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Die eigenartige Metamorphose des Sektenführers

Hugo Stamm am Samstag den 9. August 2014

Ivo Sasek ist der Gründer einer grossen christlichen Sekte mit dem seltsamen Namen Organische Christus-Generation. Seit über 30 Jahren geht der christliche Fundamentalist mit der Bibel in der Hand auf Seelenfang. Diese nimmt er wörtlich. Deshalb schrieb er in einer seiner Broschüren, dass Eltern, die ihre Kinder lieben, sie mit der Rute züchtigen sollen.

Doch nun geht der fromme Christ auf Abwege. Er sieht in den politischen Unruhen Anzeichen der Endzeit und konzentriert sich immer mehr auf seine politische Arbeit. In jüngster Zeit wurde er zum Polit-Missionar. Diese Funktion füllt er so radikal und extrem aus wie ehedem seine religiöse Mission. Doch woher nimmt jemand das politische Wissen und Bewusstsein, der sich Jahrzehntelang von der Welt abgewandt hatte?

Der Führer der Organischen Christus-Generation aus Walzenhausen AR hat vor ein paar Jahren die «Anti-Zensur-Koalition» (AZK) gegründet und veranstaltet jährlich Konferenzen mit bis zu 2500 Besuchern. Als Referenten lädt der 58-Jährige jeweils Esoteriker, Verschwörungstheoretiker, führende Sektenmitglieder, etwa Jürg Stettler von Scientology, Holocaustleugner und Rechtsradikale ein.

Bei der jüngsten Konferenz am 26. Juli, über die ich im TA berichtete, schlüpfte Sasek selbst ins Gewand des Verschwörungstheoretikers und verkündete Endzeitszenarien. Dabei machte Sasek Andeutungen über den angeblich bevorstehenden 3. Weltkrieg und verbreitete Angst und Schrecken. Obwohl sein Referat den Titel «Wie verhindert man einen Weltkrieg?» trug, rief er ins Publikum: «Hier treiben sie uns in den Krieg.» Dabei meinte er das politische und wirtschaftliche Establishment und die «Kriegstreibermedien», die zum Schweigen gebracht werden müssten.

Die Rede von Sasek ist seit kurzem auf der Website der AZK zu sehen. Im Gegensatz zu früheren Konferenzen wurden diesmal nur kurze Ausschnitte aufgeschaltet. Vermutlich hat er die radikalsten Aussagen herausgeschnitten. Eine ungefilterte Version zu den gleichen Themen verbreitete der christliche Sektenführer schon beim internen «Freundestreffen» vom 24. Mai, von dem ich ein Mitschnitt besitze.

In der Rede zog Sasek gegen alle vom Leder, die nicht an die geheimen verschwörerischen Mächte glauben. Zu ihnen zählt er auch pauschal die Christen, die er als «Hosenscheisser und Nichtsnutze» schalt. Es beginne eine Räumung der Erde und der Menschheit, die von der Lust zu quälen und zu morden lebe. Wegen der Christen lasse der Teufel «die Sau raus» und bringe alle da draussen um. Die Menschen seien «medienverblödet» und würden von den Kriegstreibern wie vernunftlose Tiere zur Schlachtbank geführt, sagte Sasek.

Amerika ist für Sasek des Teufels und richtet ein orchestriertes Chaos an, wie es in den Protokollen der Weisen von Zion beschrieben ist. Das geheime Papier von Anfang des letzten Jahrhunderts enthält angeblich das Konzept, wie jüdische Politiker und Banker heimlich eine Weltregierung anstrebten. Obwohl bereits 1920 nachgewiesen wurde, dass die Protokolle gefälscht worden waren, benutzen sie auch heute noch Esoteriker und Rechtsradikale für ihren Propagandakrieg gegen die Juden.

Die Machthaber und Kriegstreiber verfolgten laut Sasek das Ziel, «die Welt auf ein Minimum zu reduzieren». Die verschwörerischen Kräfte wollten 6,5 Milliarden eliminieren, behauptete er in seiner Rede. «Glaubt ihr das?», schrie er ins Publikum, das die Frage mit einem lauten «Ja» quittierte. Christen bezeichnete er als «richtige Arschlöcher», Banker, Politiker und Medienleute nannte Sasek Banditen und Verbrecher – sie seien satanisch.

Sasek will mit der AZK Gegeninformationen verbreiten, die die Medien verschweigen würden. Er riet, alle Informationen der Machthaber zu hinterfragen und ihnen zu misstrauen. Als Beispiel nannte er Aids. Diese Krankheit sei «ein einziger verdammter Schwindel». Weiter forderte Sasek seine Zuhörer auf, Hitlers Buch «Mein Kampf» zu lesen.

