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Was Jesus dem PR-Genie Paulus verdankt

Hugo Stamm am Samstag den 27. September 2014
Paulus-Figur im umstrittenen Creation Museum in Petersburg (USA). Foto:  John Scalzi/Flickr

Schönte das Porträt von Jesus: Paulus als Wachsfigur im umstrittenen Creation Museum in Petersburg (USA). Foto: John Scalzi/Flickr

Für die christliche Welt ist klar: Jesus ist als Sohn Gottes der Begründer der grössten Weltreligion. Der jüdische Wanderprediger hat mit seinen Wundertaten und dem Märtyrertod ein glaubhaftes religiöses Zeugnis abgelegt. Doch wie lässt es sich erklären, dass einer von vielen Wanderpredigern im dünn besiedelten Palästina eine Bewegung initiieren, sich über die ganze Welt verbreiten und 2000 Jahre lang das spirituelle Bewusstsein einer Bevölkerungsmehrheit prägen konnte?

Dieses Kunststück hat nicht Jesus geschafft, denn der Prediger geriet ausserhalb urchristlicher Gemeinden rasch in Vergessenheit. Denn schon zu Lebzeiten blieb sein Bekanntheitsgrad bescheiden, gibt es doch nur ein paar wenige historische Zeugnisse von ihm.

Die weltweite Expansion gelang vielmehr einem begnadeten PR-Manager. Sein Name ist Paulus. Der Evangelist kannte Jesus nicht persönlich, der war längst tot. Paulus konnte sich auch nicht auf schriftliche Zeugnisse von oder über Jesus stützen, denn es gab nur mündliche Überlieferungen. Für Paulus war Jesus also eine virtuelle Figur. Deshalb konnte der Taktiker alle Attribute in ihn hineinprojizieren, die ihn zum Helden und Märtyrer machten.

Die stärkste PR-Marke – um es mit der Marketingsprache zu formulieren: Paulus präsentierte Jesus als Sohn Gottes. Damit wurde Jesus unantastbar. Er kam auf die Erde, um sich in den Dienst der Menschen zu stellen und für diese am Kreuz zu sterben. Doch diese Überhöhung hätte Jesus als tiefgläubiger Jude nicht akzeptiert. Sich gottgleich zu machen, wäre aus jüdischer Sicht eine Anmassung gewesen. Das gilt auch für die Auferstehung. Zeugnisse oder Zeugen darüber gibt es ohnehin nicht.

Auch in einem anderen Punkt überging Paulus Dogmen von Jesus. Dieser hatte von den Gläubigen verlangt, dass sie sich beschneiden lassen und den jüdischen Glauben übernehmen, um Christ werden zu können. Damit war das Missionsfeld eng begrenzt. Paulus hatte aber die ungläubigen Griechen und Römer im Visier und warf die religiösen Bedingungen von Jesus über Bord.

Weiter nahm PR-Genie Paulus einen Weichzeichner und schönte das Porträt von Jesus. Aus einem radikalen und unerbittlichen Asketen und Eiferer, der Pflugscharen zu Schwertern machte, modellierte er einen sanftmütigen und liebenswürdigen Religionsstifter und Sohn Gottes.

Paulus wusste offenbar auch, dass Religion und Glauben von einprägsamen Symbolen und Metaphern leben. So schuf er die wohl einfachste Corporate Identity: das Kreuz.

Es war also nicht Jesus, der das Christentum als Bewegung begründete, auch nicht ein Apostel, sondern ein gewiefter Marketingstratege, der viel von Massenpsychologie verstand.

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540 Kommentare zu “Was Jesus dem PR-Genie Paulus verdankt”

  1. Brunhild Steiner sagt:

    @Ueli, 2. Oktober 2014 um 20:59 @Brunhild Steiner

    “3. Natürlich werden “Milliarden verteilt”. Waren Sie schon mal in Rom? Haben Sie sich schon mal den unermesslichen Reichtum angeschaut, der über Jahrhunderte zusammengerafft wurde?”
    Zwar war ich schon in Rom, müsste es aber nicht gewesen sein um zu wissen
    dass die RKK ein Repräsentant (ein zugegeben grosser) unter VIELEN ist,
    und die Gleichung “Religion” oder “Christentum” gleich “RKK” falsch.

  2. Ueli sagt:

    @Brunhild Steiner
    Die Priesterfürsten der anderen Konfessionen der Christenheit haben genau so gerafft in Europa (die Verschacherung des Kirchenvermögens an die Fürsten unter Luther und co., welche als Dankeschön den protestantischen Kirchenfürsten Macht / Einfluss / Reichtum bescherten, 30 jähriger Krieg u.s.w.) und beim Raubzug in Nordamerika, Südamerika, Afrika aktiv mitgemacht. Ob Protestanten oder Katholiken – den Reichtum haben beide nicht verschmäht. Die Protestanten haben mit Calvin sogar eine “Prädestinationslehre” gepredigt, welche den Reichen als von Gott “auserwählt” sah — know your history.

  3. Schneeröschen sagt:

    @Ueli

    Zum Glück ist wenigstens den Kommunisten das Raffen völlig fremd, die Führungsschicht in deren vorbildlichen Ländern hat ein äußerst bescheidenes Leben geführt, während die Arbeiter das sozialistische Paradies in vollen Zügen genießen durften.

  4. Ueli sagt:

    @Schneeröschen
    Im Unterschied zum Christentum gab es den Kommunismus noch überhaupt nicht. Ausser Sie verwechseln Stalinismus mit Kommunismus – was gelinde gesagt Bullshit ist.

  5. Schneeröschen sagt:

    @Ueli

    Nachdem sich die diversen sozialistischen Traumrepubliken in Albträume verhandelt hatten, könnte man glücklicherweise leicht feststellen, dass keine Kommunisten für das ganze Desaster verantwortlich waren, jedenfalls keine wahren Kommunisten. Obwohl diejenigen, die mordeten und plünderten durchaus der Meinung waren, dass sie den wahren Kommunismus aufbauten.

    Zum Glück darf man Ueli glauben, dass dies keine wahren Kommunisten waren, sondern hinterhältige Leninisten, Stalinisten, Maoisten, rote Khmer.

