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Wie kann Gott so viel Leid zulassen?

Hugo Stamm am Dienstag den 19. November 2013
Nur wer glaubt wird selig? Ein Mann während seinen Gebeten. (Foto: Edgar Su/Reuters)

Nur wer glaubt wird selig? Ein Mann während seinen Gebeten. (Foto: Edgar Su/Reuters)

Kürzlich diskutierte Moderator Wieland Backes mit seinen Gästen im «Nachtcafé» (SWR) über den Sinn des Glaubens. Der Titel des Gesprächs lautete: «Nur wer glaubt wird selig?» Gläubige, Skeptiker und Atheisten kämpften um die besten Argumente. Friedhelm Hofmann, Bischof des Bistums Würzburg, versuchte das Publikum zu überzeugen, dass die Menschen auch in der heutigen Zeit noch Heimat und Sinnstiftung im Glauben suchen und finden. «Glauben zu können, ist ein Geschenk. Wenn der Glaube in der Welt fehlen würde, würde sich die Gesellschaft in einen Moloch verwandeln», glaubt der Bischof.

Wie fast immer, wenn Gläubige und Nichtgläubige verbal streiten, tauchte mehrmals die Frage der Theodizee auf. Und wie meistens gerieten die Gläubigen, diesmal vor allem Bischof Hofmann, in die Zwickmühle, wenn sie mit unbequemen Fragen konfrontiert wurden: Wie lässt sich das Leid auf der Welt angesichts eines liebenden Gottes erklären? Wie kann es der Barmherzige zulassen, dass Kinder an Krebs sterben, Frauen in Kriegen massenweise vergewaltigt werden, Zivilisten massakriert, Pilgerbusse verunfallen usw. Das Gegenargument von Bischof Hofmann: Gott hat dem Menschen den freien Willen gegeben. Er bemühte somit die Standardantwort aller Gläubiger, die das Elend aus religiöser Sicht nur schwer erklären können.

Damit bewegte sich der Bischof auf dünnem Eis, denn diese Standardverteidigung ist in sich falsch. Das Leid in der Welt wird nicht – oder nur in seltenen Fällen – durch den freien Willen von Menschen ausgelöst. Wer Leid erfährt, ist meistens Opfer von «höheren Umständen». Wenn jemand an Krebs erkrankt, hat es nichts mit dem freien Willen zu tun. Der Kranke hat sich die Krankheit sicherlich nicht mit seinem freiem Willen herbeigewünscht. Man kann einwenden, dass der Raucher damit rechnen muss, an Lungenkrebs zu erkranken. Es gibt aber Menschen, die ein Leben lang rauchen, ohne zu erkranken.

Oder: Wenn eine Frau ihren Lebenspartner oder ein Kind auf irgend eine Weise verliert, hat dies sicher nichts mit ihrem freien Willen der Frau zu tun. Das Argument sticht nicht einmal bei einem Unfall oder Gewaltverbrechen: Gläubige können argumentieren, wer auf einem Fussgängerstreifen von einem Raser umgefahren wurde, ist Opfer eines Menschen, der den freien Willen hatte zu rasen. Nur: Mit dem freien Willen des Opfers hat es nichts zu tun. Vielmehr erfährt das Opfer mehr Leid als der Täter. Aus ethisch-moralischer Sicht und auch aus religiöser Perspektive ist das Argument mit dem freien Willen widersprüchlich. In manchen Fällen ist es sogar scheinheilig, oder gar zynisch, weil es die Opfer beleidigt.

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558 Kommentare zu “Wie kann Gott so viel Leid zulassen?”

  1. Lisa sagt:

    @ hm

    Aus einer Buchbeschreibung bei Amazon:

    Diese Menschenaffen betreiben Sex in einer einzigartigen Vielfalt von Positionen und in jeder Partnerkombination.

    Und dies sozusagen ständig.

  2. Lisa sagt:

    @ hm

    Der Titel und der Autor;

    Bonobos – Die zärtlichen Menschenaffen von Frans de Waal

  3. Lisa sagt:

    @ hm

    Das Buch handelt ausschliesslich von den Bonobos.

  4. gabi sagt:

    Wie die Tiere!

    😉

    Das letzte (erste? einzige?) Mal als ich die Polizei rief, kam´s nicht so gut.