Sein Ziel formulierte Sasek so: «Ich schicke mich an, das Volk zu verändern, es zu manipulieren, wenn du willst, für meinen Weg.»

Wer ist Ivo Sasek? Der Prediger wuchs in einem atheistischen Elternhaus auf, liess sich aber Ende der 1970er-Jahre zu einem freikirchlich geprägten Christentum bekehren. Mitte der 1980er-Jahre gründete er in Walzenhausen AR eine Drogenrehabilitation unter dem Namen Obadja, den Elaion-Verlag und einen Gemeindelehrdienst, aus dem die Bewegung Organische Christus-Generation (OCG) hervorging. Sasek schrieb viele radikale religiöse Schriften und Traktate. In die Schlagzeilen geriet er immer wieder, weil er in einer Broschüre die Züchtigung der Kinder mit der Rute empfahl, wie es in der Bibel festgehalten sei. Er ist Vater von elf Kindern – die Ausstrahlung seiner OCG reicht bis nach Deutschland und Österreich. Rund 3000 Anhänger verehren Sasek als ihren geistlichen Führer.

Erstaunlich ist, dass Sasek den Satan plötzlich in den USA entdeckt. Da hält er es wie rechtsradikale Kreise und Verschwörungstheoretiker. War für christliche Fundamentalisten bislang Russland der Antichrist, ist es nun der Antipode USA. Dieser Gesinnungswandel war schon bei der Annektierung der Krim durch Putin zu beobachten. Plötzlich war der starke Mann Russlands der Held, der dem verhassten Obama die Stirn bot. Der gleiche Reflex war beim Abschuss der MH17 über der Ukraine zu beobachten. Offenbar lautet die simple Gleichung: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Auch wenn dieser Freund diktatorische Allüren an den Tag legt.

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133 Kommentare zu “Die eigenartige Metamorphose des Sektenführers”

  1. Männerträume - Mission mit vielen Zungen sagt:

    kontrovers

    “ARD reagiert auf Kritik an Evangelikalen-Doku.”
    auf EAD
    h ttp://www.ead.de/nachrichten/nachrichten/einzelansicht/article/ard-reagiert-auf-kritik-an-evangelikalen-doku.html

    “Abschließend weist die Redaktion darauf hin, „dass hunderte von Zuschauern sich bei der Redaktion für diese Dokumentation bedankt haben, eigene Erlebnisse geschildert, weitere kritikwürdige Gemeinden benannt und uns Standhaftigkeit gewünscht haben. Alle versicherten uns, dass sie gläubige Christen sind, die allerdings ein anderes Verständnis vom Christentum haben.“

    Bis zum 12. August sind bei der Redaktion rund 7.000 Briefe und E-Mails zu der Sendung eingegangen. Die Stellungnahme der Redaktion wurde per E-Mail an diejenigen Zuschauer geschickt, die zuvor auf die Sendung reagiert hatten. (pro)”

  2. Michael Bamberger sagt:

    Alltägliches:

    Deutschland – “Die Zahl der Kirchenaustritte steigt rapide – Hintergrund ist offenbar das neue Abzugsverfahren bei Kapitalerträgen. Nicht nur an diesem Fall zeigt sich: Die Kirchensteuer treibt die Menschen vom Glauben weg….Die Zahl der Deutschen, die aus der Kirche austreten, steigt. Das ist keine neue Entwicklung. Neu aber ist, dass die Katholiken bei den Austrittszahlen zunehmend zu den Protestanten aufschließen. Und auffallend ist auch, dass in der ersten Hälfte dieses Jahres je nach Bistum und Kirchenkreis bis zu 60 Prozent mehr Menschen ihre Kirche verlassen haben.”

    http://www.tagesspiegel.de/meinung/steigende-zahl-an-kirchenaustritten-die-kirchensteuer-ist-nicht-mehr-zeitgemaess/10329258.html

  3. Michael Bamberger sagt:

    Alltägliches:

    USA – “A national group of priest sex abuse victims is calling on Bishop Michael Jarrell and District Attorney Mike Harson to release the names of 15 credibly accused priests. The Daily Advertiser was first to report that Jarrell, bishop of the Diocese of Lafayette, refused to release the names of the 15 priests. Jarrell acknowledged in 2004 and again to The Advertiser on July 31 that the Diocese and its insurers had paid $26 million in settlements to the victims of 15 priests. But he told The Advertiser he “sees no purpose” in releasing the priests’ names.” (13.8.14)

    http://www.theadvertiser.com/story/news/2014/08/13/priest-sex-abuse-pedophile-snap-bishop-jarrell-harson-lafayette/14004703/

