Logo

Der «Gottkönig» als tragische Figur

Hugo Stamm am Samstag den 7. Februar 2015
Hugo Stamm

Der Dalai Lama hat seinen Lebensmut noch nicht verloren. Foto: Reuters

Basel steht an diesem Wochenende im Bann eines «Gottkönigs»: Tendzin Gyatsho, der 14. Dalai Lama und 79-jährig, füllt zweimal die St.-Jakobs-Halle, die 6500 Personen fasst. Der buddhistische Mönch, der 1959 im Alter von 23 Jahren vor den Chinesen aus Tibet flüchten musste, jettet seit Jahrzehnten wie ein Superstar durch die Welt und verzaubert mit seinen Unterweisungen ein Millionenpublikum. Selbst hochrangige Politiker buhlen um seine Gunst und sitzen dem Nobelpreisträger ergeben zu Füssen. Wie ist das Phänomen zu erklären?

Eigentlich ist der Mönch ein Anti-Star, sein Leben eine einzige Tragödie. Er sollte sich von seiner Bestimmung her von der Welt abkehren und sich ganz auf seine spirituelle Entwicklung konzentrieren. Die Vertreibung aus Tibet und seine Verfolgung durch die Chinesen zwingen ihm aber eine Rolle auf, die so gar nicht seinem Wesen entspricht. So verwandelt sich seine Mönchsklause oft in einen Privatjet, sein Kloster sind Stadien und Hallen. Eine paradoxe Situation, lebt er doch vom Stigma, ein Heiliger und Märtyrer zu sein. Sein Leiden macht ihn im Westen zu einem Popstar. Ein Schicksal, das ihn eigentlich in die Flucht vor seinen Fans treiben müsste.

Der tragische Held muss es auf seiner Mission «Free Tibet» erdulden, dass das spirituell und esoterisch interessierte Publikum seine übersinnlichen Sehnsüchte ungefiltert auf ihn projiziert. Er kämpft für sein geschundenes Volk und predigt Bescheidenheit und Demut, sein Publikum lebt aber im Wohlstand. So erfüllt die Galionsfigur eine tragische Alibifunktion. Sein Leiden für Tibet wird als Event zelebriert, denn seine Mission, Tibet von der Knechtschaft Chinas zu befreien, ist längst gescheitert. Doch der «Ozean der Weisheit» bleibt in seiner Rolle gefangen, er muss die Erwartungen seiner Fangemeinde weiterhin erfüllen. Er ist ein Getriebener; gejagt von den Chinesen, verfolgt von seinen Verehrern. Dabei sind Personenkult und Mitleid für einen Mönch eigentlich eine Pein. Kein Wunder lacht der Mönch manchmal selbst dann unmotiviert vor sich hin, wenn er über das Schicksal Tibets spricht.

Seine Fans lassen sich bei der Verehrung ihres spirituellen Idols kaum beirren. Es irritiert sie nicht, dass der Dalai Lama noch immer sein politisches Orakel – einen Mönch mit angeblich seherischen Fähigkeiten – befragt, um Handlungsanweisungen zu bekommen. Der «Gottkönig» unterhält sich zwar gern mit hochrangigen Wissenschaftlern über die Quantentheorie, ist aber gleichzeitig im magischen Denken verhaftet. Sein Publikum übersieht auch, dass die tibetischen Klöster bis in die Neuzeit Feudalsysteme waren und die patriarchale Mentalität zur Unterdrückung der Frauen führte. Geduldet vom Dalai Lama.

« Zur Übersicht

350 Kommentare zu “Der «Gottkönig» als tragische Figur”

  1. hm sagt:

    Wahrscheinlich von Zigaretten, Ihrem Nickname nach zu beurteilen.

  2. mh sagt:

    bin natürlich ich, hm

  3. hm sagt:

    Dacht’ ichs mir.
    @Redaktion
    Das 10.02 ist übrigens kein Aufruf, etwas zu tun, das Ausrufezeichen habe ich nur verwendet, um die eine Sendung von der anderen zu unterscheiden. Man kanns sebstverständlich löschen, schon nur im Irritationen zu vermeiden.
    Vielen Dank zum Voraus

  4. andersen sagt:

    hm

    Und Heute geht die Post ab bei der Fasnacht, ich bin Mitte drin.
    Ich habe zum Glück nie die Begeisterung verloren, auch nicht für mein Arbeit.

    Viel Spass!

