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Sieg der Magie

Hugo Stamm am Samstag den 10. Mai 2014
Hugo Stamm

Wo nichts drin ist, kann auch nichts wirken: Zum Beispiel in homöopathischen Globuli. (Foto: Keystone)

«Wer heilt, hat recht.» Mit dieser Standardantwort winden sich die Vertreter der Alternativmedizin heraus, wenn ihnen die fachlichen Argumente ausgehen. Sie suggerieren damit, sie seien fähig, Patienten zu heilen. Richtig ist hingegen, dass alle ihre bisherigen Bemühungen fehlschlugen, die Wirkung ihrer Methoden wissenschaftlich zu beweisen.

Nun kommt ihnen der SP-Bundesrat Alain Berset zu Hilfe und befreit sie von der Pflicht, den Wirkungsnachweis zu bringen.

Wie kommt Berset zu diesem Kniefall? Es geht um die Abstimmung über die Komplementärmedizin von 2009. 67 Prozent der Stimmbürger forderten damals, dass die Krankenkassen fünf alternative Methoden vergüten müssen. Doch das Krankenversicherungsgesetz verlangt zwingend, dass Leistungen der Grundversicherung wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sein müssen. Ein Dilemma. Denn die alternativen Methoden können den Beweis der Wirksamkeit nicht erbringen. So hat es die Eidgenössische Leistungs- und Grundsatzkommission entschieden.

Zum Beispiel die Homöopathie: Seit 200 Jahren suchen ihre Vertreter nach wissenschaftlichen Beweisen. Vergeblich. Denn wo nichts drin ist, also in den Globuli und Tinkturen, kann nach gängigem Wissenschaftsverständnis auch nichts wirken. Deshalb hätten die Alternativmethoden 2017 – nach einer Versuchsphase – aus dem Katalog der Krankenkassen gestrichen werden sollen.

Nun wagt Berset mit dem Hinweis auf den Volkswillen den Spagat. Husch segnet er die Alternativmethoden ab, Krankenversicherungsgesetz hin oder her. Noch mehr: Er stellt die Komplementärmedizin den anderen vergüteten Fachrichtungen gleich, also der Schulmedizin, und spricht nebulös vom Vertrauensprinzip. Fast scheint es, als habe die Politik manchmal auch mit magischem Denken zu tun.

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500 Kommentare zu “Sieg der Magie”

  1. andersen sagt:

    @Ueli

    Nicht viel, wenn man die Dame antwortet, wird sie noch verrückt.

    Die beste Methode ist einfach Oh! zu Sagen.

    So, mein freien Tag will ich noch nützen.

  2. oooch Jüngelchens... sagt:

    ich stehe mit Herrn Hugo neuerdings ganz gut in Verbindung…Bisher habe ich es nicht nötig gehabt, wie andere, bei ihm privat und persönlich aufzulaufen.
    Seien Sie gewiß, lieber Herr Öli..ich kommuniziere nicht mehr mit Leuten wie Ihnen (und die Clique ja auch nicht mit LEuten wie mir :- )) Ich brauchte ganz einfach einen Platz zum Rebloggen! 🙂

  3. oooch Jüngelchens... sagt:

    ich frage mich allerdings, was LEUTE WIE SIE AN POSITIVEM in negativen Sektenblogs erwarten? 🙁

    Und nett, wie ich bin, lasse ich den Oberlehrern (anderesn cc “Verliebtsein”..usw.) noch gern den annodunnemal M. Lukas Möller, Kursbuch 55, SEKTEN, da!

  4. oooch Jüngelchens... sagt:

    und keine Sorge…es wird bald gelöscht! Dann haben Sie wieder Freiraum, sogar noch Ihre alten Schwiegermütter zu verscherbeln.!

  5. oooch Jüngelchens... sagt:

    kennt man…das Löschen der “friends”, die Giftigkeiten rausdrücken, aber dann keinen “Schaden” nehmen sollen 🙂

    weiß natürlich inzwischen auch, wo ich hier bin! Abhängig vom diensthabenden Webmeister!

  6. Carl Dal Pund sagt:

    “und keine Sorge…es wird bald gelöscht! Dann haben Sie wieder Freiraum, sogar noch Ihre alten Schwiegermütter zu verscherbeln.!”

    @oooch Jüngelchens (16. Mai 2014 um 10:27):

    “Wir haben Ihre Schwiegermutter; zahlen Sie eine Million, wenn Sie sie wiederhaben wollen!”

    “Und fuer wieviele Millionen garantieren Sie mir, dass ich sie nie wiedersehe?”

  7. Neida sagt:

    Liebe Frau anderse

    weder
    um Ihre Scientology
    noch um die Reformierte Kirche
    noch um Ihren Horizont (jämmerlich!!)
    oder um die glückliche Besoffenenherkunft in einem ultranassen Dänemark mit verprügelten Schweinen und zusammen gepferchten Demenzkranken in Alten-Sex-WGs

    beneide ich Sie! Ok?

  8. Rolanda B. sagt:

    @ Carl Dal Pund
    16. Mai 2014 um 10:36
    “Wir haben Ihre Schwiegermutter; zahlen Sie eine Million, wenn Sie sie wiederhaben wollen!”

    Müsste es nicht eher heissen: “… zahlen Sie eine Million, oder Sie erhalten sie wieder zurück!”?

  9. hm sagt:

    Pasionaria: “Frage in den Blog: Was ist der Unterschied zwischen hochpotenziertem Wasser und hochpotenziertem aqua? Antwort: keiner – bei beiden kommt hochverduennte Wahrheit heraus.”
    Mir kommt da ehrlich gesagt etwas ganz Anderes in den Sinn, aber ich bin Ihnen ja noch eine Antwort aus dem letzten Blog bezüglich Epigenetik schuldig bzw. bezüglich der Frage der (angeblichen) Vererbbarkeit von Traumata, von mir aus gesehen ja pseudowissenschaftlicher Quatsch (auch wenn auf dem Etikett ETH stehen sollte).
    Interessant und etwas vergleichbar dazu, jedenfalls in Bezug auf die von mir aus gesehen nicht schlüssig zu machende Trennung zwischen vererbt und sozialisiert, ist diesbezüglich der Wiki-Artikel zu „Ekel“.

  10. Carl Dal Pund sagt:

    @Rolanda B (16. Mai 2014 um 10:41):

    Es gab da mal eine Filmkomoedie ueber eine gekidnaeppte Schwiegermutter, welche die Entfuehrer traumatisierte. Zuletzt wollten alle nur noch dafuer bezahlen, sie loszuwerden, bzw. loszubleiben…..