  4. Nada sagt:

    @Michael

    Wenn es dem jüdischen Wanderprediger wirklich um das Wohl seiner Mitmenschen und den kommenden Generationen gegangen wäre, warum hat er dann nicht selber die Redaktion seines Evangeliums in die Hand genommen, um seine “gültige Norm” zu formulieren und um die unzählbaren Unmenschlichkeiten in den späteren Schriften zu vermeiden, wie auch deren fatale Auswirkungen quer durch die Geschichte?

    Wenn man Jesus als Gott sieht, kann man die Messlatte so hochlegen, wenn man ihn als Mensch sieht, der zudem mit grosser Wahrscheinlichkeit keine grosse Bildung hatte, dann finde ich obige Anforderung übertrieben.

    Begeben wir uns hier nicht auf die Spielwiese des cherry-pickings oder der Patchwork Religion?

    Welche Religionen habe ich den in meinen Kommentar zum Quilt verarbeitet? Und weshalb wird Cherry-Picking immer negativ bewertet, je nach Umständen ist es doch sinnvoll, z.B. wenn man nur die geniessbaren Kirschen sammelt und die Tollkirschen stehen lässt. Cherry-Picking ist m.E. negativ, wenn man sich alle Kirschen schnappt und den anderen nur die sauren Äpfel übrig lässt. Das tue ich im diesem konkreten Fall aber nicht.

    Wenn Du nämlich nur jenen Versen normativen Charakter zuordnen möchtest, welche Deiner individuellen ethischen Norm entsprechen, dann steht dieses Recht eben auch Andersdenkenden zu, von den Homophoben über die Misogynen, von den Kriegstreibern über die Gegner von Empfängnisverhütung, von den Exorzisten über die Antidemokraten und so weiter und so fort.

    Ich spreche anderen nicht das Recht ab, sich in der Bibel nach eigenem Willen zu bedienen, aber ich kann begründen, weshalb ich mit fundamentalistischen Auslegungen nicht einverstanden bin.

    So gesehen könnte man sich eigentlich den Umweg über die Bibel ersparen und direkt zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und zum Völkerrecht gehen.

    Selbstverständlich kann man das. Aufgrund von persönlichen Erfahrungen bereichert mich dieser Umweg, aber es stört mich in keiner Weise, wenn jemand den direkten Weg oder einen anderen Umweg wählt.

  5. Michael Bamberger sagt:

    Alltägliches:

    Australia – “Priest Peter Searson found guilty of child sex abuse in Catholic Church internal Hearing – The Catholic Church found a Melbourne paedophile priest accused of interfering with young girls during confession guilty of child sex abuse, more than a decade before Cardinal George Pell denied a cover up, it has been revealed. The ABC’s Four Corners program has obtained a confidential draft report that shows former Doveton parish priest, Father Peter Searson, was found guilty of sexual abuse by the church during an internal hearing in 1997.” (13.8.14)

    http://www.theage.com.au/victoria/priest-peter-searson-found-guilty-of-child-sex-abuse-in-catholic-church-internal-hearing-20140811-102xg9.html#ixzz3AO6XKIfh

  6. Michael Bamberger sagt:

    Alltägliches:

    USA – “Lawsuit filed against Diocese of Orlando for alleged sex abuse by priest – A new clergy sex abuse lawsuit was filed against the Diocese of Orlando. The plaintiff claims he was abused in a parish in Sanford in the 1970s. The alleged victim is now 52 years old. His attorney said he’s lived with the shame his entire life and is looking for justice. “He’s very bitter toward the Catholic Church. He’s lived with shame and embarrassment,” said attorney Adam Horowitz. Horowitz said this is the fifth lawsuit he’s filed against Father William Authenrieth, who is living in a retirement community in Massachusetts. It’s the seventh lawsuit filed against Authenrieth in all.” (13.8.14)

    http://www.wftv.com/news/news/local/lawsuit-filed-against-diocese-orlando-alleged-abus/ng2R7/

  7. Michael Bamberger sagt:

    Alltägliches:

