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Im Kloster sexuell missbraucht

Hugo Stamm am Samstag den 15. November 2014
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Doris Wagner erlebte den Konvent als sektenähnliche Gemeinschaft. Foto: Edition A, PD

Für Doris Wagner gab es schon als Jugendliche nur einen Geliebten: Jesus Christus. Die deutsche Katholikin träumte bereits mit 15 Jahren davon, eine Braut Christi zu werden. «Ich spürte wirklich eine Art Verliebtheit, es war genau genommen sogar ein Rauschzustand», sagte sie in einem Interview. Mit 19 legte sie ihr Schicksal vor die Füsse ihres «Bräutigams» und trat in ein Kloster in Bregenz ein.

Doch Doris Wagner traf hinter den heiligen Mauern nicht auf Jesus, sondern auf herrschsüchtige Nonnen und einen Rektor des gemischten Ordens, der seine sexuellen Bedürfnisse an ihr ausleben wollte. Vor drei Jahren ist die Deutsche aus dem Kloster geflohen. Ihre Erlebnisse hat sie im soeben erschienenen Buch «Nicht mehr ich» festgehalten. Ihre «Beichte» ist eine einzige Anklage an die katholische Gemeinschaft «Das Werk» und das Kloster, die direkt dem Papst unterstellt sind. Rückblickend stellt sie fest, dass die Klostergemeinschaft für sie den Charakter einer Sekte hat.

Die anfänglichen Demütigungen und Erniedrigungen interpretierte die Braut Christi als Prüfung – ein Phänomen, das bei vielen Sekten zu beobachten ist. Sie sah die Leidenszeit als Teil der totalen Hingabe an Jesus. Doch im Lauf der Jahre zerbrach Doris Wagner an den unmenschlichen Anforderungen. Sie spricht von der geforderten absoluten Jungfräulichkeit. Dabei denkt sie nicht primär an Sexualität, sondern an die Jungfräulichkeit im Denken, Handeln und Fühlen. Für sie sind es rückblickend unerfüllbare Ansprüche, die an Selbstkasteiung grenzen.

Wöchentlich wurde sie von einer vorgesetzten Schwester ins Gebet genommen und auf ihre Gesinnung geprüft. Das empfand sie mit der Zeit als Gehirnwäsche. Der Kontakt zur Aussenwelt und zur Familie wurde kontrolliert, sie musste die Briefe vorlegen, die Telefone wurden protokolliert. Bücher und Radio waren tabu. Die Freizeit wurde organisiert, individuelle Bedürfnisse hatten keinen Platz: Das Leben bestand aus Arbeit und Gebet. «Am Ende blieb nichts mehr von mir übrig», sagte Doris Wagner in dem Interview weiter.

Da sie jung war und ihre Klause ausserhalb des Schwesterntraktes lag, bekam sie eines Nachts ungebetenen Besuch vom Rektor, der sie missbrauchte. Als sich das demütigende Ritual wiederholte, hatte sie die Kraft, den Orden nach acht Jahren zu verlassen. Sie reichte eine Strafanzeige gegen ihren Peiniger ein, blitzte jedoch ab. Der Rektor des Klosters behauptete, es sei einvernehmlicher Sex gewesen. Da Doris Wagner den Übergriff nicht beweisen konnte, wurde das Verfahren eingestellt. Der fromme Mann machte sie noch einmal zum Opfer und kam auch innerkirchlich ungeschoren davon. Sektenhafte Züge sind nicht eigentlichen Sekten vorbehalten.

Doris Wagner zu Gast in der ARD-Sendung «Menschen bei Maischberger» am 11. November 2014. Video: ARD, Youtube

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307 Kommentare zu “Im Kloster sexuell missbraucht”

  1. olive sagt:

    @ Ueli
    20. November 2014 um 15:53

    “Seltsamerweise ertappte ich mich auf halbem Weg ein “Vaterunser” zu beten – anscheinend ist mein “Atheismus” doch nicht “so gefestigt” wie ich dachte.”