    @Brunhilde

    Bitte kommen Sie nicht auf die Idee darauf hinzuweisen, dass all die raffgierigen Kirchenfürsten ebenfalls keine wahren Christen waren. Ueli wird diesen Einwand mit dem Hinweis auf das no true scotsman Problem locker zertrümmern.

  6. Alexander sagt:

    @Ueli: “religiösen Bedürfnissen”

    Religiöse Bedürfnisse sind – auch meiner Meinung nach – berechtigt. Kritik an den bestehenden Verhältnissen sowieso. Spiritualität, religiöse Feste, Beerdigungen, Taufen, Rituale und auch die Kirchen gehören zu unserer Kultur. Ich hab auch schon an einer intelligenten Predigt Gefallen gefunden.

    Problematisch wird es erst, wenn Glauben den Anspruch an objektiver Wahrheit begründet. Ganz verwerflich finde ich, wenn man Wörter aus einem Buch für sich so zurecht büschelt und das erst noch als Wahrheit hält. Oder sogar noch als ewiges Gesetz, das unser Handeln bestimmen soll. Gesetze sind blosse gesellschaftliche Abmachungen und können geändert werden.

    Die Schöpfungsmythen wie Genesis oder der Anfang des Johannesevangelium sind ja historisch interessant, doch sie können nach Belieben interpretiert werden und sind für die heutige Kosmologie mehr als untauglich. Die Frage nach dem kosmologischen Anfang konnte vor 2000 Jahren noch gar nicht adequat gestellt werden.

    Was soll das heissen? Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott? Anscheinend sind Gott und das Wort nicht identisch, doch Christus ist das Wort, und Christus ist Gott und der heilige Geist. Die Wörter verlieren so jede vernünftige Bedeutung. Viel intereressanter wäre die Frage, ob es ausserhalb des Anfangs etwas gibt und welche Natur dieses Ausserhalb hat. Es ist ja ziemlich vermessen zu meinen, dass dieses Ausserhalb eine Art übermenschliches Tier sein könnte, das sich einfach mal langweilte, und dann plötzlich ein anthropomorphes Bewusstsein und einen Schaffensdrang bekam. Ich kann mir diese Projektion nur als Überheblichkeit des menschlichen Geistes erklären.

  7. Brunhild Steiner sagt:

    @Ueli, 2. Oktober 2014 um 21:32 @Brunhild Steiner

    “Die Priesterfürsten der anderen Konfessionen der Christenheit haben genau so gerafft in Europa (die Verschacherung des Kirchenvermögens an die Fürsten unter Luther und co., ”

    Könnten Sie mir das näher aufschlüsseln, um welche andere Konfessionen es da gehen soll?
    Das Christentum besteht aus weit mehr Teilen als den Landeskirchen.

  8. Brunhild Steiner sagt:

    @Schneeröschen, 2. Oktober 2014 um 22:36 @Brunhilde

    “Bitte kommen Sie nicht auf die Idee darauf hinzuweisen, dass all die raffgierigen Kirchenfürsten ebenfalls keine wahren Christen waren. Ueli wird diesen Einwand mit dem Hinweis auf das no true scotsman Problem locker zertrümmern.”

    😉 ich werd es wohl nie lassen können, manchmal auf die Doppelbödigkeit gewisser Argumentationsketten hinzuweisen, die menschenliebenden und hingebungsvollen wahren Kommunisten also sind vom hinterhältig gekaperten Kommunismus zur Selbstbereicherung und Machtdurchsetzung selbstverständlich zu trennen (aber nur sie)…, die Diskussionskultur befindet sich auf “Christenseite” mehrheitlich weit unter dem Zulässigen etc.

  9. im Namen von sagt:

    Jesus natürlich
    (Kolumne Strandreporter)
    h ttp://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2014-09/wahlkampf-brasilien-malafaia-advec-kirche

  10. andersen sagt:

    Das einzige, was hier positiv ist , dass niemand DAS wieder wollen, was einmal WAR.

    Somit hat es beim allem eine Entwicklung statt gefunden.
    Heute gibt es nicht den Christenturm, den Islam, den Atheismus.

    Sondern es gibt nur die Frage:

    Wer glaubst du eigentlich zu sein?
    Dies können Sie, ohne Belohnung, ohne Billigung und Zustimmung, ja sogar, ohne überhaupt bemerkt zu werden.

  11. Ave Maria sagt:

    @ andersen

    Real ist es so, dass sich jeder so sieht, wie er gerne sein möchte, statt so, wie er wirklich ist.
    Die Frage, die gar keine ist, lautet dann so: Erkenne dich selbst.

  12. Ueli sagt:

    @Schneeröschen@Brunhild Steiner
    Das Christentum (auch wenn es keinen Monolith darstellt) hatte 2000 Jahre Zeit seine “Friedensbotschaft” zu übermitteln und die Menschen vom Joch der Ungerechtigkeit zu befreien. Das “Resultat” scheint mir äusserst dürftig auszufallen. Der “real existierende Sozialismus” hingegen wurde frühestens vor 100 Jahren in unterentwickelten Ländern (Russland, China, teilweise ehemaligen Kolonien (Vietnam, Kamoboscha, Kuba) eingeführt und musste dort (unter den Bedingungen des 20. Jahrhunderts, welche den Kapitalismus erst zur vollen Blüte brachten und auch im Westen den “Staatskapitalismus” schufen) zwangsläufig zum Desaster verkommen. Geben Sie der “kommunistischen Idee” weitere 1900 Jahre, die das Christentum hatte, – und wir werden sehen “wer hier als letzter lacht”.