    Australia / Vatican – “Vatican saved priest despite abuse finding – The Catholic Church did not sack a parish priest even after an internal investigation commissioned by George Pell discovered he was guilty of child sex abuse. ABC TV’s Four Corners last night revealed the results of a 1997 church investigation into Peter Searson that concluded he had for years sexually abused girls at the parish of Doveton, outside Melbourne.” (12.8.14)

    http://www.theaustralian.com.au/national-affairs/vatican-saved-priest-despite-abuse-finding/story-fn59niix-1227021114945?nk=7cf2da6e3d7c6a891d0c9eb95c59cba7#

  8. Michael Bamberger sagt:

    Alltägliches:

    Canada – “Redemptorist Order of Catholic Priests to pay sexual abuse victims $20M – The Redemptorist Order of Catholic Priests will pay $20 million to victims of sexual abuse at its St-Alphonse Seminary near Quebec City during the 1970s and ’80s. Robert Kugler, the lawyer representing former students at the seminary, said the landmark out-of-court settlement is the largest ever paid in a class-action sexual abuse lawsuit in Quebec. In July, Superior Court Judge Claude Bouchard ordered the Redemptorist Order, the St-Alphonse Seminary and Rev. Raymond-Marie Lavoie to pay at least $75,000 to each of the lawsuit’s 70 claimants.” (12.8.14)

    http://www.cbc.ca/news/canada/montreal/redemptorist-order-of-catholic-priests-to-pay-sexual-abuse-victims-20m-1.2734358

  9. Michael Bamberger sagt:

    Alltägliches:

    USA – “A former Montgomery County megachurch youth leader and Christian school teacher was sentenced to 40 years in prison on Thursday for sexually abusing several boys in the 1980s and 1990s. Nathaniel “Nate” Morales was found guilty on three counts of sexual abuse of a minor and two more counts of sexual offense in the second degree in May. He was a youth leader at Covenant Life Church in Gaithersburg when he sexually abused boy at group sleepovers and in their homes from 1983-1991.” (14.8.14)

    http://www.wusa9.com/story/news/2014/08/13/nathaniel-morales-sexual-molestation-boys-church-montgomery-county-md/14009405/

  10. Nada sagt:

    @Olive: waren es eher Gleichnisse, “wem sein Kind nicht gleichgültig ist, der behält es im Auge und bestraft es auch einmal”
    besser als es einfach machen zu lassen und es damit in der Welt scheitern zu sehen oder waren das patriachale Bemühungen, den Sohn unten zu behalten, damit er dem Vater nicht über den Kopf wächst?

    Gleichnisse waren das bestimmt nicht. Da Söhne damals für die meisten die einzige Alterssicherung waren, spielten patriarchale Überlegungen sicher eine bedeutende Rolle. Andere Gründe werden aber auch mitgespielt haben, in einer Welt mit vielen Gefahrenquellen (wie z.B. offenes Feuer), hatten Kinder, die sich an Befehle und Verbote hielten wohl bessere Überlebenschancen.

  11. andersen sagt:

    Bamberger fragt, wieso hat der Jesus es nicht einfach alles in der Hand genommen?

    Nein, hier hat der Bibel die Menschen damals frei gemacht, eben durch das Johannes Evangelium, wo es darin steht:

    Nur der Knecht bleibt, aber nicht der Sohn.

  12. Hypatia sagt:

    Die eigenartige Metamorphose eines amerikanischen Philosophen, der am 31. Juli 1932 in Denver, Colorado geboren wurde und wohl im Sommer 2004 im Alter von 72 Jahren die folgenden Gedanken aufgeschrieben hat:

    “Gewisse Gedanken kommen mir gerade jetzt in den Sinn.

    Wo ist das?

    In diesem Zimmer.

    Wo genau in diesem Zimmer?

    In meinem Gehirn.

    “Mit fortschreitender Entwicklung der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI) und sonstiger bildgebender Verfahren kommen wir der Möglichkeit immer näher, genau anzugeben, an welcher Stelle des Gehirns die Gedanken vorkommen.”

    in: Neurowissenschaft und Philosophie, John Searle, Seite 155, suhrcamp 2010

    Die Gedanken, die mir in den Sinn kommen, befinden sich also eigentlich nicht “in dem Sinn”, sondern in meinem Gehirn. Wenn man mich aber fragen würde, wo sich denn nun meine Gedanken, die mir in den Sinn gekommen sind, befinden, so würde ich spontan antworten: “Hier sind sie, Du kannst sie lesen, Du kannst sie auch aufschreiben und mit nach Hause nehmen. Dann sind die Gedanken, die mir in den Sinn gekommen sind, zwar immer noch hier, aber sie wären auch dort, auf dem Zettel, auf dem Du sie aufgeschrieben hast und der sich nun bei Dir befindet.