    Die Indoktrination sitzt tief.

    Wir rufen nach unseren Eltern, wenn es uns schlecht geht..

    In der Sendung “Nachtcafé” sagte ein Priester zu einem jungen fröhlichen Atheisten:
    “Warten Sie nur, bis es Ihnen einmal schlecht geht, dann werden Sie auch lernen, zu beten.”
    Warum es ein Wunsch sein kann, dass ein Mensch gottlos glücklich ist und man ihm etwas Unglück wünscht, damit er wieder angemessen demütig wird?

    Ich wünsche Ihnen “Gute Besserung”.

  2. Fischer Fritz sagt:

    olive

    “Hochmut kommt vor dem Fall” ist eine Redensart (Sprichwort), aber keine Drohung oder gar ein schlechter Wunsch.

    “Honi soit qui mal y pense!”

  3. Annemarie sagt:

    @Hypatia:
    Zitat: “Es war die Ironie des Schicksals, dass sich jene junge Frau offenbar nur durch Gewalt aus diesem schwarzen Loch befreien konnte.”

    Das halte ich für eine sehr gewagte Vermutung, zumal Frau Wagner ja erst drei Jahre nach dem von ihr heute als Missbrauch empfundenen Geschehen aus der Gemeinschaft “das Werk” ausgetreten ist. Sie selber erklärt es ja anders: es sei die Begegnung mit einem Menschen noch innerhalb der Gemeinschaft gewesen, die sie aufgerichtet und aus dem schwarzen Loch der Depression herausgeführt hätte. Man könnte beinahe vermuten, dass sie von ihrem jetzigen Ehemann spricht…

  4. Tigerauge sagt:

    Fischer Fritz

    Stimmt, Lebensweisheiten sind als Hilfe zu verstehen und nicht unbedingt als Ermahnung, Warnung, oder sogar als Fluch.

    Gott behüte Sie!

  5. Ueli sagt:

    @Olive
    Danke – nach dem Schock kommt langsam die Wut u.a. auf mich selber (meine Naivität) und das macht die Sache nicht einfacher. Ich stelle mir vor, dass es noch schlimmer hätte kommen können – aber es sind einfach zu viele Sachen innerhalb kürzester Zeit passiert und jetzt bleibt nur noch Ratlosigkeit, da die Welt sich einfach weiterdreht und alle so tun als wäre nichts passiert. Auch die Menschen mit denen ich darüber reden könnte sind gerade weg – und die Peiniger gerade nebenan.

  6. Maxmoritz sagt:

    Annemarie

    “… es sei die Begegnung mit einem Menschen noch innerhalb der Gemeinschft gewesen, …”

    Also könnte man beinahe vermuten, dass sie von sich selbst spricht…, denn ihr Ehemann ist ja wohl keine personifizierte Begegnung (sie selber übrigens auch nicht), oder?

    Es war jedenfalls (bzw. mindestens) eine Bereitschft zur Begegnung vorhanden, oder?

    Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.

  7. olive sagt:

    @ Fischer Fritz
    20. November 2014 um 18:23

    “Hochmut kommt vor dem Fall”

    Sie verstehen das gesunde Wohlbefinden eines Atheisten also als Hochmut?

    “keine Drohung oder gar ein schlechter Wunsch”

    Nein nein, aber gar nicht.
    Jene, die diese Volksweisheit aussprechen, sind immer die Güte in Person.

  8. olive sagt:

    @ Ueli
    20. November 2014 um 18:53

    “Auch die Menschen mit denen ich darüber reden könnte sind gerade weg – und die Peiniger gerade nebenan”

    Ich hoffe, die Gesprächspartner sind bald wieder da.

