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Konsumwelt als Ersatzreligion

Hugo Stamm am Samstag den 6. Juni 2015
Wie ein Gottesdienst: Brasilianische Fussballfans im Maracanã in Rio. Foto: Leo Correa (AP)

Wie ein Gottesdienst: Brasilianische Fussballfans im Maracanã in Rio. Foto: Leo Correa (AP)

Religiöse oder spirituelle Bedürfnisse sind tief in unserem Bewusstsein verankert. Sie gehören zu den ursprünglichen Archetypen oder Grundstrukturen menschlicher Vorstellungs- und Handlungsmuster. Carl Gustav Jung, der Esoteriker unter den Psychologen, führte den Begriff in der Psychologie ein und sprach vom kollektiven Unbewussten.

Es ist tatsächlich auffallend, dass praktisch alle Völker, Stämme und Kulturen ähnliche religiöse Archetypen entwickelten, obwohl sie früher keine Verbindung untereinander hatten, sich also geistig nicht inspirieren konnten. Das Bedürfnis nach etwas Höherem, Mächtigem, Unvergänglichem ist eine Konstante der Menschheitsgeschichte.

Aus psychologischer Sicht führten vermutlich das Bewusstsein von der Endlichkeit allen Lebens und die Angst vor Krankheiten, Unfall und Tod zu den religiösen Archetypen. Gläubige neigen hingegen dazu, die Ursache des Religiösen in der göttlichen Kraft zu suchen, die die Natur belebt und unser Bewusstsein prägt.

Vielleicht erleben wir im aktuellen Jahrhundert den Beginn eines beispiellosen Paradigmenwechsels, denn die religiösen Grundbedürfnisse bröckeln zumindest in der westlichen Welt erstaunlich schnell. Spirituelle Fragen haben bei den jungen Generationen keinen grossen Stellenwert mehr. Auch die Statistiken der Kirchenaustritte verdeutlichen den Wandel und den Zerfall des Archetypus.

Die Bedürfnisse nach Ritualen werden indes nicht verschwinden. Die aktuelle Entwicklung zeigt aber, dass eine Verschiebung hin zu weltlichen Bräuchen stattfindet. Ausserdem löst das Materielle das Spirituelle ab. Der Wohlstand wendet die Aufmerksamkeit vom Jenseits aufs Diesseits. In der Postmoderne brauchen die Menschen Gott nicht mehr zwingend, um die Hoffnung auf Verwirklichung nähren zu können. Gier und Abzockerei sind die neuen Archetypen, der Konsum ist zur Ersatzreligion geworden.

Dies zeigt sich bei der wachsenden Ritualisierung der säkularen Welt. Der Fussball zeigt es eindrücklich. Die Fanclubs bitten jedes Wochenende zum Hochamt. Vom Outfit über den Bierkonsum bis zum Fangesang und dem Animateur im Stadium sind alle Elemente enthalten, die auch einen Gottesdienst ausmachen. Kein Zufall also, dass «Fussballgott» zum stehenden Begriff geworden ist.

Oder das Shoppen. Die Geschäfte bauen eine Erlebniswelt auf, in der Einkaufen zum Ereignis und Ritual wird. Ersatzreligiösen Charakter hat auch das Essen und Kochen angenommen. Kochsendungen gibt es inzwischen auf allen Kanälen, Koch-Castings treiben das Ritual auf die Spitze. Es scheint, dass der Konsum und andere weltliche Rituale die grössten Feinde der Götter sind.

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196 Kommentare zu “Konsumwelt als Ersatzreligion”

  1. Bernhard Schlegel sagt:

    @Bamberger

    Pisspott kann ja auch ein Email schreiben. Habe auch schon eins bekommen. Aber von Obama. Echt cool wie sie das Elfenbeinpapier auch virtuell hinkriegen. Hey und er nannte mich dear friend in der Anrede. Für jemand wie mich, der eigentlich keine Freunde sucht schon sehr, ach ja, schön. Obama ist ein guter Mensch.

  2. Pizpot Gargravarr sagt:

    @Bernhard Schlegel, 9. Juni 2015 um 20:08

    @Bamberger
    Pisspott kann …..

    Dies wurde Ihnen schon mal mitgeteilt: die Wahl meines Pseudonyms war Absicht – eine Interpretations- resp. Ausdrucksweise Ihrer Art sagt einiges mehr ueber Ihre Faehigkeiten aus als alles andere….
    .
    Bekannt ist hingegen, dass B.Schlegel aka Gwendolin sich schon mehrfach analog seiner feinen Spuehrnase und noch exquisiteren Ausdrucksweise schamlos abseits jeglicher Normen zu bewegen getraut…

  3. Bernhard Schlegel sagt:

    Pizpot

    Und diese Normen gibt wer vor? Sie?

  4. Bernhard Schlegel sagt:

    Wir haben heute viel gehört:

    Sich beherrschen

    Schamlos

    Das reicht eigentlich schon aus.

    Der Herr

    Die Scham

    Was für dämliche Begriffe, mit denen die Kulte doch arbeiten….

    Denkt selber darüber nach liebes Publikum.

  5. Pizpot Gargravarr sagt:

    @Rabbi Jussuf, 9. Juni 2015 um 13:20
    Wie schon erwaehnt, treffen sich unsere Meinungen bisher nur bei einem einzigen Satz/Gehalt:

    @Rabbi Jussuf, 30. Mai 2015 um 13:12

    Sie [die Psychoanalyse] nutzt sich ziemlich schnell ab und rechtfertigt in keinem Fall eine jahrelange Behandlung, wie es eigentlich vorgesehen ist.

    Ansonsten bestehen eigentlich leider nur Differenzen.
    So erhellt sich mir der von Ihnen derart herausgetraeufelte Unterschied zwischen “Warenfetischismus” und allgemein mit *Fetisch” nicht so ganz (siehe Diskussion mit hm). Und nein,

    Niemand glaubt daran, dass ein persönlicher Gott in der neuen Swatch hockt, selbst wenn er dafür vor dem Swatchladen übernachtet hat um ja die erste zu kriegen.

    …dieswm Glauben sind wohl in der Tat hoffentlich nur ganz wenige verfallen. Anders verhaelt es sich wiederum mit – bitte korrigieren Sie mich im Irrtumsfalle – der Projektion Ihres Glaubens auf den Glauben anderer:

    “Wikipedia/Transzendenz: “…Verhältnis von Gegenständen zu einem bestimmten Bereich möglicher Erfahrung oder den Inbegriff dieses Verhältnisses.””
    Wenn Sie das unter Transzendenz verstehen wollen, dann ist praktisch jedes Gefühlchen schon transzendent.
    Hier wie oben machen Sie den Fehler (nicht nur Sie) einen Begriff in die Bedeutungslosigkeit auszudehnen.
    So im Stil: Alles ist mit allem verwoben.

    Na, wenn das nicht eine feine Projeiktion ist…..darueberhinaus noch eine, mit einem delikaten Wahrheitsgehalt: einerseits unterstellen Sie den anderen konkret Fehler zu begehen und andererseits dezimieren Sie Gefuehle zu ‘Gefuehlchen’, was Ihre diesbezueglich doch hoechst fragwuerdige Beziehung zu Ihrem eigenen Innenleben offenbart. In der Tat wuerden Sie die Einnahme Ihres Frühstückseis niemals als Messe zelebrieren, da Sie diesem niemals auch nur ideell/virtuell den Stellenwert eines Fetisches angedeihen wuerden. Versuchen Sie es doch mal mit Ihrem Kaffee und erfinden Sie eine Predigt dazu…

    Mentales Training? Dem spreche ich jegliche Transzendenz-Erfahrung ab.
    Passiert es trotzdem, ist etwas schief gelaufen.

    Fehlt nur noch, dass Sie einen respektablen sportlichen Leistungsausweis vorlegen koennen….irgendwie scheint da was schief gelaufen zu sein…oder wir sprechen komplett aneinander vorbei.

    Guet Nacht! 😎
    ============================
    at BS: nein, bin unschuldig betreffend Haeufigkeit Ihrer Zensurerlebnisse….

  6. Bernhard Schlegel sagt:

    Pizpott

    Ehrlich? Unschuldig?

    Sie bringen interessante Gedanken auf das Parkett.

    Schuld. Unschuld. Schulden. Etc.

    Die deutsche Sprache ist sehr spannend.

    Es gab einmal eine Zeit, da war ich unschuldiger als manches Mädchen. Ein doofer Laffe. Aber eine SCHULD kann ich bei den Mädchen bis heute nicht nachweisen. Ich war einfach so grün und Ministrant, dass ich glaubte! Sperma???? sei grün. Soviel zur Aufklärung auch heute.

  7. Bernhard Schlegel sagt:

    PS: Mein nächster Nickname, wenn ich mir das hier weiter antue wird Greenhorn sein. Aber hey, vielleicht tauche ich auch nie mehr auf. Man weiss es nicht.

  8. Rabbi Jussuf sagt:

    Pizpot Gargravarr
    “….irgendwie scheint da was schief gelaufen zu sein…oder wir sprechen komplett aneinander vorbei.”

    Nun ja, anscheinend schon.
    Ich bin der Auffassung, dass wir hier über Religion sprechen, oder speziell über “Ersatzreligion” und eben nicht über alles, was es sonst noch geben könnte.