  13. Ueli sagt:

    @Schneeröschen@Brunhild Steiner
    Hier ein kleines Beispiel wie der “real existierende Sozialismus” z.B. nach Kuba kam:
    “Havanna glänzte, die Cadillacs sausten durch ihre Luxusalleen, und in dem grössten Kabarett der Welt wiegten sich die schönsten “Vedetten” im Rhytmus Lecuonas; zur gleichn Zeit trank im Landesinnern von Cuba nur einer von je zehn Landarbeitern Milch, genoss kaum vier Prozent Fleisch und erhielten, nach Feststellungen des Nationalen Wirtschaftsrates, drei Fünftel der Landarbeiter Löhne, die drei- bis viermal niedriger als die Lebenshaltungskosten waren.
    Aber der Zucker brachte nicht nur Zwerge (mit grossem Kopf und geschwollenen Bäuchen) hervor. Er brachte gleichfalls Riesen hervor oder trug zumindest in in intensiver Weise zur Entwicklung der Riesen bei. Der aus der lateinamerikanischen Tropenzone stammende Zucker verlieh der Anhäufung von Kapital zur industriellen Entwicklung Englands, Frankreichs, Hollands und auch der Vereinigten Staaten einen wichtigen Impuls, während er gleichzeitig die Wirtschaft der Nordostzone Brasiliens und die der Karibischen Inseln verstümmelte und den historischen Ruin Afrikas besiegelte. Der Dreieckshandel zwischen Europa, Afrika und Amerika hatte den Sklavenhandel zur Versorgung der Zuckerplantagen als Tragsäule. Die Geschichte eines einzigen Zuckerkorns ist eine ganze Lektion in Wirtschaftspolitik, Politik und auch Ethik, sagte Auguste Cochin.

  14. Brunhild Steiner sagt:

    @Ueli:
    tja, wenn Sie weiterhin konsequent alle christlichen Gemeinschaften ausserhalb der von Ihnen anvisierten Kritisierten ausblenden, inklusive deren Einsatz auf humanitären Gebieten von Medizin bis Landwirtschaft über Bildungswesen bis Handwerk (mit Fokus auf Überwindung von Ungerechtigkeiten), dann wirds allerdings aussichtlos.

  15. Ueli sagt:

    @Brunhild Steiner
    Dann nennen Sie doch mal ein paar “christliche Gemeinschaften” und deren “Einsatz auf humanitärem Gebiet” und stellen Sie diese dann fairerweise in Relation mit allem Leid, welches wiederum “christliche Gemeinschaften” in die Welt getragen haben. Mal schauen ob diese “Gleichung” aufgeht…

  16. olive sagt:

    @Hypatia

    noch zum Geschichtsverständnis von Hamed abdel Samad:

    “Der Islamismus ist keine Sache der letzten hundert Jahre, sondern der Islamismus ist genau so alt wie die Geschichte des Islams selbst”

    So sieht es doch ein bisschen anders aus, ob man damit einverstanden ist oder nicht.

    ZDF login

  17. Rabbi Jussuf sagt:

    olive
    Es ist immer problematisch eine Zäsur machen zu wollen, wie wenn jemand sagt, der Islamisnus sei erst vor 100 Jahren in Erscheinung getreten.
    Stimmt natürlich – wenn man es von heute aus betrachtet, begann das mit der Gründung der Muslimbruderschaft und entwickelte sich dann über verschiedenste Verzweigungen und Verbindung zum heutigen Islamismus.
    Nur entstand die Muslimbruderschaft ja auch nicht im luftleeren Raum. Davor gab es den Wahhabismus (die hatten damals 18./19. Jh.) eine etwa ähnliche Geisteshaltung wie die heutigen Salafisten) und davor noch andere. Eins entwickelte sich aus dem anderen.
    Wo genau will man da eine Zäsur machen?

  18. olive sagt:

    @Rabbi Jussuf

    es ging da um die Aussage abdel Samads, der Islam habe faschistische Züge
    worauf Hypatia meinte, dieser Mann habe keine Ahnung von Geschichte und

    Faschismus ist eine Ideologie und Bewegung, die erst im 20. Jahrhundert, insbesondere nach dem 1. Weltkrieg aufgetaucht ist. Diese Ideologie als immanenten Bestandteil einer Religion festzustellen, die seit über tausend Jahren besteht, ist daher geschichtsblind. Der Islamismus ist eine Erscheinung der Moderne und ohne sie undenkbar.

  19. Rabbi Jussuf sagt:

    olive
    ist mir schon klar, dass es um diese Aussage ging.

    Samad sagte aber auch, dass die anderen Monotheismen auch faschistische Züge hätten, oder gehabt hätten.

    Es geht hier ja nicht um DEN Faschismus, sondern nur darum, dass da durchaus gewisse Gemeinsamkeiten festzustellen sind.

  20. Brunhild Steiner sagt:

    @Ueli, 3. Oktober 2014 um 13:43 @Brunhild Steiner

    “Mal schauen ob diese “Gleichung” aufgeht…”
    Die Gleichung wird nicht aufgehen.
    Möchten Sie auch wissen weshalb?
    Weil Sie, was Sie sich zwar Ihrerseits, wenn es um die Opfer des Kommunismus geht strengstens verbeten haben wollen,
    bezüglich Täter aus “christlichen Gemeinschaften”, alles in den selben Topf werfen, und somit aufgrund von sehr viel Machtmissbrauch/Gewalt zu hohen Opferzahlen gelangen- obwohl die dazu geführten Taten mit “Christsein” nichts zu tun hatten.

  21. Karl Martell junior sagt:

    @brunhild steiner
    @ueli
    Ungern mische ich mich in diese Debatte, fern des anstehenden Themas, ein.
    Um es nochmals zu sagen: Ideologien forderten und fordern Opfer
    Die Erfolgsreihenfolge ist nach heutigem historischen Kenntnisstand wie folgt
    1. Italienischer und deutscher Faschismus rund 7 Millionen Gewaltopfer (Kriege ausgeschlossen, weil nicht ideologisch begründet). Aktivität seit 1945 abgeschlossen
    2. Kommunismus rund 100 Millionen, immer noch aktiv im Morden.
    3. Islam rund 260 Millionen, seit Beginn um 630 post Christum natum. Sehr aktiv, siehe Flüchtlingswellen.
    Jetzt wird Ueli noch die Opferzahl der Zionisten bringen, danke zum voraus, ich kenne sie nicht, vermutlich unter 7 Millionen.
    Ja, und der Buddhismus? der Konfuzianismus? Der Neoliberalismus? Der ….ismus X der …ismus Y?

