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Der Psychiater als Geistheiler

Hugo Stamm am Samstag den 21. November 2015
Werde mit Jesus verglichen: Der umstrittene Samuel Widmer. (Alessandro Della Bella)

Werde mit Jesus verglichen: Der umstrittene Samuel Widmer. (Alessandro Della Bella)

Das Leben des Lüsslinger Psychiaters Samuel Widmer hing kürzlich an einem dünnen Faden, wie er sich ausdrückte. Als «Guru» der tantrischen Kirschblüten-Gemeinschaft unweit von Solothurn hatte er schwere Stunden hinter sich. Eine Razzia in seinen Privaträumen war der Höhepunkt einer langen Kontroverse um seine Psycholyse, eine Therapie unter Einsatz von Drogen wie LSD und Ecstasy. Die Polizei führte Razzien durch, nahm ihn in die Zange und setzte seinen Sohn vorübergehend in U-Haft. Ein eingeschleuster Reporter des Senders ARD wies nach, dass an den Sitzungen der Kirschblütler Drogen verwendet wurden.

Gegen Widmer und drei Familienangehörige läuft eine Strafuntersuchung. Der «Tages-Anzeiger» hatte aufgedeckt, dass die Gemeinschaft offensichtlich seit vielen Jahren verbotene Psychotherapien mit Drogen durchgeführt und Hunderte Drogentherapeuten ausbildet hatte, die teilweise ihrerseits LSD-Sessions in der Schweiz und Deutschland mit Klienten organisieren. Dabei kam es auch schon zu einem tödlichen Zwischenfall.

Die Razzien und Strafanzeigen setzten Widmer offensichtlich zu. Salven von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen hätten an seinem Herz gerüttelt und zu einem Herzinfarkt geführt, sagte er. Die Grenzerfahrung löste beim Psychiater aber auch eine übersinnliche Erscheinung aus. Im Spitalbett hörte er eine innere Stimme, die ihm den Auftrag gab, «sich den Menschen künftig auch als Medium für Geistheilung beziehungsweise Heilung durch Liebe für die Behandlung ihrer körperlichen Leiden zur Verfügung zu stellen».

Der 66-jährige Samuel Widmer sah sich immer schon als spiritueller Weltenlehrer, wenn auch als ein verkannter. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» sagte er, er sei überzeugt, dass seine Arbeit in 200 Jahren ganz anders beurteilt werde als heute. Aussteiger berichten denn auch, seine Anhänger würden ihn als neuen Messias verehren und mit Jesus vergleichen. Nun hat der Herzinfarkt aus dem spirituellen Meister einen Esoteriker gemacht, der Psychiater bezeichnet sich neu als Medium und legt seinen Klienten die Hände auf.

Die Schilderung seiner spirituellen Metamorphose erinnert an die 86-jährige Uriella. Das «Sprachrohr Gottes» stürzte einst vom Pferd, erlitt Kopfverletzungen und hörte während ihrer Nahtod-Erfahrung eine Stimme, die ihr einen Auftrag gab. Das Resultat ist bekannt: Uriella gründete Fiat Lux, empfing Endzeitbotschaften von Jesus und betätigte sich als Heilerin.

Psychiater Widmer empfängt seit kurzem Patienten, die sich von ihm in ein paar Minuten heilen lassen möchten. Regelmässig führt er zweistündige Heilungssitzungen durch.

Bisher hatte Widmer das Heil in der Drogentherapie, der Inzestfrage und in Tantrakursen gesucht. Der Psychiater sieht nämlich in den Drogen den Schlüssel zur Seele. LSD und Ecstasy sind für ihn Katalysatoren, die die psychische Genesung fördern. Im Angesicht des Todes tritt er nun als Geistheiler auf, um die Menschen körperlich zu kurieren. Er legt zwar immer noch viel Wert auf seinen Status als Psychiater, das wissenschaftliche Territorium hat er aber längst verlassen.

 

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201 Kommentare zu “Der Psychiater als Geistheiler”

  1. andersen sagt:

    Rodolfo

    Ein humanitäre Krise abzuwenden, soll immer ein Ziel sein.
    Ein Festung zu bauen und Zäume aus Stahl, dass gibt es nur in der Orban’s Welt und somit schreibt er sein eigene Gruselgeschichte.

  2. Alienus sagt:

    @Pasionarisa

    Echo …. cho … ho ..o .
    .

    In der Wüste ward ich doch niemals,
    dass ich fehlte, verzeihe mir vielmals.

    Musste tätig sein wegen der Griechen,
    auf’m Kartoffelacker herum kriechen.

    Musste schuften für die vielen Syrer,
    die flüchteten vor ihrem irren Führer.

    Aber auch für etlich seltsam Asyrer,
    die brachten üble Schmuggelführer.

    Auch nicht wegen des @Rabbi Jussuf,
    denn es macht bei ihm stetig Puff-Puff.

    Wenn man lieget auf der lustig Pirsch,
    und erlegt diesen röhrend-ollen Hirsch.

    Bin zurück aus dem Kartoffellande,
    und gelobe zu meinem Unterpfande:

    Beim Mufti gilt: Hallali und Hallalo,
    da bleibt man heiter und recht froh!

  3. olive sagt:

    @Pasionaria

    woran erkennt man..
    am Bäuchlein
    🙂

    Nein, im Ernst, wenn man eine Vermutung hat, macht man einen Ultraschall. Den Bauch sieht man bei Stuten, besonders beim ersten Mal, sehr spät.
    Man erkennt es aber auch daran, dass die sogenannte “Rosse” nicht mehr kommt.
    Es ist ein junger Warmbluthengst, es gibt also einen “veredelten” Freiberger.
    Mit araber wäre es noch edler geworden
    🙂

  4. olive sagt:

    @Solange

    dir auch danke.

  5. Klara Brunner sagt:

    @ pasionaria

    Das Mittelalter war nicht ausschliesslich blutrünstig. Und ob die Menschheit heute weniger abergläubig ist, wage ich zu bezweifeln. Auch weniger Vorurteilbehaftet ist die Menschheit generell wahrscheinlich auch nicht.