    Mein Mitgefühl haben Sie. ( wenn auch völlig unbekannterweise )

  9. Fischer Fritz sagt:

    olive
    Ich möchte diesen Atheisten wohl kaum des Hochmut bezichtigen – oder sollte ich?
    Aber nicht nur, weil ich die Sendung “Nachtcafé” nicht “verfolgt” habe, bekam ich über Nacht auch keine weissen Haare.

  10. Fischer Fritz sagt:

    olive
    Genitiv = des HochmutS

  11. mawi sagt:

    Ueli
    Ich weiss zwar nöd was Ihne wiederfahre isch und ich känne Sie ja au nöd, aber ich dänke mal chli a Sie. Hoffentlich gits en guete Uuswäg und en einigermasse für Sie gangbare Wäg.
    Herzlich
    M.

  12. Klara Brunner sagt:

    @ ueli

    Die Hiobsgeschichte ist auf jeden Fall gut. Hiob hadert mit Gott und Gott nimmt sich seine Freunde un Bekannten aus den guten Zeiten vor. Er befiehlt ihnen Hiob zu helfen, damit er in der Misere nicht einfach immer tiefer sinkt. Und oh Wunder die tun das, jeder hilft so gut er eben kann und Hiob raus aus der Misere. Ist sowas heute überhaupt noch möglich? Tun das normale Menschen? Irgendwie hoffe ich es, habe aber den Eindruck, dass zunehmend jeder nur für sich schaut.

    Ich drück Ihnen die Daumen, dass bei Ihnen was in der Art wieder auf die Beine hilft.

    Hiob klagt schon, seine Klagen werden erhört und man hilft ihm.

  13. Michael Bamberger sagt:

    Fischer Fritz. “Ich möchte diesen Atheisten wohl kaum des Hochmut bezichtigen…”

    Atheisten ist genau so ein Unwort wie A-Zahnfeeisten, A-Trollisten. A-Osterhasisten oder A-Samischlausisten. Wählen Sie doch lieber ein Attribut, welches jenes besser beschreibt, was Sie zum Ausdruck bringen möchten.

  14. Amara sagt:

    @Ueli: “Seltsamerweise ertappte ich mich auf halbem Weg ein “Vaterunser” zu beten – anscheinend ist mein “Atheismus” doch nicht “so gefestigt” wie ich dachte.”

    Was immer Ihnen zugestossen ist, suchen Sie Unterstützung bei Freunden und tun Sie ansonsten genau das, was Ihnen Ruhe und Kraft zu geben mag. Wegen kurzfristigen Rückgriffen auf’s Opium wird man bestimmt nicht aus dem Club der aufrechten Atheisten ausgeschlossen.

    Ich wünsche Ihnen, dass alles gut ausgeht (was immer es auch ist)!

  15. Ueli sagt:

    Ihr seid alles wunderbare Leute auf diesem Blog – ich weiss überhaupt nicht mehr wem danken. So viel Anteilnahme rührt mich einfach und gibt mir Kraft weiter zu machen. Auch euch und euren Lieben alles Gute.

  16. Fischer Fritz sagt:

    Hinweis:

    “Gäbe es keine Religion – wäre die Welt dann friedlicher?”

    (“huffingtonpost.de” veröffentlicht 20/11/2014, 10:11 CET; aktualisiert 20/11/2014, 14:29 CET)

  17. olive sagt:

    @ Fischer Fritz
    20. November 2014 um 19:49

    “Ich möchte diesen Atheisten wohl kaum des Hochmut bezichtigen – oder sollte ich?”

    Ich habe den Eindruck, genau das haben Sie beabsichtigt.

    Warum sonst kommen Sie postwendend mit der Redensart “Hochmut kommt vor dem Fall”
    auf die Aussage des Priesters “Warten Sie nur, bis es Ihnen einmal schlecht geht..”

  18. Hypatia sagt:

    Annemarie am 20. November 2014 um 18:32@Hypatia:

    Das ist erstaunlich.