  5. hm sagt:

    Danke gleichfalls, andersen!
    Ich wohne übrigens in einem protestantischem Kanton, er gehört aber zu denjenigen, welche die Fasnacht nicht definitiv abgeschafft bzw. im 19. Jh. wieder eingeführt haben, aber das nach julianischem Kalender.
    Tradition muss sein!

  6. Nives sagt:

    Ist der Täter ein weisser Atheist, wird sofort behauptet, es handle sich um einen simplen Nachbarschaftsstreit und die Weltanschauung des Täters habe für die Tat überhaupt keine Rolle gespielt:

    er Täter ist geständig: Craig Stephen Hicks stellte sich selbst der Polizei. Doch warum nahm der 46-Jährige am Dienstagnachmittag seinen Revolver, ging zum Haus auf der anderen Straßenseite und tötete drei Menschen? Für die meisten Muslime, für viele junge und links-liberale Amerikaner ist klar, dass Hicks aus Hass handelte. Schließlich waren die Opfer drei junge Muslime: Ein Ehepaar, er 23, sie 21 Jahre alt. Und die Schwester der Frau, 19.

    Die Polizei stellt die Lage anders dar: “Unsere bisherigen Ermittlungen deuten darauf hin, dass dieses Verbrechen wegen eines andauernden Nachbarschaftstreits um Parkplätze begangen wurde”, teilten die Beamten in Chapel Hill mit. Gleichwohl werde sorgfältig geprüft, ob Hicks aus Hass auf Araber oder Muslime gehandelt haben könnte. Der Täter bezeichnet sich selbst als “bewaffneten Atheisten”. (spiegelonline)

    So viel Verlogenheit ist deprimierend (man stelle sich vor der Täter wäre Christ gewesen).

  7. Roland K. Moser sagt:

    @ andersen
    12. Februar 2015 um 13:18
    Nächstes Jahr gehe ich als Lötschentaler-Maske an die Fasnacht.

  8. Karl Martell junior sagt:

    @Alienus (zu deutsch, einer nachgerade verschmähten Sprache:Fremder)
    Klar kann ich Ihre Fragen beantworten:
    Fragen 2. Klar haben wir den kalten Krieg gewonnen. Es gab darüber in der Militärabteilung der ETH einige Jahre nach dem Kollaps des Warschaupaktes ein Symposium (nur für eingeschriebene Offiziere der beiden Lager, worin die Teilnehmer,( inter alii ich, die Russen und DDR Offiziere) offen zugaben, den —–Krieg 1946 bis 1990 verloren zu haben:
    Ich bin sicher, dass Sie die Urteilskraft der ETH erfolgreich angefochten haben.
    Frage 3.Wenn Sie zur Fäkalsprache (Verscheissern) Zuflucht nehmen, dann halte ich es wie mit meinen Kantonsschülern im öffentlichen Verkehr, die hochfrequenzartig das Wort Scheisse äussern: Brauchen Sie eine Windel?
    Frage 4.Schlachtfeld verorten. Ja, da haben Sie in der Schule etwas verpasst. Der erste und der zweite Weltkrieg wurden nicht in einer Schlacht entschieden. Es ging immer um die Kosten/Nutzen Abwägung, sowohl bei Napoleon, beim Vietnamkrieg, beim kalten Krieg, beim Irakkrieg. Ditto in Marignano vir 500 Jahren, was Sie in Ihrem jugendlichen Alter wohl nicht mehr kennen/wissen. trotzdem grüsst Sie ein stolzer Eidgenosse.

  9. Pasionaria sagt:

    olive
    “Wer glaubt, der glaubt .”
    Ja, unser guter weiser Wilhelm Busch wusste ja auch schon : Wer in Glaubenssachen den Verstand befragt, kriegt unchristliche (oder allopathische? Anm. P.) Antworten.

    .
    Ch. Duerig
    “Der Humor vom Dalai Lama ist ein Geheimnis.”
    Wenn Sie das suffisante, fast schon debile Dauerlaecheln des DL als Humor bezeichnen, spricht dies auch dafuer, was Sie unter Humor verstehen.
    Wie sagt man so auf den DL zutreffend: Am vielen Lachen sollst du den Narren erkennen. Und das Narrenvolk folgt ihm auf dem Fuss!

    .
    hm
    Was sie denn alles wissen, da kann nur noch gestaunt werden……
    Ich hoffe doch sehr, Sie schreiben nicht noch alles in den Blog, was Sie wissen, aber Sie wissen jederzeit, was Sie schreiben!

    .