  11. Klara Brunner sagt:

    @ ueli

    Mit den Symptomen haben Sie natürlich recht. Aber es ist nicht so wie Sie das gerne glauben würden. Es gibt in Basels Umgebung einen ansatzweise alternativen Arzt der daneben aber auch Schulmediziner ist und Bücher schreibt und sich sehr schwer mit kranken oder verletzten Leuten tut. Er verordnet zunehmend allen Leuten das Gleiche wovon einstens im Tagesanzeiger stand es sei unsicher wie das Mittel wirkt und welche möglichen Spätfolgen es habe. Also entweder nützt es – was viele Leute so empfinden – oder es nützt nicht oder später irgendwann erkranken Patienten mi schlimmsten Fall an Spätfolgen aber dann praktiziert der Mann möglicherweise nicht mehr und sowieso weist er alles von sich was er nicht selbst behauptet.
    Ich “kenne” ihn von früher her. Er sass ab und zu in einem Alternativenlokal wo man auch Milchkaffee und Fruchtsäfte konsumieren konnte, stierte meistens auf die Tischplatte und schrie von Zeit zu Zeit sehr wütend und tobend vor sich hin und erschreckte für einen Moment das ganze Lokal. Wie sichs herausstellte war er der Freund einer Ausbildungskollegin mit der ich guten Kontakt hatte, wo er sich aber nicht ganz so abstrus verhalten hat. Ganz im Gegenteil, dort war er wie ausgetauscht. Er hat sein Studium abgeschlossen, geheiratet, Kinder gezeugt , praktiziert – für mich auf einem etwas fragwürdigen Gebiet – und fährt im Mercedes vor. Irgendwie alternativ ist er noch immer.
    Ich würde ihn allerdings nicht konsultieren.

  12. oooch Jüngelchens... sagt:

    CdP
    Öli wird entfernt, damit man ihm nicht an den Karren p. kann! Würde seinem Image schaden, wenn sichtbar ist, was er anderen (in dem Falle der Dame sowieso aus sonstwo) hinterher schmeisst.

  13. Das Gute sagt:

    @ Klara Brunner

    Wenn Ihnen im Leben nur solche Horrorgeschichten begegnen, Frau Brunner (und darüber schreiben Sie hier schon sehr lange), dann denke ich an ein Gesetz namens Resonanz: Gleiches zieht Gleiches an. Nach gut zwei Dritteln meines Lebens könnte ich auch viele Geschichten über andere erzählen, aber die wären nie so negativ. Aber schreiben Sie nur so weiter, vielleicht hilft Ihnen das über Ihre Probleme hinweg. Und das wäre nur gut für Sie.

    Und hier, was ich schon an anderer Stelle geschreiben habe: War gerade auch länger im Spital und es hat mich als Dessert nach den Schmerzen auch einiges gekostet. Aber die schöne Erfahrung im Umgang mit den Aerzten und dem Pflegepersonal war es wert. Das Gute gibt es, wenn man es nur sehen will!
    Also, liebe Leser, es gibt auch noch das Positive im Zusammenhang mit dem Gesundheitswesen und keinen Grund, nur noch herumzujammern.

  14. Gummibaer sagt:

    @ Karl Martell junior
    @ ueli
    Der Weinhaendlersohn Wiesengrund war Student bis in sein viertes Lebensjahrzehnt und hat von seiner Buergerlichkeit wenigstens materiell recht gut gelebt. Zu der wachsenden Distanzierung des Arbeitenden vom Produkt ihrer Arbeit konnte er aus persoenlicher Erfahrung wenig beitragen. (Er ist bei Marx in dieser Hinsicht in guter Gesellschaft.) Als Autodidakt konnte ich zum Zeitpunkt seiner Vorlesungen das Resultat meiner manuellen Arbeit auf einer Hochgebirgsbaustelle direkt an den Blasen an meinen Haenden betrachten – und die Arbeit hat mir trotzdem Freude gemacht.
    Heute , fast fuenfzig Jahre spaeter macht mir meine Arbeit immer noch Freude und ich habe mir noch nie von einem Sozialtheoretiker den Tag miesmachen lassen. Nicht als unbezahlter Freiwilliger und nicht als hochbezahlter Spezialist.
    Mich wuerde freuen wenn Hugo Stamm der Frage nachgehen wuerde warum eine derart hohe Zahl von Leuten an GAD = General Anxiety Disorder leiden; auf diesem Blog die Symptome in der Befuerchtung offenbarend, dass jemand anderer auch etwas wissen koennte, auch etwas gelesen haben koennte, eventuell sogar etwas besser wissen koennte weil eingehender durchdacht oder tiefer erfahren. Dann kommen wir vieilleicht der Frage sogar naeher, warum so viele ihr Heil (sprich sich besser fuehlen) auf alternativem/komplementaeren Wege suchen.

  15. Klara Brunner sagt:

    @ ueli

    Im übrigen habe ich als die Situation einsten etwas eskalierte Einblick in die KG (Krankengeschichte) und entsprechende Kopien verlangt. Ein Nichts, das eine Bindehaut-Entzündiung war kurierte eine türkische Apothekerin in einer türkischen Grossstadt und ander offensichtliche Erkrankungen andere Apotheker in Australien usw.. Aber meine Hausärztin stellte damals nur Vermutungen an und ob ihres “Wissens” halt welche die nichts wert waren. Aus meinen Kopien ist deutlich ersichtlich was passiert ist. Die Kollegen denen sie mich damals überwies haben entsprechen – und glücklicherweise schriftlich – reagiert. Sie haben mit Spott und unter Bezugnahmen auf Telefonate – hinter vorgehaltener Hand – entsprechende Antworten verfasst und mich damals nicht empfangen als im in unserem Badezimmer ohnmaächtig geworden war, hohe Fieber hatte und überhaupt an der Grenze eines Zusammenbruchs balancierte.

    Im allgemeinen Getümmel geht unter was der “Arzt” am Wohnort meiner Kindheit konnte und wusste. Medizin ist was Naturwissenschaftliches das sich nicht auf Vermutungen stützen darf, weil ansonsten Menschen sterben könnten. Was sich aber da Grenzwertiges auch in der Ärzteszene tummelt ist für mich unfassbar. Und keiner versucht dem Einhalt zu geben.

    Als ich mich vor Jahren mit meinen doch konkreten Unterlagen beim FMH wegen einer Anzeige erkundigt habe, verwies man mich darauf zu bedenken, dass die Ärzteschaft wirtschaftlich stärker sei und im übrigen kein Interesse daran habe ihre Berufszulassung zu verlieren. Ich habe mir den Ärger und die Kosten dann wirklich auch erspart aber darüber schweigen tue ich nicht, mein Ruf ist ohnehin weitgehend ruiniert, weshalb genau beginnt sich mir nun nach Jahren endlich zu erschliessen. Und das hat ungeheure Energie gekostet. Ich bin dem Schwatzelement im Haus der Oma sehr dankbar zumal die nicht sonderlich hell auf der Platte ist. Ich erhoffe mir aus meiner dortigen Präsenz (die Oma braucht ein bisschen Hilfe weil sie ständig alles vergisst, aber ständig über irgendwelche Leute Schimpftiraden loslässt von denen man nicht mehr so recht weiss wie hoch ihr Wahrheitsgehalt ist und wann in ihrem Leben die Sachen überhaupt passiert sind). bei den intelligenteren Leuten ein bisschen mehr Wahrheit und Klarheit in die Geschichte zu bringen. Auch wenn die Oma gut aussehen tut für ihr alter, sie ist trotzdem ein bisschen älter als ich und ihre Schwestern leben längst nicht mehr.

