Logo

Atheisten – die besseren Christen?

Hugo Stamm am Samstag den 4. Oktober 2014
Hugo Stamm

Gottesdienst, nur ohne Gott: Sunday Assembly in London. Foto über: London Evening Standard

 

Gottesdienste am Sonntagmorgen sind für viele Zeitgenossen so attraktiv wie das Bündeln von Altpapier. Kirchen stehen heute in Konkurrenz mit Clubs und Discos, denn junge Leute kommen oft erst nach Hause, wenn die Glocken zum Gottesdienst rufen. So überrascht es kaum, dass es vorwiegend ältere Semester sind, die dem Pfarrer Gesellschaft leisten. Mit dem Tod vor Augen betet es sich leichter.

Doch das Bedürfnis nach Ritualen und spirituellen Empfindungen ist eine anthropologische Konstante. Insofern sind die Clubs für viele eine Art Kirchenersatz. Alle anderen Kirchenflüchtlinge suchen spirituelle Alternativen. Wo die Nachfrage gross ist, wächst in einer kapitalistischen Gesellschaft rasch das Angebot. Marktleader und Sammelbecken für gestrandete Christen ist die Esoterik mit ihren Hunderten von Disziplinen und Ritualen. Die Industrie zur Befriedigung spiritueller Bedürfnisse setzt denn auch Dutzende Millionen in der Schweiz um.

Nun rüsten auch die Atheisten auf. Die Gottlosen haben offenbar ebenso das Bedürfnis nach Gemeinschaftserlebnissen und Ritualen. Doch wie sieht ein «Gottesdienst» der Atheisten aus? Fast wie ein richtiger Gottesdienst.

Konkret: In 35 Städten feierten atheistische Organisationen am vergangenen Sonntag erstmals ihre Sunday Assemblies. Ihr Glaubensbekenntnis: «Lebe besser, hilf öfter, staune mehr». In Berlin zum Beispiel trafen sich gegen 150 Nichtgläubige. Sie sangen Lieder («I’m Walking on Sunshine»), die Texte wurden wie bei Freikirchen auf eine Leinwand projiziert, sie klatschten und schunkelten, wie wir es von den Charismatikern kennen. Die atheistische «Priesterin» forderte die Teilnehmer zu einer zweiminütigen stillen Einkehr auf, in Kirchen Gebet genannt. Die Predigt wurde in Form einer philosophischen Rede gehalten. Allerdings ging der Opferstock nicht durch die Reihen, sondern stand still beim Eingang.

Auf den ersten Blick staunt man ob der Einfallslosigkeit der Atheisten. Auf den zweiten Blick erkennt man, dass es von der Form her kaum eine Alternative zum Gottesdienst gibt. Wo sich Menschen zusammenfinden, wird gesungen – siehe das aktuelle Oktoberfest. Wenn sie sich geistig erbauen wollen, horchen sie einem mehr oder weniger weisen Redner. Und wenn sie zu sich finden wollen, halten sie Einkehr oder beten. Daran hat sich in den letzten 2000 Jahren wenig geändert, wie die Atheisten beweisen. Und doch möchte man mit Jesus rufen: «…denn sie wissen nicht, was sie tun.»

Erste Sunday Assembly in Berlin:

Quelle: Spiegel online

« Zur Übersicht

507 Kommentare zu “Atheisten – die besseren Christen?”

  1. Alienus sagt:

    @Pasionaria

    Wirrungen
    .
    Oh Gott, Pasionaria, auch du?
    Da hauch ich leise nun ein buh!

  2. Pasionaria sagt:

    Alienus

    wer wirrt
    wer irrt
    ?

    Nenn mich nicht ‘Gott’ – bin Göttin nur
    von wegen ‘auch du’ – bin Objektivität pur!
    Tu mir auch nicht ‘buh’ hauchen
    fühlt sich an wie zusammenstauchen.

    Jesusworte – jesses nei
    sind im Leben sowas von einerlei
    Dagegen Worte von M. Gandhi
    dazu widerspruchslos: stand i!

  3. - sagt:

    Der leiste Buh ist angekommen, die manchmal gerne vor ein lauter Göttin überhört wird.
    Ja, die Zeiten sind vorbei, wo man fromme Worte Sagen konnte-ist vorbei.
    Auch wo die Zuwendung die Menschen heiter und ruhig machte und wo die Erleuchtung vor die Freaks kam.

  4. Püppchen sagt:

    Jedes Grüppchen
    kocht ein Süppchen
    aber nicht für andre Clübchen

  5. schöne Leserbriefe sagt:

    h ttp://www.zeit.de/community/2014-10/glaube-vernunft-urvertrauen-religion

  6. - sagt:

    Der Ecopop wollen die Kondomenverteiler der Welt sein und sagt: Do it for Switzerland, sonst verlangen wir noch Eintrittspreise.

    Doch was ist ein Kondom mit ein Loch?

    Kinderüberraschung!

  7. Mediathek sagt:

    Mut gegen Macht, Nicht ohne meine Kinder
    WDR lief am 20.10.

    siehe auch hier
    h ttp://www.artikel-4.de/content/tv_sendungen.html