    K. Martellen-Sohn
    Unser super Eidgenosse. Wissen Sie eigentlich, was Ihre Art von Patriotismus ist: wenn ein Betrunkener behauptet, sein Land heaette den kalten Krieg gewonnen, zudem meint, seine Fahne sei die schoenste und die beste!
    Prosit Eidgenosse

    .
    Optimus
    Cc hm
    Unser verehrter A. Einstein: “Why does this magnificent applied science which saves work and makes life easier bring us so little happiness? The simple answer runs: Because we have not yet learned to make sensible use of it.”

  10. Karldampf in allen Gassen sagt:

    ist neu Offizier und Kantonsschulleerer, was kommt als Nächstes: Zünfter, Gönner irgendeiner historischen Gesellschaft wie Marignano-Schlachtenbummler oder Mörgelis Totentänzler, Besitzer der grössten Militärmessersammlung, eidg. dipl. Märchenerzähler?

  11. Rekrut sagt:

    vo was rapt de Martell eigentlich, de Schlacht ums marihuana isch doch erscht im letschte Jahrhundert verlore gange, sit det kifft mer au i de schwizer Armee.

  12. Alienus sagt:

    Dachte immer, der KMj sei tatsächlich der Felix Krull junior. Aber es liegen Hinweise aus dem Karl-Martell-junior-Leak vor, die auf grausigere Informationen hindeuten.

    Es wird derzeit noch recherchiert.

  13. Michael Bamberger sagt:

    Alltägliches:

    Schweiz – “Die Versetzung des Pfarrers von Bürglen, der im Herbst ein Lesben-Paar gesegnet hat, wirft weitere Wellen. Wendelin Bucheli will in Bürglen bleiben und legt sich damit mit dem Bistum Chur an. Der Churer Bischof Vitus Huonder möchte den Bürgler Pfarrer Wendelin Bucheli in die Westschweiz versetzen, da dieser im Oktober einem Lesben-Paar den Segen erteilt hat. Gemäss der katholischen Lehre sei das nicht möglich, hatte das Bistum am Sonntag verlauten lassen.” (20 Minuten, 10.2.15)

    Anmerkung: Vitus Huonder braucht deshalb keineswegs Trübsal blasen, denn er und alle seiner klerikalen Kollegen dürfen gemäss der katholischen Lehre weiterhin Atomsprengköpfe und alle sonstigen Waffen weiterhin andächtig segnen.

  14. hm sagt:

    Pasionaria: “Ich hoffe doch sehr, Sie schreiben nicht noch alles in den Blog, was Sie wissen, aber Sie wissen jederzeit, was Sie schreiben!”
    Wahrscheinlich weiss ich besser, was ich schreibe, als die verantwortliche Person in der Readaktion weiss, welche Beiträge sie löscht und andere Beiträge dann wieder stehen lässt – willkürlich und sinn- und zusammenhangslos.

  15. andersen sagt:

    Bamberger

    Wieso besuchen Sie nicht einmal selber ein katholische Messe, dann können Sie ja ein Bild machen, was wirklich gesegnet wird?
    Also, meine Nachbar ist ein sehr grosse katholische Kirche und wenn ich jemand begegnen, werde ich mit Friede mir Euch begrüsst.
    Informationen aus dem Internet reich nicht.
    Für mich ist ein nur Polemik, was Sie hier macht.

    Wieso starten Sie nicht selber eine Initiative, dass Schwulen und Lesben heiraten dürften?
    Der Entscheid von Huonder ist berechtigt, weil es nicht Gesetzlich geregelt ist.

    Schwulen und Lesben können Heute das Privatleben in der Öffentlichkeit ausleben, wie sie es in der antiken Rom auch gemacht haben.
    Und sie machen es auch und es zu dumm zu glauben, dass sie sich Sündig fühlen.
    Das ist käse.
    Und trotzdem, manchmal wäre es besser, wenn der Schlafzimmer-Türe von Lesben und Schulen einfach geschlossen bleibt.
    Weil, ich finde, dass Sexualleben von zwei erwachsende Menschen sollte eine Kirche und andere nicht interessieren.

  16. andersen sagt:

    Apropos Samuel Widmer.
    Ich habe schon lange gesagt, dass dieser Mann krank ist.
    Dumm sind auch die Frauen, die solche Männer folgt.

    Der Höhepunkt von der Gipfel treibt er weiter, indem er noch Bettelbriefe an der Bundesrat und andere schickt.

  17. Thomas Jefferson sagt:

    Interessant, Ihr Artikel über den Sexguru. Interessant vor allem auch deshalb, weil dieser Mann als Psychiater approbiert ist, obwohl die körperliche N$he zu den KLlientinnen eigentlich unprofessionell und standeswidrig ist.

