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Die Götter haben Leid und Elend geplant

TA Korrektorat am Samstag den 6. Dezember 2014

Dieser Gastbeitrag stammt von Michael Bamberger, der sich als Naturalist und Humanist seit vielen Jahren im Sektenblog engagiert. Er wohnt in Farnern im Kanton Bern und ist 65 Jahre alt.

Wer ist verantwortlich für die Zustände auf der Erde? Kaputte Strasse in San Francisco. Foto:  Peretz Partensky (Flickr)

Wer ist verantwortlich für die Zustände auf der Erde? Strassenschaden in San Francisco. Foto: Peretz Partensky (Flickr)

Schöpfergötter werden den Gläubigen als gütig, allmächtig und allwissend präsentiert. Ein Blick auf die Geschichte der Menschheit und in die aktuelle Welt zeigt aber, dass die Vorstellung von einem allwissenden Gott, der seine menschlichen Kreationen liebt und durchs Leben begleitet, ein Mythos ist. Der religiöse Widerspruch – hier das unerträgliche Elend und Leid auf der Erde, dort die gütigen personalen Götter, die die Menschen lieben – ist schon im antiken Griechenland ein zentrales Thema gewesen. So wird auch heute noch das theologische Dilemma unter dem Begriff Theodizee diskutiert. Der Begriff geht auf den Philosophen und frühen Aufklärer Gottfried Wilhelm Leibniz zurück.

Die Frage nach Ungerechtigkeit und Leid ist die grösste Herausforderung für die monotheistischen Theologien. Die Glaubensgemeinschaften, die sich auf einen Schöpfergott berufen, sehen sich zunehmend mit kritischen Fragen konfrontiert. Ist ihr Gott tatsächlich allmächtig und allwissend? Falls ja: Wie geht er mit der Ungerechtigkeit unter den Menschen um, die er geschaffen hat? Wie hält er Leid und Elend seiner geliebten Geschöpfe aus? Kann man es skeptischen Personen verargen, wenn sie bei den Schöpfergöttern eine sadistische Ader vermuten?

Falls diese die Welt willentlich erschaffen haben, stellen sich weitere Fragen, die quasi «jenseits» der Theodizee angesiedelt sind. Was hat die Schöpfergötter bewogen, das Universum zu kreieren? Was dachten sie dabei, als sie auf unserem Planeten Lebewesen ansiedelten? Falls sie tatsächlich allwissend sind, muss man davon ausgehen, dass sie vorhersehen konnten, in welches Jammertal sie ihre Geschöpfe verbannten, dass Leid und Elend Teil ihres Konzeptes sind.

Theologen und Geistliche erklären den Gläubigen jeweils, ihr Schöpfergott habe dem Menschen den freien Willen gegeben. Der Mensch richte das Chaos eigenständig an und sei für die Zustände auf der Erde verantwortlich. Nur: Kleinkinder, die an Krebs sterben, sind unschuldige Opfer der Zustände, die die Götter geschaffen haben.

Laut Bibel begann das Dilemma schon in der Planungsphase, als sich die angeblich willensfreien Engel gegen Gott auflehnten und beim Engelssturz verbannt wurden. So kam angeblich das Böse in die Welt. Und der Sündenfall der zwei vermeintlich willensfreien Paradiesbewohner. Die Folge: eine Blutspur, die sich bis in die heutige Zeit zieht.

Eine von solchen Schöpfergöttern willentlich geplante und erschaffene Welt, in der die Lebewesen derart planmässig leiden müssen, lässt nur einen Schluss zu: deren Inexistenz.

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953 Kommentare zu “Die Götter haben Leid und Elend geplant”

  1. andersen sagt:

    Alle sind in Europa sind entsetzt und fassungslos, wenn man die grauenvollen Bilder von die Hinrichtungen der IS sieht.

    Aber, hier müssen wir uns auch in Europa an der Nase fassen, wenn Rechtsradikalen angriffe auf Muslime verüben.
    Dass wird zum Glück verurteilt, aber darüber wird leider fast nicht berichtet.

    Rabbi, jetzt stehen Sie auf von der harte Sofa, glauben Sie mir , wenn Sie in ihrem Bett schlafen, werde Sie die schönste Träume haben und ein wenig Wegkommen von die Ängste und der verkorkste Rationalität, dass vielleicht irgend eine Araber ihren Hühner klaut.

    Nun, alle Respekt für ihr geliebte Käse und Blutwurst, aber wenn Sie nicht ihr eigene Columbus wird, werde Sie auch nie etwas neues entdecken.

    Somit verpassen Sie Ihrer schönsten Zeit in Leben.

    Ich verabschiede mich hiermit von diesem Blog.

    Gute Nacht, what ever get’s you thought the night.

  2. olive sagt:

    Nur weil etwas in alten Büchern erwähnt wird ist, es nicht sinnvoll und wirksam. Wenn dem so wäre, so müssten wir heute wieder ägyptische Mumie anwenden. Diese war 2000 Jahre lang ein begehrtes und anerkanntes Heilmittel und keine Geringeren als die hl.Hildegard von Bingen und Theophrastus Bombastus von Hohenheim, der berühmte Paracelsus, waren von der Wirkung von Mumie überzeugt und haben ihre Anwendung gut geheißen.

    Könnte das evt. auch für religiöse alte Bücher gelten?

    http://www.augsburger-allgemeine.de/community/forum/medizin-und-gesundheit/32419887-Hilfe-in-Afrika-Globulisierung-statt-Globalisierung-id32419887.html

  3. dulden sagt:

    Der Politikwissenschaftler Samed Abdel-Samad wies am 26.12.2014 in der TV-Sendung “Sterstunde Religion” (TV SRF 1, moderiert von Norbert Bischofberger) klipp und klar darauf hin, dass die schweigende Mehrheit der Muslime nichts gegen die IS unternehmen würde, was ein gefährliches Tolerieren der Gräueltaten des IS sei. Samed Abdel-Samad verglich dieses stillschweigende Einverständnis mit dem damaligen Schweigen der Bevölkerung in Nazideutschland angesichts des unvergleichlichen Holocaust.
    Voilà.