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Gott entsteht im Hirn

Hugo Stamm am Samstag den 12. April 2014
Hugo Stamm

Durch Trance zu Gott: Gläubige in einer evangelikalen Kirche in den USA. Foto: Reuters

Religion und Glauben sind an Rituale gebunden. Der Grund: Die beiden Phänomene appellieren an die rechte Hirnhälfte, also ans emotionale Zentrum, das unser Gefühlsleben steuert. Da Worte eher abstrakt sind, müssen religiöse Botschaften über suggestive Elemente und starke Gefühle transportiert werden. Ein Glaube ohne Rituale wird zur geistigen Schwerarbeit. Es braucht das Gemeinschaftsgefühl als Katalysator, um religiöse Gefühle im Bewusstsein zu verankern und Begeisterung oder gar Ekstase auszulösen.

Zu den wirkungsvollsten Ritualen gehören Meditation und Gebet. Diese kollektiven Formen der spirituellen Versenkung werden seit mehreren Tausend Jahren angewandt. Religionsgründer hatten schon früh erkannt, dass man Gläubige mit emotionalen Elementen nähren muss, um sie emotional zu berühren und an sich zu binden.

Seriöse Geistliche wissen um die Kraft der religiösen Rituale und setzen sie zurückhaltend ein. Denn die freigesetzten Emotionen können auch dazu missbraucht werden, Abhängigkeiten zu schaffen. Sektenführer und manche Prediger von Freikirchen benutzen aber Rituale gezielt, um die Gläubigen an sich oder die Glaubensgemeinschaft zu binden. Der indische Guru Bhagwan, der sich später Osho nannte, erfand mehrere Rituale, die die Anhänger in emotionale Grenzzustände oder gar Ekstase trieben. In der dynamischen Meditation tanzen sich die Anhänger beispielsweise die Seele aus dem Leib, sie schreien, lachen und weinen, um hinterher ganz still und leer zu sein. Oder durch Hyperventilieren wird im Hirn ein Sauerstoffüberschuss produziert, der rauschartige Zustände bewirkt.

Ähnliche Effekte erzeugen viele charismatische Freikirchen. Mit lauter Musik und eindringlichen Predigten, bei denen die Pastoren ihre biblischen Botschaften stakkatomässig einpeitschen, werden die Gläubigen «aufgeladen». Sie schliessen die Augen, reden tranceähnlich in anderen Zungen, heben die Arme und wiegen glückselig den Kopf. Dieses Schaumbad der Emotionen interpretieren die Gläubigen gern religiös: Sie glauben, Gott habe sie soeben berührt. Dass die starken Gefühle primär durch äussere und autosuggestive Einflüsse entstanden sind, erkennen sie nicht. Gott entsteht dann im Hirn, das Adrenalin bringt uns ihm näher.

Sicher ist aber, dass bei solchen Ritualen, ja sogar bei stillen Gebeten, die Hirnfunktionen heruntergefahren werden, wie mehrere Untersuchungen zeigen. Denn die Ratio ist der Feind des Glaubens. Radikale Glaubensgemeinschaften fürchten deshalb Zweifel und Kritik der Gläubigen. Denn keine Glaubensgemeinschaft ist frei von Widersprüchen. Es ist auch kein Zufall, dass schon in der Bergpredigt steht: Selig sind die Armen im Geiste, denn ihnen ist das Himmelreich.

Erst kürzlich hat der dänische Religionswissenschaftler Uffe Schjodt nachgewiesen, dass sogar gebetsartige Fürbitten von Predigern die Hirnfunktion der Gläubigen vermindern. Durch bildgebende Untersuchungen (MRI) zeigte er auf, dass Hirnregionen, die für die selektive Aufmerksamkeit, das kritische Denken, die Planung und die Willensbildung zuständig sind, deutlich weniger aktiv waren als bei weltlich orientierten Personen.

Der Philosoph Ludwig Feuerbach nahm die Erkenntnis schon vor weit über 100 Jahren vorweg, als er sagte: «Das Dogma ist nichts anderes, als ein ausdrückliches Verbot zu denken.»