    Andererseits würde ich nicht sagen: “Die Gedanken, die mir in den Kopf kommen. Obwohl auch ich manchmal sage: “Die Gedanken in meinem Kopf”. Was aber in meinem Kopf ist, ist ausserdem auch ein Gehirn und wenn ich mich recht erinnere, so sagte ich auch schon: “Die Gedanken in meinem Hirn sind frei” oder “Hirnloser Gedanken”.

    Haben Gedanken überhaupt einen Ort? – Immerhin könnte man sagen: “Diesen Gedanken habe ich im Internet gefunden”, wie man auch sagen kann “Diesen Gedanken habe ich heute morgen in der Zeitung gelesen” oder “Diese Gedanken kommen mir jetzt in den Sinn”.

    Kämen mir diese Gedanken nicht in den Sinn, wären es dann sinnlose Gedanken? Aber was wäre, wenn überhaupt niemandem noch ein Gedanke in den Sinn käme? – Gäbe es dann überhaupt keine Gedanken mehr? – Vielleicht gäbe es sie noch, aber niemandem kämen sie mehr in den Sinn. Sie wären vielleicht gut versorgt in Bibliotheken, Blogs, im Internet, an Strassenrändern, auf dem Klo, auf Zetteln, die niemand mehr lesen würde, weil niemandem mehr ein Gedanke in den Sinn käme, wie zum Beispiel den, diese Zettel zu lesen.

    Aber der Philosoph müsste wohl sagen: “Auch wenn niemandem mehr ein Gedanke in den Sinn käme, so könnte man sie doch noch alle in den Köpfen der Menschen, in ihren Gehirnen wiederfinden, sofern sie intakt und gut durchblutet wären. Sie wären noch alle da in den Gehirnen, und man könne sie mittels spezieller Maschinenaugen immer genauer lokalisieren.”µ

    Eines Tages vielleicht könnte man sagen: “Uns kommen keine Gedanken mehr in den Sinn, aber das Maschinenauge kann uns helfen, sie wiederzufinden in unseren Gehirnen.”

    Die Maschinenaugentechniker würden vielleicht sagen: “Also, genau genommen, finden wir im Gehirn wie in jedem anderen Organ nur Zellen und Zwischenräume zwischen den Zellen. Aber man hätte erst vor kurzem eine Übersetzungsmaschine konstruiert, mittels der man die Daten, die das Maschinenauge in unseren Gehirnen sammelt derart übersetzen könnte, dass aus diesen Millionen von Daten ein Gedanke oder zwei entschlüsselt werden könnten. Aber man sei guten Mutes, dass es bald eine neuere Version dieser Übersetzungsmaschine gäbe, die sämtliche Gedanken, die ein Mensch in seinem Gehirn gespeichert habe, innerhalb weniger Minuten entschlüsseln würde.”

    Aber der Übersetzungsmaschinentechniker würde vielleicht einwenden: “Es würde doch etwas länger dauern als geplant, denn den Ingenieuren käme immer weniger in den Sinn, wie es ja überhaupt eine Krankheit sei, dass den Menschen immer weniger und bald überhaupt nichts mehr in den Sinn käme.”

    Dabei schaute die Übersetzungsmaschinentechnikermaschine etwas besorgt zur Maschinenaugentechnikermaschine.

    Etwas unruhig begann die Maschinenaugentechnikermaschine: “Hier, schauen Sie, haben wir einen Gedanken aus dem Gehirn gelesen und entschlüsseln können.”

    Aber mir kam nicht mehr in den Sinn, mir diesen entschlüsselten Gedanken anhören oder sogar verstehen zu wollen, ich hörte nur noch, wie die Übersetzungsmaschinentechnikermaschine zur Maschinenaugentechnikermaschine sagte: “Der Gedanke, den wir im Gehirn gefunden haben, lautet: Ich habe Hunger.”