    Man wüsste gerne, wie die Kinder herauskommen werden. Irgendwann einmal, wird ein Kind sicher ein Buch schreiben über seine Jugend.

    Man wüsste auch gerne, wieviel die Krankenkasse für diese Therapien bezahlt.

    Von Zeit zu Zeit einmal in einen gruseligen Abgrund zu schauen, ist spannend.

  18. Klara Brunner sagt:

    @ anderson

    Einerseits frage ich mich auch immer wieder, warum sich Frauen überhaupt auf sowas einlassen. Aber andererseits brauchen sie deshalb nicht einfach dumm im üblichen Sinn zu sein. Dass da was verquer ist für unsereinen ist auch für mich offensichtlich. Und wie @ jefferson halte ich dieses Vorgehen für unprofessionell. Nichts, was man seinen Freunden empfehlen würde….
    Aber denken Sie an die anderen solchen Gurus. Die hatten auch kein Problem ausreichend Anhänger zu finden. Darunter nicht selten Intellektuelle die irgendwie nach etwas auf der Suche sind. Wonach wissen die wohl selber nicht, und Sex zieht eigentlich immer.

  19. andersen sagt:

    @Brunner

    Ja, es ist sehr unprofessionell.
    Einerseits beklagt er, dass er ein Aussenseiter ist und auf der andere Seite gründet er ein Parallelgesellschaft.
    Aber, was gut ist, ist das der Mehrheit ein andere Vorstellung hat.
    Und kleine Kinder wollen bestimmt nicht mit ein Penis spielen, solche Aussagen ist Krank.

  20. Michael Bamberger sagt:

    “Über 25’000 Unterschriften gegen Bischof Huonder – Bürglen probt den Aufstand gegen Bischof Huonder. Er will Pfarrer Bucheli wegen der Segnung eines Lesbenpaars entlassen.” (TA, 13.2.15 um 14:02)

    Für all jene hier im Blog, die Wendelin Bucheli unterstützen wollen, hier geht’s zur Petition:

    http://www.secure.avaaz.org/de/petition/Bischof_Vitus_Huonder_Pfarrer_Wendelin_Bucheli_muss_in_Buerglen_UR_Schweiz_bleiben

    Inzwischen sind’s fast 27’000 Unterschriften.

  21. Truth is within sagt:

    Was hat Samuel Widmer mit dem Dalai Lama zu tun?
    @ Begriff GURU. GU bedeutet Dunkelheit – RU Licht, will heissen: ‘Der dich aus der Umnebelung zur nebelfreien Sicht führt’. Glaube, Dogmen, Theorien, Meinungen, Konzepte, Religionen, Indoktrinationen und angelerntes Wissen sind nicht damit gemeint. Der Verstand kann RU nicht erfassen. 1 l Flüssigkeit passt in ein 10 l – Gefäss – das Umgekehrte ist unmöglich. RU hat sämtliche Nebelschwaden und mit ihnen jegliches zu enge Gefäss hinter sich gelassen.

  22. Klara Brunner sagt:

    @ anderson

    Auf jeden Fall suchen Kleinkinder keine Vereinigung und wären verletzt, wenn sie das nicht dürften tun. Das glaube ich auch nicht. Aber Sex sells! Leute, die so ein bisschen verknorzt sind sind für sowas anfällig. Und die Brüdergemeinde ist nun wahrhaftig alles andere als offen resp. aufgeschlossen. Ich kenne jemanden der da aktiv dabei ist, nicht grade eine Katastrophe aber was in der Richtung.

  23. Klara Brunner sagt:

    @ truth within

    Nein, welch ausserordentlich neue Erkenntnis, hätte ich nie gedacht, dass 10 l nicht in ein 1-Liter-Gefäss passen. Und das im Zeitalter der dreidimensionalen PC-Anwenderprogramme. Was bin ich froh, so ein gewöhnlicher Mensch zu sein.
    Wenn man mit derart überwältigenden Erkenntnissen dann noch behauptet es gäbe eine dies auflösende diesseitige Dimension, wünscht man sich die Zeiten des Turnvaters zurück.

  24. Klara Brunner sagt:

    @ truth within

    Folgen Sie H. Stamms link und sie werden das Rätsel lösen.