  22. Karl Martell junior sagt:

    @brunhild steiner
    @ueli
    Ungern mische ich mich in diese Debatte, fern des anstehenden Themas, ein.
    Um es nochmals zu sagen: Ideologien forderten und fordern Opfer
    Die Erfolgsreihenfolge ist nach heutigem historischen Kenntnisstand wie folgt
    1. Italienischer und deutscher Faschismus rund 7 Millionen Gewaltopfer (Kriege ausgeschlossen, weil nicht ideologisch begründet). Aktivität seit 1945 abgeschlossen
    2. Kommunismus rund 100 Millionen, immer noch aktiv im Morden.
    3. Islam rund 260 Millionen, seit Beginn um 630 post Christum natum. Sehr aktiv, siehe Flüchtlingswellen.
    Jetzt wird Ueli noch die Opferzahl der Zionisten bringen, danke zum voraus, ich kenne sie nicht.
    Ja, und der Buddhismus? der Konfuziansmus? Der .

  23. andersen sagt:

    Ueli spricht von Deppen, die an Gott glaubt:

    Es erinnert mich an ein Zitat aus der Forest Gump

    “I’m not a clever Man, but I know, what Love is”.

  24. Hypatia sagt:

    olive am 3. Oktober 2014 um 15:23 @Hypatia

    Buchhinweis: ISLAMISMUS, Geschichte, Vordenker, Organisationen von Tilman Seidensticker

  25. andersen sagt:

    Es ist schon der vierte westliche Geisel, die von der IS der Kopf verloren hat.
    Der Mann hinterlässt 2 Kinder.

    Es gibt es Vers in der Koran:

    “Allahs Zorn wird an die richten, die der Vernunft verloren hat”.
    Der Mufti über 2 Millionen Muslimen hat sie aufgerufen, gegen der Terrorgruppe IS vorzugehen und der Saudi -Arabien hat sich der US-Miliz, die Franzosen, die Engländer und die Dänen angeschlossen.
    Somit brauchen sie nicht weiter der schwarzer Stein in Mekka zu küssen und anbeten, sie können denn mit guter Gewissen und mit erhobender Haupt in den Himmel heraufschauen.
    70 Jahre Frieden in West- Europa ist ein grosser Errungenschaft und ich erinnere mich an der Tag Heute, der 3 Oktober 1990 beim Mauerfall, wo es gefeiert wurde, wie selbstverständlich die Freiheit sein kann.
    Selbstverständlich auch die Meinung-und Pressefreiheit, ohne sie, gab es nicht die Aufklärung.

  26. andersen sagt:

    Ich meine, somit wird keine weitere schwarzer Stein auf den Grind von die Muslime fallen, wenn sie fähig ist, das Vers aus der Koran zu lesen.

  27. Meinrad Thomas Angehrn sagt:

    Randbemerkung:

    «Die Bereitschaft [der Erwartung] ihrerseits ist aber noch einmal anders, je nachdem ob sie ins Leere hinauswartet oder ob sie dem entgegengeht, den sie in seinen Zeichen erkennt, so daß sie gerade im Zerfall ihrer eigenen Möglichkeiten seiner Nähe gewiß wird.» (Joseph Ratzinger, Benedikt XVI., Eschatologie. Tod und ewiges Leben, Regensburg 2007, S. 161)

    “… im Zerfall ihrer eigenen Möglichkeiten …”: Woher weiss Ratzinger das?

  28. Meinrad Thomas Angehrn sagt:

    @ Ueli am 2. Oktober 2014 um 19:52:

    “Ich habe in meinem Leben auch schon ein Wolkengebilde gesehen, welches exakt einem ejakulierenden Penis glich. Können Sie mir dieses ‘Himmelszeichen’ mal deuten?”

    Ich gehe natürlich nicht nur in die Kantonsbibliothek, sondern habe auch eine Privatbibliothek. Daselbst habe ich noch ein (ganz dünnes) Geheimarchiv, wo ich tatsächlich einen Hinweis gefunden habe. Der ejakulierende Penis weist auf eine Gleichheit des Opfertieres mit meiner Selbstaufopferung im Bidental-Ritus auf, ebenso auf Nr. 3 von den folgenden drei Nummern [zur katholischen Auffassung des ewigen Lebens]:

    Nr. 1 locus refrigerii
    Nr. 2 locus lucis
    Nr. 3 locus pacis

    Post scriptum ad vitam æternam: … als wehte ein taufrischer Wind (Dan 3,50 EU, in meiner Ausgabe S. 999).

  29. Chüng sagt:

    Werde die römische Verbrecherkirche auf Schmerzensgeld für 27 Jahre (2014-1987) Kerkerhaft einklagen.

    PS: Mit Chüng ist der König beim Jassen gemeint, zum Beispiel der “Rose Chüng”, aber auch der deutsche König des Alten Reiches.

  30. und der einzelne Mensch? sagt:

    lesen Sie doch einmal im Buch (Leseprobe…allein das Inhaltsverzeichnis!)
    Der Satan schläft nie

  31. Ave Maria sagt:

    @ an die Koran-Kenner

    andersen: ““I’m not a clever Man, but I know, what Love is”.”

    Kommt das Wort Liebe im Koran überhaupt vor?

  32. olive sagt:

    @andersen

    “70 Jahre Frieden in West- Europa ist ein grosser Errungenschaft und ich erinnere mich an der Tag Heute, der 3 Oktober 1990 beim Mauerfall, wo es gefeiert wurde, wie selbstverständlich die Freiheit sein kann.”

    Weder Freiheit noch Frieden ist selbstverständlich .

  33. olive sagt:

    @Hypatia

    danke.
    Hab das gefunden

    Die in der Reisetasche des Attentäters Muhammad Atta gefundene “Geistliche Anleitung” mit ihren genauen Anweisungen für die Vorbereitung und die Durchführung der Attentate stehe in Gestalt und Wortwahl in islamischer Tradition.”Die Gewalttaten des 11. September 2001 sind als Neuinszenierungen eines alten Musters der gewaltsamen Durchsetzung des Islam konzipiert worden”, zitiert Görlach das Resümee Kippenbergs. Die Autoren verdeutlichten aber auch, dass diese Auslegungen politisch radikaler Muslime nicht die einzige Deutungsweise des Islam ist.”