    “Na, wenn das nicht eine feine Projeiktion ist…..darueberhinaus noch eine, mit einem delikaten Wahrheitsgehalt: einerseits unterstellen Sie den anderen konkret Fehler zu begehen und andererseits dezimieren Sie Gefuehle zu ‘Gefuehlchen’, was Ihre diesbezueglich doch hoechst fragwuerdige Beziehung zu Ihrem eigenen Innenleben offenbart.”
    Das hingegen ist ganz einfach dummes Zeug, das ^nichts zu tun hat, mit dem, was ich geschrieben habe.
    Bitte nicht so in der Gegend herum psychologisieren, sondern zuerst versuchen zu verstehen, was geschrieben wurde.

  9. Hypatia sagt:

    Konsumwelt als Ersatzreligion

    Ersatzbefriedigung durch Weltsimulationskonsum

  10. Nei nei sagt:

    @sünneli brünneli
    Hallo svp gläubige unter den ungläubigen: diese marke ist eine mogelpackung, da ist ein sünneli drauf doch kein sünneli drin. Der herr blocher war schon immer ein erloschenes gestirn, die vielen trabanten, welche um ihn kreisen, so herr mörgeli, so herr köppel, so herr brunner usw. sind noch nicht mal monde, sie sind nur weitere, halt noch kleinere, ebenfalls abgelöschte brocken. Aufgepasst: unter brocken manne hats oft stehpinkler und manchmal auch kleine oder grössere kotzbrocken. Mit vorsicht konsumieren!

    @olive nein, dämonisieren muss man solche brocken nicht, auch nicht den schlauen schnellschwätzer köppel. Sie dämonisieren sich höchstens selbst. Das sind harmlose und sogar saubere hausierer, vertreter für batteriebetriebene handstaubsauger und wischmoppe fürs volch. Olive, glauben sie denn selbst noch an dinge wie die klimaerwärmung, die klimakatastrophe? Oder glauben sie schon an die Masseneinwanderung?

  11. Alienus sagt:

    @Pizpot Gargravarr

    Hm, die feinfüllige Reaktion bezüglich des „Pisspot“ scheint hier etwas scheinheilig zu sein!

    Legt man Ihren Nicknamen „Pizpot Gargravarr“ unter einen germanischen, alt- und jiddisch-deutschen sowie etymologisch-hermeneutischen Scanner und legt dieses Ding auch noch unter ein verbales Prisma und dann unter eine sinninhaltliche Lupe, so ist zunächst sicherlich nur der Laie erstaunt.

    In der gebotenen Kürze atomisiert man den Nicknamen:

    – „Pizpot“ ist der alte gute Pisspot, der Nachttopf, Nachthaffen usw

    – „Gar-„ meint den Ursprungszustand, also den Ausgangszustand, hier offensichtlich die Reinheit des Pottes

    – „-gravarr“ müsste die Tätigkeit kratzen, ritzen, gravieren, schaben, wischen, fegen, im weitesten Sinne also reinigen meinen

    Nun, Pizpot Gargravarr, Sie sollten uns nur noch mitteilen, welchem belletristischen Werk der Nickname „Pisstopfreiniger“ entfleucht ist und was Sie damit in diesem Blog andeuten / ausdrücken möchten.
    😉

  12. Pizpot Gargravarr sagt:

    @Rabbi Jussuf, 10. Juni 2015 um 00:51

    Ich bin der Auffassung, dass wir hier über Religion sprechen, oder speziell über “Ersatzreligion” und eben nicht über alles, was es sonst noch geben könnte.

    Wo liegt denn Ihnen gemaess das Verbindungsstueck zwischen ‘Religion’ und ‘Ersatzreligion’ wenn nicht in der Wahrnehmung des Einzelnen?

    …einerseits unterstellen Sie den anderen konkret Fehler zu begehen…

    Ja wie soll denn der Ausdruck

    ‘Hier wie oben machen Sie den Fehler (nicht nur Sie) einen Begriff in die Bedeutungslosigkeit auszudehnen’

    verstanden werden wenn nicht als Vorwurf, einem Irrtum zu unterliegen? Zumal noch eine Wikipedia-Definition beilag, die sich offensichtlich auch irrt? Klaeren Sie uns doch bitte auf, denn Ihre Ansichten bezueglich ‘Ihrer Aussage

    …praktisch jedes Gefühlchen schon transzendent

    interessiert hier doch sehr, da im hiesigen Blog ‘Gefuehl’ verstanden wird als „Bewegung des Gemüts“ und im Kantschen Sinne ist es das Gefühl eines „übersinnlichen Vermögens in uns“…..also durchaus mit tranzendentalem Gehalt…..aber eben, erzaehlen Sie uns doch mal von Ihren diesbezueglichen Ansichten, danke!

  13. Pizpot Gargravarr sagt:

    @Rabbi Jussuf, 10. Juni 2015 um 00:51

    Ich bin der Auffassung, dass wir hier über Religion sprechen, oder speziell über “Ersatzreligion” und eben nicht über alles, was es sonst noch geben könnte.

    Wo liegt denn Ihnen gemaess das Verbindungsstueck zwischen ‘Religion’ und ‘Ersatzreligion’ wenn nicht in der Wahrnehmung des Einzelnen, in den ‘Gefuehlchen’?

    …einerseits unterstellen Sie den anderen konkret Fehler zu begehen…

    Ja wie soll denn der Ausdruck

    ‘Hier wie oben machen Sie den Fehler (nicht nur Sie) einen Begriff in die Bedeutungslosigkeit auszudehnen’

    verstanden werden wenn nicht als Vorwurf, einem Irrtum zu unterliegen? Zumal noch eine Wikipedia-Definition beilag, die sich offensichtlich auch irrt? Klaeren Sie uns doch bitte auf, denn Ihre Ansichten bezueglich ‘Ihrer Aussage

    …praktisch jedes Gefühlchen schon transzendent

    interessiert hier doch sehr, da im hiesigen Blog ‘Gefuehl’ verstanden wird als „Bewegung des Gemüts“ und im Kantschen Sinne ist es das Gefühl eines „übersinnlichen Vermögens in uns“…..also durchaus mit tranzendentalem Gehalt…..aber eben, erzaehlen Sie uns doch mal von Ihren diesbezueglichen Ansichten, danke!

  14. Rabbi Jussuf sagt:

    Pizpot Gargravarr
    “Wo liegt denn Ihnen gemaess das Verbindungsstueck zwischen ‘Religion’ und ‘Ersatzreligion’ wenn nicht in der Wahrnehmung des Einzelnen, in den ‘Gefuehlchen’?”
    Eben. Denn die “Gefühlchen” beim Konsumrausch oder Fussball, oder was auch immer, werden vom Einzelnen garantiert nicht als religiös angesehen.

    “Ja wie soll denn der Ausdruck

    ‘Hier wie oben machen Sie den Fehler (nicht nur Sie) einen Begriff in die Bedeutungslosigkeit auszudehnen’

    verstanden werden wenn nicht als Vorwurf, einem Irrtum zu unterliegen? Zumal noch eine Wikipedia-Definition beilag, die sich offensichtlich auch irrt?”
    Erstens handelt es sich dabei nicht um einen Irrtum, sondern nur um eine Überdehnung des Begriffes, dessen Folgen Ihnen anscheinend nicht klar sind und
    zweitens haben ist es nicht Wiki, die falsch liegt. Sie haben bloss einen Ausszug genommen und den als vollständige Definition hingestellt. (Was eben zur Überdehnung des Begriffes führte.

    Dann sollten Sie ‘transzendental’ und ‘transzendent’ auseinanderhalten. Das sind nämlich zwei grundverschiedene Dinge, – ganz besonders, da Sie ja im gleichen Satz mit Kant daher kommen.
    Und da machen Sie es schon wieder: Sie geben jeglichem Gefühl einen transzendenten Inhalt. (transzendent meinten Sie wohl, nicht transzendental). Wenn Sie das machen, denken Sie doch bitte ein Schrittchen weiter.

    Im Übrigen spricht Kant von Erhabenheit und Schönheit, wenn ein “Gefühl eines übersinnlichen Vermögens in uns” geweckt wird. Keine Spur von Transzendenz.
    Zugestanden, dabei kann es schon zu Verwechslungen kommen, da sich die beiden Gefühle doch sehr ähnlich sehen können.
    Interessant wäre in diesem Zusammenhang eine neurologische Untersuchung, ob die “Erhabenheit” oder Schönheit im gleichen Hirnareal produziert werden wie Gefühle religiöser Art (Transzendenz), wie sie bei Gebet oder Meditation auftreten können. Ich vermute, das wäre eine andere Kategorie.
    Wie komme ich darauf?
    Weil sowohl Atheisten wie Religiöse”Erhabenheit” und Schönheit gleich empfinden können.

  15. Klara Brunner sagt:

    @ Pizpot Gargravarr

    Zu Ihrem posting an rabbi jussuf nur ein Detail. Glaube ist für mich kein “Gefühlchen” sondern etwas das weit darüber hinausgeht. Ob das neurologisch einzuordnen ist? Ich verstehe unter Religion keine Gefühlsdusselei sondern das was das Wort in sich trägt. Und da denke ich, dass Konsum zwar Ersatzreligion sein kann, die aber dann versagt, wenns um Existentielles geht. Klar ist es schön genügend auf der hohen Kante zu haben und nicht von der Hand in den Mund leben zu müssen wie es offenbar wieder vermehrt Familien tun müssen.