  16. Klara Brunner sagt:

    @ das Gute

    Ja ja, ich kenne auch die Leute, die wie Sie reagieren. Und da habe ich inzwischen eine dicke Haut. Hätte ich keine konkreten (schriftlichen) Anhaltspunkte, würde ich ganz sicher darüber weder schreiben noch reden. Tue ich aber zumal ich damit überhaupt nicht alleine bin. Dummheit ist eben die schlimmste Krankheit der Menschen und stirbt nie aus. Wo nichts ist kann auch keine Resonanz sein. Allen Leuten, die wie Sie reagieren, wünsche ich ein wenig von meinem Schicksal damit sie Gelegenheit bekommen daraus zu lernen. Einfach wird das nicht sein. Da spreche ich aus Erfahrung. Es braucht mehr sich ständig zurückzuhalten und eine eigene Lebensstruktur zu wahren als sich in eine Rechtfertigungsschlaufe und irgendwann in die Psychiatrie zu begeben. Im Ganzen habe ich immer Schriftlichem den Vorzug gegeben weil ich es für wichtig halte trotz allem ernst genommen zu werden.

  17. Das Gute sagt:

    @ Klara Brunner
    16. Mai 2014 um 12:57
    “Allen Leuten, die wie Sie reagieren, wünsche ich ein wenig von meinem Schicksal damit sie Gelegenheit bekommen daraus zu lernen. Einfach wird das nicht sein. Da spreche ich aus Erfahrung.”

    Nein, einfach ist das nicht.
    Wenn Sie von Erfahrung sprechen wollen, mir wurde auch nichts geschenkt. Aber eines Tages (zum Glück schon in jungen Jahren), begann ich nachzudenken: Wenn immer wieder die gleichen (negativen) Reaktionen aus dem Umfeld kommen, könnte es dann nicht sein, dass ICH etwas falsch mache? Fazit: Heute kann ich nur noch staunen, über die positive Resonanz aus meinem Umfeld, die ich erhalte. – Gründe sich zu Aergern gibt es natürlich immer, aber warum tut man sich das an?

  18. Klara Brunner sagt:

    @ das Gute

    Ja ja, das Positive……
    Wissen Sie das mit der Resonanz, dem Abstrahieren können und der Reflektion ist Jenen Leuten vorbehalten die sich ab und zu über sich selbst Rechenschaft ablegen. Und da würde ich gradewegs behaupten, dass das nicht sehr viele tun. Das würde nämlich heissen stets zu prüfen was man weitergibt und welche Konsequenzen das haben kann. Das ist einfach so.

    Im Bereich der Medizin haben Vermutungen und Gerüchte nichts zu suchen. Ausserdem wäre es ganz falsch über Missstände zu schweigen. Jener Arzt den ich eingehend geschildert habe ist für mich eine sehr sehr fragwürdige Person. Ob jemand mit seinem Belastbarkeitsgrad parktizieren stelle ich ohnehin in Frage seit ich weiss wer er ist. Es gab ein langes Interview im Tagesanzeiger weil er andere kritisiert udn in Frage stellt – in Buchform – aber sich selbst eigentlich nicht. Man stellte ihm damals die Frage inwiefern er seinen “ERfolg” belegen könne was er darin begründete als ihm die Patienten das sagen würden. Das reicht wissenschaftlich nicht aus.

    Die Pharma-Industrie betreibt lange Versuchsreihen ehe sie ein Medikament lanciert. Dieser Herr tut das aber nicht, im Gegenteil, so hat es da geschrieben gestanden er erforscht das nun indem er etwas in einer Dosierung verordnet über die es keine Angaben zu möglichen Spätfolgen gibt. Was ich damals im Wartezimmer dort gesehen und gehört habe hat mich buchstäblich abgeschreckt.

  19. Klara Brunner sagt:

    @ das Gute

    Im übrigen gibt es da noch die Dunkelziffer der vielen die einfach und ohne Kommentar solchen Orten fernbleiben.

  20. Klara Brunner sagt:

    @ das Gute

    Im Übrigen habe ich von Ihnen, wegen Ihrer Art und Weise zu reagieren, den Eindruck, dass Sie etwas ausserhalb des normalen Lebens stünden. Sonst wüssten Sie ja grade worüber ich schreibe.

  21. Das Gute sagt:

    @ Klara Brunner
    16. Mai 2014 um 13:27
    “Das würde nämlich heissen stets zu prüfen was man weitergibt und welche Konsequenzen das haben kann.”

    Ja, das ist so. Wobei es um den ersten Teil des Satzes geht, die Konsequenzen brauchen Sie nicht voraus zu malen. Und Statistiken, wie viele, bzw. wie wenige das tun, helfen auch nicht weiter. Man muss schon bei sich selber anfangen. ES GIBT KEINE ANDERE LOESUNG! Wer darauf wartet, dass es andere tun, kann noch millionen Jahre lang Daumen drehen.

  22. Das Gute sagt:

    Klara Brunner
    16. Mai 2014 um 13:32
    @ das Gute
    “Im Übrigen habe ich von Ihnen, wegen Ihrer Art und Weise zu reagieren, den Eindruck, dass Sie etwas ausserhalb des normalen Lebens stünden. Sonst wüssten Sie ja grade worüber ich schreibe.

    Das ist eine typische Opferhaltung (die ich auch mal kannte): Dem Anderen gehts gut, warum mir nicht? – Bitte, bevor Sie jetzt in die Luft gehen. Es ist zu einfach, hier in der Anonymität und gleichzeitig öffentlich zu debattieren. Wir müssten uns schon persönlich kennen, um vernünftig reden zu können. Das hier ist bloss ein Duellieren und führt nicht weiter als zu immer neuen Anschuldigungen.

  23. Ueli sagt:

    @Gummibaer
    Nomen est omen – dieser typische spiessbürgerliche Vorwurf an die Adresse von Adorno und Marx, dass diese Herren doch in ihrem Leben “noch nie gearbeitet” hätten bla bla – ist so ausgelutscht wie ein alter Gummibär. Glauben Sie das Marx sein “Kapital” und zig andere dicke Wälzer hätte schreiben können – wenn er noch nebenbei 16 Stunden in der Fabrik geschuftet hätte? Nur so am Rande – wurde Adorno in den 30er Jahren von den Nazis aus Deutschland rausgeschmissen und musste nach Amerika auswandern. Dort hat er dann Sozialstudien und ein Radioprojekt verwirklicht plus ein paar Bücher geschrieben, die man heute noch liest und sowohl in der Philosophie, als auch in der Soziologie zu Klassikern avancierten.
    Ob Sie persönlich “Freude an der Arbeit” haben ist mir ehrlich gesagt “scheiss egal” – sie dürfen freilich bis 90 schuften, wenn ihnen der Sinn danach steht.

