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Wahr ist, was mir guttut

Hugo Stamm am Samstag den 19. April 2014
Hugo Stamm

Spiritualität wird individueller: Meditierender am Zürichsee. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Die Sektenlandschaft ist im Wandel. Der Zeitgeist geht auch an den radikalen religiösen Gruppen nicht spurlos vorbei. Individualisierungstendenzen und Verweltlichung färben auf das spirituelle und religiöse Milieu ab, die grossen Sekten verlieren an Attraktivität und krebsen.

Zum Beispiel Scientology. Die amerikanische Sekte hämmert ihren Mitgliedern seit Jahren ein, sie sei die am schnellsten wachsende Religionsgemeinschaft. Je öfter sie es wiederholt, umso weiter entfernt sie sich von der Wirklichkeit. Einst verkündete die Sekte, in der Schweiz 10’000 Mitglieder zu haben. Ein Propagandawert. Im Lauf der Jahre schrumpfte die kommunizierte Zahl auf etwa die Hälfte. Heute sind noch lediglich ein paar Hundert Mitglieder aktiv.

Was ist passiert? Die kritischen Medienberichte wirkten abschreckend, die Mission geriet ins Stocken. Was vielleicht noch wichtiger ist und für die meisten grossen Bewegungen gilt: Das religiös oder spirituell interessierte Publikum will sich nicht länger einer autoritären Grossgemeinschaft unterordnen, sondern sich die Seele nach dem Konsumprinzip individuell massieren lassen.

Die Summe der religiösen Bedürfnisse sinkt aber kaum. Leute, die spirituell interessiert sind oder das «Gottesgen» in sich tragen, suchen nach Alternativen. Diese finden sie zunehmend in esoterischen Zirkeln oder in den Kleingruppen vieler Geistheiler und Gurus. Ausserdem brauchen heute viele spirituelle Sucher keine starre Bewegung mehr als religiöse Heimat. Sie bedienen sich vielmehr am breiten esoterischen Angebot und hauchen ihr Om vor ihrem Altar im Schlafzimmer, auf dem Statuen oder Bilder mehrerer Avatare oder Götter stehen. So basteln sie sich ihre Privatreligion, die nach hedonistischer Art auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Ganz nach dem verbreiteten Lebensmotto: Wahr ist, was mir guttut.

Hinweis: Im «Club» des Schweizer Fernsehens vom 15. April diskutierten Hugo Stamm und andere Studiogäste zum Thema: Gottlos glücklich – Braucht es Religion?

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331 Kommentare zu “Wahr ist, was mir guttut”

  1. andersen sagt:

    Korrektur

    Jenseits des reinen Marxismus treibt ihm noch dazu der Beatles zu hören.
    Und somit ein Widerspruch in sich selbst.

  2. hm sagt:

    @ Dal Pund, Zusatzfrage
    Wie schauts eigentlich aus bei der Prävention vor Gewaltdelikten aus, also z.B. bei einer Körperverletzung (u.U. mit Todesfolge) durch die Sippschaft (Vater, Bruder, Onkel etc.) der „Lustgemordeten oder gar nur Vergewaltigten“? Wird da auch viel zu viel Aufwand betrieben?

  3. hm sagt:

    @ andersen
    “wo er für die Freiheit, für das Volk und so weiter kämpfen wollen.
    Voller Widerspruche, denn jenseits des reinen Marxismus, treib ihm vielleicht dazu, die Beatles und in der Theater zu gehen und brauchte sich also um nichts mehr zu kümmern.”
    Ganz verantwortungs-frei sollte man nie sein, dünkts mich. Und wenn jemand, der Marx liest, dadurch der Realität zu entfliehen versucht, so dünkt mich das auch nicht unbedingt zutreffend, ich gehe eher vom Gegenteil aus, also, dass der ueli vielleicht mitmacht bei einer politischen Gruppierung, oder Quartiersgemeinschaft oder was weiss ich, also nix da von Realitätsflucht.
    So ein Kandidat bin eher ich (wenn auch nicht 100 Pro).
    Übrigens: Haben Sie “Die fabelhafte Welt der Amélie* gesehen. Hab’ ich diese Woche im TV geschaut – und dann gleich eine DVD bestellt. Will ja noch nach Paris.

  4. hm sagt:

    Micmacs natürlich auch
    😉

  5. Ecclesia sagt:

    “… aufgrund des generellen Verbots, andere an Leib und Leben zu schädigen, dürfte es sich rechtfertigen, in dieser Hinsicht höhere Aufwendungen zu Lasten des Verursachers zu fordern als im Bereich der von der Sozialversicherung bezahlten Behandlung gegen Krankheiten, die von niemandem verschuldet wurden.” (Bundesgericht)

    Habe erst jetzt die Perversität dieser Argumentation bemerkt.