    Im Mittelalter tat sich der Weg ins künftige Europa auf! Das mag z.T. blutrünstig gewesen sein – wenn man Beschreibungen liest wie Kriege geführt wurden waren sie das. Die Form der Hinrichtungen waren es nicht weniger. Aber Hand aufs Herz ist das heute anders? Krieg auf Knopfdruck mittels Dronen mag die “Krieger” weniger traumatisieren, aber die betroffenen Menschen die das über sich ergehen lassen müssen, die vielen Toten und Verletzten, die Flüchtlingswellen gen sog. friedliche Länder und dorten der Missmut und die Angst um die eigene Zukunft, die möglicherweise schwindenden Perspektiven? Die Menschheit lernt wohl nie dazu wenns um Geld und Macht geht. Und für den kleinsten Proleten ist es halt schon Macht wenn er andere beschimpfen und bespucken darf, sei es verbal oder physisch real. Hauptsache man ist besser als “die”. Alle wollen den Weltfrieden aber wieviele plädieren für die Wiedereinführung der Todesstrafe? Und wie schrecklich die sein kann weiss wer das wissen will. Die Methoden sind bekannt. Zuerst verrotten die Leute in einem Gefängnis. Zu Recht? Wer auf dieser Erde hat das Recht darüber zu entscheiden? Und hat das die Menschheit verbessert? Mitnichten doch, noch haben die grössten Gauner und Machtmenschen die besten Aussichten ein materiell gutes Leben zu führen. Einen kleinen Dieb verfolgt u.U. Polizei, verurteilt im besseren Fall ein humanes Rechtswesen – etwas, das längst nicht weltweit funktioniert – aber die wirklichen Mörder und mitten im schönsten Leben agierenden Kriegstreiber die man ja sogar kennt behelligt man nicht wirklich oder nur dann, wenns jemandem nützt. Das ist sowieso die Frage die wir uns immer zuerst stellen sollten: Wem nützt’s?

    Also, das mit dem Mittelalter, daran sollten Sie doch bitte noch ein wenig feilen. Ganz so wars nicht.

  6. Klara Brunner sagt:

    Es gibt hier, wo es uns gut geht und grundsätzlich keiner was zu fürchten hat die schrecklichsten Ereignisse die man tunlichst nicht wahrnimmt. Und genau das ist das Gefährliche, diese satte Zufriedenheit die zu vielem schweigt weils so bequemer ist. Diese anderen sind ja weit weg…..die die Bösen sind. So ist es nicht. Diese Sorte reissender Wölfe sind mitten unter uns.
    Es gibt in besten Zeiten schlimmste Ereignisse und in schrecklichsten Situation erstaunlich viel Gutes. Das sollte man nicht ausser Acht lassen. Und so frei nach Brecht noch: Erst kommt das Fressen und dann die Moral….Daran wird sich wohl nie etwas ändern.

    Ändern können wir nur da was wo wir leben: nämlich bei uns selber.

  7. Pan Tau sagt:

    @Klara Brunner
    Das Mittelalter und insbes. fast noch stärker die FNZ sind sehr blutrünstig. Der Masstab, den man diesbezüglich heranziehen kann, ist die Öffentlichkeit von Bestrafung, und dabei nicht nur die Öffentlichkeit der Todesstrafe, auch schon nur das An-den- Prangerstellen, der Lasterstein oder Formen der (ja für immer bleibenden) Verstümmelung haben die Zurschaustellung von Herrschaft, d.h. insbes. von Gerichtsherrschaft, zum Ziel und sind daher so eine Art öffentlicher “Kult” (Kirmes oder Volksfest kann mans kaum nennen). Ein ganz besonderer Aspekt ist hier auch die herrschaftliche Verfügungsgewalt über den Körper des zu bestrafenden.
    Wies zur Verlagerung der Bestrafung hinter die Gefängnismauern kommt ist eine andere Frage: Bei Foucault hat dies ja mit der Zunahme von Überwachung durch den auch immer abstrakteren (Territorial-)Staat über seine Untertanen zu tun, der nicht mehr ausschliesslich darauf abstellt, seine Herrschaft mittels der Inszenierung brutaler Bestrafungsgewalt zu legitimieren, sondern mittels strenger Arbeit in den aufkommenden Zuchhäusern die Strafbaren zu erziehen und auch auszunützen versucht. Hier findet also ein Rationalisierungsprozess statt.
    Ich behaupte auch, das Aufkommen von Zuchthäusern im 17. Jh. für die Niederlande (und schon im 16. Jh. für England) habe durchaus auch etwas mit der Eindämmung – oder zumindest entsprechenden Versuchen – herrschaftlicher Selbstinszenierung zu tun, welche die aufkommenden Stände tragen, also etwas, das “von unten” kommt. Ob dies jetzt rein machtpolitisch zu denken ist im Sinne einer beabsichtigten Schwächung der königlichen Macht und/oder einer beabsichtigten Machtaufspaltung, oder ob da Reformation, Gegenreformation und zunehmende Bildung auch breiterer Bevölkerungsschichten (und damit Bibelkenntisse) eine Art “Humanisierung” bewirken – darüber lässt sich sicher lange streiten.

  8. Klara Brunner sagt:

    @ Pan Tau

    Wenn die Öffentlichkeit der Bestrafung Massstab an der Blutrünstigkeit des Mittelalters ist, dann hat das Mittelalter in der Schweiz bis Mitte Ende 19. Jh. gedauert und ist in einem Staat der USA im 20. Jh. wieder “ausgebrochen”. Nicht zu vergessen die Staaten weltweit in denen öffentliche Hinrichtungen immer noch üblich sind.

    Ich beurteile möglicherweise aus einer etwas anderen Sicht als Sie. Schon möglich. Deshalb ist diese meine Sicht keineswegs falsch. Es ginge zu weit hier gründlich zu erörtern warum ich das so sehe. Aber Sie dürfen mir glauben, dass auch mein Wissen zu diesem Thema durchaus fundiert ist. Eins möchte ich allerdings nicht unterlassen: Es ist humander jemandem den Kopf abzuschlagen wenns schnell geht als Leute lange und ohne Gerichtsverhandlung und schrecklichen Bedingungen über Jahre wegzusperren, was in vielen Staaten durchaus heute noch üblich ist.

    Klar beschränkt sich der Begriff Mittelalter auf Europa resp. das wird so üblicherweise interpretiert. Aber hier in der Schweiz konnten noch bis ins 19. Jh. Leute wegen Armut und sog. Arbeitsfaulheit weggesperrt werden und tagsüber in Fusseisen zum Arbeiten getrieben. Es kam r vor – obs üblich war, das kann ich nicht mit Sicherheit sagen – dass im gleichen Gebäude von Gefängnissen für die Sorte von Menschen das Waisenhaus untergebracht wurde. Ob diese Waisen nett behandelt wurden ist mir nicht letztendlich klar. Das war zwar nicht blutrünstig aber wars deshalb gut?
    Bis ins 20. Jh. – darüber gibts Dokumente – war es Schweizer Gemeinden erlaubt Arme zu vertreiben weil sie Kosten verursachen konnten. Eine Tatsache die so manch einem das Leben zur Hölle gemacht hat.