    Und da hatte ich doch auf einmal wieder etwas, was mir in den Sinn kam: Wenn den Menschen kein Gedanke mehr in den Sinn kommt, wird es wohl auch überhaupt keine Gedanken mehr geben können. Denn was ist ein Gedanke, der einem nicht und nie mehr in den Sinn kommt? – Ein solcher Gedanke wird wohl am ehesten ein toter Gedanke genannt werden müssen, denn nur wo Menschen Gedanken in den Sinn kommen, leben diese Gedanken und sind nicht tot. Und wär ich ein Gedanke, ich wär doch wohl dort zuhause, wo ich lebendig bin. Aber wo anders vermag ein Gedanke lebendig zu sein, als dort, wo er jemandem in den Sinn kommt? –

    Die Maschinenaugentechnikermaschine hörte meinen Selbstgesprächen mit grosser Aufmerksamkeit zu, meinte dann aber: Wenn Gedanken nur dort, wo sie einem in den Sinn kommen, auch zuhause fühlen,wie konnte denn jener Philosoph nur der Meinung sein, ihr Zuhause sei das Gehirn? Das Zuhause der Gedanken, wenn ich es recht betrachte, kann doch nirgends anders sein als dort, wo sie in den Sinn kommen? –

    Dort, wo sie einen Sinn bekommen, dort findest Du sie, die Gedanken, dort leben sie auf und dort ist ihr Zuhause.

  13. alter Mensch sagt:

    In der Sendereihe “Die Story im Ersten”, die uns u.a. aktuell bereits “Mission unter falschser Flagge” und “Das Gift im Kuhstall” beschert hat, Fakten zu Demografie und Umverteilung (und der Plünderung von kinderreichen Familien).
    h ttp://programm.ard.de/?sendung=2872112691943729
    Reale Verschwöung gegen die, die die Leistung und “Last” tragen in einem Steuern abknöpfenden “Einwanderungsland” in Schieflage.

  14. alter Mensch sagt:

    Lesetipp – nachhören
    dradio

    Balthasar Glättli “Die Zukunft von Umwelt und Bildung”
    h ttp://www.deutschlandradiokultur.de/kurz-und-kritisch-die-zukunft-von-umwelt-und-bildung.1270.de.html?dram:article_id=294103

    Byung-Chul Han: “Psychopolitik” – Das Elend der Leistungssybjekte
    h ttp://www.deutschlandradiokultur.de/sachbuch-das-elend-der-leistungssubjekte.1270.de.html?dram:article_id=294089

  15. Michael Bamberger sagt:

    @ Nada

    “Wenn man Jesus als Gott sieht, kann man die Messlatte so hochlegen, wenn man ihn als Mensch sieht, der zudem mit grosser Wahrscheinlichkeit keine grosse Bildung hatte, dann finde ich obige Anforderung übertrieben.”

    Ob ein eventuell historischer Jesus gebildet war, ist anhand der Abwesenheit historischer Daten nicht zu beantworten. Dass der biblische Jesus hingegen sehr wohl gebildet war, belegt u.a. sein Streitgespräch mit den Schriftgelehrten als Zwölfjähriger im Tempel (Lk 2,46-50).

    Übrigens, der Schotten Kilt steht Dir sehr gut.

  16. Klara Brunner sagt:

    @ alter Mensch

    ……oder von Andreas Marneros im Schez-Verlag “Blinde Gewalt”. Der geht rechtsextremistischer Gewalt die sich sogar gegen eigene Freunde richte auf den Grund. Dummheit, emotionale Armut und mangelnde Zukunftsaussichten seien ein explosives Gemisch. Wenn nun Sasek ausgerechnet sein Gedankengut in solchen Kreisen einbringt, was denn nun?
    Er hält Prügelstrafe für eine taugliche Erziehungsmethode, wie sich die später auswirkt scheint ihn wenig zu interessieren.
    Bildung und Förderung in der Schule könnte der Staat leisten aber warmherzige Beziehungen leider nicht.

  17. Jürgen sagt:

    Die verlogene Scheinheiligkeit des harten, eingefleischten Kerns der “Stammblog-Gemeinschaft” ist, wenn überhaupt, nur sehr schwer zu überbieten.

  18. andersen sagt:

    Hypatia

    Das neues Denken ist die Chance, weil die Geist ist gegenwärtig mit alten Gedanken gefüllt und nicht nur damit, sondern auch meist mit den alten Fremdgedanken von anderen.
    Man ist, was man denkt, das man ist.
    Wenn es aber um einen negativen Gedanken handelt, dann kann man eine Möglichkeit finden, diesem Kreis zu durchbrechen.
    Das Paradigma von Gedanken, Wort und Tat zum kehren.

    Der Wissenschaft beschäftigt sich ständig mit das Wie? Aber die Frage : Warum sind wir hier? Das ergibt erst ein Sinn.
    Und somit ist die Geist frei, wie ein Machtinstrument, die der Körper wieder in Bewegung setzt.
    Um eben nicht die Frage zu stellen; Was wirst du tun? Nein, wo wirst du sein?

    Es gibt nicht zu tun, ausser zu sein.
    Und manche sind eben befähigter als andere.