  24. Klara Brunner sagt:

    @ das Gute

    Was für ein unsägliche Blödsinn. Sie haben keine Ahnung worüber Sie da schreiben, nicht wahr?

    Ich gönne es Ihnen aus tiefster Seele, dass Sie viel früher als ich viel reifer und gesetzter waren als ich es bin obwohl Sie weder mich noch mein Alter kennen. Ich duelliere mich auch gar nicht, ich schreibe über Erfahrungen und Erfahrenes, das mir zu grossen Teilen schriftlich vorliergt. Wenn Sie übrigens vermuten ich wäre da nicht offen und klar geworden täuschen Sie sich. Ich bin und war das und zwar nicht nur hier im blog sondern auch an durchaus jenen Stellen die etwas bewirken können.

    Ich möchte Sie bei der Gelegenheit darauf hinweisen, dass es nicht die “positive” schweigende Masse ist, die Veränderungen ermöglicht und Missstände aufdeckt. Es sind ganz im Gegenteil zu dieser Annahme die Nörgler und Kritiker die es wagen sich auch mal in ein schiefes Licht zu stellen.

  25. Rabbi Jussuf sagt:

    Das Gute
    “Das hier ist bloss ein Duellieren und führt nicht weiter als zu immer neuen Anschuldigungen.”
    Ja, darin ist unser Klärchen Expertin!

    Apropos; Klara Brunner, Sie schulden mir immer noch mindestens eine Entschuldigung!

  26. Das Gute sagt:

    Klara Brunner
    16. Mai 2014 um 14:24
    @ das Gute
    “Was für ein unsägliche Blödsinn.”

    Sie haben recht, das ist Blödsinn: ich habe Sie reifer und intelligenter eingeschätzt. Dann wünsche ich Ihnen weiterhin Glück und viel Vergnügen beim Weiternörgeln.

  27. Rabbi Jussuf sagt:

    Ueli
    “Glauben Sie das Marx sein “Kapital” und zig andere dicke Wälzer hätte schreiben können – wenn er noch nebenbei 16 Stunden in der Fabrik geschuftet hätte?”
    Eben!

    “…die man heute noch liest und sowohl in der Philosophie, als auch in der Soziologie zu Klassikern avancierten.”
    Sie lesen das heute noch, andere schon lange nicht mehr… darum sind es Klassiker geworden.
    In der Philosophie zählt Adorno nur noch in historischer Hinsicht.
    In der Soziologie weiss ich es nicht, kann mir aber kaum vorstellen, dass sich noch jemand darauf bezieht – so wie Soziologie heute betrieben wird.

    Nun gut, Sie haben das Thema auf den ganzen Adorno ausgeweitet. Selber schuld, wenn jetzt ein eisiger Wind entgegen bläst.
    Ich wollte mich nur auf diesen einen von Ihnen zitierten Text beziehen: Resultat: Kann man vergessen, aus den sattsam bekannten Gründen.

    Ach, und das Video, das Sie gepostet haben: Es erinnert mich zu sehr an Loriot.

  28. Carl Dal Pund sagt:

    “Es ist zu einfach, hier in der Anonymität und gleichzeitig öffentlich zu debattieren. Wir müssten uns schon persönlich kennen, um vernünftig reden zu können. Das hier ist bloss ein Duellieren und führt nicht weiter als zu immer neuen Anschuldigungen.”

    @Das Gute (16. Mai 2014 um 13:50):

    In einer direkten Demokratie muss das Geheimnis der Meinungseusserung nicht nur auf das Stimmgeheimnis beschraenkt bleiben. Persoenlich kennen “muss” man sich nur, um sich auch persoenlich angreifen oder gar der selektiven Politterrorjuxtiz verzinken zu koennen. Diskussionen und gar auch Debatten zur Sache unter Anonymen haben nur Pseudomajestaeten mit privilegiensuechtigem Dreck am Stecken und die von diesen leinengefuehrten Zensoren zu fuerchten…..

  29. Ueli sagt:

    @Rabbi Jussuf
    Während Klärchen Ihnen noch eine “Entschuldigung schuldet” – bekomme ich langsam Lust Ihnen eine kleine aber feine Beleidigung zu “schenken”.
    Aber mal ehrlich Rabbi – Adorno wird bis jetzt höchst erfolgreich im Suhrkamp-Verlag publiziert und hat gerade in der Bundesrepublik zig Generationen von Journalisten, Künstlern, Philosophen, Soziologen u.a. geprägt wie kaum ein Philosoph der Nachkriegszeit – nur Heidegger kann ihm bis heute das Wasser reichen. Der Name “Karl Marx” ist weltweit so geläufig wie “Coca Cola”. Was haben Sie ihnen ihrem Leben alles “erreicht” um so eine grosse Klappe zu haben?

  30. Carl Dal Pund sagt:

    Klaerli waere schon recht, wenn sie sich nicht mit Frauenvorrechten statt gleichen Rechten fuer alle Menschen von den “Teile und Herrsche”-Strategen leimen liesse…..

  31. Rolanda B. sagt:

    @ Ueli
    16. Mai 2014 um 15:05 “… Adorno wird bis jetzt höchst erfolgreich im Suhrkamp-Verlag publiziert und hat gerade in der Bundesrepublik zig Generationen von Journalisten, Künstlern, Philosophen, Soziologen u.a. geprägt wie kaum ein Philosoph der Nachkriegszeit …”

    *Gähn* – Ich brauche ‘nen stärkeren Kaffee …

  32. Eleni sagt:

    @Ueli: Der Name “Karl Marx” ist weltweit so geläufig wie “Coca Cola”.

    Ein Label so bekannt, wie dasjenige einer urkapitalistischen Limo, wie süss. Dumm nur, dass der Bekanntheitsgrad nichts darüber aussagt, wie häufig seine Bücher überhaupt noch gelesen werden.

  33. Ueli sagt:

    @Eleni
    Die Bücher von Marx wurden nicht einmal in der DDR oder der Sowjetunion gelesen. Vielleicht ist auch deswegen das Experiment so in die Hosen gegangen.

  34. Rabbi Jussuf sagt:

    Ueli
    Es beschleicht mich der Verdacht, dass Sie ablenken wollen vom eigentlichen Thema, nämlich dem zitierten Text und dessen Inhalt, weil Sie ihn entweder selber nicht verstanden haben, oder einfach glauben, was da geschrieben steht – oder beides.
    Nur weil Adorno noch in manchen (Ihren) Augen eine Autorität ist, heisst das noch lange nicht, dass genau dieser Text auch etwas taugt und zum Blogthema beiträgt.
    Sie konnten mit keinem Wort erläutern, warum ausgerechnet die “Entfremdung” zu Okkultismus führen solle, wie Adorno behauptet. Auch er behauptet das nur und bringt keine Gründe dafür.