    M.E. wandelt sich die Welt im Laufe der Zeit aber besser ist sie nicht geworden und vielleicht auch nicht schlechter als irgendwann. Ich habe kürzlich miterlebt und mitgekämpft (anders kann ich das nicht umschreiben) als man kürzlich und hier in der Schweiz scheinbar begründet jemanden auf ganz schlimme Art weggesperrt hat und als er sich zur WEhr zu setzen suchte ihn in erbärmlicher Weise mundtot gemacht. Ein trauriges ZEugnis unserer Zeit. Es ist jetzt so amtlich dokumentiert, dass sich dieses Wegsperren sozusagen irrtümlichweise erfolgt ist. Die Person ist jetzt tot. Sie wurde nicht hingerichtet in der Öffentlichkeit. Ist das weniger schlimm? Ich finde nicht. Wenns um die Anzahl der Liter Blut ginge und die Berauschung der Bevölkerung die an Hinrichtungen gehen musste könnte ich das noch bejahen. Aber ich werte die Ignoranz die Leute wirklich ins Elend stösst mindestens ebenso hoch, wenn nicht höher. Die Möglichkeit vom sauberen Töten hat da so einiges aus dem Gleichgewicht gestossen.

  9. Pan Tau sagt:

    @Klara Brnner
    Was “human” im Sinne von ethisch höherwertig (als was?) gilt, ist indertat relativ, also abhängig von Ort und Zeit. Aber Sie scheinen mich misszuverstehen (“Wenn die Öffentlichkeit der Bestrafung Massstab an der Blutrünstigkeit des Mittelalters ist …). Die Öffentlichkeit der Bestrafung ist Herrschaftsinstrument – und die Brutalität dient der Abschreckung vor versammeltem Volk.
    Spätestens ab dem 18. Jh. ändert sich das: Jetzt gehts beim Bestrafen nicht mehr darum, den Übeltäter – und die Zeugen der Bestrafung – vor dem Wiederholen der Tat abzuschrecken, sondern darum, den Übeltäter zu bessern. Die Art der Bestrafung ändert sich dadurch, wird “humaner”, wie wir zu sagen pflegen, indem sie sich von der körperlichen, “peinlichen” Strafe wandelt in eine auf Zeit angelegte Verwahrung mit Arbeitspflicht (die höchsten Kapitalverbrechen ausgenommen).
    Nicht ganz dasselbe und m.E. ein elementarer Wandel.

  10. Klara Brunner sagt:

    @ Pan Tau

    Im übrigen gibt es für solche Anliegen mindestens zwei Ombudsstellen die solche Leute unterstützen resp. vertreten sollten. ICh wurde Zeuge von absoluter Blödheit einer Sekretariatsmitarbeiterin die mich am Telefon mit der Bitte eines Termins niedergeschrien hat. Erst als ich mit entsprechenden Konsequenzen gedroht habe bekam ich überhaupt einen Termin der dann halt zu spät war. Andernorts hat mich so eine Sekretariatstante niedergeeschwafelt, dass das so sicher richtig sei, ich solle mich darüber nicht so aufregen. Und nun steht es in einem amtlichen Dokument, dass man diese Person irrtümlicherweise seelisch kaputt gemacht hat. Ich finde das nicht weniger schlimm als das Blutvergiessen an öffentlichen Hinrichtungen zumal man nicht nur auf dem GEbiet der Schweiz das öffentliche VErhungernlassen auch als abschreckende Methode angewandt hat. In einem Staat der USA wurde in den letzten Jahren eine neue Form des PRangers erfunden. Die betreffenden LEute mussten mit einem oder mit zwei Plakaten (hinten und vorne eins, damit auch alle sahen was mit denen los ist) herumlaufen auf denen beschrieben war, was sie “verbrochen” hatten. Na ja………

    Man kann sowas unterschiedlich beurteilen…Für mich ist der Begriff blutrünstig eben mehr als nur die Aussage darüber wieviel Blut vergossen worden ist. Es ist auch eine Aussage zur bestialischen Grausamkeit zu der Menschen fähig sind. Wer im Mittelalater zudem nicht abergläubig war, war nicht up to date um nicht zu sagen total daneben. Wie man aber hier mitbekommen kann sind die Menschen unserer Zeit das nicht weniger. Bei manchen kann man wirklich sagen, dass sie das sogar suchen und zu ihrer LEbensgrundlage machen. Und man wundert sich wer da so alles dabei ist.

  11. Klara Brunner sagt:

    @ Pan Tau

    Da erstaunlicherweise solche “Versehen” einfach untergehen reagiere ich so empfindlich in dem Zusammenhang. Ich finde, dass derart unqualifizierten Leuten auch kein Telefon anvertraut werden dürfte zumal sie für Bundesämter angestellt sind in “meinem” Fall eins davon ein kantonales ist. Wenn die Sekretärin an so einem Platz noch nicht einmal die Fähigkeit hat am Telefon nachzufragen und die Höflichkeit zu waren sollte sie besser bei Lidl im Lager arbeiten wo man sie weder hört noch sieht. Da kann sie weniger Schaden anrichten. Obwohl man da wohl bei Ereignissen von solcher Tragweite genau hinsehen würde und nicht amtlicherseits einfach zum Courant normal übergehen. Jemand hat mir sogar gesagt die Person hätte ja schon so und soviele Jahre gelebt. Ich musste mich sehr beherrschen. Nein, da wird kein Blut vergossen nur ab und zu mal ein bisschen geschludert was durchaus auch Menschenleben kosten kann aber nie öffentlich wird damit die Sekretärin nicht arbeitslos wird und ihr Vorgesetzter nicht schlechte Presse bekommt.

  12. Pan Tau sagt:

    @Klara Brunner
    Ja, über die Bürokratie als moderne Herrschaftsform liesse sich viel sagen, jetzt nicht nur bez. “Kinder der Landstrasse”, aber (dieses ist unvermeidbar) – wenn Sie von Blutrünstigkeit sprechen, dann gehts wohl sicher auch um Schmerz, um den körperlichen Schmerz, den das moderne Strafwesen nicht kennt. Oder kann man in den USA z.B. wählen, ob man zwei Jahre bedingt kriegt oder alternativ vierzehn Wochen lang jeden Morgen eine halbe Stunde Stromschläge?
    Das Verhältnis und auch der Respekt vor dem leiblichen Körper ist im MA schon anders als heute, denk’ ich mal.