    Viel Spass!

  19. Ueli sagt:

    @andersen
    “Warum sind wir hier?” ist eine Frage – die erst dann “Sinn macht”, wenn man wie aus der Pistole geschossen sein Glaubensbekenntnis herunterleiern kann. Tatsächlich wird die “Sinnfrage” in jedem Moment neu durch unsere Taten und Lebensäusserungen beantwortet – und nicht durch eine “absolute Gewissheit” / ein “Glaubensbekenntnis”.

  20. Bernhard Schlegel sagt:

    Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.

    Jesus von Nazareth

    Wie wahr…

    Kuckst Du:

    mobile2.tagesanzeiger.ch

  21. Bernhard Schlegel sagt:

    Der oberste Vertreter der Schweizer Katholiken fordert Waffen für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Das zeigt: Wir führen einen längst überwunden geglaubten Kampf.

    Tagi

    Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.

    Jesus von Nazareth

    Wie wahr…

  22. Karl Martell junior sagt:

    @Urs
    Ja, was Sie im Raum des Standes Bern erleben und erlebten ist wirklich viel krasser als das Mädchenverstümmeln
    ( rund 10 000 Fälle in der Schweiz ) durch hier wohnende Eltern,somit mehr als 10’000 eines Kapitalverbrechens zu verfolgen de Erwachsene. Ihre Zahl ist sicher bedeutend grösser. Alle erfreuen sich unserer Toleranz und Straffreiheit, oder haben Sie jemanden erfolgreich angeklagt und bestrafen lassen?

  23. Bernhard Schlegel sagt:

    Diesen obersten Vertreter der Katholiken sollte man sofort feuern. Er bringt Terrorgefahr in unser Land mit seinen idiotischen Aussagen. Und wem dient er real: seinen CVP-Freunden die bei der Ruag fette Aktien haben. Schande über Dich, oberster Vertreter der Katholiken.

  24. olive sagt:

    @ Jürgen
    15. August 2014 um 11:28

    “Die verlogene Scheinheiligkeit des harten, eingefleischten Kerns der “Stammblog-Gemeinschaft” ist, wenn überhaupt, nur sehr schwer zu überbieten.”

    Würden Sie das bitte noch ein bisschen deutlicher ausführen?
    Sonst versteht kein Mensch Ihren wertvollen Beitrag.

  25. Fischer Fritz sagt:

    @Schlegel Bernhard
    Und plötzlich kommt der Schlegel Bernhard sogar noch mit dem Herrn Jesus von Nazareth daher und nicht, wie sonst üblich, mit Christoph Blocher. Tröstlich, dass der Schlegel Bernhard doch wenigstens noch eines seiner beiden Liebligswörter “Idiot* und/oder “idiotisch” zur Anwendung bringt.

  26. Fischer Fritz sagt:

    @Marell Kari
    Ich weiss zwar nicht genau wo und was Sie im Raum des Standes Zürich erlebten und erleben, aber 10’000 beschnittene Mädchen haben jeweils 2 Elternteile, was also 20’000 Kapitalverbrecher ergibt, wobei Beschneidungen angeblich nicht immer von den Eltern selber ausgeführt werden. Auch Knabenbeschneidungen gibt es in der Schweiz, aber ich will Ihnen nicht zu nahe treten. Gibt es in der schönen Schweiz nicht auch Familien mit mehr als nur einem beschnittenen Kind, vielleicht sogar mit mehr als 10 Kindern? Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches Rechnen und Spekulieren (auch mit “Monsanto”).

  27. Urs sagt:

    @Martell Kari
    Wenn Sie der Frau Sommaruga einen Brief ins Bundeshaus schreiben, können Sie ihr dann erzählen, im Raum Bern sei alles noch viel krasser, als bei Ihnen.

  28. Bernhard Schlegel sagt:

    Danke Herr Stamm, dass Sie mich zensurieren und meine Kommentare nach eigenem Gutdünken aufschalten. Damit geben Sie mir zu verstehen, dass ich ein Blogger zweiter Klasse bin. Vielleicht haben Sie recht damit. Trotzdem ist mir das zu blöd.

    Adios und guten Surf
    Bernhard

  29. Gian Battista Raschèr sagt:

    Stimmt, der biblische Jesus war gebildet. Und doch hat ihn sein Herr Papa getäuscht, und zwar zweifach: im Blick auf den Tod am Kreuz und im Wissen um die sehr nahe Ankunft des Gottesreichs. Fies, nicht? Ungeachtet dessen, was meine Wenigkeit glaubt oder nicht, halte ich deshalb das Neue Testament von der Idee her (das heisst auch unter Anwendung sämtlicher Auslegungskünste) für schlichtweg falsch.

