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Bewirkt Gott Gebetswunder?

Hugo Stamm am Samstag den 14. Juni 2014
Kann man mit Gebeten über Nacht seinen Öltank füllen lassen? Foto: Reuters

Kann man mit Gebeten über Nacht seinen Öltank füllen lassen? Foto: Reuters

Beten kann Trost spenden. Wenn wir Angst haben oder einen Schicksalsschlag erleiden, schicken wir oft ein Stossgebet nach oben. Auf dass Gott das Schicksal von uns abwenden möge. Doch die Erfahrung zeigt, dass er beispielsweise einen Unfall nicht ungeschehen oder rückgängig macht.

Mitglieder von Freikirchen sehen das anders. Sie sind überzeugt, dass Gott auf ihre Gebete reagiert und ihnen in schwierigen Situationen beisteht. Und zwar sehr konkret und spürbar.

Ein Beispiel sind die «Moms in Prayer Schweiz», also die betenden Mamis, eine international tätige Gebetsbewegung von Müttern. Wöchentlich beten sie für ihre Kinder und deren Schulen. In diesen Tagen schmeichelten sie sich bei den Lehrern einer Zürcher Unterländer Schule ein und brachten ihnen einen Znüni. «Es ist ein Vorrecht, dass wir unsere Mutterherzen vor Gott ausschütten und die Anliegen unserer Kinder vor IHM ausbreiten dürfen», schreiben die betenden Mütter auf ihrer Homepage. Sie freuen sich auch «gemeinsam über Gebetserhörungen». Sie sind also überzeugt, von Gott gehört und berücksichtigt zu werden. Ausserdem beten sie dafür, «dass unsere Schulen nach biblischen Massstäben geführt werden». Das Gebet dient also auch als Missionsinstrument.

Die betenden Mütter glauben weiter, dass Gott «alle, die durch Jesus Christus zu Ihm kommen, von Sünde und Tod errettet». Schliesslich zeigen die betenden Mamis ihr hartes, religiöses Herz, das von der Verblendung versteinert ist: «Wir glauben sowohl an die Auferstehung der Geretteten, als auch der Verlorenen; der Geretteten zum ewigen Leben, der Verlorenen zum ewigen Verderben.» Das zweite Beispiel liefert der Architekt Toni Cherti in der freikirchlichen Zeitschrift «ideaSpektrum». Als er in finanziellen Nöten war, ging ihm in einem kalten Winter das Heizöl aus. Er fror. Und betete, Gott möge ihm den Tank mit Öl füllen. Eines nachts erwachte er am Geräusch seiner Heizung. Sie lief, der Tank war voll. Gefüllt von seinem Herrn. Gottes wundersames Wirken sprenge die Vorstellung eines rational denkenden Menschen, sagte Cherti.

Da stellen sich Fragen: Berücksichtigt Gott nur betende Christen? Füllt er einen Öltank und lässt gleichzeitig Kinder in Afrika verhungern? Lässt er sich durch Gebete bestechen? Sieht er als allmächtiges Wesen nicht selbständig, wo Menschen in wirklicher Not sind? Oder sind Gläubige vielleicht egozentrisch, nehmen sie Gott exklusiv für sich in Anspruch und erwarten von ihm die Erfüllung von alltäglichen Wünschen?

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