    Für mich fehlt unserer Gesellschaft das Zuhören können ohne mit Ratschlägen um sich zu werfen. Aber auch das Zuhören können der eigenen innreren Stimme und das Fehlverhalten resp. eigene Fehler und Schwächen selbst eingestehen zu können. Ein gutes Bewusstsein seiner selbst – oder gefestigter Glaube, was m.E. ein Interpretationsträchtiger Begriff ist – können uns durch schwierige Situationen tragen.

  16. Klara Brunner sagt:

    @ alienus

    Das war klar eine Feier! Und das in der Kirche soll ja auch eine Feier sein! Aber ich bezweifle, dass feiern und Glaube sehr nahe bei einander liegen. Sie können täglich zweimal an einem Gottesdienst teilnehmen, fehlt ihnen die Religiosität, nützt das überhaupt nichts. Und da sind für mich schon Unterschiede. Das eine ist zu meinen man könne sich das Leben kaufen. Da wird man wohl in ernsthaft schwierigen Situationen scheitern. Das andere, was mit Glaube umschrieben wird, ist was ganz anderes. Kein Konsumrausch, kein Hochgefühl des Moments, sondern grade eben was Unkäufliches das sich nicht verflüchtigt wenn man es eigentlich brauchen würde. Vielleicht zerredet man diesen Begriff ja wenn man ihn etwas Bestimmten zuordnen will; denn grade das geht m.E. nicht. Wie Ihnen bekannt sein dürfte bin ich kein Kirchen- oder Religionszugehörigkeits-Verfechter. Aber durch Hoch und Tiefs müssen wir alle und da braucht man innere Stärke umdurch solche Krisen gehen zu können.

  17. Pizpot Gargravarr sagt:

    @Klara Brunner, 10. Juni 2015 um 15:14

    Zu Ihrem posting an rabbi jussuf nur ein Detail. Glaube ist für mich kein “Gefühlchen” sondern etwas das weit darüber hinausgeht.

    In der Tat hat RJ mit der Verwendung des Wortes “Gefühlchen” absichtlich oder nicht seine diesbezueglich offenbar hoechst fragwuerdige Einstellung zu (seiner eigenen oder aber mit Sicherheit zu) derjenigen Gefuehlswelt Anderer offenbart. Ich danke Ihnen fuer Ihren Input – werde hoffentlich heute abend noch eine ausfuehrliche Antwort an RJ richten.

  18. Pizpot Gargravarr sagt:

    @Rabbi Jussuf, 10. Juni 2015 um 12:23

    Dann sollten Sie ‘transzendental’ und ‘transzendent’ auseinanderhalten. Das sind nämlich zwei grundverschiedene Dinge, – ganz besonders, da Sie ja im gleichen Satz mit Kant daher kommen.
    Und da machen Sie es schon wieder: Sie geben jeglichem Gefühl einen transzendenten Inhalt. (transzendent meinten Sie wohl, nicht transzendental). Wenn Sie das machen, denken Sie doch bitte ein Schrittchen weiter.

    Vorab nur ganz schnell (heute abend folgt Ausfuehrliches dazu): Wenn transzendental steht, dann meint es auch transzendental – aber eben ohne jegliche Ueberdehnung von Begriffen. Mitnichten ist jeglichem Gefuehl Transzendenz beschert – aber es ist nicht erstaunlich, dass Sie dies so grob einstufen… Stichworte: Kybernetik/Optometrie

    Bitte machen auch Sie sich beim Lesen Gedanken, danke – denn man erkennt Wikipedia-Schnellbleiche…

  19. Pizpot Gargravarr sagt:

    @Rabbi Jussuf, 10. Juni 2015 um 12:23

    Interessant wäre in diesem Zusammenhang eine neurologische Untersuchung, ob die “Erhabenheit” oder Schönheit im gleichen Hirnareal produziert werden wie Gefühle religiöser Art (Transzendenz), wie sie bei Gebet oder Meditation auftreten können. Ich vermute, das wäre eine andere Kategorie.

    Zumindest erkennt man wiederum eine gewisse Ernsthaftigkeit…
    Siehe da: http://www.gehirn-und-geist.de/pdf/gug-02-02-s010-pdf/835227?file

    Verstoerend sind andererseits Ihre steten Untersellungen – wenn von transzendentalem Gehalt gesprochen wird, meine ich auch transzendental – und zwar genau in Bezug auf Kant, wenn von Uebersinnlichem die Rede ist; d.h. wenn von Ideen, Vorstellungen und Projektionen gesprochen wird (es geht eben nicht um Kants ‘Transzendentale Deduktion’. Lesetipp: “Reflexion und Dialektik im Zeitalter der Kybernetik” oder Hartmanns “Sartres Sozialphilosophie”).

    …Überdehnung des Begriffes, dessen Folgen Ihnen anscheinend nicht klar sind.

    Auf der Suche nach dem Grund unserer Missverstaendnisse bringen wir es aber schon noch auf den Punkt:

    Vermutlich liegt es darin begraben
    ! Transzendenz/Immanenz Introszendenz !

    D.h., die von Ihnen vorgeworfene “Ueberdehnung von Begrifflichkeiten” steht der “generellen Geringschaetzung von ‘Gefuehlchen’ gegenueber, insbesondere denjenigen, die sich auf ihre Beweggruende aus Projektionen, Vorstellungen, Ideen beziehen.

    Und da machen Sie es schon wieder: Sie geben jeglichem Gefühl einen transzendenten Inhalt.

    Eben gerade nicht jedem. Sie uebersehen dabei aber die transzendentalen Aspekte der Autonomie des sich selbst fundierenden Denkens innerhalb der Dialektik hoffentlich nicht?

    Schauen Sie, habe fuer Sie auch folgende, hoechst spannende und informative Lektuere im Netz gefunden:
    http://www.vordenker.de/ggphilosophy/gg_struk-min-theor-obj-geist.pdf

    Kurz: der Unterschied liegt wohl beim feinen Impuls ganz am Anfang, beim Ausloeser – sozusagen beim Axiom, das sich beim Gritibaenz erst im Ofen in Form eines Gewissens herausbildet…..

    Um es auf den Artikel herunter zu brechen: Ersatzreligionen fehlen nicht die Transzendenz, denn dieser Aspekt wird vom Individuum genaehrt (Kybernetisch: „man unterscheidet die objektive Transzendenz des materiellen Dinges und die subjektive Introszendenz des reflexiven Geistes” und zwar sowohl beim Beobachteten wie beim Beobachter).

    Sie duerfen auch gerne etwas zuwarten und die Info wirken lassen… s’ist auch nix Esoterisches dabei. Aber wenn wir ueber Relgion und Ersatzreligion reden, dann gehoert die eigene Wahrnehmung des Individuums mit all seinen Gefuehlen und ‘Gefuehlchen’ nunmal einfach dazu.

  20. olive sagt:

    @ Nei nei Gwen
    10. Juni 2015 um 06:39

    “Olive, glauben sie denn selbst noch an dinge wie die klimaerwärmung, die klimakatastrophe?”

    It doesn’t matter how beautiful your theory is,
    It doesn’t matter how smart you are,
    It doesn’t matter what your name is.
    If it doesn’t agree with the experiment,
    It’s wrong.

    Richard Feynman

  21. aqua sagt:

    @ Hugo Stamm

    Stamm: “Ich bin aber überzeugt, dass die Konzentration auf hedonistische Werte die Abkehr vom Religiösen begünstigt.

    Das sehe ich auch so. Nur mag ich nicht in den Abgesang des Religiösen einstimmen. Es ist nämlich so, dass auch die stärkste Konzentration auf weltliches langfristig gesehen in sich zusammenfällt. Dies einfach, weil unser so hoch geschätzte Kapitalismus langfristig nicht glücklich macht. Wer alles hat, dem bringt ein Kaufrausch keine Befriedigung. Die bekommt nur jener, der vorher eben nichts hatte. Aber der volle Bauch tut einfach nur weh, wenn weiter gestopft wird.

    Es liegt für mich auf der Hand, dass diese Pendel auch wieder in die andere Richtung schwingen wird. Nämlich dann, wenn die Mehrheit keine Erfüllung findet und die innere Leere auch mit dem stärksten Rausch nicht weg bringt.

    Sie schreiben ja selber, dass “Religiöse oder spirituelle Bedürfnisse … tief in unserem Bewusstsein verankert” sind. Wie um alles in der Welt sollen solche Bedürfnisse denn mit z.B. Fussball befriedigt werden? Natürlich kann man sich ablenken, und genau das tut die Mehrheit der Menschen ganz erfolgreich. Nur eben, auch die beste Ablenkung kann das eigentliche Bedürfnis nicht stillen.

    @ Bamberger

    Was halten Sie von http://www.domradio.de/themen/vatikan/2015-06-10/neue-gerichtsstelle-gegen-vertuschung-von-missbrauchsfaellen-durch-priester

    Nützlich oder Feigenblatt?