  19. andersen sagt:

    Lieber Atheisten-Ueli

    Wünsche auch viel Glück in die Liebe( Bedenken Sie vielleicht, auch der Darwin war sehr glücklich mit seinem christlichen Ehefrau-er wird sich bestimmt nicht wegen Ihr “Rückfall zum Opium” in sein atheistische Grab umdrehen-er bekam ja mit sie 10 Kinder).
    Ich denke, dass war die extreme gemeinsame Liebe zu die Natur, die die beiden verbunden haben.

  20. Fischer Fritz sagt:

    Olive

    Die Redensart “In der Not frisst der Teufel nicht nur Fliegen” erweckt bei mir den Eindruck von jugendlichem Übermut.

    “Der Jugend gehört die Welt” ist kein Zitat aus der Gotthelf-Novelle “Die schwarze Spinne” aus dem Jahr 1842 und auch kein Zitat aus der Bundesverfassung von 1841.

    🙂

  21. Brunhild Steiner sagt:

    @Ueli 20. November 2014 um 17:45 @Brunhild Steiner

    “Falls Sie mich in der Kirche erwischen wie ich eine Kerze anzünde – rufen Sie bitte die Polizei, einen Arzt oder Gott zur Hilfe. Ob sich mein heldenhafter Einsatz an der “Messdienerfront” gelohnt hat? Das Mädchen schickte mir jeden Tag eine selbstgemachte Postkarte mit Liebesgrüssen – meine jetzige Freundin glaubt auch an Gott (aber seltsamerweise nicht an ein Leben nach dem Tod). Gottes Wege sind unergründlich… -”

    Sie werden doch wohl hoffentlich nicht schon mit dem Gedanken daran spielen??? Aber tatsächlich, Seine Wege sind manchmal wirklich sehr undurchschaubar und seltsam, daher würd ich, falls ich Sie erwischen sollte, mich an die letztgenannte Instanz wenden, schätz mal die wüsste am Besten was zu tun und was zu lassen wäre… .
    “Die Peiniger nebenan”, ich hoff jetzt ganz aufrichtig dass Sie nicht in einem wüsten Nachbarschaftskrieg stecken, viel Durchhaltekraft und vorallem baldmöglichst Unterstützung! Lassen Sie sich ja nicht unterkriegen!

  22. Annemarie sagt:

    @Hypatia:
    Erstaunlich ist das eigentlich nur, wenn man nur die von den Medien verbreitete Boulevard-Version der Geschichte kennt. Aber ich muss gestehen, dass ich auch erst in den letzten Tagen etwas tiefer gegraben und auch schon mal ein bisschen in dem Buch von Frau Wagner geblättert habe. Ich denke, es hält sich die Waage: sehr realistische Schilderungen einerseits, aber auch im nachhinein sehr subjektiv und ins Negative verzerrte Deutungen des Gemeinschaftslebens.

  23. Hypatia sagt:

    Annemarie am 20. November 2014 um 22:40@Hypatia:

    Wirklich erstaunlich, wie wir hier angelogen werden.

    Ich bin müde.

    Gute Nacht

  24. andersen sagt:

    Ueli

    Sie sagten, dass Gott Ferien macht.
    Die Liebesbriefe von die kleine Mädchen ist rührend, sehen Sie, selbst bevor Sie gebetet haben, würde es schon gegeben.
    Somit haben Sie immer bekommen, was Sie herbeigerufen hat.

  25. olive sagt:

    @ Fischer Fritz
    20. November 2014 um 22:31

    Ich kann Ihren Gedankengängen nicht folgen.
    Das kleine Beispiel dafür, dass es Menschen gibt, die sich wünschen, dass es anderen nicht allzu gut geht, damit sie wieder demütig nach Gott rufen

    bringt Sie auf Redensarten, die Sie dann aber so doch nicht gemeint haben wollen.
    Es hat auch über haupt nichts damit zu tun, dass ich es im “Nachtcafé” gehört habe, warum Ihnen deshalb graue Haar wachsen sollten oder auch nicht, ist mir auch nicht ersichtlich.
    Solche Sprüche kann man auch im privaten Umfeld hören, jedenfalls bei älteren Generationen.