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324 Kommentare zu “Gott entsteht im Hirn”

  1. Klara Brunner sagt:

    @ carl dal pund

    Das ist – in Bezug auf meine Person – eine glatte Lüge.

  2. Ecclesia sagt:

    @ Carl Dal Pund (17. April 2014 um 15:02)

    “Am 18. Mai: Nein zu Zwangskirchensteuern fuer seelenlose juristische Personen im Kanton Zuerich!”

    Als Verdeutlichung sei folglich erlaubt:

    JA stimmen zur Initiative für die Abschaffung der Kirchensteuer für juristische Personen!

  3. um musad sagt:

    @ Hypatia 

    Ich bin mit Olive einig und habe dies auch bejaht, dass die Angelegenheit eine 
    Glaubenssache ist !

    Lesen Sie einwenig im Link der Albert Baer hineingestellt hat, dort  erfährt man, dass auch viele Wissenschaflter von Dingen überzeugt sind, die aber nicht beweisen können .

    Ich bin keine Wissenschaftlern, einfach ein 0815 Mensch. Trotzdem denke
     ich das Recht zu haben meine persönliche Erkenntnisse zu haben mit all meinen Überlegungen ,Eindrücke, Erfahrungen  ect. und schlussendlich von etwas überzeugt zu sein.

    Natürlich können wir  sagen, es ist uns nicht möglich Gott zu erfassen, aber ist das ein Grund,dass es darum Gott nicht gibt ? Und ein Gott den wir nicht erfassen können, kann unmöglich ewig sein ? 

    Für mich ist es logischer,dass es einen Gott gibt, als dass es keinen Gott gibt.
    Ich brauche aber keinen Wunschgott wie ihn Hugo Stamm beschreibt.  

    noch zu : 
    Erkenntnis lässt sich nicht erzwingen.

    Richtig lesen bitte. Ich habe geschrieben :
    “N u r wenn ich jetzt gezwungen würde mich zu entscheiden” … Nichts von Erkenntnis erzwingen. 

    U.M.

  4. Carl Dal Pund sagt:

    @Ecclesia (17. April 2014 um 18:21):

    Danke fuer die wichtige Ergaenzung:

    JA zur Initiative fuer die Abschaffung!

  5. sollte man wissen sagt:

    h ttp://de.wikipedia.org/wiki/Akademie_f%C3%BCr_Psychotherapie_und_Seelsorge

    auch um den Schwerpunkt Wohlstandstheologie

  6. olive sagt:

    @ Carl Dal Pund
    17. April 2014 um 14:34

    Nicht ich, sondern Ihre Gesinnungsgenossinnen und deren Lila Pudel sind es, die aus Neid und Eifersucht gegen farbige oder auch erwachsene junge Frauen auf dem Sex- und Heiratsmarkt zur Neoapartheid nicht nur hetzen, sondern das Familienleben von Mischehen oder Ehen mit grossen Altersunterschieden mit Komplizenschaft der dazu schweigenden Presse theokratisch, politkriminell und amtsmissbreuchlich sabotieren….

    A Masterpiece of horror and untruth

  7. olive sagt:

    @um musad

    “Natürlich können wir sagen, es gibt keinerlei Beweise, dass es Gott gibt. Aber heisst das, dass es Gott gibt und dass er ewig ist?

    🙂

    Gut, dass du das schauen konntest, hast du eine besondere Vorrichtung?
    Ich habe mal versucht, in France was aus der SF Mediathek zu schauen, da hiess es, das sei nur in der CH möglich.

    LG

  8. olive sagt:

    @Bonanza

    wenn Sie nicht andersen sind, sind Sie Haddy?