  6. hm sagt:

    @ Carld Dal Pund
    Verwahrungsinitiative und deren Umsetzung sind nicht problemlos (nicht das erste mal bei sog. populistischen Initiativen bzw. ihren Texten), Verhältnismässigkeit der Strafe im Vergleich zum begangenen Delikt, d.h. Strafzumessung bei Sexualdelikten, haben die Richter abzuwägen, weiss Gott kein Schoggi-Job für eine “Politjuxtiz auf femokratischen Abwegen” … und jetzt gibts auch noch einen oben drauf: Haftbarkeit für diese Politjuxtiz auf femokratischen Abwegen bei Fehlentscheiden …
    Ich behaupte ja nicht, Ihre Kritik an der Zunahme von Initiativen zur Verschärfung der Strafgesetzgebung wäre völlig grundlos oder unberechtigt, aber Sie schiessen oft dermassen übers Ziel hinaus, dass Sie eigentlich nur als frustrierter Macho im Schilf stehen bleiben, oder Sie behaupten Sachen, die so nicht stimmen bzw. nicht belegt sind, wie jetzt wieder einen Zusammenhang sehen zu wollen zwischen Verschärfung der strafrechtlichen Bestimmungen und der Zu>name schwerer Sexualdelikte.
    Wenn Sie das einigermassen leserlich formuliert und mit (überprüfbaren) Zahlen rüberbringen, dann wär’ das m.E. okay.
    (Und dann könnten wir ja noch die Zensurphobie behandeln.)

  7. hm sagt:

    @ Carl dal Pund
    Ja, schön so, geht ja.
    Jetzt: “Lustmordes – frueher alle paar Jahre und seit der Verschaerfung des Sexnotstandes in Bibeltheokratien auf femokratischen Abwegen alle paar Monate”.
    “Verschaerfung des Sexnotstandes”, ich verstand Verschärfung des Strafmasses.
    (Gibts einen Zusammenhang zwischen der Verschärfung der Strafmasse zu den begagenen Taten?)
    Gabs eine Zunahme an schweren Sexualstraftaten aufgrund “der Verschaerfung des Sexnotstandes in Bibeltheokratien auf femokratischen Abwegen”?
    Also seit 68? Ich versteh’ nicht. Wenn Sie sich mitteilen wollen, schreiben Sie bitte weder an einer Bibel noch an irgendwelchen Orakelsprüchen …

  8. hm sagt:

    Ich behaupte im Gegenteil, seit der sog. “sexuellen Befreiung” komme es zu weniger Delikten. Statistisch wirds wohl aber schwierig zu begründen sein, weil ev. auch die Hemmschwelle zur Anzeige seither abnahm.
    So, eigentlich nicht mein Thema.
    Wünsche allen ein schönes Wochenende

  9. ueli sagt:

    @andersen
    Für Frau Andersen ist Marx lesen also schlicht eine “Realitätsflucht”. Während “blinder Glaube” an ein Buch namens Bibel freilich die “höchste Stufe der Erkenntnis” darstellt und uns alle “frei” macht.

  10. Pasionaria sagt:

    andersen
    instead of palavering so incompetently and weak-minded over Marx, Netzsche or MSS we do beg you (once even on our knees) to please Shake…..*pears.
    *your

  11. Enzo Transzendenzo sagt:

    @sowieso
    Ja, es stimmt, “Kinder der Landstrasse” ist ein eher dunkler Fleck in der jüngeren Geschichte der schweizerischen Eidgenossenschaft. Amnen.

  12. ueli sagt:

    @Pasionaria
    Ich denke wir sind hier an einem wesentlichen Punkt angelangt – nicht nur was Frau Andersen anbelangt:
    Die magnetische Gewalt, welche die Ideologien über die Menschen ausüben, während sie ihnen bereits ganz fadenscheinig geworden sind, erklärt sich jenseits der Psychologie aus dem objektiv bestimmten Verfall der logischen Evidenz als solcher. Es ist dahin gekommen, dass Lüge wie Wahrheit klingt, Wahrheit wie Lüge. Jede Aussage, jede Nachricht, jeder Gedanke ist präformiert durch die Zentren der Kulturindustrie. Was nicht die vertraute Spur solcher Präformation trägt, ist vorweg unglaubwürdig, um so mehr, als die Institutionen der öffentlichen Meinung dem, was sie aus sich entlassen, tausend faktische Belege und alle Beweiskraft mitgeben, deren die totale Verfügung habhaft werden kann. Die Wahrheit, die dagegen anmöchte, trägt nicht bloss den Charakter des Unwahrscheinlichen, sondern ist überdies zu arm, um in Konkurrenz mit dem hochkonzentrierten Verbreitungsapparat durchzudringen.