  22. andersen sagt:

    @Rolf Müller

    Reichtum ist relativ.

    Selbst der Adolf Muschg findet; “dass die Schweiz ein strukturelles Problem hat, was der direkte Demokratie betrifft.
    Und das kann sich nur ein Kleinstadt leisten, die so gut wie keine Aussenpolitik braucht.
    Der Traum von Autonomie, die der SVP die Menschen vorspielt, ist ein Votum gegen die Realität”.
    Und beim vielem Schweizer herrscht die grosser Angst vor einer Einmischung des Staates, aber dieser Druck, die sie haben, machen die Leute sich selber.
    Wer die Schweiz kennt, weiss, dass die Probleme hausgemacht ist.

    Aqua

    Viele Menschen sind daran gewöhnt, wenn sie sich langweilen, müssen sie sofort unterhalten werden und die Erwartung sind so gross, dass ihre Bedürfnisse ohne Aufschub befriedigt werden muss, wie Sie richtig schreibt;, das innere kein Erfüllung findet.
    Ein guter Buch finde ich:

    Jürg Frick
    “Die Droge Verwöhnung”
    Er ist Entwicklungspsychologe und Professor an der Pädagogischen Hochschule in Zürich.

  23. Hypatia sagt:

    aqua am 10. Juni 2015 um 21:09@ Hugo Stamm

    Stamm: “Ich bin aber überzeugt, dass die Konzentration auf hedonistische Werte die Abkehr vom Religiösen begünstigt.”

    “Das sehe ich auch so. Nur mag ich nicht in den Abgesang des Religiösen einstimmen.”

    Ich bin nicht überzeugt davon, dass die Hinwendung zum Hedonismus die Abkehr vom Religiösen begünstigt, auch wenn man dies auf den ersten Blick so verstehen mag, als sei es die Hinwendung zum Hedonismus, denn tatsächlich lässt sich dasjenige, was die Abkehr vom Religiösen begünstigt, nur entdecken, wenn man sich darauf besinnt, was sich in dieser Hinwendung zum Hedonismus verbirgt. Was sich darin verbirgt, ist die Abwendung vom Beängstigenden oder vom Unheimlichen. Es scheint, als müssten wir uns Heutige nicht mehr mit diesem Unheimlichen auseinandersetzen, ja es scheint, als ob dieses Unheimliche seine Macht verloren hat, die es einstmals über den Menschen hatte, denn das Unheimliche (Tod, Krankheit, Angst, Armut, Vereinsamung, Entsetzen vor dem Unvorhersehbaren, das alles zersetzende “Böse” etc.) wird heute seinerseits vom Wissen beherrscht und in die Schranken verwiesen.

    Es sind denn heute vor allem jene “Schichten” oder “Klassen” oder “Gesellschaften”, denen der Zugang zum Wissen abgeschnitten ist, also vor allem die ärmeren Bevölkerungen auf dieser Erde, für die das Religiöse noch immer seine Bannkraft über das “Grauen” auszustrahlen vermag, sodass es sie vermeintlich davor schützt, denen auch der Zugang zu einem hedonistischeren Leben verwehrt bleibt und denen die Erfahrung des Religiösen nicht nur unmittelbar bewusst ist, sondern deren Leben auch weiterhin vom religiösen Glauben erfüllt wird.

    Der Bannfluch des Wissens gegen all das Bösartige und Unheilbringende und überhaupt gegen alle Unheimlichkeit des Lebens scheint aber nur von allzu oberflächlicher Natur zu sein. Kratzt man auch nur ein bisschen an dieser Oberflächlichkeit des vordergründigen Wissens, erscheint das Nihil, der jähe Abgrund noch unheimlicher als zuvor. Wir sind nur einen Schritt weit vom baren Entsetzen entfernt und übertünchen es nur allzu gerne mit dem scheinbar besseren Wissen, das uns alle Tage über und in unsere Köpfe gestreut wird! Und ist es nicht gerade dieser Hang zur Zerstreuung, der uns mit den “Freuden des Lebens” ja scheinbar auch noch empfohlen wird, – auf dass wir vergessen, was hinter Vorhängen und Vorgängen dieser glitzernden Welt an entsetzlichem Trübsal lauert – und zuschlägt? –

    Müssen wir, angesichts dessen, dass dem Wissen immer Grenzen gesetzt bleiben werden, nicht dem Glauben an etwas, was über alles Wissbare hinausgeht, wieder unser Vertrauen schenken? – Aber ist es nicht gerade diese Rückwendung zu den längst ausgetretenen Pfaden religiösen Glaubens, die uns in ihrer fundamentalistischen Fratze das Grauen erst recht und den Terror des Todes alltäglich vor Augen führen? – Gehört nicht gerade das Religiöse längst zur Geschichte des Grauens dieser Welt? – Haben wir die Religionen nicht längst in ihren Irrtümern durchschaut und als falsche Wege demaskiert? –

    Weder hedonistische Zerstreuung, die sich mit dem schnellen Wissen befriedigt, noch irgend ein demütiger und demütigender Kniefall vor irgend einem Gott werden uns jene so ersehnte Geborgenheit schenken können, denn beides erscheint uns wie eine Flucht vor der Realität. Was uns bleibt, ist, sie zu entdecken, unvoreingenommen und mit offenen Augen, und sie zu schützen, vor allzu gierigen Fingern der alles erniedrigenden Käuflichkeit.

  24. andersen sagt:

    Die grösste Ironie besteht darin, dass der Gott es gar nicht nötig hat angebetet zu werden.

    Ich denke, viele Menschen ist es gar nicht bewusst und schnallen, dass was wirklich nichts kostet, der grösste Wert ist.
    Weil viele glauben, dass der hohe Preis darauf hinweist, dass es etwas Tolles ist, was sie dafür überkommt.
    Und, dass sie gewöhnt sind, dass man alles kaufen kann.

    Spätendes wird der Mensch bewusst, wenn er/sie in Sterben liegt, dass man nichts mitnehmen kann.

    Die grösste Aufgabe finde ich, ist, dass man die Menschen so schnell wie möglich beibringt ein unabhängiges Leben zu führen, weil wenn ein Mensch ein andere Mensch braucht, ist sie kein Segen, nein, sie werden ein ewige Klebstoff sein.

    “Gibt ein Mensch ein Fisch und bringt ihm bei, selber zu fischen”

    Natürlich brauchen ein Kleinkind Nahrung und Zuneigung, aber man muss sie auch mit der Zeit bewusst machen, dass sie auch selber fähig sind, die eigene Schuhe zu binden und dass die Arme genau so gross gewachsen sind, dass sie der eigene Hintern selbstständig putzen kann.
    Dann brauchen sie im hohe Alter keine Sekten oder Esoterik, die sie sowieso nur was vorgaugelt, was eben fern von der Realität ist.

  25. olive sagt:

    @ andersen
    11. Juni 2015 um 00:03

    “Selbst der Adolf Muschg findet; “dass die Schweiz ein strukturelles Problem hat, was der direkte Demokratie betrifft.”

    Was heisst hier: selbst Muschg..Ist er eine Referenz?
    Er ist einer unserere Intellekuellen, der immer wieder sehr an der Schweiz leidet, ich glaube, schon immer.

  26. andersen sagt:

    Darum ist ein Christ nicht so dumm ein Atheist zu sein.
    Der Mensch lebt nicht alleine von Bananen.
    Fisch oder Vogel?
    Der Mensch als Kreatur?

    Nein, sogar die Römer warnte sogar von dieser “Entwicklung”:
    Fressen und gefressen werden.

    Hier ist der Mensch noch weit entfernt.

  27. Landeskirchler sagt:

    @andersen 00:03
    Muschg ist keine Referenz, einer der sich zu wichtig nimmt, als Literat ohnehin zweitrangig.
    Zu Dänemark: In der NZZ am Sonntag vom vergangenen Sonntag ist zu lesen, dass 423 Personen praktisch Dänemark bestimmen würden, und unter diesen 423 gäbe es nur wenige Politiker.
    In der Schweiz dürfte es nicht unähnlich sein.
    @ Hypatia 01:07
    Dank für Ihren tiefgründigen Beitrag.

  28. Klara Brunner sagt:

    @ Landeskirchler

    Ich nehme Adolf Muschg gar nicht so wahr wie Sie. Ob er nun erst- oder zweitrangiger Autor ist kann ich nicht beurteilen, Fakt ist, dass er einige wirklich “starke” Romane herausgegeben hat die es sich zu lesen lohnt.

    @ hypatia

    Ihren Beitrag nehme ich auch als tiefgründig wahr und könnte wohl nicht besser in Worte fassen, was sie geschrieben haben. Wir sind immer dieses Mü vom Abgrund entfernt; würden wir das wahrnehmen, wir wären gar nicht lebensfähig. Wir müssen uns in der einen oder anderen Art für den Alltag “rüsten”. Aber es ist auch hier – meines Erachtens – wie in allen Dingen wohl der goldene Mittelweg, der der “richtige” wäre. Und den zu finden sind wohl wenige in der Lage. Man (ich) schlägt in seinem Leben ab und zu über die Stränge und bekommt eins auf die Nase vom Leben, wenn man übertreibt. In unseren Breitengraden gibt es Ersatzbefriedigungen, die ich nicht verdammenswert, sondern völlig legitim und menschlich finde, die einem das eine oder andere Mal durchaus durch eine schwierige Situation helfen können. Gegen die wirklichen abgründigen Schicksalsschläge zeigen die allerdings keine Wirkung.