  35. Eleni sagt:

    @Ueli: Die Bücher von Marx wurden nicht einmal in der DDR oder der Sowjetunion gelesen. Vielleicht ist auch deswegen das Experiment so in die Hosen gegangen.

    Machen Sie in diesem Punkt nicht etwas vor? Marx gehörte doch in der DDR zur Pflichtlektüre, z.B. für alle, die studierten:

    Im Herbst 1951 erfolgte die Einführung eines obligatorischen gesellschaftswissenschaftlichen Grundstudiums über drei bis vier Studienjahre für ausnahmslos alle Studenten an Universitäten und Hochschulen der DDR. Träger dieser Aufgabe waren die Gesellschaftswissenschaftlichen Institute/Abteilungen, später die Institute/Sektionen für ML. Die Lehrveranstaltungen fanden in Form von präsenzkontrollierten Seminaren, Kolloquien, Konsultationen und Vorlesungen statt. Dazu kam die Pflichtlektüre von ML-Literatur. Der Lehrerfolg wurde durch Zwischen- und Hauptprüfungen kontrolliert. Definitiv nicht bestandene Prüfungen bedeuteten ebenso das Ende des Studiums wie bei Fachprüfungen. (Wikipedia/Institut für Marxismus-Leninismus)

    Wobei gelesen in diesem Umfeld natürlich nicht eine kritische Auseinandersetzung und offene Diskussion beinhaltete. Dieser Diskussion entziehen aber auch Sie sich, wenn Sie einfach Zitate in den Blog stellen, ohne zu begründen, weshalb die darin vertretene These für das aktuelle Blogthema relevant sein sollte.

  36. Klara Brunner sagt:

    @ das Gute

    Ach ja, wenn Sie das so sehen möchten, dann tun Sie das, es ist Ihnen unbenommen.

  37. Das Schlechte sagt:

    Das Gute
    16. Mai 2014 um 12:46

    Das Schlechte gibt es

    auf nachdenkseiten.de

    16. Mai 2014 um 10:14 Uhr
    Armut macht krank – Krankheit macht arm

    Es ist weder Zufall noch Wunder, dass hierzulande auf der einen Seite chronisch Kranke häufig in Hartz IV und somit Armut abrutschen und auf der anderen Seite Armut wiederum krank bzw. noch kränker macht und inzwischen bereits über ein Drittel aller Hartz IV-Empfangenden als psychisch krank gilt. Die entsprechenden Zusammenhänge müssen beleuchtet und aufgeklärt und den Ursachen von Armut und chronischer sowie psychischer Erkrankung muss dabei entschieden entgegen getreten werden. Nicht wirklich möglich sein wird dies jedoch vermittels eines Menschenbildes, das davon ausgeht, seelisch-körperliche Probleme seien zu allererst einmal „eigenverantwortet“ und Gesundheit bedeute auch und vor allem in einer faktisch zunehmend angst- und krankmachenden Gesellschaft, eben k-e-i-n-e Symptome und also Verwundbar- sowie Menschlichkeit zu offenbaren, bedeute also eben, n-i-c-h-t gesund zu reagieren, weil nur der noch als gesund gelten darf, der auch im größten Elend noch funktioniert und auf seine Glückseligkeit insistiert. Aus dieser Sicht erfordert chronische wie psychische Krankheit dann eben vor allem eines: mehr individuelle Verantwortungsübernahme, Anpassungsbereitschaft und Therapie. Über die „Ursachen im außen“, den gesellschaftlichen Kontext, wird hingegen kaum überhaupt mehr diskutiert. So etwas endet dann nicht selten in einem Zynismus mit menschenverachtenden Zügen, wie diesen unlängst beispielsweise der Spiegelmit der Frage präsentierte, ob Obdachlosigkeit nicht womöglich „heilbar“ sei. Ein Kommentar von Jens Wernicke

    —> mehr

  38. Das Schlechte sagt:

    ich scroll mal alles durch und kopier es hier rein..mal sehen, was dabei heraus kommt

    Fortsetzung nachdenkseiten

    In den letzten Jahrzehnten haben internationale Studien immer wieder aufgezeigt, dass ein enger Zusammenhang zwischen der sozialen und gesundheitlichen Lage von Menschen besteht: Viele Krankheiten, Beschwerden und Risikofaktoren kommen bei Personen mit niedrigem sozioökonomischen Status, gemessen zumeist über Angaben zu Einkommen, Bildung und Beruf, häufiger vor als bei Personen mit höherem sozioökonomischen Status. Dies gilt auch für schwerwiegende und chronische Gesundheitsprobleme, die oftmals mit Funktionseinschränkungen im Alltag und Auswirkungen auf die Lebensqualität verbunden sind.

    Aktuelle Veröffentlichungen [PDF] des Robert-Koch-Instituts im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes zeigen, dass Frauen und Männer, deren Einkommen unterhalb der Armutsrisikogrenze liegen, ein im Verhältnis zur höchsten Einkommensgruppe um das 2,4- bzw. 2,7-Fache erhöhtes Mortalitätsrisiko haben. Infolgedessen erreicht in der niedrigen Einkommensgruppe auch nur ein deutlich geringerer Anteil der Frauen und Männer das 65. Lebensjahr. Unter Einbeziehung der mittleren Einkommensgruppen lässt sich die Aussage treffen, dass die Chance, 65 Jahre oder älter zu werden, mit steigendem Einkommen sukzessive zunimmt.

    Noch eindrücklicher lesen sich die Befunde, wenn sie auf die mittlere Lebenserwartung bei Geburt bezogen werden, die nach den Periodensterbetafeln für den Zeitraum 1995 bis 2005 für Frauen mit 81,3 Jahren und für Männer mit 75,3 Jahren beziffert werden kann. Die Differenz zwischen der niedrigsten und höchsten Einkommensgruppe beträgt hier, legt man die zuvor ermittelten Mortalitätsunterschiede zugrunde, bei Frauen 8,4 Jahre und bei Männern 10,8 Jahre. Betrachtet man dabei nur die gesunde Lebenserwartung, das heißt jene Lebensjahre, die in sehr gutem oder gutem allgemeinen Gesundheitszustand verbracht werden, macht der Unterschied zwischen der niedrigsten und höchsten Einkommensgruppe sogar 10,2 Lebensjahre bei Frauen und 14,3 Lebensjahre bei Männern aus.

    Daten der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) zeigen zudem die aktuelle Entwicklungslinie in Bezug auf soziale Unterschiede in der ferneren Lebenserwartung ab dem 65. Lebensjahr auf. Untersucht wurden Unterschiede nach Einkommen (Entgeltpunkte) und Berufsstatus, der Beobachtungszeitraum erstreckte sich von 1995/96 bis 2007/08. Die Ergebnisse machen deutlich, dass sich die sozialen Unterschiede in der ferneren Lebenserwartung vergrößert haben. Zwar ist die Lebenserwartung in allen betrachteten Gruppen gestiegen, die Zugewinne fielen in den unteren Einkommens- und Berufsstatusgruppen jedoch geringer aus. Die gesundheitlichen Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen haben sich im Beobachtungszeitraum also vergrößert bzw. vertieft.

    Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die zunehmenden sozialen Unterschiede in Deutschland machen immer mehr Menschen arm. Die zunehmende Armut und der mit dieser verbundene Stress wiederum machen immer mehr Menschen krank. Krankheit wiederum verschärft die Nachteile auf dem Arbeitsmarkt, führt zu Stigmata, Ausgrenzung – und allzu oft in noch größere Armut hinein. Kurzum: „Armut macht krank – Krankheit macht arm“.

    Armut macht krank – Krankheit macht arm

    Quelle: Christoffel-Blindenmission

    Wie wenig es sich hierbei um „Marginalien“ handelt, weisen andere zahlen aus:
    Der 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung aus dem Jahre 2013 bestätigt, dass über 15 Prozent der Bevölkerung in Armut leben. Dies entspricht einer Zahl von ca. 12 Millionen Menschen. Allein 2,5 Millionen Kinder sind betroffen. Und: Bei 9,6 Millionen Menschen in Deutschland liegt eine amtlich festgestellte Schwerbehinderung oder eine Erwerbsminderung vor. Dies entspricht 14 Prozent der Bevölkerung. An chronischen Beschwerden oder Krankheiten leiden zudem 19,1 Millionen Menschen. Das entspricht 28 Prozent der Bevölkerung.

    Armut macht krank – Krankheit macht arm

    Quelle: Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen 2013, S. 44

    Diese „Negativspirale der Armut“ trifft psychisch Kranke dabei oft zunehmend häufig besonders hart [PDF]: „Die Schwerbehindertenstatistik weist für die Jahre 2005 bis 2011 einen leicht ansteigenden Anteil der Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen an allen schwerbehinderten Menschen aus. In absoluten Zahlen ausgedrückt, wird jedoch die Relevanz dieser Beeinträchtigungsart deutlich: Im Jahr 2011 hatten rund 500.000 Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung eine psychische Beeinträchtigung. Gegenüber dem Jahr 2005 stellt dies eine Zunahme um 42 Prozent dar“, wie es im aktuellen „Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen“ [PDF] heißt.

    Armut macht krank – Krankheit macht arm

    Quelle: Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen 2013, S. 382

    Zudem gilt [PDF], „dass (inzwischen) nahezu jeder vierte männliche und jede dritte weibliche Erwachsene (…) unter voll ausgeprägten psychischen Störungen (leidet). (…) Am häufigsten sind (dabei) Angst- und depressive Störungen, gefolgt von Substanz- und somatoformen Störungen. (…) Typisch für psychische Störungen (…) (ist dabei) eine ausgeprägte Komorbidität, eine hohe Anzahl an Ausfalltagen und eine niedrige Behandlungsrate.“

    Nahezu verdoppelt hat sich überdies auch die Zahl der Menschen, die aufgrund von psychischen Beeinträchtigungen eine Rente der Deutschen Rentenversicherung wegen verminderter Erwerbsfähigkeit erhalten. Im Jahr 2010 entfielen 70.946 Neuzugänge auf diese Diagnosegruppe, 2000 waren es mit 39.037 nur halb so viele. Inzwischen stehen 39 Prozent aller Neuzugänge im Zusammenhang zu psychischen Beeinträchtigungen, konstatiert der Teilhabebericht weiter.

    Und hier schließt sich der Kreis. Denn zahlreiche internationale Studien weisen darauf seit Langem darauf hin, dass sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen besonders anfällig (auch) für psychische Störungen sind. Für Deutschland hatte bereits der Bundes-Gesundheitssurvey 1998 gezeigt, dass Personen mit niedrigem Sozialstatus häufiger an psychischen Störungen wie depressiven Erkrankungen, Angsterkrankungen und substanzbezogenen Störungen litten, als Personen mit höherem Status. In der GEDA-Studie 2009 zeigt sich ebenfalls ein deutlicher Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und sozialem Status, der anhand von Angaben der Befragten zu Bildungsstand, Einkommen und beruflicher Position ermittelt wurde.

    „Sowohl diagnostizierte Depressionen als auch aktuelle seelische Belastungen werden am häufigsten von Personen mit niedrigem Sozialstatus angegeben (…). Bei statistischer Kontrolle der Effekte von Alter und Geschlecht ergibt sich, dass Personen mit niedrigem Sozialstatus eine fast doppelt so hohe Chance einer diagnostizierten Depression haben, wie Personen mit hohem Sozialstatus (…). Die Chance einer aktuellen seelischen Belastung ist bei niedrigem Sozialstatus etwa 2,6-mal höher als bei hohem Sozialstatus“, konstatierte [PDF] das Robert-Koch-Institut bereits 2011.

    Später wurde dann ergänzt [PDF]: Die Häufigkeit starker Stressbelastung nimmt insgesamt mit steigendem sozioökonomischem Status ab; sie fällt von 17,3 Prozent bei niedrigem auf 7,6 Prozent bei hohem sozioökonomischem Status. Gleichzeitig gilt: Menschen mit einer starken Belastung durch chronischen Stress zeigen deutlich häufiger eine aktuelle depressive Symptomatik, ein Burnout-Syndrom oder Schlafstörungen als Menschen ohne starke Belastung durch chronischen Stress. Kein Wunder also, dass gilt [PDF]: „Die Häufigkeit von Depressionen sinkt mit der Höhe des sozioökonomischen Status (SES): Bei niedrigem SES beträgt sie 13,6%, bei mittlerem 7,6 Prozent, bei hohem 4,6 Prozent.“

    Caritas TV-Spot: Armut macht krank

    Lassen wir uns daher von allem Gerede von „Eigenverantwortung“, welche für die Genesung auch und gerade von psychischen Erkrankungen sehr wohl wichtig und notwendig ist, ein X aber nicht gleich für ein U vormachen: Die Ängste und Nöte, unter denen psychisch Kranke leiden, sind womöglich sehr wohl entwicklungspsychologisch und biografisch fundiert, dennoch aber jedoch weniger in dem Sinne zu bewerten, als dass sie „falsch“ wären und daher „wegtherapiert“ gehörten, als vielmehr in jenem, als dass ihre Aktualisierung und „Re-Aktivierung“ auch und vor allem dafür spricht, dass „die Verletzten“ dieser Erde eben auch die sensibelsten Menschen sind und damit eben jene, die soziale und gesellschaftliche Missstände als erste spüren und wahrnehmen, da sie gar nicht umhin kommen, unter diesen zu leiden.

    In diesem Sinne würde die „Eigenverantwortung“ psychisch Kranker dann aber eben auch bedeuten, die eigenen Gefühle zumindest als Teil der eigenen Menschlichkeit und Wahrheit anzunehmen und neben der Arbeit an der Linderung der größten unmittelbaren Not mit diesen sich überall dort, wo dies möglich erscheint, auch für gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu streiten, die (faktisch und nicht nur imaginiert!) weniger ängstigend, furchteinflößend und traumatisierend sind.