    Alexander Görlach zum Buch “Terror im Dienste Gottes” in der FAZ

    Es ist nicht die einzige, aber offenbar doch eine Deutungsweise.
    Also liegt es Samad nicht so falsch, die Grundlage ist im Text gegeben.

  34. andersen sagt:

    Ave Maria

    Also, die Muslime pilgern nach Mekka, um ein kalten Stein zu küssen, weil sie so indoktriniert wurde, dass der Stein der rechten Hand von Gott ist.
    Somit schliesst es jegliche Empfindung aus.
    Man kann es ungefähr so vergleichen mit der Theorie von Dawkins, der behauptet, dass wir alle von ein Vogel stammt und die ganze Welt unter ein Vogelgrippe leidet und somit hat er die Formel auf biologische Ebene entdeckt, wie er uns retten kann, damit der Mensch nicht mehr empfindet.

    Aber so einfach ist es nicht, was hält wert, besänftigt und lieb ist, kann man nicht ausschalten, die bleibt.

  35. Ave Maria sagt:

    Zum Koran würde dann am ehesten passen “Die rechte und die linke Hand des Teufels”.

  36. Georg Schmid sagt:

    Lieber Hugo,

    Du hast in Deinem Kampf gegen die Esoterik immer darauf hingewiesen,
    dass Esoteriker hemmungslos wissenschaftliche Einsichten verdrehen oder
    ignorieren, wenn es darum geht, ihre spirituelle Ideologie zu
    propagieren. Du weisst, dass ich dieses Dein kritisches Talent seit
    vielen Jahren schätze. Leider erinnert mich nun aber Dein Artikel “Was
    Jesus dem PR-Genie Paulus verdankt” genau an diesen esoterischen Umgang
    mit überlieferten Texten und mit wissenschaftlichen Einsichten. Seit
    Generationen wurden und werden die neutestamentlichen Schriften intensiv
    und kritisch erforscht. Es gibt meines Wissens kein anderes Buch der
    Weltliteratur, das mit so viel Akribie und Umsicht kritisch bedacht,
    analysiert, hinterfragt und immer wieder neu gedeutet wird. Gemessen an
    diesen Arbeiten wirkt Dein Artikel auf mich wie reine “Esoterik”. Wir
    wissen beide als sog. Sektenkritiker nur zu gut, dass die Mentalität und
    die Denkweisen unserer “Gegner” uns selber infiszieren können. Am Ende
    sind wir Sektrenberater selbst halbe Sektierer und wir Esoterikkritiker
    selbst halbe Esoteriker. Dieser Vorwurf ist weder für Dich noch für mich
    neu. Aber je länger wir in dieser Arbeit stehen, desto bedenkenswerter
    wird dieser Einwand. Deinen Umgang mit frühchristlichen Texten und
    neutestamentlichen Traditionen kann ich mir nur so erklären, dass Dich
    nun die “esoterische” Nonchalance im Blick auf religiöse Texte und
    wissenschaftliche Einsichten völlig infisziert hat. Schade. Erlaube mir,
    dass ich Dir diesen meinen Eindruck mit ein paar Fragen zu Deinem
    Artikel näher begründe:

    1. Woher weisst Du, dass Paulus als erster Jesus als Sohn Gottes
    präsentierte? Frühchristliche, vorpaulinische Hymnen, die Paulus zitiert
    – der berühmteste findet sich in Phil 2,6-11 – zeigen, dass Paulus den
    Glauben an den vom Himmel gesandten Christus nicht erschafft, sondern
    nur aufgreift.

    2. Woher weisst Du, dass Jesus Dogmen lehrte oder vertrat? Jesus lebte
    eine Erfahrung: das hereinbrechende Gottesreich. Diese Erfahrung konnte
    und wollte er aber nie in Dogmen umgiessen. Er sprach von ihr bildhaft,
    in Gleichnissen. Wie kannst Du Gleichnisse in Dogmen einfangen?

    3. Woher weisst Du, dass Jesus “von den Gläubigen verlangte, dass sie
    sich beschneiden lassen und den jüdischen Glauben übernehmen”? Hat Jesus
    dies je von einem Nichtjuden verlangt, etwa vom Hauptmann von Kapernaum
    (Lk 7,1ff) oder von der syrophönizischen Frau (Mk 7,24ff)? Alle
    Begegnungen Jesu mit Nichtjuden widersprechen Deiner These.

    4. Weshalb nennst Du Paulus einen Evangelisten? Paulus wollte
    ausdrücklich nicht Jesus “nach dem Fleich” verkünden, sondern den
    Christus, den er selbst in seiner Damaskuserfahrung erlebt hatte. Paulus
    greift bekanntlich nur sehr selten Jesusworte und noch seltener
    Erzählung aus dem Leben Jesu auf. Diese Aufgabe überlässt er anderen,
    denen, die Jesus besser kannten. In deren Nachfolge versuchen dann die
    sog. Evangelisten, das irdische Leben Jesu nachzuzeichnen. Paulus will
    dies offensichtlich nicht. Er sieht sich selbst als Apostel, aber nicht
    als Evangelist.

    5. Woher weisst Du, dass es “keine Zeugnisse oder Zeugen” für die
    Auferstehung gibt? Es gibt sie. Paulus selbst trägt in 1.Kor. 15, 4ff.
    eine ganze Liste von Zeugen zusammen und rechnet sich selbst auch noch
    dazu. D.h. er deutet seine sog. Damaskuserfahung als Begegnung mit dem
    Auferstandenen.(Gal 1,15ff. Lukas vertritt in seiner Darstellung der
    sog. Bekehrung des Paulus in der Apostelgeschichte 9,1ff dazu eine
    etwas andere Sicht). Zugegeben – die Liste der Zeugen kann einem
    kritischen modernen Geist natürlich nicht als Beweis für die
    Auferstehung dienen, nicht einmal als sicherer Beleg für sog.
    paranormale Erfahrung. Aber behaupten, dass es keine Zeugnisse oder
    Zeugen gäbe, sollte auch ein kritischer Geist nicht. Auch wennn “mehr
    als 500 Leute” gleichzeitig den Auferstandenen “erleben” (wie es Paulus
    1.Kor. 15,6 erwähnt), kann immer noch Massensuggestion im Spiel sein.
    Beweisen lässt sich Begnungen des Ewigen mit dem Zeitlichen nie. Die
    Auferstehung Jesu macht darin keine Ausnahme. Aber begründen lässt sich
    dieser Glaube. In jedem Fall darf auch der Kritiker nicht übersehen,
    dass es Zeugnisse und Zeugen der Auferstehung gibt.