  25. Brunhild Steiner sagt:

    @Nives 12. Februar 2015 um 19:53

    was für eine Verlogenheit meinen Sie?
    Hass war so oder so ein Antrieb (ich find eher seltsam, dass so getan wird als ob nur unter bestimmten Umständen auch Hass mitspielen würde und man Menschen “ohne Hass” umbringen könnte), und ich hab ein bisschen Mühe wenn nun “etwas daraus gedreht wird”, offenbar war dieser Mensch mit sehr vielen im Dauerstreit, wie können wir wissen ob Parplatznachbarn eigener/anderer Nationalität/Glaubens nicht genauso abgeschossen worden wären?

  26. Ueli der Eidgenossenschreck sagt:

    Der Kalte Krieg wurde nicht militärisch beendet, sondern ökonomisch. Die Sowjets hätten zu diesem Zeitpunkt zig mal die Welt mit ihren Atomwaffen platt machen können – freilich mit dem “kleinen” Nachteil der Selbstzerstörung. Ökonomisch war die Situation Anfang der 90er Jahre aber so katastrophal, da man mit der westlichen Industrie schon seit den 60er Jahren nicht mehr Schritt halten konnte und schon längstens nicht mehr genügend harte Devisen für dringend benötigte Rohstoffe / Produkte sich auf dem Weltmarkt beschaffen konnte. Am Schluss fehlte einfach alles: WC-Papier, Kopekenstücke für die U-Bahn – von Fernsehern oder Möbelgarnituren muss man überhaupt nicht erst sprechen. Gorbatschow und die gesammte Partei wurden dann in einer Nacht- und Nebelaktion von den neuen korrupten Oligarchen (Yeltsin und co.) vor vollendete Tatsachen gestellt. Das Gebäude war schon so morsch, dass die alte Sowjetclicke überhaupt keinen Widerstand mehr leistete, sondern sich ihrem Schicksal ohne grosses Murren fügte.

  27. Ueli sagt:

    @Charlie Martell junior
    Ich warte auch noch auf Ihren Kommentar. Es wäre noch interessant ob Sie dem inhaltlich irgendetwas entgegenzusetzen hätten. Ich vermute wohl eher nicht – stattdessen kommt wahrscheinlich wieder irgendeine themenfremde Breitseite betreffend meiner ursprünglichen Herkunft…

  28. olive sagt:

    Aus dem Interview mit HS

    “Was hat dich dein Umgang mit Sekten über die Menschen gelehrt?
    Den Menschen mehr zu trauen als ihren Religionen.”

    das kommt mir doch bekannt vor.

    Zu Samuel Widmer, dieser Schande für den Berufsstand:

    “Für Widmer ist das Inzesttabu die Ursache für praktisch alle Traumata, ja, für Chaos und psychisches Elend auf der Welt.”

    Das zeigt seine Verwirrung.

    “Männer, deren Penis nicht freien Zugang zum Weiblichen findet, ersetzen ihn durch ein Gewehr, mit dem sie sich freizuschiessen hoffen.”

    Dann gibt es noch jene, die beides als Waffe benutzen. Irre.

  29. Ueli sagt:

    @olive
    Herr Widmer ist nicht der erste, welcher Eros und den Thanatos miteinander verknüpft sieht – unter anderem auch ein Herr namens Sigmund Freud und viele seiner Schüler sahen das, völlig zu Recht, ähnlich. Im Endeffekt übertreibt Herr Widmer einfach ein paar Erkenntnisse der klassischen Lehre und mixt noch ein paar “indische Elemente” (Tantra und Gurugehabe) rein.

  30. olive sagt:

    @Ueli

    Freud sprach nicht dem Inzest das Wort.

  31. Brunhild Steiner sagt:

    @Nives

    Nachtrag, mir ist noch in Sinn gekommen dass es in USA den Strafbestand hate crime gibt, daher nun der Fokus auf dieses Wort, verständlicherweise. Doch ich würde dennoch nicht ausschliessen dass gleichnationale oder anders Gläubige mit diesem Menschen sanftere Erfahrungen machen wenn sie es wagen sich seinen vermeintlichen Rechtsansprüchen zu widersetzen.

  32. Ueli sagt:

    @olive
    Freud sah zwar im Inzesttabu eine zivilisatorische Errungenschaft – aber erkannte durchaus, dass gesellschaftlich geförderte sexuelle Triebunterdrückung fatale Folgen zeitigen kann. Herr Widmer übertreibt einfach diese ursprüngliche Freudsche Erkenntnis, indem er meint am Inzesttabu rütteln zu müssen um die “völlige” sexuelle Befreiung für die Gesellschaft erlangen zu können – was freilich am Ziel vorbei ist. Der Ansatz, dass unterdrückte Triebe sich aber trotzdem ihre perversen Bahnen suchen um wenigstens zu einer Scheinbefriedigung zu gelangen – ist völlig korrekt. Was Herr Widmer unter “Inzest” versteht – scheint mir auch nicht so ganz klar zu sein. Ein “tatsächlicher” Inzest kann wohl nicht sein Ernst sein, da er sich sonst mit dem schweizer Strafgesetzbuch in Konflikt befände.