  13. ueli sagt:

    @börni
    Sie sollten vielleicht noch mal ihren Gott fragen – ob er einen Staatsanwalt wie sie tatsächlich “benötigt” um seine Schöpfung wieder “ins Lot” zu bringen. Satan hat den Job bis jetzt wesentlich besser gemacht – man sollte doch bei Altbewährtem bleiben – wenn es in der Vergangenheit funktioniert hat. Der Job des Märtyrers wurde in letzter Zeit aber ein wenig vernachlässigt – vielleicht sollten Sie sich für diese Stelle bewerben…

  14. Ecclesia sagt:

    @ ueli (25. April 2014 um 20:08):

    Evidenz: JA!

    Macht: LEIDER!

  15. ueli sagt:

    @Ecclesia
    Als “Blick”-Schlagzeile durchaus brauchbar. Sie bekommen den Job als Chefredaktor.

  16. Ecclesia sagt:

    @ ueli (25. April 2014 um 20:53):

    Nun – ist es nicht so? Reduzierbar? Trotz der vielen schönen (und überflüssigen) Worte?

  17. ueli sagt:

    @Ecclesia
    Nein – so ist es eben nicht. Die Forderung nach vermeintlicher “Reduktion aufs Wesentliche” ist in den meisten Fällen – wiederum nix anderes als ein weiteres Instrument der herrschenden Ideologie, welche uns einhämmern will, dass doch alles “nicht so furchtbar kompliziert sein muss”, wenn man denn nicht sein Leben “unnötig mit Wahrheit belasten will”.

  18. Sepp Gilleron sagt:

    @ Ueli
    Dem börni können Sie Ihre gelben und roten Kartne so lange zeigen wie Sie wollen, der will nicht mal den Freistil kennen 🙂

  19. Ecclesia sagt:

    @ ueli (25. April 2014 um 21:20):

    Oh, Ihre Meinung teile ich ganz und gar nicht. Ich bin felsenfest überzeugt, dass Einfachheit ohne Ideologie möglich und lebbar ist. Vielleicht erscheint Ihnen dies ein wenig zu bäuerisch. Indes gebe ich zu, dass die vermeintliche Komplexität manches Gemüt ernährt. Aber das ist selbstredend noch keine Rechtfertigung.

  20. Ecclesia sagt:

    @ ueli (25. April 2014 um 21:20):

    … nicht “unnötig mit Wahrheit belasten will”.

    λεγει αυτω ο πιλατος τι εστιν αληθεια
    Dicit ei Pilatus: Quid est veritas?
    Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit?

    (Joh 18,38)

  21. börni sagt:

    @ueli, heute um 20:39

    Ihre Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube… 🙂

  22. ueli sagt:

    @Ecclesia
    Dummerweise wurde die “Einfachheit” selber zur Ideologie. Beim Küchenpersonal finden Sie auch nicht mehr “Wahrheit” als in den “oberen Etagen” – und das sage ich Ihnen als Marxist. Die arbeitende Bevölkerung muss nicht deswegen befreit werden – weil sie schon alles begriffen hat – dummerweise muss sie dieses Kunststück selber vollbringen…deswegen ist man auf der anderen Seite zuversichtlich, dass die Übung schief geht. Sei`s drum – ein paar Versuche war es wert…

    Zu Pilatus: Wohl die beste Frage, die jemals von einem römischen Statthalter gestellt wurde. Da musste selbst Jesus erst mal schlucken und sagte dann: Meine Wahrheit ist nicht von dieser Welt. Damit konnte Pilatus freilich nix mehr anfangen – also liess er den Pöbel befragen, da dieser hin und wieder auch zu seinem Recht kommen will. “Gott” hätte seine Demütigung wohl nicht gewaltiger inszenieren können – von den geringsten seiner Geschöpfe eine Strafe für Sklaven über sich ergehen lassen.
    An einen solchen Gott zu glauben ist gelinde gesagt – eine Zumutung.

  23. vanitas sagt:

    @ueli

    Von J.W. von Goethe

    Wer nie sein Brot mit Tränen ass,
    Wer nie die kummervollen Nächte
    Auf seinem Bette weinend sass,
    Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.

    Ihr führt ins Leben uns hinein,
    Ihr lässt den Armen schuldig werden,
    Dann überlässt ihr ihn der Pein;
    Denn alle Schuld rächt sich auf Erden.