    Ein Freund von mir machte ein kleines Festlein für die Kinder, die er als Trainer unseres Sportclubs betreute. Waren alle im Primaralter oder knapp drüber.
    Als es schliesslich dämmerte, sind die Kinder langsam heim. Einige wurden geholt, aber ein Grossteil wusste, wie sie zu Fuss, per Tram oder Buss nach Hause kommen würden.
    Einer der Jungs kam aber wieder hoch und berichtete, dass da an der Ecke ein Mann stehen würde und sie zu überzeugen versuchte, er würde sie heim bringen; sie sollten mit ihm mit gehen.
    Ich ging runter, um ihn zu stellen, gleichzeitig wurde die Polizei verständigt.
    Der war da wirklich und faselte was von die die Kinder schützen wollen und er könne hier tun und lassen was er wolle und überhaupt. Er machte auch keine Anstalten, sich vor mir zu verkrümeln, sondern wollte da stehen bleiben. Mir auch recht, denn ich dachte, die Streife müsse bald auftauchen.
    War aber leider in Zeiten vor GPS (oder warum auch immer) und ein Polizeiauto war mehrere Hundert Meter entfernt aus zu machen. Das sah allerdings auch unser Kindernachhausebringenwoller und wurde nun doch schnell unruhig und begann zu türmen. Da ich froh gewesen wäre, wenn die Polizei zumindest seine Daten mal angeguckt hätte, wollte ich auf mich aufmerksam machen… Denn die fuhren weit die Strasse hoch in Schritttempo rum und schienen am völlig falschen Ort Ausschau zu halten.
    Also rannte ich nicht dem Typen nach, sondern tratt auf die Strasse Ruderte mit den Armen und Pfiff schrill durch zwei Finger.
    Reagierten aber nicht drauf, die Deppen. Also rannte ich los in ihre Richtung. Als ich endlich bei Ihnen war, erklärte ich, dass wir sie gerufen hätten und dass es weiter unten sei und dass der Typ nun… Interessierte die aber nicht: “Nach uns kann man nicht einfach pfeiffen!”, wollten die nur diskutieren. Der Zwielichte verschwand unterdessen; die Polizei machte mir Ärger. Weil ich mich per Pfiff bemerkbar machen wollte.
    Hat mein Vertrauen in die CH-Polizei, und deren Kometenz unvorhergesehenen Situationen meistern zu können, damals nicht eben bestärkt.

  5. Lisa sagt:

    @ gabi

    Offenbar kommts drauf an in welchem Kanton man lebt. Je grösser und das Strassennetz verquickter desto unübersichtlicher. Da habe ich persönlich den Eindtuck es komme da tatsächlich drauf an wo konkret man lebe, leider. Dann gibt es da noch zumindest einen Kanton etwa in der Mitte der Schweiz wo ein deutlich rechts-rechts-lastiger Einschlag auch in der Polizei vorhanden ist. Da war mal jemand, der glaubte er könne – da unbeobachtet – fast alles sagen, was er wolle. Zudem hat er mich mit jemandem verwechselt. Zum Abschied meinte er, dass was er tue und sage keine Rolle spiele “Du läbsch ja sowieso uf de Soziale”. Ich habe an jenem Abend die definitive Veranlagung der Steuern erhalten und bin mit der Frage vorstellig – am richtigen Ort, die Polizei schützt ihre Mannen auch wenn sie ausfällig sind – ab welcher Höhe man Anspruch auf anständige Behandlung durch den Personenschutz, sprich Polizei, habe. Gemäss jenen Erfahrungen sind bei jener Polizei durchaus Schweizer Demokraten und noch weiter rechtsorientierte und organisierte Leute dabei die m.E. deswegen nicht hätten ausgebildet werden dürfen resp. denen man – von Vorgesetztenseite – klar machen müsste, dass ihre parteiliche Orientierung in ihren beruflichen Aktivitäten nichts zu suchen hätten. Kann ja sein, dass der Beruf Motivation zu so einem Parteibetritt war und dann stehen da für mich dutzende von Fragezeichen. Item, bin eine graue Maus und das hat genügt, mich als asozial einzustufen, man stelle sich das vor. Aber wie gesagt, ich habe mich entsprechend und an richtiger Stelle empört und erschüttert entrüstet.

    Es gibt andernorts Polizei, die im Ernstfall einfach kommt wenn man sie ruft und dann gute Arbeit leistet. Aber eben in den langsamen, etwa in der Mitte der Schweiz liegenden, und in den eher urtümlichen Kantonen – wo der abergläubische Katholizismus blüht, urtümlich eben – scheint der Rechtsdrall irgendwie toleriert und Menschen die in Jeans und Regenjacke und ohne Make up rumlaufen sind à priori verdächtig.

    Mit Jürg Jegge: S’chunt halt druf aa um was s’grad gaaht.

  6. heidi reiff sagt:

    @ lisa

    ich habe das Buch von Jürg Jegge gelesen – Dummheit ist lernbar – 🙂 äusserst aufschlussreich …

  7. gabi sagt:

    Ich bin alles andere als ein Polizistenhasser. Die sind extrem wichtig und nötig. Und in all der Dümme, mit der ich sie in ca. drei Mal in meinen Leben in seltsamen Situationen habe handeln sehen, muss ich stehst anerkennen: korrupt waren sie nicht. Nur vollkommen unfähig, der Situation angemessen zu reagieren und schlicht unfähig, sich als Person mal raus zu denken und sich auf ihre Funktion zu konzentrieren.

    …Aber eben: Wer will den Job schon machen?

    Und es ist zu hoffen, dass es heute etwas besser ist denn das ist ja alles über 20 Jahre her – und in der Nordwestschweiz. 😉

  8. gabi sagt:

    Hihi… “Dummheit ist lernbar”? Als Buch?

    Klingt für mich wie der Polizistenjoke mit dem “Buch der Logik”; falls sie den kennen.

    Ich denk – im Ernst – angesichts von Hypatias extrem seltsamen Kausalitäts-, Ausschluss- und Logikherleitungen seit Tagen schon ständig an diesen blöden Witz.