    6. Woher weisst Du, dass Paulus mit einem “Weichzeichner” das “Portrait”
    von Jesus “schönte” und “aus einem radikalen und unerbittlichen Asketen
    und Eiferer, der Pflugscharen zu Schwertern machte, …einen
    sanftmütigen und liebenswürdigen Religionsstifter und Sohn Gottes”
    machte? Ich weiss nicht, wie intensiv Du Dich mit den Evangelien und mit
    den Paulusbriefen beschäftigt hast. Mir scheint aber, dass Du da etwas
    verwechselst. Jesus machen seine frommen Zeitgenossen zum Vorwurf, dass
    er sich zu oft zu Gastmählern einladen lässt und dass er sogar mit
    Zöllnern und Dirnen tafelt. Seine Gegner nennen ihn nicht zufällig einen
    “Fresser und Säufer” (Mt 11,19). Solange der Bräugitgam da ist, wird
    nicht gefastet, meint er an einer Stelle. Asketisch wirkt der Meister
    von Nazaret überhaupt nicht. Asketisch wirkt viel eher Paulus, der in
    seinem Umgang mit Frauen eine ausgeprägte Zurückhaltung übt. Im Übrigen
    war Paulus, wie schon erwähnt gar nicht daran interessiert, ein Portrait
    Jesu zu entwerfen. Hätte Paulus ein Portrait des irdischen Jesus
    entworfen, er hätte sicher das Bild Jesu nicht “weichgezeichnet”,
    sondern eher asketisch-mystisch vertieft. Von der angeblichen Liebe Jesu
    zu Waffen und Gewalt brauchen wir kaum zu reden. Dieser Vorwurf löst
    sich in Luft auf, sobald wir uns mit der Botschaft und dem Leben dessen
    beschäftigen, der Feindesliebe verkündete und lebte, der sich in der
    Nacht vor seinem Tod ohne Gegenwehr verhaften liess.

    7. Woher weisst Du, dass wir Paulus das Kreuz als christliches Symbol
    verdanken? Schon das älteste der Evangelien (Markus) zeigt, wie
    erschreckend zentral für Jesus dieser Gang nach Jerusalem und die
    Aussicht auf den Kreuzestod war. Es ist für uns äusserst schwer, die
    Leidensankündigungen Jesu zu verstehen. Aber im Blick auf das Kreuz
    einfach von einer PR-Aktion des Paulus zu sprechen, ist absurd. Paulus
    selbst weiss, dass sich das Kreuz als “skandalon” (als “Skandal”, als
    “Ärgernis”, 1.Kor.1,13) in der damaligen religiösen Welt denkbar
    schlecht missionarisch verkauft. Da liess sich dem damaligen,
    ewigkeitshungrigen Publikum sogar der Glaube an so etwas wie die
    Auferstehung noch leichter empfehlen. Die Botschaft vom Kreuz war damals
    ein echtes “no go”. Paulus wäre ein miserabler PR-Manager des frühen
    Christentums gewesen, hätte er sich ausgerechnet dieses “Skandalon” als
    PR-Aktion einfallen lassen.

    Lieber Hugo, das Verhältnis des Paulus zu Jesus ist weites und
    spannendes Thema. Er lohnt, sich dem immer wieder nachzudenken. Aber ich
    fände es schade, wenn Du weiterhin in diesem Stil mit den Quellen des
    frühen Christentums umspringen würdest. Das hat das frühe Christentum
    nicht verdient. Das hat keine einzige religiöse Tradition verdient. Der
    im erwähnten kritischen Sinn “esoterische” Umgang mit religiösen
    Traditionen lässt sich zwar nicht verbieten. Aber in der Gilde der
    Religionskritiker sollten wir uns diesen Umgang selber verwehren.

    Mit freundlichem Gruss aus der herbstlich kühlen Auvergne Jöri
    (Georg Schmid)

  37. Mark sagt:

    @Georg Schmid
    Danke für die Ausführungen. Sie schreiben am Beispiel dieses Artikel kompetent ein Unbehagen, das ich bei Stamms Artikeln immer wieder empfinde. Mir geht es nicht darum, das im Grunde berechtigte Engagement von H. Stamm gegen Sektierer zum Schutz von deren Abhängigen in Frage zu stellen. Einfach da und dort lässt der sein Stil in der kritischen Süffigkeit die sachliche Grundlage missen – es wirkt vielmehr ähnlich wie der (behauptete) Stil der Kritisierten – und findet so auch Anhänger. Aber sicher lädt er- wie Blogs zeigen – zu einem polarisierten gegenseitigen Bashing mit sehr oft entwertenden und damit kaum der Erkenntnis förderlichen “Kampfworten” streitend für die eine oder andere Seite. Dagegen wirklich interessante Beiträge, die sich in Ruhe zu lesen und überlegen lohnt, finde ich wenige.