  24. andersen sagt:

    @Hm

    Viel Spass in Paris, beim Entdecken und Suchen nach dem Noch-Unbekannten.
    Wie ein stürmisches Meer , die Wanderung zu einem noch unbekannten Punkt, die wahrhaft kreative Kultur , wo es auch dazwischen Gurus gibt, die der Dinge aufzwingen wollen, wo auch aber viele bleiben aus Angst am Ufer sitzen, ohne etwas zu versuchen.

    Die Zukunft.

    Wie viele Menschen, die es leider noch gibt, die sich immer noch von den Utopien sich verführen lässt.
    -Die marxistische Utopie will alles ändern, indem sie die Gesellschaftsstrukturen verändert und der Kapitalimus abschwört.
    (bisher ohne bleibenden Erfolg).
    -Die freudanische Utopie macht die Heilung der Seele von der Rückkehr in die Vergangenheit abhängig.
    -Die dritte Utopie, der Konservatismus, behauptet, dass die Dinge sich von allein lösen, wenn man sie belässt, wie, bewegungungslos und unverändert.

    Tja, wie gesagt, erlaube jeder Seele sein Weg zu gehen.

    Nur lassen vie

  25. andersen sagt:

    Die Landeskirchen der Schweiz wollen kein bleibende Stadt, sondern ein Stadt der Zukunft.

    Gute Nacht, was auch immer Dich durch der Nacht bringt.

  26. Ecclesia sagt:

    @ ueli (25. April 2014 um 23:03):

    “Die arbeitende Bevölkerung muss nicht deswegen befreit werden – weil sie schon alles begriffen hat – dummerweise muss sie dieses Kunststück selber vollbringen…deswegen ist man auf der anderen Seite zuversichtlich, dass die Übung schief geht. Sei`s drum – ein paar Versuche war es wert…”

    Bitte entschuldigen Sie, aber davon verstehe ich kein Wort.

    “Damit konnte Pilatus freilich nix mehr anfangen – also liess er den Pöbel befragen, da dieser hin und wieder auch zu seinem Recht kommen will.”

    Ergänze: … den jüdischen Pöbel …

    “An einen solchen Gott zu glauben ist gelinde gesagt – eine Zumutung.”

    Der christliche Glaube war und ist selbstredend eine Zumutung.

  27. Ecclesia sagt:

    Habe soeben den Satan erschlagen. Zum zweiten Mal.

    Gezeichnet
    J. C.

  28. ueli sagt:

    @Ecclesia
    1. Ich kann nix dafür wenn Sie kein Wort verstehen – aber vielleicht gibt’s ja einen “guten Grund” wieso sie nur “Bahnhof” verstehen ohne das ich dafür zur Verantwortung zu ziehen wäre.
    2. Der “Dünnbrettbohrereinwand”, dass es der “jüdische Pöbel” gewesen sei, welcher einen Gott ans Kreuz geschlagen hat – an den sie nicht mal glauben…scheint mir nicht wirklich ein “grosser Erkenntnisgewinn” – ausser sie seien Antisemit und wollten sich mit diesem Einwand “outen”.
    3. Der christliche Gott ist mir immer dann sympathisch – wenn ihn gewisse unreflektierte Idioten als unsympathisch bezeichnen.

  29. Skandal sagt:

    h ttp://www.i-daf.org/aktuelles/aktuelles-einzelansicht/archiv/2014/03/23/artikel/kinder-und-familie-als-hemmnisse-der-selbstverwirklichung-wie-freiheitlich-ist-die-europaeische-uni.html

    h ttp://kreidfeuer.wordpress.com/2014/04/25/eu-betrachtet-familie-und-kinder-als-hemmschuhe/

  30. Miss Ninety sagt:

    h ttp://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/greise-doktorandin-93-jaehrige-promoviert-ueber-weltwirtschaftskrisen/9809260.html

  31. oot sagt:

    meine Empfehlung des Tages lautet, den Birgit-Kwelle-Newsletter – Gendersprech in Berlin +++ Pöbeln für die Toleranz +++ Wirtschaftspolitik für Familien – zu abonnieren:
    mit diesen Links:

    h ttp://www.focus.de/politik/experten/bkelle/ey-alta-gendersprech-ein-traum-fuer-analphabeten-und-feministinnen_id_3794507.html

    h ttp://www.theeuropean.de/birgit-kelle/8411-debattenkultur-und-poltische-korrektheit

    h ttp://www1.wdr.de/radio/podcasts/wdr5/funkhausgespraeche136.html

    h ttp://www.michael-klonovsky.de/component/content/article/16-michael/artikel/207-unsterbliches-modell-207

    h ttp://www.atkearney361grad.de/familienpolitik-wirtschaftspolitik-eltern-arbeitsmarkt-familie/