    Was hier dahinter stecken mag, kann ich nur erahnen: Neid?

    ( jetzt nicht von Ihnen , sondern von denen, die sich das wünschen.)

  26. Fischer Fritz sagt:

    olive

    “Der Teufel mit den drei goldenen Jahren” haben die Brüder Grimm wahrscheinlich (1819) während er Biedermeier-Zeit (1815-1848) geschrieben.

    Gotthelf schrieb “Die schwarze Spinne” 1842 und die Schweiz ihre Bundesverfassung 1841.

    Ich wohne in einem Häuschen das 1843 erbaut wurde.

  27. Fischer Fritz sagt:

    olive

    “Warum?” ist eine Frage nach einer Ursache und eher rückwärtsgerichtet (deduktiv…?).

    “Wozu?” ist die Frage nach Ziel und Zweck, die zukunftsorientiert ist (induktiv…?).

  28. olive sagt:

    @ Fischer Fritz
    21. November 2014 um 14:38

    Warum wozu

    Alles klar, keine weiteren Fragen mehr

  29. Hypatia sagt:

    Annemarie am 20. November 2014 um 22:40@Hypatia

    Offenbar haben sich nun meine Spekulationen als falsch erwiesen. Dennoch gibt diese Geschichte Rätsel auf. Insbesondere ist es doch höchst fragwürdig geworden, ob man in diesem Fall zurecht von sexuellem Missbrauch reden darf und es drängt sich die Frage auf, ab wann man denn nun berechtigterweise von einem sexuellen Missbrauch sprechen kann, und das heisst auch, ab wann man berechtigterweise jemanden öffentlich derart beschuldigen kann und darf. Ich denke und dachte dabei auch die ganze Zeit an Fälle wie jenem, als der Meteorologe Kachelmann derart beschuldigt wurde. Eine solche Anklage allein schon kann ein Leben vernichten.

    Wie sehen Sie das? – Oder zu welchen Schlüssen sind Sie gekommen? – Sie brauchen auf diese Frage nicht zu antworten, aber es würde mich schon interessieren.

  30. Annemarie sagt:

    @Hypatia:
    “Insbesondere ist es doch höchst fragwürdig geworden, ob man in diesem Fall zurecht von sexuellem Missbrauch reden darf und es drängt sich die Frage auf, ab wann man denn nun berechtigterweise von einem sexuellen Missbrauch sprechen kann, und das heisst auch, ab wann man berechtigterweise jemanden öffentlich derart beschuldigen kann und darf. Ich denke und dachte dabei auch die ganze Zeit an Fälle wie jenem, als der Meteorologe Kachelmann derart beschuldigt wurde. Eine solche Anklage allein schon kann ein Leben vernichten.”

    Im konkreten Fall bin ich fein heraus: zwei Staatsanwaltschaften in zwei Ländern haben sowohl das Vorliegen einer Vergewaltigung als auch sexuellen Missbrauches verneint. Frau Wagner ist (juristisch) ebenfalls aus dem Schneider: weder in ihrem Buch, noch in einem der zahlreichen Interviews hat sie den Namen der geistlichen Gemeinschaft oder den Namen des Priesters genannt. Trotzdem weiss alle Welt inzwischen Bescheid, und “das Werk” hat sich dadurch, dass es auf die Vorwürfe reagierte, auch noch selber geoutet.
    Auch wenn ich mich persönlich und “vom Gefühl her” etwas schwer damit tue, ein Missbrauchsgeschehen völlig auszuschließen, wenn ich Frau Wagner eine übergroße Naivität zubillige, die sich der Priester zunutze gemacht hätte, ist mir klar, dass ich mich da an einem schmalen Grat entlang bewege – und dass die juristischen Kriterien dafür nicht erfüllt sind. Übrig bleibt das die Gemeinschaftsregeln brechende Fehlverhalten des Priesters, das innerhalb der Gemeinschaft zu sanktionieren ist und wohl auch sanktioniiert worden ist.