  38. Hugo Stamm sagt:

    Lieber Jöri,
    ich glaube, Du interpretierst zu viel in meine Motivation hinein, mich kritisch mit Grundsatzfragen des Christentums auseinanderzusetzen. Als kritischer Journalist, der sich mit Sekten und religiösen Fragen befasst, spüre ich in allen Religionsgemeinschaften Brüche und Widersprüche auf und stelle sie im Forum zur Diskussion. Damit ein Diskurs entsteht, muss ich meine Konklusionen prägnant, bisweilen provokativ formulieren. Das gehört zu meinem Job. Deshalb erwarte auch nicht, dass alle mit meiner Meinung einverstanden sind. Ich erhebe auch nicht den Anspruch, dass ich mit meinen Schlüssen immer völlig richtig liege. Es sind meine persönlichen, subjektiven Gedanken und Ideen. Dass ich mich als Person zurücknehme und professionell ans Werk gehe, zeigt der Umstand, dass ich bereit bin, einzustecken. Und zwar heftig, wie aus den Kommentaren hervorgeht. Glaube mir: Es ist nicht immer einfach, öffentlich als sektiererisch, unseriös und dilletantisch abqualifiziert zu werden.
    Warum gibt es kein anderes Gebiet, das so gut erforscht ist? Ganz einfach: Weil es die Menschen bewegt und weil es keine gesicherten Fakten gibt. Der Ursprung der vier Evangelien, das Herzstück der Bibel, liegt im Dunkeln. Weil es keine authentischen Quellen gibt, misstraue ich den Übermittlern. Diese waren Gläubige und hatten persönliche Interessen. Und Gläubige verfolgen immer klare Ziele: Ihre religiösen Ideen und Vorstellungen als glaubwürdig und bindend darzustellen. Sie enthalten stets missionarische Intensionen. (Ich bin überzeugt, dass die vielen Autoren der Evangelien da und dort ihre eigenen Vorstellungen eingebracht haben.)
    Kurz: Es gibt namhafte Bibelforscher, die für alle Deine Argumente Gegenargumente ins Feld führen. Nur ein Beispiel: Lies „Der grosse Betrug“, „Der erfundene Jesus“ oder „Paulus, der Gründer des Christentums“ des Theologie-Professors Gerd Lüdemann. Dann siehst Du, dass ich nicht ganz allein bin mit meinen Thesen. Ausserdem liesse sich eine lange Liste weiterer renommierter Theologen und Bibelforscher aufführen, die zu ähnlichen Schlüssen gekommen sind.
    Vor allem Paulus ist für mich kein vertrauenswürdiger Apostel. Er war ein radikaler Christenhasser und wurde nach dem angeblichen Erscheinen von Jesus auf der Damaskus-Reise (Erblindung!) bekehrt. Interpretiert man dieses Erlebnis aus psychiatrischer Sicht, so wird klar, dass er ein glühender Gläubiger wurde und das Profil eines klassischen Konvertiten abgab. Dass solche Glaubenswechsler oft vieles tun, um ihre Mission zu verfolgen, wissen wir aus der Psychologie. Und die Geschichte vieler Religionen zeigt, wie das Konvertitensyndrom funktioniert. Deshalb glaube ich, dass Paulus die Figur von Christus in einer Weise darstellte, die seinen religiösen und missionarischen Zielen dienten.
    Auffallend ist auch, dass Gläubige Jesus gern als sanftmütigen, verständnisvollen Wanderprediger darstellen und die Bergpredigt anführen. Abgesehen davon, dass es unabhängige Chronisten nicht für nötig hielten, Jesus in ihren Schriften zu erwähnen – die paar wenigen Hinweise sind nicht beweiskräftig -, wird er im NT sehr widersprüchlich dargestellt. Je nach Situation halt. Geht es um moralische Belehrungen, wird er als ganz schön radikal präsentiert.
    Ich will nicht auf die einzelnen Deiner Einwände eingehen, weil wir uns wohl nie einig würden. Ich habe meine Interpretation dargelegt, Du formulierst Deine. Ich schliesse nicht einmal aus, dass Deine Ausführungen in einzelnen Punkten der Wahrheit näher kommen als meine. Ich finde es aber wichtig, dass man auch die andere Seite thematisiert, hat doch das Christentum unser Bewusstsein und unsere Kultur massgeblich geprägt. Und zwar auf Thesen beruhend, die den Gläubigen jahrhundertelang als die religiöse Wahrheit verkündet worden sind.
    Es ist auch keine Frage, dass Du Dich intensiver mit der Bibel und Jesus auseinandergesetzt hast als ich. Grundlage meines Impulstextes sind aber Bücher und Abhandlungen von Theologen, die sich mindestens so intensiv mit dem Christentum befasst haben wie Du. Deshalb sind meine Gedanken nicht ganz so exotisch, wie Deine Zeilen vermuten lassen.
    Aber es freut mich, dass Du Dich mit meinem Text befasst hast und Dir die Mühe nahmst, Dein Unbehagen zu formulieren. Vielen Dank dafür.

  39. Georg Schmid sagt:

    Lieber Hugo,

    Dass Du als kritischer Journalist den Brüchen und Widersprüchen in allen Religionsgemeinschaften nachgehst und Beispiele dafür überall findest, verstehe ich bestens. Religionen sind Menschen. Und Menschen zeigen und leben irgendwo immer auch ihre Widersprüche. Vor lauter Himmelsnähe vergessen gerade die religiösen unter uns dies manchmal viel zu rasch. Religionen dürfen und müssen auch kritisch betrachtet werden, sonst verabsolutieren sie sich selbst und erstarren in wahnhafter Heiligkeit. Dass Du seit vielen Jahren gegen Sektentendenzen und religiösen Wahn mit Leidenschaft antrittst, empfinde ich als den hilfreichsten und notwendigsten Teil Deiner Religionskritik. Dieser Teil Deiner Arbeit verbindet uns beide auch über alle Unterschiede der Perspektiven und der Arbeitsweisen hinweg.

    Auch dass Du gerne provozierst, kann und will ich Dir nicht verargen. Das ist für Dich ein Teil des Berufs und für uns beide wahrscheinlich auch eine Charakterfrage. (Ich provoziere manchmal auch gerne).

