die Berücksichtigung der Mondphasen zu einer Qualitätssteigerung der Produkte führt, hinterfragen die Anthroposophen die okkult anmutende Methode bis heute nicht. Dabei zeigen schon einfache Fragen das Dilemma: Verändert der Mond die Gene der Pflanzensamen? Beeinflusst das Mondlicht Wachstum und Qualität des Gemüses? Strahlt der Planet eine spirituelle Energie aus? Reagieren Pflanzen auf übersinnliche Kräfte? Wie wirken diese auf die Pflanzen? Kurz: In der Demeter-Methode steckt wohl viel Aberglaube. Angefügt sei aber, dass die anthroposophische Anbaumethode sehr umweltschonend ist.

Noch krasser in die Mondfalle tappen viele Esoteriker, vor allem auch Anhänger der Astrologie, die ihr Leben auf den Mondkalender ausrichten. Ein Blick in einen solchen Kalender offenbart das geistige Bewusstsein der spirituellen Sucher. Aktuell empfiehlt zum Beispiel mondhandy.de bei abnehmendem Mond im Sternzeichen Jungfrau folgende Aktivitäten, die in dieser Phase besonders gut gelingen sollen:

  • Das Entfernen von Zahnstein ist bei abnehmendem Mond besonders günstig.
  • Abnehmender Mond wirkt sich auf Operationen, die nicht dem Mondstand zugeordnete Körperteile betrifft, positiv aus. Nicht zu empfehlen seien folglich Eingriffe an Darm, Milz und Nerven.
  • In dieser Mondphase lässt sich die Hornhaut besonders leicht entfernen.
  • Dauerwellen halten in dieser Phase speziell lang.
  • Die Zeit ist günstig, Haare zu entfernen, denn sie wachsen in diesen Tagen besonders langsam nach.
  • Schuhe lassen sich bei abnehmendem Mond besonders gut und gründlich reinigen.

So ist das mit dem Mond in unseren Tagen. Es macht ihn sicher stolz, dass wir unser Leben nach seinen Phasen ausrichten. Nur: Diese Phasen nimmt er wohl als ganz gewöhnlichen Schatten wahr.

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