  33. Optimus sagt:

    Wer kennt diesen Menschen:
    Der noch im Pensionsalter mit dem Rollbrett durch die Strassen Zürichs fährt
    Der den Menschen mehr Vertraut als den Religionen
    Für den Gott eine neurologische Gehirnsubstanz ist
    Der dafür umso mehr das Erlebnis geniesst
    Dem die Natur ähnliche Gefühle verleiht wie die Spiritualität
    Der nicht behauptet was richtig ist, sondern Widersprüche aufdeckt
    Der sich einen religiösen Konsumentenschutz wünscht
    Der sich aber vor allem mit allen Mitteln einsetzt, dass Menschen nicht von Sekten ausgenützt werden

  34. Ueli sagt:

    @Optimus
    Wusste nicht, dass Herr Stamm sogar noch Skateboard fährt. Respekt!

  35. Pasionaria sagt:

    hm
    “Wahrscheinlich weiss ich besser, was ich schreibe, als die verantwortliche Person in der Readaktion weiss, welche Beiträge sie löscht und andere Beiträge dann wieder stehen lässt – willkürlich und sinn- und zusammenhangslos.”

    Willkuerlich bestimmt nicht, sicher nicht Ihre ueberdurchschnittlich geistvollen, hellwachen, scharfsinnigen und mehr Beitraege. Muss ein Irrtum sein. Gewisse Postings von mir, verschwanden auch schon – um deren es selbstverstaendlich nicht so schade war, wie um Ihre ideenreichen, hm!

    Jedenfalls fragen Sie doch direkt bei @ hugo.stamm@tages-anzeiger.ch an und schicken eine Kopie Ihres verlorengegangenen Aufsatzes.

    .
    Andersen (and no end….)
    @ Bamberger
    “Wieso besuchen Sie nicht einmal selber ein katholische Messe, dann können Sie ja ein Bild machen, was wirklich gesegnet wird?”
    Gegenfrage: Warum besuchen Sie nicht einmal selber ein katholischer Psychiater, dann kann er ja ein Bild machen, was bei sie wirklich geheilt sein sollte…….?

  36. olive sagt:

    @ Ueli
    13. Februar 2015 um 19:08

    Es heisst ja im Artikel”weil er Geschlechtsverkehr ablehen”.
    Aber seine Beschreibung von sich und seiner Tochter spricht Bände über seine Ansichten.

    “Freud sah zwar im Inzesttabu eine zivilisatorische Errungenschaft – aber erkannte durchaus, dass gesellschaftlich geförderte sexuelle Triebunterdrückung fatale Folgen zeitigen kann.”

    Ich würde mal sagen, er war der erste, oder einer der ersten, die das erkannten.

    Aber einen Widmer mit Freud zu vergleichen, ist zuviel der Ehre für Widmer, auch wenn er glaubt, dass er posthum eine ähnliche Bedeutung erlangen könnte.

  37. Karl Martell junior sagt:

    @Ueli, Ja, klar kriegen Sie einen Kommentar zu Ihren historisch-kriegsgeschichtlichen Erkenntnissen. Allein, warten Sie noch 4 Tage, wir müssen den Jahresabschluss unserer Gemeinde hinkriegen. Finanzbuchhaltung, Knochenarbeit, wohl kaum Ihr Kompetenzbereich. Oder darf ich Sie zum Revisor vorschlagen?

  38. Ueli sagt:

    @olive
    Ich vergleiche einen Giganten wie Freud keine Sekunde mit so einem unbedeutenden Typen wie Widmer.
    Wenn man schon über eine interessante / kontroverse Gestalt auf diesem Gebiet diskutieren will, fällt mir vor allem ein Name ein: Wilhelm Reich.

  39. Ueli sagt:

    @Charlie Martell junior
    Finanzbuchhaltung war tatsächlich nie meine Stärke, da äusserst trocken und langweilig. Aber irgendeiner muss ja den Job übernehmen – so machen Sie sich jedenfalls nützlicher für Ihre Gemeinde, als den lieben langen Tag sich auf Blogs rumzutreiben und bei höchst komplexen Themen Ihre Analysefähigkeit zu überschätzen.