    Denn das der einzelne ggf. eher und schneller und deutlicher als die Mehrheit auf Probleme reagiert heißt eben nicht unmittelbar, dass der einzelne selbst oder allein die Ursache seiner „Störungen“ ist. Vielmehr ließe sich mit Arno Gruen und Erich Fromm sehr wohl argumentieren, dass vielmehr wohl doch das Ganze das Problematische und also Unwahre sei.
    Bei Arno Gruen liest sich das so [PDF]:

    „Um erfolgreich zu sein, müssen wir von klein an lernen, vom Versagen zu träumen. Was zählt in unserer Kultur, ist nicht, im Gefühl des Lebendigen zu sein, sondern wie wir den Erfolg erreichen. Danach werden wir gemessen und messen uns selber. Erfolg ist der Maßstab, nicht die Fähigkeit zu lachen, zu spielen oder zärtlich zu sein.

    Dieser Erfolg aber gründet auf dem Versagen eines anderen Menschen. Er beinhaltet Gewalt. Diese Lektion fängt im Elternhaus an, wird in der Schule verstärkt, so daß wir schon lange vor dem Erwachsensein von dem internalisierten Alptraum gekennzeichnet sind: Wir träumen von der Angst des anderen, die unsere eigene ist. Sogar, wenn wir auf dem Höhepunkt des Erfolges sind, träumen wir von der Angst des Versagens. Das eben ist das Problem: Um ein Selbst auf diesen, den Werten der Gesellschaft entsprechenden Wegen aufzubauen, müssen wir uns maskieren. Wir müssen verneinen, daß das, was wir wirklich tun, ist: einem anderen Wesen Schmerzen zuzufügen. Es ist, wie Vaclav Havel es in seinem Essay ‚Versuch, in der Wahrheit zu leben‘ darstellt: ‚Ideologie als scheinbare Art der Sichbeziehung zur Welt bietet dem Menschen die Illusion, er sei eine mit sich identische, würdige und sittliche Persönlichkeit womit es ihm möglich wird, alles dies nicht zu sein‘.

    Sich auf diese Weise zu betrügen, macht es aber unmöglich, gerade den Selbstwert aufzubauen, der einen Menschen in sich ruhen läßt, (und) in dem Verletzlichkeit und Hilflosigkeit zum Ausgangspunkt des Seins werden können.“

    Und Erich Fromm brachte es auf folgenden zugespitzten Punkt, um zu verdeutlichen, dass die als „krank“ gebrandmarkten und stigmatisierten Reaktionen vielleicht die gesündeste aller Reaktionsweisen auf faktisch kranke und krankmachende Umweltbedingungen sind:

    Interview mit Erich Fromm

    Weiterlesen:

    Weltgesundheitsorganisation: Soziale Determinanten von Gesundheit: Die Fakten [PDF]
    Robert-Koch-Institut: Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Armut, soziale Ungleichheit und Gesundheit [PDF]
    Fact Sheet Gesundheit und soziale Gleichheit des Projektes „Solidarisch G’sund“ [PDF]
    Christoffel-Blindenmission: Armut und Behinderung bilden einen verhängnisvollen Kreislauf
    Landeszentrale für Gesundheit in Bayern e.V.: „Armut macht krank – Krankheit macht arm?!“ [PDF]
    Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.“
    Süddeutsche: Wissenschaftliche Studien: Armut macht krank
    Naturheilkundliches Fachportal: Armut macht krank und mindert Lebenserwartung

    nichts für unschlecht

  39. Ueli sagt:

    @Rabbi Jussuf
    Es ist freilich so, dass wenn sie mit tiefen Prämissen von Adorno nicht einig gehen – Sie logischerweise auch bei seinen Schlussfolgerungen nicht mitkommen “wollen” / “können”. Wenn Sie z.B. davon ausgehen, dass der Kapitalismus keine Entfremdung vom Arbeitsprodukt bewirkt – können sie freilich auch nicht nachvollziehen wieso die Menschen nach Entlastungsstrategien suchen und diese u.a. in einer Pseudomystik finden.

  40. Rabbi Jussuf sagt:

    Ueli
    gut bringen Sie folgenden Satz:
    “Wenn Sie z.B. davon ausgehen, dass der Kapitalismus keine Entfremdung vom Arbeitsprodukt bewirkt – können sie freilich auch nicht nachvollziehen wieso die Menschen nach Entlastungsstrategien suchen und diese u.a. in einer Pseudomystik finden.”
    Hier zeigt sich deutlich, wie eng der Blickwinkel von Adorno (und Ihnen) ist. Sie wollen alles auf den Kapitalismus herunterbrechen (Adorno auf den Spätkapitalismus, was noch enger ist!), vergessen dabei völlig, dass es noch andere Zeiten gab, in denen andere Systeme herrschten – so man dieser Systemenlehre überhaupt folgen will – wo der Okkultismus (um den geht es bei Adorno) blühte.
    Diese engste Sichtweise verführt zu diesen völlig falschen Schlussfolgerungen, wie sie Adorno mit der Inbrunst der Überzeugung behauptet.

    Ich frage mich schon, was Sie, Ueli, wirklich von diesem Text verstanden haben wollen, wenn Sie nicht einmal merken, dass ich nie etwas gegen die “Entfremdung vom Arbeitsprodukt” gesagt habe – trotz mehrmaligem Hinweisen darauf!
    Ich habe nichts dazu gesagt, weil es in der laufenden Diskussion völlig ohne Bedeutung ist (auch wenn der grosse Adorno das anders sehen will).

    Ich danke Ihnen nebenbei für diesen Adornotext. So weiss ich nun, dass ich sicher nichts mehr von ihm lesen muss.

  41. Rabbi Jussuf sagt:

    Tiefe Prämissen?
    Oberflächlicher geht es kaum noch!

  42. Klara Brunner sagt:

    @ das Schlechte

    Omi hat in ihrer Verzwweiflung eine Kartenlegerin und Wahrsagerin angerufen um von ihr Klarheit zu erhalten. Hat natürlich nichts gebracht aber ziemlich viel gekostet, war teuer. Omi wusste dann plötzlich so kranke Sachen wie, ich würde Mozart-Arien singen und hätte ihr diesen Genuss absichtlich vorenthalten wo sie sich doch so an sowas gefreut hätte. Mozart ist nicht mein Favorit aber seine Arien sind nur was für begabte Sopranistinnen. In jene Höhen schaffts mit reiner Stimme auch geschulter singender Durchschnitt nicht. Seit einiger Zeit ruft nun Chantal von Sexlife bei Omi an. Ich gehe davon aus, dass jene Kartenlegerin die weissagt gemerkt hat dass die lukrative Kommunikation abrupt gestoppt hat neuerlich versucht an Omi ranzukommen. Glücklicherweise bin ich ziemlich oft dort und wirke in solchen Fällen bremsklotzartig.