  9. andersen sagt:

    Um Musad

    Der Kreux werde ewig leer bleiben-der Mensch hat sich selber nicht erfunden.
    Der Wissenschaft stellt Thesen auf, aber sie gehen nicht auf dem Grund zurück.
    Aber das grösste Geschenk ist doch, dass der Mensch riechen, schmecken, sehen und fühlen kann und auch noch die Vielfalt wahrnehmen kann und ohne dieser Sinnen, würde die Welt der Relativität nicht existieren und das Wundersame ist, dass es kein Ende hat und der Mensch erschafft sich immer neu.
    Darum finde ich, ist nicht so wichtig danach zu trachten und herausfinden, wer-ich-bin, sondern zu entscheiden, wer-ich-sein-möchtest.

  10. andersen sagt:

    Um Musad

    Wer nur im Geist wandern, werde nicht die Lust des Fleisches vollbringen.

  11. Eleni sagt:

    @Olive: wenn Sie nicht andersen sind, sind Sie Haddy?

    Tippe eher auf reanimierte/n Anima.

  12. Eleni sagt:

    @Olive: A Masterpiece of horror and untruth

    Und ein Beweisstück, dass ohne Religion widerliche Dinge wie Frauenfeindlichkeit nicht einfach verschwinden.

  13. olive sagt:

    @Eleni

    hatte Anima auch diese typischen Spracheigenheiten?

    “das Schwerkraft”

    Kann es nicht lassen, zu rätseln
    .-)

  14. andersen sagt:

    Bei die neue intellektuellen Atheisten-Skeptiker, die sowie so der ganzen Tag und Leben verbringt mit die Frage; Was macht er?, was plant er? verbringt, bis der Grass verdorrt ist und die Blume abgefallen ist; glaube ich, das Wort Gottes in Ewigkeit besteht.

    Wünsche alles Gute.

  15. Eleni sagt:

    @Fridolin: Heute ist Karfreitag, und da könnten Sie Ihrer verkommenen Gottlosigkeit ein Denkmal setzen.

    Während die meisten Christen den heutigen Tag in stillem Gedenken begehen, stellt er für Sie einen Anlass dar, sich auf einen Kreuzzug gegen Andersdenkende zu begeben.

  16. Eleni sagt:

    @Olive: hatte Anima auch diese typischen Spracheigenheiten?

    Mag mich nicht daran erinnern, aber andere Gemeinsamkeiten sind mir aufgefallen. Ich halte das fehlerhafte Deutsch in Bonanzas Texten für aufgesetzt. Es scheint geradezu eine Spezialität von Menschen, die sich für besonders geistreich halten, sich über eine konventionelle Schreibweise hinwegzusetzen und anderen mit ihrem verquerem Deutsch auch sprachlich zu beweisen, dass sie sich nicht um den sogenannten Mainstream (den es meiner Ansicht nach in der behaupteten Form gar nicht gibt) scheren.

  17. um musad sagt:

    @ Olive

    Gut, dass du das schauen konntest, hast du eine besondere Vorrichtung?

    Nein, habe ich nicht. Diesmal war mein I pad sogar so freunlich und liess mich den ‘ Club’ über ihn( es?)schauen. Manchmal will er (es?)aber nicht, dann gehe ich halt zum PC rüber.  😉

     “Natürlich können wir sagen, es gibt keinerlei Beweise, dass es Gott gibt. Aber heisst das, dass es Gott gibt und dass er ewig ist?

    So habe ich es aber nicht gesagt 😉

    Ich meine es gibt einige logische ” Beweise” ( Anhaltspunkte  ) ,dass es Gott gibt.Aber auch mit diesen Anhaltspunkten, kann Gott trotzdem nicht komplett  erfassbar sein .  “Dies tut einander nicht weh” .
    Wo sind   die logischen ” Beweise”( Anhaltspunkte ),dass es Gott nicht gibt?

    U.M.