  31. Annemarie sagt:

    @Hypatia:
    Ein ausführliches und aufschlussreiches Interview mit Frau Wagner bringt “Domradio” in der Reihe Menschen.

  32. Melissengeist sagt:

    @ Bernhard Schlegel

    Die besten Vergrösserungsgläser für die Freuden der Welt sind die, aus denen man trinkt. (Joachim Ringelnatz 1883-1934)

  33. Hypatia sagt:

    Annemarie am 21. November 2014 um 19:13@Hypatia:

    “Im konkreten Fall bin ich fein heraus”

    Was meinen Sie damit? –

  34. Annemarie sagt:

    @Hypatia:
    Zitat: “Was meinen Sie damit?”

    Nun, ich habe im selben Satz ja erläutert, was ich damit meine: Dass ich nicht (mehr) darüber zu entscheiden brauche, nachdem zwei Staatsanwaltschaften unabhängig voneinander darüber entschieden haben, von denen ich annehme, dass sie den Sachverhalt auch in Einzelheiten sorgfältig erhoben haben, die ich nicht kenne, jedoch kennen müsste, um Ihre Frage auch für mich selbst eindeutig beantworten zu können. Anders gesagt: nachdem zwei Staatsanwaltschaften die Entscheidung gefällt haben, dass weder Vergewaltigung noch sexueller Missbrauch im strafrechtlichen Sinne vorliegen, werde ich aus der dritten Reihe nicht hergehen und etwas anderes behaupten. Trotz gewisser Zweifel, ob im moralischen Sinne eben nicht doch von Missbrauch gesprochen werden könnte/müsste, wenn ein wesentlich älterer Mann und Priester die Finger nicht von einer extrem naiven jungen Schwester seiner Gemeinscahft lassen kann. Der hatte ja nun Bewegungsfreiheit und damit Gelegenheit genug, um erwachsene und geistig reife Frauen ausserhalb der eigenen Gemeinschaft anzubalzen.

  35. Moritzmax sagt:

    Annemarie
    Der Missbrauch des Priesters ist so unwahrscheinlich wie Korruption bei der Fifa. Das hat die Ethikkommission der Staatsanwaltschaft entschieden.

  36. olive sagt:

    @ Annemarie
    22. November 2014 um 02:57

    “Der hatte ja nun Bewegungsfreiheit und damit Gelegenheit genug, um erwachsene und geistig reife Frauen ausserhalb der eigenen Gemeinschaft anzubalzen.”

    Genau davor haben viele ( unreife ) Männer Angst.

  37. andersen sagt:

    Ein normaler Frau würde sich auch nicht eine Sekunde auf ein Mann einlassen, die in ein Zölibat lebt.
    Das wäre ja Absurd.

  38. Annemarie sagt:

    @Olive:
    In reifem Alter unreif zu sein, ist nicht strafbar.

    @andersen:
    Ich halte es weder für absurd, dass Frauen sich auf zölibatär lebende Priester “einlassen”, noch halte ich sie deswegen für unnormal. Dass Priester aus dem Priesteramt ausscheiden und die Frau heiraten, die sich mit ihnen “eingelassen” hat, ist schließlich nicht ungewöhnlich.

  39. Hypatia sagt:

    Annemarie am 22. November 2014 um 02:57@Hypatia

    In Anbetracht der Situation bleibt der moralische Vorwurf an diesen älteren, zölibatär lebenden Herrn bestehen, dass er sich überhaupt auf eine derartige Beziehung eingelassen hat. Der Rest bleibt eine blosse Vermutung.

  40. Annemarie sagt:

    @Hypatia:
    Zitat: “In Anbetracht der Situation bleibt der moralische Vorwurf an diesen älteren, zölibatär lebenden Herrn bestehen, dass er sich überhaupt auf eine derartige Beziehung eingelassen hat.”