  40. Nives sagt:

    @Brunhild Stener: offenbar war dieser Mensch mit sehr vielen im Dauerstreit, wie können wir wissen ob Parplatznachbarn eigener/anderer Nationalität/Glaubens nicht genauso abgeschossen worden wären?

    Selbstverständlich können wir das nicht wissen. Stören tut nur wie schnell die Möglichkeit, dass der Täter aus ideologischen Gründen gehandelt haben könnte, beiseite gewischt wird. Wäre der Täter Christ, wäre wahrscheinlich anders berichtet worden. Wäre der Täter Muslim und die Opfer Nichtmuslime wäre mit Sicherheit anders berichtet worden. Die Möglichkeit, dass verbale Aggressivität gegen Religionen, wie man sie täglich in Leserkommentaren* zur Artikeln über Religion findet, irgendwann in konkrete Gewalt gegen Gläubige umschlagen kann, soll anscheinend nicht ausführlicher thematisiert werden.

    * ein konkretes Beispiel hat vor kurzem Pasionaria in den Blog gestellt:

    olive
    interessant ja, aber hast Du den folgenden Leserbrief (arribert) dazu gelesen, der noch mehr beeindruckt als der Text selbst:

    Dieser ewige Vergleich ist in meinen Augen überflüssig
    Wichtig wäre diesen ganzen Kirchen-/Religions-Kram aus Europa und am besten von der Erde zu drängen. …

    Religion ist kein Akteur, sie “lebt” nur durch die Gläubigen, Religion aus Europa bzw. von der Erde drängen, ist nur möglich, wenn man die Gläubigen bekehrt oder aus Europa vertreibt oder auf der Erde zum verschwinden bringt.

    Diese aggressive Form des Atheismus empfinde ich nicht als harmlos, Extremisten (ob Gläubige oder Nichtgläubige), die nicht damit klar kommen in einer pluralistischen Gesellschaft zu leben, sind mir zutiefst unsympathisch. Ich bin eine gläubige Frau, aber ich leide nicht unter dem Wahn, dass die Erde besser wäre, wenn nur alle Anders- und Nichtgläubigen weg wären. Im Gegenteil ich schätze alle meine Freunde und Bekannten, die im Bezug auf den Glauben einen anderen Standpunkt einnehmen als ich.

  41. Ueli sagt:

    @Nives
    Sie haben Recht. Im Endeffekt begehen militante Atheisten die gleichen Idiotien, die Sie anscheinend als so “furchtbar” beim Gegner empfinden. Menschen, die sich einfach billige Feindbilder schaffen müssen um ihr Weltbild zu legitimieren – sind per se Faschisten. Alain Badiou sagte, dass die Charlie Hebdo Attentäter schlicht Faschisten gewesen seien – aber ihm die Redaktion dieser Zeitung genau so missfällt wie die Tricolore. Die Welt ist komplexer als sich dies die meisten Menschen wünschen…

  42. Pasionaria sagt:

    optimus
    “Wer kennt diesen Menschen:……..”

    Und HST ist dieser Mensch,
    der unverwegen sucht und kaempft
    der hofft und hinterfragt
    der mitfuehlt – niemals je verzagt
    der Herausforderung sucht
    ob in der Natur, ob in spiritueller Sucht
    der voll im Diesseits lebt,
    niemals nach Utopien strebt….

    Optimus, gelungener Appell!

  43. Ueli sagt:

    @Nives
    Dasselbe fatale Schwarz-Weiss-Denken kann man übrigens zur Zeit auch bei vielen Leserkommentarten (auch auf dem Tagi) betreffend Ukrainekrieg mitverfolgen. Da formieren sich einerseits die Russophoben und andereseits die Russophilen – ohne auch nur eine Sekunde zu bemerken, dass vielleicht beide Seiten korrupt, kriegsgeil und verachtenswert sein könnten.

  44. Pasionaria sagt:

    Nives
    Cc B. Steiner

    In diesem erschuetternden Beispiel glaube ich nicht, ob es ausschlaggebend war/ist, ob der Moerder sich Atheist oder Christ schimpft, dass es sich beim Betreffenden aber um einen Islamhasser handelt, scheint nachweisbar > Facebookeintraege etc.
    Die Medien am Ort des Dramas wuerden die amerikanischen Buerger mit Meldungen von islamistischem Terrorakten bombardieren, schueren somit Angst und Hass auf die Muslime.

