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Gegen die ICF haben die Kirchen keinen Stich

Blog-Redaktion am Samstag den 15. August 2015
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Anders als die Landeskirchen setzt die ICF an ihren Happenings weiter voll auf ihn: Jesus. (Bild: TA)

Die charismatische Freikirche ICF ist ein Stachel im Fleisch der beiden Landeskirchen: Laufen der katholischen und reformierten Kirche die Jugendlichen in Scharen davon, sammelt ICF-Guru Leo Bigger einen Teil der verirrten Schäfchen auf. Der Entertainer Gottes bietet laute und farbige Happenings und Events und füllt das Maag-Areal im Kreis 5 in Zürich. Der Erfolg ist beeindruckend, die Zahl seiner Tochterkirchen wächst laufend.

Um das Feld nicht kampflos einer Freikirche zu überlassen, hat die katholische Kirche in den Viadukt-Bögen – also in Nachbarschaft zur ICF – die Jugendkirche «Jenseits» eingerichtet. Die urbanen Quartierbewohner und Partygänger werden im Jenseits aber nicht mit Weihrauch, Kruzifix und priesterlichen Soutanen abgeschreckt. Es ist ein Ort zum Chillen, Diskutieren, Musikhören. Ein ähnliches Angebot bietet auch die Streetchurch der reformierten Kirche in Zürich. Die Mitarbeiter kümmern sich vor allem um die Probleme der Besucher.

Gott und Jesus sind bei Streetchurch und Jenseits Randfiguren. Der neue Leiter Michael Mann erinnert eher an einen Manager denn an einen Gottesmann, wie das Porträt im TA zeigte. Er ist Kommunikationstrainer, Mentaltrainer, Yoga- und Meditationslehrer und will mit Marketingmethoden richten, was seine Kollegen in den Kirchen nicht schaffen.

Die ICF muss aber Jenseits und Streetchurch nicht fürchten. Die Vertreter der Landeskirchen scheinen nicht begriffen zu haben, wie Glauben und Religion funktionieren. Mit Yoga, Konzerten und Lesungen kann man die Besucher zwar unterhalten, aber nicht für Gott begeistern. Sie übersehen, dass der Glaube in seinem Kern etwas Radikales, Absolutes ist. Es geht um das Höchste und Letzte.

Die ICF und andere Freikirchen haben hingegen eine klare Botschaft und sind entsprechend autoritär. Ihr Glaube ist kein Freizeitvergnügen, sondern eine todernste Angelegenheit, der man sich mit Haut und Haaren verschreiben muss. Sie glauben, mit Jesus im Bund zu sein und die letzte Wahrheit zu kennen, die Gott in der Bibel offenbart hat. Mit ihrer Begeisterung stecken die missionierenden ICF-Anhänger junge Leute an und schweissen sie zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen. Nur so lassen sich heute konsumorientierte Personen einbinden.

Diese enthusiastisch geforderte Verbindlichkeit ist das Erfolgsgeheimnis. Die mit Sehnsucht, Angst und suggestiven Ritualen forcierte Einbindung gibt Halt und Geborgenheit. In ihrer Euphorie realisieren die Missionierten nicht, dass sie ihre geistige Autonomie teilweise aufgeben und sich in einem radikalen Glaubenssystem verstricken.

Jenseits und Streetchurch verzichten auf aggressive Missionsmethoden und lassen den Besuchern die geistige Freiheit. Sie machen eigentlich alles richtig und sind trotzdem gegenüber der ICF auf verlorenem Posten. Denn aus freien Stücken setzen heute nur noch wenige junge Leute einen Fuss über die Kirchenschwelle.

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