    Zum Einen gibt es keine Sünde, das heisst keine Verantwortlichkeit des Menschen gegenüber der Transzendenz, weil die Ungewissheit über das Urteil und die Sanktion quälerisch ist (auf der Welt gilt immerhin: nulla pœna sine lege) und im Wahnsinn enden kann, so man denn die Sünde wirklich ernst nähme.

    Zum Andern ist die Menschheit beim Gebot der Nächstenliebe mit Sicherheit nicht auf die Quellen der Evangelien angewiesen. Das ist an und für sich evident, aber das Gebot ist selbstredend wiederum mit der Sünde verwoben, und zwar in einer solchen Masslosigkeit, dass das Gebot sich selbst pervertiert.

    Im Ergebnis erweist sich das Kreuzesopfer als vollkommen überflüssig, ja sinnwidrig. Das Kreuzesopfer zwecks Loskauf von der Sünde ist der eigentliche Webfehler des Christentums. «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» schrie der erstickende Sohn am Kreuz. Darüber zu predigen fürchtete sich sogar Martin Luther. Slavoj Žižek schrieb, genau in diesem Augenblick sei Jesus Atheist geworden. Zu Recht!

    Daran ändert auch die stets wiederholte Lüge der Kirche nichts, dass mit dem Gründung der Kirche das Reich Gottes angebrochen sei. Genau dieselben Kirchenleute rufen in Achtung der Feindesliebe und in Erinnerung an die Märtyrer, verbunden mit einer rotaristischen Verblendung, die in ihrer Schwachheit ihresgleichen sucht, zu Waffenlieferungen auf.

  30. Jürgen sagt:

    @olive

    Wozu?
    Beweise?
    Wie viele?
    Wo?
    Wann?
    Farbe?
    Geruch?
    Geboren am?
    Wohnhaft in?
    Zuletzt gesehen um?
    Zeugen?
    Sachdienliche Hinweise an?
    Spendenkonto?
    Weitere Fragen?
    Besondere Kennzeichen?

  31. olive sagt:

    @Jürgen

    ach so, der geistig bescheidene Obertroll.

    Ich hätte es wissen müssen.

  32. Bernhard Schlegel sagt:

    Fischer Fritz

    Eine Sache noch, so sie denn durchkommt.

    Es war vornehmlich die CVP und die SVP (nebst dem rechten Haufen FDPler), die das neue Gesetzt für Waffenlieferung nach Saudi-Arabien durchgewunken haben (Stamm berichtete an vorderster CH-Front darüber). Und nun will der oberste Kathole Waffen für den Widerstand spendieren, obschon klar ist, aus welchen Kreisen die IS ausgerüstet wird? Das nenne ich doppelt gemoppelt. Verkauf allen Waffen und saniere Dir damit den Luxus, auf dem du bereits hockst. Und wenn sich die Gegner noch gegenseitig umlegen umso besser. Dann ist wieder Ruhe im katholibanem Karton… Scheiss auf die Opfer, alles potentielle Terroristen… Wenn ein Politiker so redet, ist das noch irgendwie zu verstehen. Aber wenn Geistliche sich hierzulande wieder einmischen, schwant mir eine sehr üble Zeit. Ich wähnte die Glaubenskriege einigermassen hinter mir. Bellum semper malum est. Aber auch da haben wir neue aufgeklärtere Möglichkeiten. Z.B die Schlange am Kopf zu packen.

    Höchste Religionsfanatiker aller Welt sollten gerade zum Thema Krieg schweigen und sich in Demut üben, wenn sie Agressionen verspüren…

    Sie gefährden mit solchen Aussprüchen und raffgieriger Ausbrüche auch den Frieden hierzulande.

  33. Fischer Fritz sagt:

    @ Bernhard Schlegel

    “Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral.” – Denn wovon lebt der Mensch?
    (Berchtold Brecht 1898-1956 / Dreigroschenoper.)

    Medien (Massenmedien / Social Media usw.) wirken mit der Verbreitung (via Satelliten und Glasfaer) von “Aussprüchen” und farbigen Bildern (Filmen etc.) wie Durchlauferhitzer. Das wissen die Nachrichtendienste und Entscheidungträger ‘aller couleur’ unbescheiden zu interpretieren.

    (“Kranke machen Weltgeschichte” von P.Accoce und P. Rentchnick.)