  13. Klara Brunner sagt:

    @ Pan Tau

    Ja, heute wären bessere Wege offen. Aber dann müsste an jedem Platz jemand sitzen der qualifiiziert ist die aufgebürdete VErantwortung deshalb auch übernehmen kann. Das scheint mir nicht der Fall zu sein. Ich war mal ziemlich wütend weil meine Nachfrage solcher Art beantwortet wurde als man “das im Team so beschlossen habe”. Auch da versuchte ich höflich zu bleiben malte der Person aber mögliche Konsequenzen aus die aus ihrem Vorgehen resultieren könnte. Ich fragte, wie ihr wohl zumute wäre wenn sie selbst einfach eingeschlossen würde aus überhaupt nicht einsehbaren Gründen. Sie können sich die unsäglichen Antworten die ich erhielt nicht selber ausdenken. Eigentlich hat man da jemand – um selber keine Verantwortung übernehmen zu müssen – in den Tod getrieben. So ist niemand verantwortlich für die Misere. In unseren VErwaltungen sind halt noch viele unter einander verwandt und verschwägert und bei Anstellungen schaut man offensichtlich nicht so genau hin. Man kann also u.U. auch deshalb ins Leere laufen wenn man jemandes Leben zu verteidigen sucht.

  14. Pan Tau sagt:

    @ Klara Brunner
    Ich kenne jetzt den Fall nicht, aber offenbar gehts um Behördenschlamperei im Zusammenhang mit einem Todesfall. Ich hoffe es stehen Ihnen Rechtsmittel offen.
    Und sonst wenden Sie sich an den nächsten Rechtsanwalt (nicht nur Bürokraten sind Zyniker 🙂 ).
    So. Viel Spass noch

  15. Klara Brunner sagt:

    @ Pan TAu

    Mag sein, dass das für Sie komisch wirkt, ist aber leider kein üblicher Todesfall im eigentlichen Sinne. Schlamperei ists schon, ja, stimmt. Ich ärgere mich schon lange wofür wir Steuern zahlen müssen. Privatbetriebe können sich derartige Fehlbesetzung gar nich leisten. Und leider kann man in dem Zusammenhang mit einem Rechtsverfahren nicht alles regeln. Das geht einem schon ziemlich an die Substanz. Zumal das hier in der Schweiz passiert ist und nicht etwa in Nordkorea oder so.

  16. Kristina sagt:

    @ Pasionaria 27. November 2015 um 01:36
    Irgendwie bin ich dann immer diejenige die in der letzten Reihe steht und dann nach vorne geschupst wird wenn alle anderen sich klein machen. Da ich meistens in den Himmel schaue ist es viel zu spät wenn ich bemerke dass es wieder einmal mich erwischt hat. Nun jetzt einfach auf den Boden zu gucken das wurde mir schon sehr früh abgewöhnt. Meine Biographie ist so unspektakulär dass es nicht einmal was bei Mark hergibt. Also wo soll ich jetzt hinsehen?
    Ich beschreibe Ihnen mein aktuelles Panorama. Kaffee, Zeitungen, alleinerziehende Väter, hässliches Foto, Fakten, gelungene Lebensentwürfe, Geburtstagskuchenrezepte, Gymiprüfungen, Unterdrückt im BlogMag, Altersgymnastik, Feinstaubwarnung, Weihnachtsgeschenke, Taxi, Riz Casimir, wie komme ich an die neue Apple-Watch ohne etwas dafür zu tun, Aufenthaltsbewilligungen, Reissverschluss, Kabinett der Visionäre, Engadin, Games of kenne ich nicht, Formate, Übersetzer, Jean-Michel Basquiat, Immergrün, Marilyn Monroe, Riesenrad, Fat Cats in the Snow, wie lerne ich Myon kennen, die Katze knabbert am Kabel, Tupac Shakur.

    Finden Sie die Geschichte in den Geschichten nicht auch interessanter? Die Kunst in der Kunst nicht auch verbindender? Die Medien in den Medien nicht ergiebiger? Die Technik in der Technik nicht viel erbaulicher? Vielleicht anstrengender als die Tiere in den Tieren. Da kann ich mir im Jahr 2015 leider keinen Reim darauf machen. Heute studiere ich lieber Triggers und überlege mir wieso fehlt Myon die Kniescheibe? Wie bringe ich den Teenager nebenan zum Lachen? Vielleicht mit Truly and Utterly Bill? Und was hat das jetzt mit der Technik?

  17. Pasionaria sagt:

    Klara Brunner
    Sie sind eine dankbare Bloggerin, ein Stichwort, diesmal ein ‘blutruenstiges’ und Sie fuellen den Blog mit erlesenem Gelesenem, eigenen, wie immer bestechenden Gedanken (viel Empathie inbegriffen) aber vorallem mit, wie noch ueblicher (ist Ehrensache), eigenem Erlebten. Sei es innerhalb der Familie, im Bekanntenkreis, Freunden oder – am liebsten – bei Nachbarn.
    Wirklich anregend, sehr ernst gemeint!
    Stolz erfuellt mich, dass Sie meine Adjektive derart Ernst nehmen.

    Pan Tau hat mir, wie in letzter Zeit schon oefter, aus der blutruenstigen, mittelalterlichen Patsche geholfen, danke.

    .

    Kristina
    versuchen Sie es eventuell mal mit Klara Brunner, sie verseht bestimmt besser, worauf Sie hinaus wollen. Und sicherlich hat sie Beispiele aus dem Bekanntenkreis dazu.
    Bei Ihnen stehe ich ach in der zweitletzten Reihe – dann muessten wir uns ja treffen.
    “Finden Sie die Geschichte in den Geschichten nicht auch interessanter? etc. etc.” – Doch da kann ich einhaken, auch ich finde die Kartoffel im Kartoffelacker interessanter….. als das Sandkorn in der Wueste.

  18. Pasionaria sagt:

    Alienus
    Danke fuers Echo …. cho … ho ..o vom Kartoffelacker, welch Unterschied zur Wueste, der keines erzeugen mag, dafuer Fata Morganas. Was nun hochwertiger ist, waere noch abzuklaeren……. (Kristina weiss dazu sicher mehr?)
    Passionierte Unbekuemmertheit kehrt zurueck……
    Fazit: lieber beforsche einen Acker, als dass Du von Kamelen lebst!