  18. Klara Brunner sagt:

    @ olive

    Ich habe mir die Sendung im Internet angeschaut. Es ist faszinierend wie ambivalent sich die Haltungen der verschiedenen Gesprächsteilnehmer ist. Das schwächste Argument von allen ist für mich die Sinnlichkeit die in der RKK ihren festen Platz hat mit den verschiedenen Ritualen und so. Weil, die bekommt man auch sonst. Allerdings nicht kostenfrei resp. lediglich gegen Kirchensteuern. Grade die Osternachtsfeier z.B ist für mich noch immer ein Erlebnis. Alles ist dunkell und der Priester prozessiert unter dem Singen Lumen Christi und die Teilnehmer antworten ihm. Und dann entzündet er eine Kerze am Osterfeuer im Hof und gibt es an alle Gläubigen weiter. Es ist nicht einfach der symbolische Gehalt der einen tief anrührt es ist das Wissem um das Gewicht “Licht” weiterzugeben.

    Die beiden verheirateten Geistlichen die sagen lasst doch die da oben einfach ihren Kram machen haben irgendwie recht und auch nicht. Wie transportieren wir wichtige Werte ohne die Last der Bigotterie? Ich meine es sei nicht Religion und nicht Glaube sondern das Gewicht des Aberglaubens der fast noch besser überlebt und eben solch katholisch-abergläubige Familien – wie ich sie kenne – eher schadet als nütztt. Und dem abergläubigen Teil sagt man dann nicht Esotherik weil man ihn seit Generationen mit Kirche verquickt hat.

    Mag sein es gebe Gläubige die sich davon befreit haben und wirklich Mensch sein können, selbstverständlich ist das keineswegs.

  19. olive sagt:

    @um musad

    nein nein, nicht du hast das so gesagt, sondern ich habe es so zurechtgebüschelt
    🙂

    Ich meine es gibt einige logische ” Beweise” ( Anhaltspunkte ) ,dass es Gott gibt.Aber auch mit diesen Anhaltspunkten, kann Gott trotzdem nicht komplett erfassbar sein . ”Dies tut einander nicht weh” .

    Das ist für mich beim Menschen implementiert, da es sogar bei Tieren so ist.

    Sie schonen einander instinktiv, wenn es ihnen oder ihrer Art nützt und ich bin sicher, dass sie sich gut dabei fühlen, wenn sie so agieren

    “Tut einander nicht weh”
    auszusprechen ist eine menschliche Idee, die helfen soll, die “bösen” egoistischen anteile, die wir als Säugetiere auch haben, zurück zu dämmen.

  20. olive sagt:

    @Fridolin

    naja, über meine Taten wissen Sie nichts, ansonsten:

    merci pareillement

  21. um musad sagt:

    @ Olive

    “Tut einander nicht weh”
    auszusprechen ist eine menschliche Idee, die helfen soll, die “bösen” egoistischen anteile, die wir als Säugetiere auch haben, zurück zu dämmen.

    Danke für die Aufklärung . In dem Fall habe ich mich mit der Redewendung vergriffen. Ich wollte einfach sagen, das eine schliesst das andere nicht aus.

    U.M. 

  22. olive sagt:

    Liebe um musad

    ich wollte dich beileibe nicht aufklären, hätte sagen sollen:
    so sehe ich das.

  23. Ecclesia sagt:

    @ andersen (18. April 2014 um 10:44):

    “… bis der Grass verdorrt ist und die Blume abgefallen ist; glaube ich, das Wort Gottes in Ewigkeit besteht.”

    Habe gestern abend lange über 1 Petr 1,24 nachgedacht:

    “Denn alles Fleisch ist wie Gras und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt und die Blume abgefallen.”

    Schön, dass Sie diese Stelle heute vormittag zitieren. Vgl. auch Brahms, Ein deutsches Requiem, op. 45.

  24. Ecclesia sagt:

    @ Klara Brunner (18. April 2014 um 11:30):

    “Grade die Osternachtsfeier z.B ist für mich noch immer ein Erlebnis. Alles ist dunkell und der Priester prozessiert unter dem Singen Lumen Christi und die Teilnehmer antworten ihm. Und dann entzündet er eine Kerze am Osterfeuer im Hof und gibt es an alle Gläubigen weiter.”

    ZUERST wird die Osterkerze am Osterfeuer entzündet. DANN zieht der Priester mit der brennenden Osterkerze in die dunkle Kirche ein und singt das Lumen Christi.