    Ich würde Ersatzbefriedigungen aber nicht auf unsere Lebenssituation beschränken. Es gibt sie durchaus auch anderswo, in sog. Ländern der dritten Welt. Möglicherweise auf anderem Niveau, basierend auf dem doch sehr unerschiedlichen kulturellen Hintergrund, aber es gibt sie weltweit. Ob man deswegen schon käuflich ist?
    Ich erachte Bildung als sehr wichtig, keine Frage. Aber die grossen Glaubensgemeinschaften tragen Verantwortung der sie gerecht werden sollten, denn ihre Exponenten haben und hatten Zugang zu umfangreicher Bildung.

    Und wo bleiben die ganz gewöhnlichen menschlichen Beziehungen wenns anderen schlecht geht, sie krank, gebrechlich sind? Wissen Sie, wieviele Menschen in Spitalbetten leiden und keine Besuche mehr erhalten weil die sog. “Gesunden” ihr Leid nicht ertragen, den Sterbeprozess nicht mittragen können weil der endgültig ist und schliesslich die unbegründete Angst vor dem erlösenden Tod…..

    Am Grossen rumbasteln, die Kirchenführer kritisieren und dergl. mehr, da riskiert man heute relativ wenig aber im Kleinen was bewirken da würde man eigene Substanz hineinlegen. Und die fehlt vielen einfach ob der Hektik unserer Zeit. Und genau da, denke ich, wäre eine Basis auf innerlicher Stärke beruhend (die nichts Grossartiges sucht) wichtig. Dazu gehört beides. Bildung und das Bewusstsein betreffend Endlichkeit des menschlichen Lebens, der Ohnmacht gegenüber grossen Schicksalsschlägen oder Naturkatastrophen.

  29. Klara Brunner sagt:

    @ hypatia

    Ists die Ungewissheit, die Unvorhersehbarkeit des Lebens……die uns oft so unvorbereitet trifft und unerträglich scheint…und doch eigentlich zum Lebben dazugehört?

  30. Klara Brunner sagt:

    @ andersen

    Ganz so einfach ist es nicht. Aber im Grund der Dinge habne Sie Recht.

  31. aqua sagt:

    @ Hypatia 11. Juni 2015 um 01:07

    Aber ist es nicht gerade diese Rückwendung zu den längst ausgetretenen Pfaden religiösen Glaubens, die uns in ihrer fundamentalistischen Fratze das Grauen erst recht und den Terror des Todes alltäglich vor Augen führen?

    Was ist denn eigentlich Religion? All der Terror in der heutigen Zeit hat doch nichts mit Religion zu tun. Sogar die organisierte Religionen haben oft wenig mit Religion zu tun… eher mit Geld, Macht und Einfluss.

    Gehört nicht gerade das Religiöse längst zur Geschichte des Grauens dieser Welt?

    Klar, wenn Sie beispielsweise die verblendete Vergötterung meinen, die in heilige Kriege ziehen lässt. Oder – um beim Ersatz zu bleiben – pseudoreligiöse Hooligan und Fankulturen.

    Haben wir die Religionen nicht längst in ihren Irrtümern durchschaut und als falsche Wege demaskiert?

    Wir haben das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, weil das Wasser so dreckig war und das Kind nicht zu sehen war. Ja, das haben wir gut hin gekriegt.

    Weder hedonistische Zerstreuung, die sich mit dem schnellen Wissen befriedigt, noch irgend ein demütiger und demütigender Kniefall vor irgend einem Gott werden uns jene so ersehnte Geborgenheit schenken können, denn beides erscheint uns wie eine Flucht vor der Realität

    Zurecht!

    Was uns bleibt, ist, sie zu entdecken, unvoreingenommen und mit offenen Augen, und sie zu schützen, vor allzu gierigen Fingern der alles erniedrigenden Käuflichkeit.

    Sie meinen, wir sollten die Realität schützen?

    Wie heisst es doch so schön: Alles ist Windhauch. Es gibt in dieser Welt keine Realität. Alles ist Windhauch. Was genau wollen Sie da schützen?

    Was uns bleibt, ist unser Selbst. Dieses Selbst ist die Realität. Und wir haben ein ganzes Leben lang Zeit, um dieses Selbst zu entdecken… (Ein “erfolgreiches” Leben ist also sozusagen desillusionierend!)

    Dieses ist es, was wir eigentlich gar nicht sehen wollen! Der Abgrund steckt tief in uns drin. Darum lässt sich der nicht verdecken mit irgend welchen weltlichen Dingen. Irgend wann haben wir alle Biere getrunken, alle Drogen konsumiert, alle Frauen gefickt, alle Häuser besessen, alle Autos gefahren, alles Wissen akkumuliert. Und der beschissene Abgrund drückt doch wieder durch. Und sobald wir uns mit ihm arrangieren, saugt er uns vollständig auf.

    Mir scheint, Sie suchen in der Welt das rechte Gleichgewicht. Der beste Weg, das richtige Mindset. Die wahren Werte.
    Ich denke, das gibt es alles nicht. Das schwappt einfach alles hin und her, und das tut es nur, um uns zu mahlen. Die Welt ist gar nicht das Ziel, sondern der Acker, in dem wir stecken.

  32. Klara Brunner sagt:

    @ aqua

    Haben Sie sich eigentlich schon mal bewusst gemacht wieviele vereinsamte Menschen in unserer Zeit der Machbarkeit leben? Kauft “man” sich da nicht mal ein Gespräch mit einer Verkäuferin, ein wenig Bewunderung, Trost, Bestätigung, was immer man ansonsten überhaupt nicht mehr bekommen kann?

    Es ist ja schön, dass Sie so tiefschürfen, aber für mich auch ein wenig Vorurteil behaftet. Wenn einem die Decke auf den Kopf fällt einfach mal hingehen und sich mit ganz Materiellem selbst beglücken? Ein schönes Bild, ein interessantes Buch, richtig tolle Schuhe oder Kleider oder so, und was es sonst so gibt bei dessen Kauf man jemanden den man gar nicht kennt in eine Unterhaltung verwickeln kann und sich nachher ein klein wenig wertgeschätzt fühlt.

    Ich erachte Konsum auch nicht als Kern-Lebensinhalt, aber als menschlich schon und verstehe, wenn der ab und zu gestressten, überforderten, vereinsamten Menschen (warum auch immer) so ein bisschen Glück vorgaukelt oder eben wirklich bedeutet. Wenn schon Kritik, die eigene Lebenshaltung resp. diejenige die in unseren Gesellschaften überwiegen hinterfragen. Können Sie selbst z.B. zuhören?

  33. Hypatia sagt:

    Klara Brunner am 11. Juni 2015 um 13:10@ hypatia

    “Ihren Beitrag nehme ich auch als tiefgründig wahr und könnte wohl nicht besser in Worte fassen, was sie geschrieben haben.”

    Mein Beitrag möchte in der Tat an etwas “Tiefgründiges” erinnern, es liegt tief verborgen in der Geschichte

    . . . .

    “Und wo bleiben die ganz gewöhnlichen menschlichen Beziehungen wenns anderen schlecht geht, sie krank, gebrechlich sind? Wissen Sie, wieviele Menschen in Spitalbetten leiden und keine Besuche mehr erhalten weil die sog. “Gesunden” ihr Leid nicht ertragen, den Sterbeprozess nicht mittragen können weil der endgültig ist und schliesslich die unbegründete Angst vor dem erlösenden Tod…..”

    Gibt es die Geborgenheit ohne den Anderen? – Gehört zu ihr nur das Mitfreuen mit dem Anderen, sondern auch das Mitleiden mit dem Anderen? Diese Geborgenheit mit dem Anderen ist durch kein Geld der Welt zu bezaohlenl

  34. Hypatia sagt:

    aqua am 11. Juni 2015 um 21:12@ Hypatia 11. Juni 2015 um 01:07

    “Sie meinen, wir sollten die Realität schützen?”

    “Weder hedonistische Zerstreuung, die sich mit dem schnellen Wissen befriedigt, noch irgend ein demütiger und demütigender Kniefall vor irgend einem Gott werden uns jene so ersehnte Geborgenheit schenken können, denn beides erscheint uns wie eine Flucht vor der Realität. Was uns bleibt, ist, sie zu entdecken, unvoreingenommen und mit offenen Augen, und sie zu schützen, vor allzu gierigen Fingern der alles erniedrigenden Käuflichkeit.”

    Was suchen wir?

  35. andersen sagt:

    Hypatia fragt: Was suchen wir?

    Ich denke, dass was der Verstand nicht begreift.
    Der Mensch hat gesehen und gehört.
    Der Mensch dürften spüren und das Wesentliche und der Wesentlichen mit der Herz sehen.