  19. Alienus sagt:

    @Pasionaria

    Bitte die Trampeltiere nicht vergessen!

  20. Eisbär sagt:

    der Wicht vom Kartoffelacker (dem es aidgenössisch nicht nachgetragen wird, dass er sich gar polemisierend in alter nationalbeschwerdender Weise über Griechen und Syrer mokiert) mußte sich wohl dieser Tage ganz schön einkriegen…bei der Tricolore und der Marseillaise….(Hängen sich doch diese Spazialisten brav ein Charly-Fähnchen an die Birne. Sollen sie doch! Wenns hilft!) Aber leider würden sie so bei Briten oder Franzosen keine Mehrheiten scheffeln.

  21. Rodolfo sagt:

    @ Pasionaria und Kristina
    Muss denn immer alles in eine “nützliche” Richtung gehen und sogleich nach Nützlichkeit und Qualität bewertet werden?
    Sind wir denn hier am Arbeiten?
    Ich habe da eine grundsätzlich verschiedene Einstellung zu diesem Blog.
    Für mich ist dieser Blog zu einem Freizeit-Vergnügen, wo ich einfach drauflos quatschen kann, was mir in den Sinn kommt, erst mal zum “Leitartikel”, der einen guten Aufhänger und Einstieg gibt für den “smalltalk” und den “gigantic talk”.
    Dabei darf ich sehr themenzentriert “vertiefen”, oder auch abschweifen und tagträumen. Wenn ich das so gut könnte wie Sie, würde ich dazu noch dichten, aber ich bin nicht ganz dicht.
    Für gewisse disziplinierte Selbst- und FremdbeherrscherInnen ist ein solches “Geschwafel” kaum zu ertragen.
    Und doch behaupte ich jetzt mal munter daher plappernd, dass “wir” damit stellvertretend für die Protestantisch Tüchtigen etwas ausleben, was die vielleicht auch insgeheim selber tun würden, nämlich einfach mal in den Tag hinein leben und spontan auf das Geschehen reagieren.
    Das ist vergleichbar mit improvisierter Musik.
    Die Einen halten das für “Lärm” und “nerviges Chaos”. Die andern gehen voll mit und bezeichnen es mit elitärem Unterton als “Modernen Jazz”…

  22. Eisbär sagt:

    sehr erfreulich, Rodolfo

    deshalb habe ich im letzten Blog auch über Schwäche (vermeintliche) geschrieben!
    MachenSies gut,heute! Ich muß zum Billig-T….s :- ) damit ich die ganze nächste Woche gute Laune habe. Solange hält das nämlich

  23. Rodolfo sagt:

    @ Eisbär
    Danke, das wünsche ich Ihnen auch! Heute ist ja endlich wieder mal Eisbären-Wetter.

  24. Pasionaria sagt:

    Alienus
    “Bitte die Trampeltiere nicht vergessen!”
    Koenntest diese auch etwas vornehmer als Camelus bactrianus betiteln.
    Wenn Du meinst, dann halt……, habe bis jetzt fuer mich behalten, welche Eigenschaften diese mit den SVP-Sympatisanten teilen. Wenn ich schon herausgefordert werde, biite sehr: obgleich man sagen darf, dass das domestizierte Trampeltier in seinem Wesen und seinen Eigenschaften mit dem Wesen der SVP-Sympatisanten uebereinstimmt, kann man doch nicht verkennen, dass es immerhin gutartiger ist als jene. Leicht lassen sich beide einfangen, willig gehorchen sie dem Befehle ihres bloch….. eh bloekenden Leitkamels, ohne sonderliche Umstaende und unter leisem Murren oder auch lautem Bruellen legen sie sich nieder. Kamel in des Wortes umfassendster Bedeutung bleiben jedoch allle beide.

  25. andersen sagt:

    Völkerrecht gegen Landesrecht.

    Die Behauptung von “fremden Richtern” sind falsch.
    Nach die Studie “Sorgt für Recht”.
    Die SVP verwenden der Zustand aus dem 13. Jahrhundert, die man nicht mit der heutigen Zeit vergleichen könne.
    Und es ist der Pflicht der Kirchen, “dem Schlecht-Reden” von Verfassung, Völkerrecht und Rechtsstaat entgegenzutreten.

    Weil dieser “Fremden Richtern” stärken den sozialen Frieden.

  26. Rodolfo sagt:

    @ andersen
    Ich vermute, die SVP wehrt sich gegen “fremde Richter”, weil sie lieber selber die Richter stellen, oder “einheimische Richter * kaufen will.

  27. Klara Brunner sagt:

    @ pasionaria

    Richtig, mit eigenem Erlebten. Stimmmt, mit allem was zu diesem Begriff dazu gehört. Auch die Subjektivität die dem eigenen Erleben eben inne ist. Nur haben Sie beim Lesen wohl völlig übersehen, dass ich zu illustrieren suchte, dass sich das Leben, die Welt, auch alles was dazu gehört, verändert und dass ich bezweifle dass die Menschheit daraus auch wirklich lernt. Dass ich bezweifle, dass die Menschen heute weniger blutrünstig wären wenn sie es nur sein dürften. Das kann man doch immer mal wieder mitverfolgen wenn eben z.B. Intrigen aufkommen. Man kann selber sowas zur Kenntnis nehmen und sich sagen “aha schon wieder aus der gleichen Quelle der gleiche Mist” und dazu zumindest schweigen oder man kann sich da involvieren.
    Und da ich immer noch mitten im Leben stehe ziehen die Konsequenzen von sowas nicht an mir vorbei. Das meine ich, wenn ich postuliere, dass wir in Grunde der Dinge nur an dem Platz an dem wir grade sind etwas bewirken können. Und das kostet immer Substanz, sollten Sie eigentlich wissen??

    Ich wage mal zu vermuten, dass Sie mir im Geiste eine Persönlichkeit zuweisen die ich nicht bin, was nicht weiter wundert, ist hier doch ein blog wo wir halt Facettenweise auftreten. Postings beschränken sich auf Aussagen und sagen nichts über Menschen aus. Manche blogger hier haben herbe Enttäuschungen erlebt und werden / wurden einfach abgestempelt als “Versager” oder unerwünscht. Ist bei mir drinn. Und bei Ihnen??