    Richtig. Dies wurde ihm ja von der Gemeinschaft auch zum Vorwurf gemacht und entsprechend sanktioniert: er hat seinen Schreibtisch in der römischen Kurie räumen müssen und sitzt jetzt wieder in der vorderösterreichischen Provinz. Nachdem inzwischen jeder wissen kann, um wen genau es sich handelt, wird sich daran wohl auch nicht mehr viel ändern, für eine Karriere in der Kirche dürfte er verbrannt sein. Ich bin ein bisschen neugierig darauf, ob er von der Gemeinschaft nicht evtl. ins Ausland “befördert” wird (Rom und Vatikanstaat ausgenommen).

  41. Moritzmax sagt:

    Der vogesetzte Priester, der das Abhängigkeitsverhältnis zwischen sich und dieser Doris Wagner schamlos zu sexuellen Taten ausgenützt hat, ist meiner persönlichen Auffassung nach des Missbrauchs schuldig. Ganz klar und eindeutig.

  42. Moritzmax sagt:

    …. und dass die Fifa nicht korrupt sei…..
    🙂
    🙂
    🙂

    hahahahahahah…!!!

  43. olive sagt:

    “Krone”: Frau Wagner, wie schmerzvoll war es, dieses Buch zu schreiben?
    Doris Wagner: Es ist natürlich keine schöne Geschichte. Ich musste die Seiten immer wieder weglegen, dann sind mir die Tränen über das Gesicht gelaufen. Letztendlich hat es aber gut getan, alles in Worte zu fassen und auf Papier zu bringen. Das jetzt in die Hände von Menschen zu geben, die ich gar nicht kenne, ist allerdings auch ein merkwürdiges Gefühl.

    http://www.krone.at/Oesterreich/Was_ist_im_Kloster_passiert._Frau_Wagner-Missbrauchte_Nonne-Story-426600

  44. Annemarie sagt:

    @Olive

    Zitat: “Missbrauch ist das bestimmt, wenn es auch nicht juristisch relevant ist.”

    Ich habe ja schon gesagt, dass ich auch zu der Annahme neige. Allerdings stütze ich mich dabei nicht auf Artikel von der Sorte, zu der Sie verlinkt haben. Das nenne ich Boulevard-Story, durch das Buch von Frau Wagner und die weniger oberflächlichen Interviews ist die Darstellung des Blick jedenfalls kaum gedeckt.
    Es fängt schon mit dem Titel an: sie sei “als Nonne im Orden missbraucht” worden. Frau Wagner war weder Nonne noch war sie in einem Orden (“das Werk” ist kein Orden)…

  45. Moritzmax sagt:

    Annemarie

    Wortklauberei macht Geschehenes nicht weniger schlimm. Verharmlosung, Paragraphenreiterei bzw. das Pseudo-Verhöhnen von Opfern auch nicht.

  46. olive sagt:

    @ Annemarie
    22. November 2014 um 16:59

    Ich bin mir bewusst, dass es sich hier um Boulevard-Medien handelt, das hat sich einfach grad aufgetan bei der Google Suche, ich rühme mich ja keiner tiefer gehenden Kenntnisse.
    Aber sie hat Interviews gegeben, wenn auch “oberflächliche”, wie Sie es nennen, die Einblick geben in das Geschehen.
    Sie räumt z.B. auch ein, dass es mit ihre Verfassung war, die das alles zuliess, ihre Unfähigkeit, sich zu wehren und dem Werk früher den Rücken zu kehren.

  47. Annemarie sagt:

    @Olive:

    “Sie räumt z.B. auch ein, dass es mit ihre Verfassung war, die das alles zuliess, ihre Unfähigkeit, sich zu wehren und dem Werk früher den Rücken zu kehren.”