  36. Rolf Müller sagt:

    @ andersen
    Ja, der Verstand würde ewig hin- und her überlegen und sich doch nicht entscheiden können, da bekanntlich alles Vor- und Nachteile hat.
    Solches kleinkrämerisches Abwägen und Grübeln beenden kann nur das Herz!
    Die Gefühle geben am Schluss immer den Ausschlag und kippen die Waage der unbestechlichen Justizia, indem sie die Waagschalen auf die eine-, oder andere Seite drücken.
    Sind die Gefühle angestaut, dann werden sie so stark sein, dass selbst der gebildetste Verstand sie nicht mit vernünftigen Argumenten zurückzuhalten vermag…

  37. Pasionaria sagt:

    Alienus

    Dein spritzig geschildertes Auto-Erlebnis mit der fetten Familie, im Anschluss an deren Kauf eines 7-türig-dicken Audis Q7…..(oder sowas), sollte eine unter unzähligen religiös anmutenden Seligsprechungen sein. Denken wir z.B. auch an die alljährlichen Siegesrituale bei den Cupfinalspielen im Fussballl.
    Jeder Spieler geht nach dem Spiel zur Siegerehrung am ‘Altar’ beim Fifa-Funktionären (Oberpriester) vorbei und fasst seine Medaille (Hostie) und trinkt einen Schluck (Wein…..) aus dem Pokal.
    Dabei werden Lieder (Gebete) gemeinsam vorgetragen, wobei strenge Vorschriften gelten, genauso in den Stadien wie in der Liturgie.
    Wie beim religiösen Glauben ist der Glaube an seine Mannschaft vom Herzen anstatt vom Verstand gesteuert.

    Dir, Alienus, als ausgewiesener Etymologiekünstler muss ich ja die Bedeutung von > Fan eigentlich nicht darlegen. Aber für die andern: die Bezeichnung leitet sich ursprünglich von “fanaticus” ab, was so viel bedeutet wie “religiös schwärmerisch, von der Gottheit ergriffen”.

    Der Vergleich von gesellschaftlichen Konsumgütern, wie Fussball mit Religion ist durchaus gegeben, überall wo der grosse Rubel rollt, sind sie auf der Stelle > Fusballvereine und deren Oberinstitutionen, ebenso wie Glaubensvertreter.und deren Institutionen.

  38. aqua sagt:

    @ Hypatia “Was suchen wir?

    Ah, jetzt. Da war ich wohl zu müde gestern.

    Geborgenheit – ja, das trifft es nicht schlecht. Vielleicht finden wir uns, wenn wir das, was da in der Welt passiert, nicht mit der “Aussensicht”, sondern mit der “Innensicht” zu erklären versuchen. Mir scheint, wir kommen so dem Problem viel besser auf die Spur.

    Lassen Sie uns das “Ich bin nicht überzeugt davon, dass die Hinwendung zum Hedonismus die Abkehr vom Religiösen begünstigt,..” mal sozusagen von Innen ansehen:

    Geborgenheit – ich würde es innere Ruhe nennen – ist jenes, das uns glücklich macht. Das Übel der heutigen Zeit besteht darin, dass die Welt alles unternimmt, um uns aus dieser Ruhe zu reissen. Mir scheint, die Welt verlangt von uns, immer noch schneller zu sein. So, dass wir am Schluss derart am Rennen sind, dass es uns bei einem kurzen Stillstand schon fast den Magen dreht.

    @ Klara Brunner: “Es ist ja schön, dass Sie so tiefschürfen, aber für mich auch ein wenig Vorurteil behaftet.

    Wissen Sie, das ist typisch Stammblog. Wenn ich etwas als Idealzustand beschreibe, kommt sofort der Einwand, dass das nicht so ideale auch berechtigt sei. Ja, klar ist es das. Wenn ich z.B. von innerer Ruhe schreibe, dann ist auch mir klar, dass man diese nicht 24/7 halten kann. Ich sage nicht mal, dass man das sollte. Mir ist klar, dass unser Bewusstsein verschiedene Stufen kennt (z.B. hell wach, wach, müde, schlafend, träumend) und diese auch tagtäglich durchläuft. Somit ist es möglich, dass man am Mittag ein T-Shirt kauft, und am nächsten Morgen einsieht, dass man eigentlich nur ein Gespräch mit einer Verkäuferin wollte. So was nennt man wohl Einsicht. Der nutzen davon ist, dass man sich dann z.B. entschliessen könnte, sich einem Chüngelizüchter-Verein anzuschliessen und den Kleiderschrank damit zu entlasten – resp. ein Bedürfnis längerfristig zu befriedigt.

    So gesehen ist es eben schon vorteilhaft, ab und zu zu einer wahren inneren Ruhe zu finden. Das lässt sich ja durchaus trainieren.

  39. Der grüne Heinrich sagt:

    Einmal dachte ich wirklich, Bamberger sei blöd. So verirren kann sich der Mensch! Hugo Stamm schimpfte ich dumm daher, frisch von der Leber, mit heissblütigem Herz, aber ohne Hirn.

    Dann bin ich scheinbar aufgewacht. Einen edleren Menschen als Bamberger kann man suchen, aber kaum finden. Okay, Stamm, der Gute, ist der Beste, aber Sir Michael hat es mich gelehrt.

    Was aber für mich das Schönste ist in diesem Blog (Steinlaus, hör mit…):

    Ich wähnte mich erwacht, auch durch Edi Bruggers Zuspruch (RIP?).

    Aber auch das war ein Wahn!

    Und ist es noch.

    Aber Alienus und Pasionaria, gerade die, haben mir in diesem Blog subtil und trotz!!!!!!!!! allem die Hand gereicht. Das ist etwas, was ich so nicht kenne. Gerade, weil mir klar ist, dass jetzt wieder alles in Kitsch abdriftet. Aber diese Worte halte ich hoch, trotzdem. Das Menschliche lebt.

    Es wird auch vorgelebt.

    Glaubt es mir, Kinder der Aufklärung, weil ich es ehrlich zu wissen vermeine… Ach!

    Ja!

  40. Alienus sagt:

    @Pasionaria vom 12.06.2015 um 16.47

    Trotz alle dem, dass mein Herz für Wissenschaft und Technik schlägt, möchte ich nun ein Etymologieverbesserer sein!
    Da ist die Sache mit dem „Fan“, die mir eigentlich nicht so richtig behagt.

    Denn es scheint mir, dass die Basis auf „fanatisch“ nicht stimmig genug sein kann. Heutig könnte man im ersten Moment dies sicher für sinninhaltlich logisch halten, aber da gibt’s es den interessanten Hinweise, dass die Bezeichnung „Fan“ aus dem mittelalterlichen Jägerbereich abstammt und offensichtlich eine kontinentale altgermanischer Abstammung besitzt. Im Französischen z. B. das gemeinte Tier „Faon de biche, auch Faon oder Fan genannt“ ….. (nach Oeconomische Encyklopädie von J. G. Krünitz, 1773).

    Es meinte die weiblichen (geschlechtsreifen) Hirschkälber, welche bei den ritualisierten Brunftkämpfen der Hirschböcke um diese sich öfters ringförmig versammelten. Man kann es noch heutig beobachten, wie die Hirschkühe scheinbar gelassen dem Kampf der gestressten Platzhirsche zuschauen und dann vom Sieger „erwählt“ werden. Und sogar in der heutigen Zeit hat dieses Verhalten auch bei den Menschen seine Wirkung und Anwendung.

    Nun, dies ist eigentlich eine recht passive Haltung innert des „Fansystems“ um m. E. den historischen Hintergrund besser zuordnen zu können. Möglicherweise hat man sich bei der Zuordnung der Abstammungsbasis des Begriffes „Fan“ sich etwas geirrt.

    Sicher ist nur, derzeitig scheint eine immer größer werdende Gruppe von bestimmten Fans ideologisch eher von dem Fanatismus abzustammen und sich auch noch zu diesem hingezogen fühlen, aber man sollte doch die „echten“ Fans am Balzplatz, äh ….. Bolzplatz belassen.

    PS: Untersucht man die sprachliche Abstammung von z. B. „Boxen-Luder“ beim Motorspot F 1, so kommt man auch hier wieder mit der Bezeichnung „Luder“ in die alte Jägersprache!

  41. olive sagt:

    @ Alienus
    13. Juni 2015 um 03:53

    interessant, aber ob das einen dirketen Zusammenhang zu Fan hat?
    “Le mot « faon » peut désigner le jeune de différentes espèces, notamment celui du cerf, du chevreuil, du daim, du renne”

    es nimmt keinEnde:

    En ancien français le mot fait feün, foün (« petit d’animal » (→ voir fawn en anglais), provenant du latin vulgaire feto, fetonis « petit d’animal », à rapprocher du latin classique fetus (→ voir fœtus).”

    und auch

    htp://synonyme.woxikon.de/synonyme/fan.php

  42. Alienus sagt:

    @olive

    Schwierig! Schwierig, was Sie da anstoßen! Aber versuchen wir es einfach. Natürlich ohne einer Gewährleistung auf Richtigkeit!!!

    Setzt man ne wilde These in die Welt und meint folgendes: Fan kommt nicht nach dem fanatisch, sondern fanatisch leitet sich vom Fan ab, so kann man ein eher passendes Schuhwerk daraus machen.