    Fragen im Blick auf Deine Arbeit brechen in mir erst dort auf, wo sich bei mir der Eindruck einschleicht, dass Deine zwei Grundanliegen anfangen, sich gegenseitig zu beissen oder gar aufzufressen. Zwei Beispiele können dies vielleicht aufzeigen:

    1. Du nennst in Deinem Artikel Jesus einen “radikalen und unerbittlichen Asketen und Eiferer, der Pflugscharen zu Schwertern machte”. Zweifellos gehört diese Formulierung ins Kapitel Provokation. Aber diese Provokation liegt natürlich im Moment in der Luft. Es finden sich heute genügend atheistische Religionskritiker, die im Kern jeder Religion eine ISIS und im Herzen jedes sog. Religionsstifters einen Bin Laden entdecken. Religion ist für sie die Quelle aller Aggressionen. Wenn Religion abgeschafft würde, so meinen sie, herrschte Friede auf Erden. (Dass es während eines Grossteils des vergangenen Jahrhunderts atheistische Regimes gab und in Resten immer noch gibt, die Religion abzuschaffen versuchten, die sich aber alles andere als friedlich gebärdeten, sei hier nur am Rand erwähnt.) Natürlich ist der Standpunkt der zeitgenössischen radikalen Religionskritiker zu einem Teil begreiflich. Was heute als Religion in den Nachrichten über unsere Bildschirme gleitet, ist nicht selten Aggression in Reinkultur. Aber daraus zu schliessen, dass jede Religion in ihrem Kern einer Al Qaida gleicht, ist auch religionskritisch betrachtet kontraproduktiv. Wenn wir erst einmal aus einem Jesus einen Fanatiker und Terroristen gemacht haben, der Pflugscharen zu Schwertern umschmiedet, wird uns nachher kein ernsthafter Christ mehr zuhören, wenn wir berechtigte Kritik am Christentum vorlegen. Natürlich ist heute alles erlaubt: Man kann in der Tat aus Jesus einen Bin Laden machen und aus Buddha einen ISIS-Schlächter. Unlängst hörte ich, dass heute sogar behauptet wird, die Christen unter Nero hätten in der Tat Rom selber angezündet. Also schon die ersten Christen waren eine Art Al Qaida, die ins Zentrum der antiken Macht stürmten, um sich dort als Attentäter zu betätigen. All dies können wir provokativ behaupten. Aber verwundern dürfen wir uns anschliessend nicht, wenn unsere Provokationen unsere Glaubwürdigkeit als Religionskritiker und “Sektenexperten” ruiniert.

    2. Ich kenne zwei Formen öffentlich wirksamer, hilfreicher Sektenprophylaxe: Der sektenkritische Journalismus und die sog. “Sektenberatungsstellen” einerseits und offene, selbstkritische, undoktrinäre, pluralistisch gesinnte religiöse Gemeinschaften andrerseits. Wenn nun unsere Religionskritik so weit geht, dass wir versuchen auch den freiheitlich gesinnten Kirchen und Gemeinschaften den Boden unter ihren Füssen wegzuziehen, indem wir ihren Jesus oder ihren Buddha zum Monster verkommen lassen, giessen wir wieder Wasser auf die Mühlen der Fanatischen und Sektennahen, die sowieso nur auf sich selber hören. Kurz – auch hier dient die Provokation nicht dem anderen Grund-Anliegen, dem Kampf gegen fanatische Formen der Religion. Wenn wir einer Flut wehren wollen, reissen wir doch nicht die schon bestehenden Dämme ein. – Selbstverständlich dürfen und müssen wir uns auch mit den grossen Gestalten der religiösen Traditionen kritisch beschäftigen. Kritische Lektüre der sog. heiligen Schriften darf in einer freien Gesellschaft kein Tabu sein. Aber sinnvolle Kritik muss den Kritisierten immer auch wahrnehmen und sich die absurdesten, provokativsten Unterstellungen verbieten. Sonst bewirkt sie das Gegenteil dessen, was sie bewirken möchte. (Der von Dir erwähnten Theologe Gerd Lüdemann rutschte meines Erachtens in genau diese Falle: Er stellt die Provokation vor die Interpretation).

    Lieber Gruss Jöri

    p.s. Ich glaube Dir gerne, dass es nicht immer einfach ist, “öffentlich als sektiererisch, unseriös und dilletantisch abqualifiziert zu werden.” Natürlich wissen wir, dass gehässige Reaktionen und Drohungen zu unseren Berufsrisiken gehören. Wenn wir sektennahe Gemeinschaften besprechen, müssen wir mit heftigen Reaktionen rechnen. Aber auch wenn ich sicher nicht die gleiche Flut von Gehässigkeiten und Drohungen wie Du schon über mich ergehen lassen musste, auch ich habe mich nie wirklich daran gewöhnt.

  40. Hans Reuter sagt:

    Bei Paulus begnen wir mehreren Problemen. Als erstes kannte er Jesus nicht persönlich und es fraglich ob man ihn wirklich zu den Aposteln zählen kann. Die nächste Schwierigkeit bei Paulus besteht in dem Umstand was ist von ihm und was hat man ihm zugeschrieben. Schon Marcion war im Jahre 144n.Chr. davon überzeugt, dass einige Paulusbriefe verfälscht worden seien. So fällt Paulus einerseits durch Grosses und Gutes auf andererseits wieder dogmatisch Kleinlichem und steht damit auch im Widerspruch zu dem dem was Jesus sagte, z.B. Kinder welche er quasi als Teufelsgeburten ansah und in völligem Widerspruch zu Jesus steht welcher sagte, wenn ihr nicht so werdet wie die Kleinen, womit er sicher kein kindisches Verhalten sondern ein kindlich reines Gemüt meinte.Paulus verändert aber auch zutiefst den Willen Jesu indem er an die Stelle der Nachfolge das Kreuz setzt. Jesus sagt mit keinem Wort etwas über einen “Schuldenerlass” durch seinen Kreuzestod. Dies ist ein rein paulinisches Konstrukt. So ist ohnehin das Neue Testament an vielen Stellen mehr ein paulinisches als ein Jeschuanisches. Paulus schreibt ein Evangelium über Jesus anstatt sich eng an das zu halten was Jesus sagte. Als ehemaliger Pharisäer und in Vielem seinem altrabinischen Denken verhaftet mag er eine für den Katholizismus günstige Verbindung zwischen altem und neuem Testament herstellen ohne dies zu beabsichtigen sondern vielmehr in der Absicht seinen Glaubensgenossen Jesus als den Messias zu zeigen. Jesus ist keinesfalls der Begründer eines Katholizismus bzw. der Romkirche. Das Urchristentum kannte noch keine Romkriche