    Item, ich lasse mich nicht beirren, mich hat lediglich Ihr standardiesiertes Bild gestört. Man hört das oft. Aber m.E. ist das Mittelalter nicht an Litern Blut zu messen sondern ebenso als Gesamtes zu sehen wie wir uns das von unserer Zeit wünschen würden. Zudem ist Geschichtsschreibung immer ein wenig einseitig und dem Geist der Zeit unterworfen. Ich will damit nicht sagen, dass, was Sie wohl sagen wollen nicht passiert ist. Aber das Mittelaltaer beschränkt sich nicht darauf.

    So, nun dürfen Sie meinetewegen weiterspötteln, stört mich nicht wirklich, Sie wissen, dass ich mich nicht vertreiben oder provozieren lasse. An Ihrer Stelle würde ich das in meine Ueberlegungen einschliessen. Was einem an anderen stört ist nicht selten in einem selber verwurzelt.

  28. Rodolfo sagt:

    @ Klara Brunner
    jedenfalls war das Mittelalter zu 100% Bio.
    Das müssen wir erst wieder mal schaffen!
    Jetzt palavern sie wieder auf höchster Ebene über das, was wir tun sollten, um die Klimaerwärmung wenigstens abzubremsen.
    Wir haben immer noch die Wahl zwischen einem schlimmen und einem ganz schlimmen Szenario.
    Ein harmloses Szenario liegt nicht mehr drin, da zu viele “Weichenstellungen” verpasst worden sind.
    Wir können einiges vom Mittelalter lernen, wenn auch nicht alles.
    Wir bräuchten also eine Art “Mittelalter-update”.
    Die heutige Bio-Landwirtschaft und die heutigen Windräder sind ja auch nicht mehr die Gleichen, wie jene im Mittelalter, aber sie setzen eine damals eingeleitete nachhaltige Technologie fort.

  29. Pizpot Gargravarr sagt:

    @Klara Brunner
    Ja, das sind in der Tat interessante Gedanken – bedenken Sie jedoch, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem Mensch als Individuum und der Menschheit als Entitaet betrachtet. Diesbezueglich gibt es zu viele verschiedene Charaktere, die interessenbedingt individuell handeln (Arbeit, Forschung/Wissen), generell auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind (Wirtschaft, Geld/Macht) und ein bestimmtes Weltbild aufbauen/schuetzen (Religion, Hoffnung/Angst).

    Deshalb meinte der bekannte Soziobiologe E.O. Wilson, dass wir als Individiuen noch den Zugang zum Archaischen (ja gar zum Sternenstaub 😉 ) haben und uns mit mittelalterlichen Institutionen zu ‘beschuetzen’ (Staat/Religion) trachten, gleichzeitig aber als aus Milliarden von Individuen entstandene Menschheit sich einer Post-StarWars-Zivilisation anzunaehern gewillt ist, welche all die (aus archaischer Not und psychologisch machtbezogenem Schutz-, sowie Anspruchverhalten einzelner Egos) Leidens- und Kriegszeiten zu ueberwinden trachtet um eine bessere Spezies zu werden.

    A propos ‘versagende’ oder ‘unerwuenschte’ Blogger: solange nur eine sich eigenartig zuprostende Inzestbande von bekannten Blogtrollern zu solch beschaemden Mitteln der Diffamation greift, sich aber nachweislich mehrfach erwiesen hat, dass es diese mit ‘Logik’ als Denk- bzw. Argumentationsmittel offensichtlich gar nicht so ernst nimmt wie sie es selbst vorgibt, so kommen solche Spoetteleien doch einem Kompliment gleich…
    (Lesehilfe fuer B-Trasher: ‘How To Prove it” (Daniel Vellemann)….weshalb Lesch vor Dethlefsen zu lesen gehoert)

    Auch interessan: Sternstunde Philosophie von heute frueh mit Peter Galiston:
    http://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/albert-einstein-wie-loest-man-die-raetsel-der-welt?id=acd61943-4b6a-48d7-a728-9468ec409a96

  30. Pasionaria sagt:

    Klara Brunner
    …… und all dies aufgrund eines einzigen Adjektivs. Da muss man/frau schon mit Fantasie gespickt sein. Dabei weiss ich fuer einmal nicht, was es zu spotten gaebe, waere da nicht die Allerwelts-Alchemisten Antwort eines Piz Pots.
    Moegen Sie, Klara B., noch so viele Eigenschaften haben – P. achtet vorallem auf Ihre wertvollen! Damit haben Sie wohl nicht gerechnet, hm.
    Fazit: sage mir wessen Zuspruch Du hast, dann sage ich Dir, wie Dein Argument war!

    Lesen Sie nochmals Pan Tau vom 27.11. bringt Ihnen mehr als das Sternengestaeubte…..

    .

    Pizpot
    ……und seine Hirnwindungen
    ” solange nur eine sich eigenartig zuprostende Inzestbande von bekannten Blogtrollern…..”
    Sie sollten unbedingt und wie so oft, Wiki zu Rate ziehen, wenn Sie einen Ausdruck (Inzest) nicht verstehen.
    Hat der 1. Advent Sie schon dermassen beraeuchert? Das soil’s geben.

  31. Alienus sagt:

    @Eisbär

    Huch, das Heususe schreibt.

    Mit Ihrem Denk möchte man Sie zum kryozoologischen Nobelpreis vorschlagen, weil Sie so heldenhaft an sich im Eigenversuch nachgewiesen haben, dass Eisbären auch mit dem heulsuserischen Virus leben können und weil es nachweisbar ist, die Eisbären können auch Fehlfarben von brünett über braun bis zum schwarzen Fell haben.

    Mein Alter Ego schrieb es, der Wicht vom Kartoffelacker

  32. Pasionaria sagt:

    Alienus
    Darf ich Dich zwischen Eiswichten und Kartoffelbaeren nochmals meine Frage von anno dazumal stellen. Selbstverstaendlich immer vorausgesetzt, Du hast Lust, Zeit und bist nicht allzu sehr von der Adventsstimmung zugedroehnt.
    Was weisst Du ueber die Vandalen (ev. neben den Wiki-Angaben), Namensherkunft? Sie sollen ja auch in Andalusien gewirkt haben. Hast Du eine Ahnung, ob der Name Al-Andalus ev. auch von dem Wort Vandalusia herkommt?

    Zudem, woher stammt der Ausdruck: in’s Bockshorn jagen?

    Du siehst, Deine Anwesenheit hier bringt auch …….Buerde.
    Danke im voraus – die Antworten koennen auch warten, Hauptsache, tust wieder durchstarten.

    P.S. Haben gewisse Eisbaeren auch Trampeltiergene in sich?