    Denn geht man vom „Fan“ als Substantiv aus, so ist diese Kreation sicher vor dem Adjektiv „fanatisch“ dagewesen und hat somit die Basis für die weiteren und erweiterten sprachlichen Entwicklungen gelegt. Die Schwierigkeit liegt sicherlich darin, dass z. B. Fan und seine Erweiterungen in der lateinischen, französischen und der germanisch-altdeutschen Sprache zugleich vorkommen, aber im Deutschen noch zusätzlich die Bezeichnung für junge, sich vor der Geschlechtsreife befindliche Tiere verschiedener Gattungen wie Katzen, Hunde, Ziegen, Schafe, natürlich Rehe uam. gebraucht!

    Eine wahrscheinliche Ableitung vom Begriff „Kitz“, welcher nur im deutschsprachigen Raum gebraucht wird, kann man bei der Lautnachahmung durch zirpenartiger Such-, Angst- und Mutterschreie ableiten, wobei die Kleintiere ihr Maul flennartig verändern. Der Begriff „Fan“ ist wohl artgleich für die romanischen Sprachen adäquat zu übersetzen.

    Das Kitz war sicherlich ein Lockruf von und für Jungtiere der o.g. Gattungen und ist dann auf diese übergegangen.
    Der Flenner ist somit ein Heuler, ein Weiner. Ob es da eine sinnhafte Verbindung gibt müsste untersucht werden.
    Fetus meint ein Junges (Tier).

    Infans meint Kind (Latein, in einer Übertragung: Fans (Kleinkinder mit den lateinisch-griechischem Präfix in mit der Bedeutung mit oder bei Eltern sowie in der Familie)).

    Vermutlich ging diese Bezeichnung später in der Jagdszenerie auf die im Kreis stehenden Rehjungen, die der besagten Balz zuschauten, über. Später könnte diese Bezeichnung Fan auf die feiernden Mitglieder bei der ringförmig angeordneten Liturgie für die Götter übertragen worden sein. Da die Baumkronen runde Grundrisse haben, ist erklärlich, warum die Naturgötter im Kreisrund stehende Fans als Mitfeiernde hatten.

    Da auf dern britischen Inseln die altgermanische Sprache nicht mehr dem zentraleuropäischen Sprachbereich ausgesetzt war, konnten sich dort solcherart von altgermanischen Bezeichnungen wohl besser erhalten als in Mitteleuropa und tauchten im 18./19. Jahrhundert als „neue englische” Wortschöpfungen auf.

    Es gilt auch hier: Wer suchet, der findet. Nun, wenigstens brauchbare Fragmente.

  43. Pasionaria sagt:

    Alienus
    cc olive

    Madre mia – nicht nur zeichnest Dich als Etymololgie-Experte aus, nein, Du naeherst Dich zusaetzlich der Translationswissenschaft….. Bekanntlich hat diese nicht nur das Erforschen von Worten zum Ziel, sondern vermittelt vorallem deren Ursprung resp. deren Ziel- und Ausgangskultur.

    In Zusammenhang mit ‘unseren’ > Fans ist dies natuerlich ‘tierisch-bruenstig’ interessant und macht vorallem Sinn.

    Aber, Meister Alienus, kannst Du uns verraten, wo Du Dein ausgefallen-anregendes Wissen herholst?

    P.S. Nun ist wieder buenas noches angesagt – asi descansan!

  44. Rolf Müller sagt:

    Ich bin ein Fan der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft!
    Mit Embolo und Shakiri haben wir jetzt einen Afro-Balkan-Power-Sturm!
    Mit “italienischem” Minimalismus haben wir den budgetierten Sieg gegen Lettland eingefahren!
    Mit Hitzkopf Lichtsteiner haben wir einen Konvertiten in unseren Reihen, der italienischer ist, als die Italiener, der ständig ausruft und gelbe Karten riskiert, der aber auch die italienische Spielweise auf dem Feld umsetzen kann.
    Zum Erfolg beigetragen haben aber auch alle anderen!
    Ich picke beispielhaft den ungestümen Bayrami heraus, der hinten unerschrocken in die Zweikämpfe rein geht und aufräumt!
    Aber auch ausserhalb vom Spielfeld sind wir bestens aufgestellt!
    Mit dem humorigen Komentator Sascha Ruefer bleiben wir auch im Falle einer Niederlage locker!
    In diesen Tagen gibt es auch Frauen-Fussball zu geniessen (leider wegen der Zeitverschiebung erst zu später Stunde).
    Die spielen auch immer besser!
    Am Frauenfussball gefällt mir besonders, dass es keine groben Fauls gibt.
    Frauen sind eben einfühlsam und achten auf schöne Beine, und das ist auch gut so!

    Was hat das mit unserem Thema zu tun?
    Direkt nicht viel, aber indirekt schon, da ja bekanntlich alles zusammen hängt, via “kybernetische Wechselwirkungen”.
    (Hie und da ein akademisches Fremdwort einflechten steigert die Autorität…)
    Nach knapp gewonnenem und haushoch verlorenem Abstiegskampf (bitte ein Komentar von Sascha Rufer dazu!) beruhigen sich meine Emotionen wieder und der sachliche Verstand macht sich an eine erste Analyse:
    Nein, die GegnerInnen sind doch nicht “des Teufels”!
    Der Nachteil eines Demokratischen Staatswesens, wie auch einer Genossenschaft, besteht wohl darin, dass sich jede und jeder dazu berufen fühlt, seine Meinung(!) zum Ausdruck zu geben, auch wenn die andern sie vielleicht gar nicht hören wollen, weil sie zum kotzen ist, oder irre.
    Das führt dann zum Dauerknatsch, mit verknorzten, zuweilen gehässigen Auseinandersetzungen zum Beispiel über einen “Service Public”.
    PolitikerInnen streiten darüber, was dieser darf und nicht darf, soll, oder nicht soll, und wieviele Mittel dieser zur Verfügung gestellt bekommt.
    Die eifrigsten Teilnehmer an solchen ermüdenden “inhaltlichen Diskussionen” sind diejenigen, die solche demokratischen Genossenschaften im Grunde gar nicht wollen, weil sie entweder stramme Bürgerliche sind, oder stramme Revolutionäre, also Leute mit -wie auch immer geartetem- “erzieherischen Auftrag”.
    Wen wundert’s, wenn sich immer mehr Stimm- und Wahl-Abstinente angewidert von diesem verkorksten Theater abwenden?
    Aber wenn diese Fundamentalisten erst einmal unter sich sind, nachdem sie uns mit ihrem langweiligen, einschläfernden, wichtig tuerischen Geschwafel aus dem demokratischen Prozess raus geekelt haben, wird es nicht besser! Ganz im Gegenteil!
    Also lassen wir die Leute von srf Radio und Fernsehen doch einfach machen!
    Die sollen tun, wonach sie Lust haben und was ihnen ihre Leidenschaft und ihr technisches Know how ermöglichen!
    Dann kommt es sicher nicht schlecht!
    Es ist doch immer erfrischend, wenn jemand seiner “inneren Stimme” folgt!
    Diejenigen die das gut finden, ziehen mit.
    Die andern gehen eben einen andern Weg.
    Das wäre ein “Service Public”, etwas, was die “Privaten” nicht zustande bringen können,
    weil die “gekauft” sind.
    Darum würde ein freier Service Public die Privaten auch nicht konkurenzieren,
    sondern eine Art “Naturschutz-Biotop” für eigenwillige KünstlerInnen sein, wärend die Privaten ungestört ihren Massenschrott produzieren und verkaufen könnten.
    Na, wie ist diese Lösung?

  45. olive sagt:

    @ Alienus
    15. Juni 2015 um 13:28

    “Vermutlich ging diese Bezeichnung später in der Jagdszenerie auf die im Kreis stehenden Rehjungen, die der besagten Balz zuschauten, über.”

    Auf Grund des Konsums von unzähligen Tierfilmen kann ich sagen, dass die Mütter mit ihren Kitzen in gewisser Entfernung vermeintlich unbeteiligt weiter grasen ( natürlich wissen die Mütter trotzdem genau, was passiert, der Unterlegene muss flüchten und der Sieger darf seine Gene weitergeben ) die Kitze sind also nicht etwa nah bei den Kämpfenden, das wäre gefährlich.

    Ob also “faon” mit Fan was zu tun hat, scheint mir fraglich.

    Auf dem französischen Wiktionnaire gibt es noch mehr Deutungen.

    “Faon” selbst leitet sich laut so ab.

    “Etymology

    From Middle French, from Old French feün, from Latin fētus (via Vulgar Latin fētō) also Foetus.

    Weiter ist Fan ein Ventilator, z.B. als Chassis-Fan am PC.

    Kitz im Duden u.a.:

    übergehen

    (Jägersprache) (vom weiblichen Schalenwild) kein Kalb oder Kitz haben Synonyme zu übergehen den Besitzer wechseln fortschreiten , hinführen , kommen zu, überleiten , [über]springen, [über]wechseln, sich zuwenden abwandern , desertieren , überlaufen , wechseln umschlagen , sich umstellen, sich [ver]ändern, sich verwandeln, werden ; (gehoben) sich wandeln abfärben , anstecken , sich auflösen, ausstrahlen , sich auswirken, einwirken , sich [ver]mischen mittelhochdeutsch übergān, übergēn, althochdeutsch ubargān Besitz eines anderen werden Beispiel das Grundstück wird in den Besitz der Gemeinde, in fremde Hände, vom Vater auf den Sohn übergehen mit etwas

    Tasächlich, es nimmt kein Ende.