    Da braucht es nur einen krankhaften Islamhasser, ein Problem und schon kann der Hass in Mord umschlagen.

    Und dass in den USA mit verschiedenen Ellen gemessen wird, ist keine neue Erscheinung.
    Wie oft schon wurde ein Schwarzer von der Polizei erschossen, dabei handelte es sich praktisch niemals um Mord, dafuer praktisch immer um Selbstverteidigung….., auch wenn der Getoetete unbewaffnet und ein halbes Kind war!!!

    Wahrscheinlich kommen wir der Gerechtigkeit und Menschlichkeit erst einen Schritt naeher, wenn jedermann/frau und ueberall auf der Welt verstanden hat, dass der Mensch die Hauptsache ist – seine Hautfarbe, seine Religión, sein Stand, sein Beruf hingegen die Nebensache.
    Ob dies je eintreffen wird?

  45. Pasionaria sagt:

    Herr Stamm

    Thomas Jefferson’s gewohnt akkurate Frage zum widerlichen Sex-Guru: “Man wüsste auch gerne, wieviel die Krankenkasse für diese Therapien bezahlt.”

    Das frage ich mich auch, haben Sie eine Ahnung, ob solche widerlichen Therapien tatsaechlich von den Krankenkassen uebernommen werden? Gibt es ueberhaupt eine Stelle, die ‘ungewoehnliche’ Therapieformen, auch Homoeopathie, auf ihre Wirksamkeit und Moralitaet ueberprueft?

  46. André Dünner sagt:

    Es wird viel in diesen Mann Dalai Lama hineinprojeziert. Persönlich denke ich zwar, er hat gelernt über dem zu stehen und kennt die Anliegen womit die auf ihn zurück zu führenden Wunder betreffen.

    Glauben macht selig.

    Was soll er sich dagegen sträuben. Er tut was er als Tätigkeit auszuüben übernommen hat. Und dies meist viel besser als gewisse Politiker, Geschäftsinhaber und Menschen allgemein. Warum? Weil seine Glaubensgrundlage anders ist als die christliche Dogmatik.

    Um es ganz einfach auszudrücken. “Hast Du gelernt zu wissen wer Du bist, weisst Du auch was Du wie erledigen kannst, Somit verstehst Du zu leben. Verstehst Du dies, kannst Du dies auch anderen zeigen, bist also Weg der zum Weg führt.””

    Wer dies nun heilig sprechen will, tu dies. Wer darin Heuchelei am Leben zu sehen glaubt, glaube dies. Wer sich davon Besserung verspricht, glaube daran und es erfülle sich.

    Derart einfach ist es und nichts anderes sagt auch Dalai Lama. Er kann für die Komplexität anderer nichts. Doch einen Weg es sich einfacher zu gestalten, das kann er.

    Damit werte ich diesen ehrenvollen Mann nicht ab. Ganz im Gegenteil.
    Ich schätze ihn weit mehr als jemand welcher grosse Sprüche aussendet, den Gewinn einsteckt und andere dafür arbeiten lässt.

  47. Klara Brunner sagt:

    @ ueli

    Und leider kennen die wohl noch nicht einmal die geografischen Bedingungen, die geschichtlich Entwicklung und die Lebensbedingungen der Menschen. Das sind meist Leute die wohl ab und zu mal irgendwo hin in die Ferien verreisen und da in mindestens 3-Sterne-Hotels logieren. Wie wollen die denn dafür oder dagegen sein? Die haben doch alle keine Ahnung was da los ist.

  48. Ueli sagt:

    @Klara Brunner
    Auch die Einheimischen, in West wie Ost, gehen der Kriegspropaganda auf den Leim. Gefährliches Halbwissen aus der Glotze, Kriegsgreuelgeschichten, Angst, Hass und Wut – sind keine gute Kombination um sich eine differenzierte Meinung bilden zu können. Eine simple Weltsicht hilft eben in vielen Fällen über manch intellektuelle Verlegenheit hinweg und gibt einem das Gefühl von Superiorität und moralischer Integrität.

  49. hm sagt:

    @Pasionaria
    Danke für die Nachfrage. Der “Aufsatz” ist eigentlich nicht so wichtig und nur ein Kurzabriss über eine Kurzgeschichte, die ich tatsächlich am schreiben bin (sie umfasst dann aber ein paar Seiten mehr und gehört nicht hierher). Ich habe die Idee bloss nachskizzert und Optimus zur Verfügung gestellt, weil er sich doch nach dem Schicksal von Galileo erkundigt hat …