  33. olive sagt:

    @@ Pasionaria
    26. November 2015 um 22:01

    Somit und ueberhaupt erachte ich Dein 19.59h als nicht meine …….Bremsspur.

    Noch dazu: ich bin zu faul, alle die entsprechenden Stellen zusammen suchen.

    Aber es gibt sie, und das nicht zu knapp. deutliche, oder auch in Form von kleinen Spitzen

    oft für meinen Geschmack einfach übergriffig.

  34. Alienus sagt:

    @Pasionaria vom 29.11.2015 um 23.05

    Lustvoll und voller Inbrunst erfülle ich diesen Wunsch!

    In diesem Blog versuchen immer wieder Blogger andere Blogger ins Bockshorn zu jagen. Man tut’s, ohne überhaupt es zu wissen, was man damit tut. Drum hier ein Modell einer versuchten Erklärung. Vernünftigen Widerspruch erwünscht.

    Bockshorn kann man in zwei Hauptbegriffe Bock und Horn zerlegen. Was ein Bock ist dürfte klar sein. Nun zum ominösen Horn. Es wird versucht, über diesen Begriff den Inhalt zu finden. Bei wiki sieht man allerlei Versuche, die zwar schön, aber wenig plausibel scheinen. Denn in dieser Bezeichnung Horn kann sich ursprünglich auch indirekt eine Tätigkeit verbergen.

    Der gute Martinus Luther hat mit seiner Festlegung beim Verb jagen für diesen Spruch dann für etwas Verwirrung gesorgt. Es meint m. E. nicht eine Tätigkeit der Jagt, sondern die Ver- oder Eintreibung bei Irgendetwas oder Irgendwelchem. Nun, da heutig einige traditionelle schöne Bräuche verschwunden sind, muss man diese wieder zum Leben erwecken bzw. rekonstruieren.

    In der mittelalterlichen Lebensweise hatten die Menschen die Gerichtsbarkeit manchmal in die eigene Hand genommen. Hatte in der übersichtlichen Dorfgemeinschaft ein Mitglied Verrat, Betrug, Diebstahl, Ehebruch, Bruch des Eheversprechens u.ä.m. begangen, wurde vereinzelt an der offiziellen Gerichtsbarkeit der Landesherrn vorbei ein Femegericht gebildet und der Beschuldigte verurteilt. Etwas entfernt vergleichbar dem Ku-Klux-Klan und ihren mörderischen Fememorden.

    Nun der Begriff Horn. Es fällt auf, dass sich die Deuter doch etwas schwer tun mit den Begriff Bockshorn. Wenn man jedoch den Begriff Horn in seiner gesamten Bedeutungsweite untersucht, so kommt auch auf die Benennung in der niederdeutschen Sprache einem logisch vor: Horn, Hörn – (besonders an der Küste der niederdt. Sprache), Ecke oder Winkel einer Weidefläche, Biege, Biegung, Eck, Egg – (besonders im Süden der alem.–dt. Sprache), Winkel, Abschnitt u.a.m.

    Der Delinquent wird zu seiner Schande mit einem Ziegenfell gekleidet und in das besagte Horn, also den besonderen Abschnitt gebracht, getrieben, hineingeschickt, hineingestoßen oder nach M. Luther gejagt. Der Verb gejagt passt schon gut hierher, weil es um Schimpf und Schande ging.

    Aber was ist das Besondere an diesem Horn? Aber es ist nun sehr leicht zu erraten, dass es um den olfaktorischen Effektor ging. Die Kühe setzen ihre Fladen eher an einem Haufen, die lieben Ziegen und Böcke verstreuen ihre Böppel auf der gesamten Fläche. Also man konzentriert die Ziegen auf einem kleinen Abschnitt der Weide, z,. B. in der Ecken einer Almendwiese und verdichtet dadurch dort den Ziegenkack.

    Und dann wird das arme Opfer zur Schau dorthin hinein gejagt. Bloßgestellt, stinkend wie ein Bock, verschmutzt mit dem Ziegenschitt und auch noch mit einem Ziegenfell bekleidet, welches das Böse, Unheimliche und das der Hölle Nahe symbolisiert. Siehe die gewisse Analogie zu den Perchten-Bräuchen.

    Bei so einer Aussicht sollte man sich nicht ins Bockshorn jagen lassen.

    Aber es fällt nun aber leichter zu begreifen, warum die SVP einen Ziegenbock Zottel als Maskottchen braucht, um ihr Selbstverständnis zu demonstrieren. Wehe ihr Gegner, euch treiben wir ins Bockshorn. Und das in der rechten Ecke!

  35. Rabbi Jussuf sagt:

    olive
    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/saudi-arabien-bereitet-den-naehrboden-des-terrors-13934322.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

    Ein Artikel der die Rolle Saudi-Arabiens ein wenig beleuchtet. Ein Strang der nicht zu unterschätzen ist, wenn man das Phänomen “Islamismus” verstehen will.

    Was der Artikel sonst noch aussagt? Das kann man getrost überlesen.

  36. Pan Tau sagt:

    Ja, mit den arabischen Wahabiten ist nicht gut Kirschen essen, also mit einem Teil der Sunna – nur weiss man das schon länger. Hier zur Information die französischen Waffenexporte zwischen 2010 und 2014:
    http://www.liberation.fr/futurs/2015/06/14/ventes-d-armes-le-grand-boomdes-exportations-francaises_1329625
    Ich bin selbst erstaunt, obwohl ichs vermutet hatte: Der grösste Abnehmer französischer Waffen in diesem Zeitraum ist Saudi Arabien — mit 7,99 mia € (! ! !)
    “Chapeau!”, kann ich da nicht einmal mit einem Augenzwinkern sagen. Mir bliebt die Spucke weg.

  37. Pan Tau sagt:

    @Rodolfo: “Wir können einiges vom Mittelalter lernen, wenn auch nicht alles.
    Wir bräuchten also eine Art “Mittelalter-update”.”
    So von der Weltuntergangsstimmung her? Ist der Weltuntergang nicht schon immanent in der Schöpfung angelegt? Oder prägt uns da nicht vornehmlich das Wissen um das eigene Ende unseres beschränkten Daseins, als Individuen, meine ich?
    Also ich bin jetzt alles andere als ein Apokalyptiker.

  38. andersen sagt:

    Alienus

    Nein, ein Ziegenbock ist der Vergangenheit bei der SVP, sie sind jetzt auf den Hund “Willi” (plüsstier) gekommen.
    Und sie singen einstimmen “Wo ein Willi ist, ist auch ein Weg”, nur wie sie dieser Blödsinn an der EU verkaufen will, ist mich ein Rätsel.