  43. Rabbi Jussuf sagt:

    Gummibaer
    Das muss wohl mit der Entfremdung des Arbeiters vom Proletariat zu tun haben, typisch für den Epispätkapitalismus.

    Oder macht der Tunnelblick die Prämissen so tief?

    Fragen über Fragen.

  44. Eleni sagt:

    @Rabbi Jussuf: Das muss wohl mit der Entfremdung des Arbeiters vom Proletariat zu tun haben, typisch für den Epispätkapitalismus

    Eine wahrhaft düstere Zeit, in der entfremdete Arbeitnehmer ihren Schmerz mittels homöopathischer Kügeli so stark verdrängt haben, dass sie die rettende Stimme der proletarischen Avantgarde nicht mehr verstehen können.

  45. Klara Brunner sagt:

    @ das Schlechte

    …..ausserdem würde ich in 5 FÜNF Chören singen und dergleichen Unsinn mehr hat ihr die Dame für Fr. 4.50 die Minute am Telefon verzapft. Es wird einem schwindlig wenn man den Unsinn nur hört und es ist schwierig solches Zeug so einer älteren Dame glaubhaft wieder auszureden, zu erklären, warum sowas menschenunmöglich ist.
    Da lob’ ich mir Mike Shiva der nun wirklich einer der seriöseren dieser Szene zu sein scheint und zumindest die Leute nicht durch verzerrte Fantasterei an sich zu binden sucht.

    Das Böse ist immer und überall……na ja, nun müssen wir nur noch die Chantal vom Sex-Leben wieder endgültig ausklinken, es ist ausgesprochen lästig wenn eine rauchige Stimme einer um die 90jährigen, etwas schwerhörigen Dame weiszumachen sucht, dass ihre Linie ihr nützlich sein könnte.

    Eiin Wunder, dass ich noch nicht reif bin für die Klappse.

  46. Anschlußverwendung ABRECHNUNG sagt:

    (und w i e sie sich stürzen..andersen? :- ) )

    A B R E C H N U N G
    Petros Markaris

    h ttp://www.3sat.de/page/?source=/scobel/specials/173819/index.htm

    h ttp://www.3sat.de/page/?source=/scobel/sendungen/176640/index.html
    h ttp://www.3sat.de/page/?source=/scobel/176208/index.html

    rebloggt

    Anschlußverwendung nach Evangelikalismus…..

    ob jemand die Parallelen erkannt hat? Wenn man Menschen einverleibt, sie nicht ihre Identität wahren läßt, sondern sie mit sinnlosen Gesetzen bombardiert….willkürlich und beliebig
    und das mit freier Wahl oder “freiwillig” krönt, einem “übergeordneten” Ziel zu Ehren

    und eben so wenig, wie man von den “Architekten” und Schöpfern der “EU” , den Unterhändlern, den Währungserfindern-und Killern…..
    keine Rückmeldung, keine Rücknahme, keine Fehlerbestätigung, keine Ent-Schuldigung erwarten kann (sie selber sitzen, nein, residieren in den Anwesen und Penthäusern mit schönem Ausblick und Rundumversorgung
    und ziehen höchsten eine der buschigen, noch basischen (wenig selber übersäuerten) Augenbrauen hoch

    wird man von den Funktionären der christlichen Übernahme und ihren Tanzbären

    niemals auch nur EINE einzige “Empfangsbestätigung” erhalten!

  47. Neida sagt:

    Hoffen wir mal, daass andersens verbindendes Würstchen ConSCHIETa für alles die tolerante Lösung parat hat!

  48. Neida sagt:

    Hoffen wir mal, dass andersens verbindendes Würstchen ConSCHIETa für alles die tolerante Lösung parat hat!

  49. Gummibaer sagt:

    @ das Gute
    Das Paradox :
    Nur zufrieden sein koennen wenn man unzufrieden ist.
    Sein Glueck nur im ungluecklich sein zu finden.
    Jeder Hotelier erkennt sie mit geuebtem Blick: der Aufenthalt koennte noch so perfekt sein aber gewisse Gaeste sind nur zufrieden wenn sie etwas zu bemaengeln finden.
    Man findet sie auch hier mit ihrem kleinen Rucksack voller Unglueck aus dem sie sich zwischendurch staerken koennen um den naechsten Wegabschnitt in Angriff zu nehmen.
    Experimentelle Bestaetigung: Einen Morgen lang an der roten Ampel das grimmige Gesicht im Nebenfahrzeug anlaecheln. Wenige laecheln zurueck, der Rest ?

  50. Klara Brunner sagt:

    @ gummibaer

    Und dann gibt es nocht die notorischen Lächler die allen auf die Nerven gehen mit dem typischen Dalai-Lam-Lächeln und den daraus resultierenden eindeutigen Gesichtsverzerrungen. Das ist weder gut noch lächelnd, das ist masken- oder fratzenhaft und für mich ausgesprochen unsympathisch.

    Nichts gegen ein freundliches Lächeln im Allgemeinen, wenn Leute aber alles nur gut finden, dann stimmt ganz eindeutig etwas mit ihnen nicht. Ich würde mir jedenfalls keine Freunde aus ihren Reihen wählen weil sie, wenn man sie besser kenntnlernt die am wenigsten konfliktfähigen Menschen sind, nichts was ihrem Denken widerspricht aushalten, die ausgesprochen gehässig werden können. Weil es das eine ohne das andere nicht gibt passiert das, man kann derart wichtige Wesensteile nicht einfach abspalten. Man sieht das letztlich jetzt an der hohen Zahl der pädophilen Priester. Das Prinzip ist nämlich das Gleiche.

    Im übrigen habe ich letzthin jemandem ein Kompliment gemacht weil er – in einem Spital im sozialen Bereich tätig – ein ausserordentlich guter Zuhöhrer ist. Er versteht auch Leute die sich kaum mehr verständigen können. Er nimmt Leidensgeschichten so wie sie ihm erzählt werden ernst. Er lässt letztlich stehen war gesagt wurde, refelktiert aber ernsthaft und sinnvoll in allen Aussprachen. Er meinte, dass die wenigsten Menschen dazu überhaupt in der Lage seien Leidensgeschichten etwelcher Art ruhig einfach mal anzuhören. Er mag darin ganz richtig liegen.
    Man soll zwar lernen zwischen sich und den Anderen immer wieder hilfreiche Distanz einzulegen wegen der u.U. selbstzerstörerischen Kraft die sowas entwickeln kann, aber man soll bei allem nicht aus dem Sinn verlieren welche Aufgabe man sich gestellt hat. Zuhören kann heissen aktiv reflektieren also erst mal zurückfragen und allenfalls versuchen konstruktiv zu reagieren im Wissen, dass in manchem Leben eine Tatsache ist, dass viel und grosses Leid eben tatsächlich eine Seite des menschlichen Lebens ist.