    Und macht ausschließlich den Drill (ich nenne das mal so), dem sie in der Gemeinschaft ausgesetzt war, für diesen Zustand verantwortlich. Das ist sicher zum Teil richtig, aber dazu muss sie schon eine gewisse Disposition mitgebracht haben. Weil nicht alle Mitglieder dieser Gemeinschaft als willenlose, seelenverkrüppelte Geschöpfe herumlaufen und weil es relativ häufig vorkommt, dass Mitglieder schon nach relativ kurzer Zeit feststellen, dass die Gemeinschaft nicht ihren Vorstellungen und Bedürfnissen entspricht – und dann wieder gehen.

    Die eigene “Mitgift”, die sie selbst in die Gemeinschaft mitgebracht hat, sieht sie (noch) nicht, gelegentlich verrät sie sie aber, z.B. wenn sie von den “hohen”, für mich überhöhten Idealen und der schwärmerischen Einstellung erzählt, mit denen sie der Gemeinschaft beigetreten ist, obwohl sie, wie jüngst bei einem Radiointerview einräumt, dass ihr bei der ersten Begegnung mit deren Vertretern manches als “komisch” aufgefallen sei.

    Mit dem Differenzieren hat sie noch nicht angefangen.

    Um kein Missverständnis heraufzubeschwören: mir als “geborener” Katholikin haben sich bei der Schilderung der Gründe für die Konversion der ganzen Familie die Haare gesträubt: “Da gibt es den Papst, und da gibt es Bischöfe, und die sagen den gewöhnlichen Gläubigen, wo es langgeht, und wenn sich alle daran halten, werden alle glücklich”. Und dann behauptet sie unter Berufung auf ihr eigenes Theologiestudium einem anderen Theologen gegenüber auch noch, dass das “Lehre der Kirche” sei. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln …

    Dessen ungeachtet und abgesehen davon, dass ich an diese jungen Gemeinschaft noch einiges als sehr unausgegoren sehe, haben die (als richtig unterstellten) Schilderungen von Frau Wagner bei mir doch einige Zweifel an der (pädagogischen) Kompetenz zumindest einiger “Verantwortlicher” in dieser Gemeinschaft geweckt . Aber diese aufzudecken und entsprechende Vorschläge/Auflagen zur Verbesserung zu machen, ist Sache der ausführlichen Visitation durch die zuständige römische Kongregation, der die Gemeinschaft vor kurzem unterzogen wurde.

  48. andersen sagt:

    @Anne.Marie

    Die Aschenputtel-Geschichte kennt fast jedes Kind.

    “Linsen zu lesen”
    “ja, gern liebe Täubchen”
    “bitte, die Schlechten ins Kröpfchen, die Guten ins Topfschen.”

    Die Doris hat erwähnt, dass sie nicht was normales machen wollte, auch das sie immer wieder weinen muss, wenn sie die selbstgeschriebenes Märchenbuch liesst.
    Viele Aussteigerberichte gibt es und ich glaube, was die Menschen am meisten plagt, ist die vergeudete Zeit.

  49. Annemarie sagt:

    @andersen

    Ich unterhalte mich hier nicht über Märchen und auch nicht über Märchenbücher.

    So sehr vergeudet scheint Frau Wagner die Zeit in der Gemeinschaft “das Werk” nicht zu haben, auch wenn sie mit manchen ihrer Schilderungen diesen Eindruck erweckt.
    Drei Jahre ihres Philosophie- und Theologiestudiums, derzeit also die Hälfte, hat sie immerhin als Mitglied der Gemeinschaft “das Werk” und auf deren Kosten absolviert, dazu fließend Italienisch gelernt, sich durch Vermittlung des Ordens in Rom Kenntnisse in Geschichte und Archäologie angeeignet, die sie später befähigt haben, mit diesen Kenntnissen Geld zu verdienen, und – last not least – in der Gemeinschaft und durch die Gemeinschaft den Mann kennengelernt, mit dem sie jetzt verheiratet ist.