  39. andersen sagt:

    Ein Plüschtier…

  40. Pan Tau sagt:

    @anderson
    Wo ein Willi ist, kommt auch mal der Bill.
    😉

  41. Alienus sagt:

    @andersen

    Ja, ja, der olle Zottel Christoph ist nun auf den Hund gekommen.

  42. olive sagt:

    @Rabbi Jussuf

    interessant, danke.Ich bin froh, dass darüber vermehrt gesprochen wird.
    Aber das: “Das Königreich ist aber der Schöpfer dieses Ungeheuers, denn der IS ist die besonders gewalttätige Fortsetzung des wahhabitischen Islams.”

    Bush’s Einmarsch im Irak wird doch die Schöpferrolle zu gesprochen?

  43. Rabbi Jussuf sagt:

    olive

    Den Satz hatte ich eigentlich auch als Zitat angeführt um zu zeigen, dass der Schreiber doch in einigem falsch liegt – auch in Bezug auf Arabien.
    Naja, klar waren die Amis mit beteiligt, indem sie nicht den Durchhaltewillen hatten, im Irak zu bleiben, bis sich die Situation einigermassen stabilisiert hatte. Sie sind einfach verreist und haben die ganze Sache dem Schiiten al-Maliki überlassen, der den Karren völlig in den Sand gefahren hatte. Er war es im Prinzip, der das Monster erschuf, indem er unerbittlich gegen Andersdenkende insbesondere Sunniten vorging. Da wundert es nicht, dass, wenn man die anderen bekannten Faktoren mitberücksichtigt, zum IS oder ähnlichem kommen musste.
    Wäre anstelle von Maliki ein Sunnit gewesen, wäre dafür eine Hizbollah-ähnliche Geschichte entstanden. Eigentlich dasselbe auf schiitisch.

    Ob die Amis einmarschiert wären oder nicht, ich vermute, das Saddam-Regime hätte sich nicht mehr allzulange halten können und wir hätten auch ohne die Amis eine ähnliche Situation.

  44. Pan Tau sagt:

    … denke ich auch, wenn ich am Lesen bin, insbe. spätestens nach dem sog. “arabischen Frühling” … eine failing-state-Geschichte, wie in Syrien.
    Nur, in Bezug auf die Grenzen dieser Staaten, insbes. Irak und Syrien, mit ihren ethnischen und konfessionellen Minderheiten, eben recht grossen Minderheiten, dazu fehlender Kurdenstaat etc. etc. da lässt sich nun mal vom kolonialen “Erbe”, sprich vom Vertrag von Trianon reden. Ich meine mit einer Fussballnationalmannschaft ist dort keine Nation, kein Nationalstaat im westlichen Sinn zu machen.
    Das haben übrigens auch die Ideologen des IS gecheckt: Gerade sie propagieren den grenzenlosen Islam, also insbes. der Islam, der sich über die von den Kolonialisten gesetzten “National-“staatsgrenzen hinwegsetzt – womit er auch bei gut gebildeten Anhängern ankommt.

  45. Pan Tau sagt:

    Ich meine mit dem Scheitern des arabischen Frühling ist schlussendlich auch der säkulare Panarabismus gescheitert – und was folgt ist der Prozess des Staatenverfalls, das Ganze unter dem wilden Geschrei von Rigoristen (Islamisten, Dschihadisten), als Negierer aller Werte, die sie mit den Kolonialisten assozieren – also denen, welche Nationalstaat und damit Säkularisierung über die arabische Welt brachten.
    Es überascht mich aber nicht nur die Heftigkeit dieser “Rückwärtskutsche”, was mich insbes. beunruhigt ist die Immobilität des Rests der arabischen Welt, die sich offenbar nur mit Waffenstarre zu helfen weiss. Ist das nicht Fatalismus, den man ja gerade auch als Wesensmerkmal des Islams herausstellt?

  46. Rabbi Jussuf sagt:

    Pan Tau
    Die Probleme mit der Grenzziehung existieren nicht erst seit der Kolonialisierung.
    Man müsste fast sagen, dass es seit der Grenzziehung in der Gegend ruhiger geworden ist. (Ist jetzt wohl auf die andere Seite leicht übertrieben.)

  47. Häfliger sagt:

    @ Andersen

    Es stimmt , die Schweizer haben die Pedale verloren – die Kurve aber trotzdem bekommen !

    Ich habe soeben beobachtet, wie die Dänen einen Schlittschuh verlieren…..
    Und gestern haben sie einen Rollschuh verloren ….und :
    Letzte Woche sind die Dänen vom Rollbrett geplumpst !

  48. andersen sagt:

    @Häfliger

    Stimmt.
    Die Rechtspopurlisten hat der Wahlkampf deutlich in der Mehrheit gewonnen, mit das Motto:
    Wir passen auf das Land auf, die ihr kennt”.
    Ja, sie sitzen in das gemachtes Nest, bewegen sie somit kaum, bis der Kran sie von Zimmer herausholen müssen und ernten somit Schulterklopfen von Cameron und lassen somit die Schwedische Leute auf der Flughafen in Kopenhagen krampfen.

    Ja, Aufbruch immer neu, vorbei ist nichts.

  49. Pasionaria sagt:

    Alienus
    Vielen Dank fuer Deine ……. Inbrunst, wirklich wie immer interessante Erlaeuterunge. Ja, und ob dem Bewusstsein solch weitreichender Bedeutung waere man eventuell etwas vorsichtiger, solche Ausdruecke hie und da zu locker einzustreuen.
    Trotzdem sollten sie nicht total vom Sprachgebrauch verschwinden. Vorallem die Gelegenheit diese richtig anzuwenden, gaebe es problemlos ueberall (leider).

    Du bist nicht schuldlos, dass mein etymologisches Interesse von Mal zu Mal steigt. Wie siehst Du es mit dem Wort ‘Inbrunst’, es scheint mir, es lasse sich besonders innerhalb der Religionen, des Patrio_tismus oder dann auch der Kunst anwenden? Sicherlich auch anderweitig, aber heutzutage ev. weniger?

  50. Pasionaria sagt:

    olive
    30.11. um 08.20h
    und nun…..?
    Vielleicht vermeidest Du, rechtslastige Links zu posten, und ich halte mich mit ‘Spitzen’ zurueck? Ok?
    Jedenfalls ins Bockshorn habe ich Dich noch nie gejagt, immerhin.
    Schoenen 1. Dezember und weitere…..