  46. Alienus sagt:

    @olive

    Wohl richtig, dies Endlosigkeit. Wir werden sicherlich nicht den wirklichen Ursprung ermitteln, denn zu viele Variationen und Nebenverzweigungen haben sich zu uns weiterentwickelt. Wobei wir berücksichtigen sollten, dass sich das Lateinische und Germanische im indoeuropäischen Sprachentopf in der Verwandtschaft wiederfinden.

    Jedoch sollte man nicht vergessen, dass im Französischen neben den gälisch-keltischen, römisch-lateinischen auch die germanisch-westfränkischen Quellen zu beachten sind. Dort scheint es eine arg lustige Verquickung von diesen Abstammungen zu geben. Offensichtlich sind in den bäuerlichen, jagdlichen, bau- und handwerklichen, administrativen und kriegerischen Sprachbereichen die germanischen Einflüsse recht dominant.

    Ein extrem lustiges Beispiel ist die französisch-schweizerische Terminologie „Fiche“, die für Dokumentation steht. Die allermöglichste Ableitung der Quelle erfolgt über den germanischen „Besen und wischen, fegen, putzen“! Ist auch historisch logisch und nachvollziehbar. Bin mir nicht sicher ob hierbei die Schwaben mit ihrer schwäbischen Kehrwoche nicht doch den größeren Einfluss hatten und das Gebiet der heutigen CH jahrhunderte zumschwäbischen Herrschaftsbereich gehörte.

    Hatte auch schon beispielsweise heftige Diskussionen über den wunderbaren Begriff „Chauffeur“, welcher soooooo französisch klingt / tönt, aber offensichtlich von der germanischen Bezeichnung „Schaufler“ für Heizer abstammt. Wenn man hierbei berücksichtigt, dass junge Schweizer als urfreie „Chauffeure“ mit ihren heißen Öfen derzeit auf südgermanischen Autobahnen sich illegale und hochgefährliche Autorennen leisten, bekommt das „Heizen“ wieder einen toppaktuellen Sinn.
    😉

  47. andersen sagt:

    @Rolf Müller

    Wie würde Sie selber auf der Feld gehen?
    Als Verteidiger, Stürmer oder ins Mittelfeld?
    Die Probleme, die in der Schweiz ist; viele denken immer noch, sie sei besser als andere.

    Eine Debatte wird nicht geführt, weil die Schweiz ist politisch isoliert und sie gehören kein Sicherheitsallianz an.
    Die Solidarität mit die europäischen Nachbarn wäre zum Beispiel ein Thema.
    Oder flankierte und begleitende Massnahmen, wie Lohnschutz und Wohnungsbau?

    Wie gesagt, die Freidenker üben die Sprachhygiene, es gibt ja nichts anderes, womit sie sich aufgeilen kann.

    Grüss Gott………..

    @Häfliger

    Ja, ich denke, dass ich der Bibel kennt und dort drinnen steht nichts von ein Papst, eine Nonne oder ein Mönch, darum verstehe ich nicht warum, dass sie es noch in der 21ste Jahrhundert pflegt.

  48. Alienus sagt:

    @Pasionaria

    Ist da nicht etwas von Glycyrrhiza glabra geraspelt worden? Bin doch kein Experte sondern nur ein Amateur.

    Um diese Frage zu beantworten muss ich zu einer etwas getrübten Stunde meines Seins zurückgehen. Denn nach einem Zeckenstich und der folgenden Borreliose-Erkrankung mit einem mehrtägigen Blutdruck von 360 / 240 mm Hg hatte ich einen mentalen Absturz, der folgend endete: Verluste der Spracherkennung, des Sprachverständnisses, der Grammatik und Orthographie, der Lesefähigkeit, extremste Gedächtnisverluste, wobei ich nicht mal mehr wusste, wer diese nette Frau war und welchen Namen sie hatte, die sich um mich so sorgte. Und noch weitere körperliche „Nettigkeiten“. Nun, meine Silvana fragte mich andauernd, warum ich so oft die Zeitungen auf dem Kopf stehend lesen möchte. Ein heftiges Problem war auch, als ich mich in einer Nacht im Wohnzimmer verirrt hatte und stundenlang nicht heraus finden konnte. Über die linksseitigen partiellen und temporären Lähmungen im Fuß- und Handbereich, Sehstörungen, Gehörausfälle, räumliche und zeitliche Desinformierungen möchte man detailliert nicht weiter eingehen.

    Gar lustig ist es nicht, wenn man in der ansonsten vertrauten Stadt sein Fahrzeug abstellt und dann vergisst, in welcher Stadt man ist, wo man sein Auto abstellte, welches Auto es überhaupt sei, das Kennzeichen, der Typ und die Farbe, einfach aus der Birne entfleucht und dann zweifelt, ob man mit dem Auto gekommen ist und überhaupt. Wer ist man, wo ist man, warum ist man dort, wohin möchte man hin und warum auch, wo ist der Zettel, den man sich eventuell notiert hatte um das Ziel nicht zu vergessen und überhaupt. Was soll das alles? Alles ist so fremd. Alles unbekannt.

    Nun, einige wenige dieser Dinge sind noch heuer vorhanden, aber die Sprach- und Wortlosigkeit habe ich nach der Art von C.G. Jung und der von ihm propagierten archetypischen Traumbilder überwunden. In Kürze: Eine traumhafte Göttin mit dem aussagekräftigen Namen „Verbalia“ erschien mir im Traum und zeigte mir eine eindrucksvolle Möglichkeit, meine immer mehr schwindende Sprachlichkeit zu stoppen und sogar wieder zu erlangen.

    Ein Fazit dieses Vorganges ist: Die Sprache ist ein zu wichtiges Gut, sie beinhaltet eine explosive Kraft, die man sicherlich erst erkennen kann, wenn man sie verloren hatte. Durch diese Erscheinung der offensichtlich altgriechischen Göttin Verbalia habe ich den entscheidenden Impuls erhalten, mit bestimmten Ritualen den bisherigen Zustand zu erreichen und sogar noch darüber hinaus zu gehen.

    Aber das ist eine andere Geschichte.

  49. Alienus sagt:

    @olive

    Info: The word fan comes from Middle English, winnowing fan, from Old English fann and from Latin vannus. Wiki engl.

    Lat. „Vannus“ ist eine Futterschwinge. Lat. „vanno“ für schwingen. Dies abgeleitet aus lat. „ventus“ für Wind.
    Das ist das alte Prinzip der Windschaufelräder bei Dreschmaschinen und der zugehörigen Korntrennern (Korn vom Spreu) und heutig auch bei Strahltriebwerken.

    Also ist die gemeinte Bezeichnung „Fan“, aus der Funktion der Gebläse und Lüfter aus der Grundform der Rotationsblätter, die im Grundsatz Schwingplatten sind, abgeleitet und haben somit wirklich keine sinninhaltliche Beziehung zu unserem „Fan“. Dies ist ein sprachlicher Zufall zwischen Fan (Anhänger) und Fan (Lüfter, Turbinenblatt).

  50. Pasionaria sagt:

    Alienus

    “Ist da nicht etwas von Glycyrrhiza glabra geraspelt worden?” – Keineswegs, hoechstens etwas von Radix-Liquiritiae-Droge, die laesst sich jedoch nicht raspeln, nur (mit-)teilen…….

    Ist ja krass, diese Historie, absolut aussergewoehnlich und kaum nachvollziehbar. Da bleibt dem geneigten Leser nur staunen, leer schlucken und die Bestaetigung, dass auch Glueck im Unglueck entstehen kann. Wobei – muss ich eigentlich zu allerletzt Dir sagen – das Wort Glueck eigentlich vom mittelhochdeutschen «geluecke» abstammt, das den zufaelligen Ausgang einer Angelegenheit bezeichnete; was in Deinem Falle zweifellos nicht der Fall war.

    Da sieht man wieder mal, wie das verzwickte Leben so unendlich vielfaeltig und ueberraschend sein kann. Und gerade in solchen, oder nur in solchen Momenten gibt es Menschen, denen erscheinen heilige und andere sakrale Wesen, oder solche, die beanspruchen die Hilfe ‘verbaler’ GoettInen u.a.m.

    Am Ende erschien resp erfasste Alienus einfach ein frisch erstarktes Selbstbewusstsein! Aber wie man dadurch zum Profi-Amateur von Wort und Schrift werden kann – bleibt mir allerdings schleierhaft.

    Sei’s drum – diese Ungluecksgeschichte endete befluegelnd, nebenbei wahrscheinlich auch mehr dank der irdischen Silvana als der Goettin V…..

    So lebe der fantastische Ausgang dieser Geschichte mit der Erkenntnis, dass man erst gesund ist, wenn man wieder alles aussprechen, aufschreiben, erfassen, kurz, tun und lassen kann, was einem…… schadet…….

    Trotzdem solltest Du zukuenftig weniger heuen und/oder mit dem Hund ueber Wald, Weide und Gebuesch spazieren gehen etc…. dafuer lieber altgriechischen Goettinnen huldigen!

    P.S. Dein Posting 16.6. um 11.30h @ olive -……. deshalb wird der Ventilator auf engl. allgegenwaertig auch ‘fan’ genannt.